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RAD im Pott Sommer 2008 Duisburg

Sauerlandtour durch Duisburg

Zum vierten Mal radelte Duisburgs erster Bürger und Verwaltungschef Adolf Sauerland mit dem ADFC durch Duisburg. Diesmal ging es von Neudorf quer durch die Innenstadt bis an den Rhein in Hochfeld. Über die historische Eisenbahnbrücke wagte man sich vor ins "Feindesland", um Rheinhausen zu erkunden.

Doch der Empfang war freundlich. ADFC Vorstandssprecher Herbert Für­ mann hieß die Gruppe am Brückenkopf willkommen und bot sicheres Geleit an. Als gebürtiger Homberger verfügt er über beste Ortskenntnisse, sodass die Stärken und Schwächen des Radfahrens in Rheinhausen leicht zu finden waren.

Erster Kritikpunkt war die Eisenbahnbrücke selbst. Seit ihrem Bau vor hundert Jahren wird der Fußweg hauptsächlich von Radlern benutzt, aber offiziell ist dies nicht erlaubt. Die denkbare Alternative "Brücke der Solidarität" ist unbeliebt, zumal die Situation durch den neuen Kreis­
Foto der Radtour
verkehr an der Moerser Straße weiter verschlechtert wurde. Das Problem der Brücke ist das um wenige Zentimeter zu niedrige Geländer. Es müsste erhöht werden, was die Stadt jedoch nicht finanzieren kann. Man muss einen Sponsor finden, der die 500 Meter Stahl spendet. OB Sauerland hat seine Sympathie und Unterstützung bekundet, beide Rheinseiten besser zu verbinden.

Die gesamte Situation an der im Bau befindlichen Osttangente ist zwischen den Brücken für den Fußgänger und Radler unglücklich gelöst und bedarf der raschen Verbesserung. Das Rheinufer ist nur schlecht zu erreichen, die Wege sind zu schmal und die Unübersichtlichkeit gefährlich. Der ADFC will zusammen mit den zuständigen Stellen eine gute Lösung initiieren.

Erfreuliches gibt es aus dem Rheinhausener Zentrum zu berichten. Hier wurden fast flächendeckend die Einbahnstraßen für den gegenläufigen Radverkehr geöffnet. Der Verwaltung und der Bezirksvertretung (BV) dafür ein herzliches Dankeschön.

Ein heißes Eisen sind die Radfahr- und Angebotsstreifen auf dem Flutweg und auf der Bergheimer Straße. In der BV schlugen die Wellen zur Begheimer Str. hoch. Radfahren auf der Fahrbahn sei unzumutbar, es würden dringend nötige Parkplätze wegfallen. Man solle doch besser den Radverkehr auf dem Hochbord mit den Fußgängern führen. Das dies durch die Wurzeln der alten Bäume unmöglich geworden ist, beeindruckte die erregte Versammlung wenig. Denn eine aufwendige Totalsanierung ist weder finanzierbar noch förderfähig. Auch der behauptete Parkdruck ließ sich bei Besichtigung nicht bestätigen. Fast jedes Haus hat eine Einfahrt mit Garage und Abstellplatz. Und vor allem: Die Sicherheit der Radfahrstreifen ist nachweislich höher als die der veralteten Hochbordradwege. Leider lehnte die Bezirksvertretung ohne ausreichende Würdigung der Fakten die Verwaltungsvorlage für den Radfahrstreifen ab. Die Zeit drängt, denn der Kanalbau schreitet voran. Auf der Tour wurde bekannt, dass intensive Gespräche zwischen Verwaltung und BV zu einem Einlenken geführt haben. Der neu gestaltete Flutweg in Rheinhausen beweist in der Praxis, dass Angebots- und Radfahrstreifen auf der Fahrbahn eine gute Sache sind.

Nun ist es an der Zeit, endlich zum Anfang der Tour zu kommen, denn Startpunkt war der ADFC-Infoladen auf der Mülheimer Straße 91. Seit Jahren ist die Situation der Ost-West-Querung Innenstadt ein trauriges Thema. Und die Aufwertung der Königstraße mit schönen Konsum- und Kulturtempeln hat die Situation weiter verschlechtert. Daher fuhr man aus Neudorf direkt Richtung Rathaus über den neu gestalteten Theaterplatz. Doch wie die Strecke derzeit gestaltet ist, wird sie der Radverkehr kaum als schnelle Ost-West-Querung der Innenstadt annehmen. Über die Probleme im einzelnen hat die RIP 3/07 bereits berichtet. Das Thema wurde auch in Presse und TV heftig diskutiert, ohne dass es bisher zu einer befriedigenden Planung kam. Der ADFC wünscht hier eine Radfahrstraße mit Tempo 30 und nur ganz wenigen Ampeln, um ein zügiges Rollen zu gewährleisten. Jede Ampel, jede gefährliche Situation mit dem Autoverkehr wird die Nutzung durch den Radverkehr vermindern und eine Lösung der Probleme auf der Königstraße verschlechtern. Mutiger Realismus ist das Gebot der Stunde. Die bisherigen Pläne sollen überarbeitet werden und die Interessen des Radverkehrs angemessen berücksichtigen.

Der Grüne Ring City soll Hochfeld umschließen und auf stillgelegten Bahntrassen Innenstadt, Hauptbahnhof, Dellviertel, Wedau, Wanheimerort und den Rheinpark am Kultushafen verbinden. Ein allseits gelobtes Projekt, das bedauerlicherweise nur mühsam voran kommt. Teilstücke im Dellviertel und in Hochfeld sind im Besitz der Stadt und könnten be­ reits ausgebaut werden. Von größter Bedeutung für Nutzung ist die Brücke über die viel befahrene Heerstraße am Brückenplatz. Sie sollte für den Rad- und Fußverkehr hergerichtet werden, damit die ersten 1,2 km "Grüner Ring City" der Öffentlichkeit übergeben werden können.

Die Tour machte den Teilnehmern deutlich, wie dringend Duisburg ein Radverkehrskonzept für die Innenstadt benötigt. Stadtdirektor Dr. Peter Greulich ließ sich von den Argumenten des ADFC überzeugen und so wurde die Erarbeitung eines Radverkehrskonzeptes Innenstadt in den Luftreinhalteplan aufgenommen und ist inzwischen vom Rat beschlossen. Sehr erfreulich!

Am Bahnhof Rheinhausen wurden die neuen Bike-Boxen getestet, die ein sicheres Abstellen der Räder am Bahnhof gewährleisten sollen. Chick sehen sie aus, in dezentem hellblau und knuddelig gerundet. Gut gelungen sind auch die überdachten Radabstellplätze direkt daneben.

Und so hätte die Sauerlandtour durch Rheinhausen ein wunderbares Ende nehmen können, wenn auf dem Weg durch die neu gebaute Unterführung zum Bahnsteig nicht die Rampen für die Räder gefehlt hätten... Das hätte nicht passieren dürfen, darin waren sich ADFC und OB Sauerland einig. Aber auch hier wird nachgebessert, damit Duisburg eine "Fahrradfreundliche Stadt" wird, wie es der Rat der Stadt in breitem Konsens der Parteien beschlossen hat.

Trotz knapper Kassen spürt man den Willen zur Veränderung. Der Radverkehr wird zunehmend ernst genommen und erste Auswirkungen werden erfahrbar.

Dieter Depnering


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Sommer 2008.
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