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| RAD im Pott Frühjahr 2009 | Im Pott |
Zwar ist die französische Hauptstadt bei weitem nicht die erste oder einzige Stadt mit einem funktionierenden Leihfahrradsystem, jedoch ist sie Schauplatz eines besonders unerwarteten und erstaunlichen Erfolgs. Ausgerechnet in der Stadt, in der Fahrradfahrer sonst eher als lebensmüde belächelt wurden, löste die Einführung des Vélib einen regelrechten Boom aus.
Gleich in den ersten 24 Stunden wurden die Mieträder über 50 000 Mal entliehen, und knapp ein halbes Jahr später überschritt diese Zahl schon die vier Millionen.
Mittlerweile gibt es in Paris über zwanzigtausend Leihräder an knapp 1500 Ausleihstationen. Damit ist Paris zur Welthauptstadt des Fahrradverleihs aufgestiegen. Die Mietfahrräder halfen mit, die Mobilitätsstruktur der Pariser grundlegend zu verändern.
Doch weshalb trägt sich eine solche Fahrradrevolution ausgerechnet in Frankreich zu, das sonst, abgesehen vom Radsport, nicht gerade wegen seiner Liebe zum Fahrrad bekannt ist?
Das Erfolgsrezept hierfür sind flächendeckende Verfügbarkeit (eine Station findet man ungefähr alle 300 Meter), günstige Kurzzeit-Mietraten (die erste halbe Stunde ist umsonst, jede weitere halbe Stunde kostet 1, 2 und 4 Euro) und ein einfacher und schneller Ausleihvorgang. Die Fahrräder ergänzen so auf den Kurzstrecken den öffentlichen Nahverkehr, dessen Attraktivität durch die gewonnene Unabhängigkeit und Flexibilität noch gesteigert wird.
Zweitens treffen die Mieträder den Nerv der Zeit; sie sprechen genau die städtischen Individualisten an, die durch die Diskussion um die globale Erderwärmung ihr ökologisches Gewissen entdeckt haben.
Dieser Erfolg motiviert zur Nachahmung: Jetzt
wollen London, Dublin und Genf nachziehen, auch Chicago und Sydney sind
interessiert. Der Trend zum Mietfahrrad bedeutet für Mensch und Umwelt
nicht nur weniger Stau, Lärm und Abgase, sondern birgt auch erhebliche
CO2-Einsparungspotentiale, gerade im Ruhrgebiet ein wichtiges Argument
für ein derartiges Angebot.
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