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RAD im Pott Frühjahr 2009 Oberhausen

Umbau der Essener Straße benachteiligt Fußgänger und Radfahrer eklatant

Ist die fahrradfreundliche Stadt Oberhausen Vergangenheit?

Die Fehler beim Umbau der Essener Straße zwischen Alte Walz und Konrad-Adenauer-Allee lassen sich nicht nur als ein bedauerliches Planungsmissgeschick deuten. Was ist geschehen? Das CentrO trat im vergangenen Jahr mit der Bitte an die Stadtverwaltung heran, den Verkehrsfluss rund um das Einkaufszentrum zu beschleunigen. Es legte entsprechende Planungsentwürfe vor und bot der Stadtführung an, sämtliche Kosten (ca. 10 Mio. Euro) der Umbaumaßnahme selbst zu tragen.

Die Umbaupläne wurden von einem privaten Planungsbüro erstellt, das ebenfalls vom CentrO bezahlt wurde. Die Zielsetzung war einzig die Beschleunigung des Autoverkehrs und zwar ohne jede Rücksicht auf alle anderen Verkehrsteilnehmer. Es wurden zusätzliche Fahrspuren
Foto der Straße mit Bürgersteig, aber ohne Radweg
Nach dem Umbau: 2 PKW-Spuren mehr, die Radwege sind verschwunden
angelegt, so das eine Verkehrsschneise von über 25 Meter Breite entstand. Man holte sich den Verkehrsraum auf Kosten von Fußgängern und Radfahrern.

Die jahrelange mühsame Überzeugungsarbeit des ADFC bei Kommunalpolitikern und Verwaltungsbeamten bezüglich der Radverkehrsführung hat sich bei vielen Baumaßnahmen in Oberhausen positiv bemerkbar gemacht und der Stadt einen vorzüglichen Ruf als besonders fahrradfreundlich eingebracht.

In den Plänen des privaten vom CentrO bezahlten Ingenieurbüros wird die Partnerschaft zwischen Autofahren, Radfahrern und Fußgängern beendet. Fußgänger und Radfahrer sind wieder zu lästigen Verkehrsteilnehmern mutiert, denen man tatsächlich noch etwas Straßenraum zugestehen muss. Ungesehen oder unwidersprochen nickten die zuständigen Verwaltungsstellen die privaten Pläne mit folgendem Ergebnis ab:

Nördliche Seite des Umbauabschnittes: Früher gab es hier einen Bordsteinradweg mit einer Breite von 1,50 Metern, daneben war mit 2 bis 2,5 Metern genügend Platz für Fußgänger. Nach dem Umbau ist ein Verkehrsraum von 2,20 für Fußgänger und Radfahrer verblieben, rechnet man den Bordstein hinzu, sind es 2,35 Meter. Mehrere Lichtmasten verengen den Weg zusätzlich.

Südliche Seite des Umbauabschnittes (Werksgasthaus): Den Kreuzungsbereich zur Mülheimer Str. ausgenommen existierte hier vor dem Umbau ebenfalls ein Bordsteinradweg neben dem Fußweg mit wechselnder, aber ausreichender Breite.

Nach dem Umbau stehen für Fußgänger und Radfahrer in Höhe der (denkmalgeschützten) Mauer 2,60 Meter Wegbreite zur Verfügung, in Richtung der Straßeneinmündung Im Lipperfeld verjüngt sich der vorhandene Platz auf nur noch 2 Meter (2,15 Meter mit Bordstein). Zusätzlich verringern Lichtmasten hier die nutzbare Breite auf unter 2 Meter.

Beide Seiten sind als gemeinsamer Geh- und Radweg ausgeschildert worden. Damit verstößt die Stadtverwaltung ganz eindeutig gegen geltendes Recht, denn die Straßenverkehrsordnung besagt, dass bei dieser Ausschilderung eine Mindestbreite von 2,50 Meter vorhanden sein muss.

Der ADFC bat den Planungsdezernten Peter Klunk schriftlich um eine Stellungnahme. In der Antwort ließ er mitteilen, dass die gefundene Lösung einen Kompromiss darstellt, bei der nicht alle Bedürfnisse gleichermaßen befriedigt werden können. Bei der Ausschilderung orientiere sich die Stadt lediglich an den aktuellen Richtlinien und Vorschriften. Trotzdem betont sie, dass sie
Foto eines Ampelmastes mitten auf dem Rad-/Gehweg
Super Leistung der Stadtverwaltung: Signalmast mitten auf dem Radweg
selbstverständlich auch zukünftig interessiert sei, mit dem ADFC kooperativ zusammenzuarbeiten und lädt ihn ein, bei den Plänen zum Umbau mit zu diskutieren.

Der missratene Straßenumbau hat auch eine politische Dimension. Eine von der Finanznot gezeichnete Stadt kann einen Straßenumbau selbst nicht finanzieren und lässt sich den Umbau von einem Unternehmen "schenken". Das Unternehmen diktiert als Geldgeber die Inhalte des Umbaus und orientiert sich allein an seinen Gewinnzielen. Am Allgemeinwohl orientierte Standards, auf die der wählende Bürger die Politiker festgelegt hat, werden ausgeschaltet. Der Anspruch auf selbstbestimmtes Handeln einer Kommune wird hier aufgegeben; wie in der Zeit der Krupps und Thyssens bestimmen wieder Großunternehmen, was wo in der Stadt wie gemacht wird. Ein solcher Vorgang darf nicht Schule machen.



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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Frühjahr 2009.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de