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RAD im Pott Sommer 2008 Im Pott

364 Kilometer neue Radwege auf stillgelegten Bahntrassen

NRW-Programm "Alleenradwege"

Düsseldorf. Anfang Juni stellte NRW-Landesverkehrsminister Oliver Wittke das neue Alleen-Radwegeprogramm vor. Das Handlungsprogramm wurde mit der Bahnflächenentwicklungsgesellschaft (BEG), einer seit 2002 bestehenden gemeinsamen Tochter von Bahn und Land, entwickelt. Bis 2011 sollen 35 Projekte, aufgeteilt in 72 einzelne Bauabschnitte, mit einem Kostenvolumen von 70,6 Mio EUR realisiert werden. Noch in diesem Jahr werden 13 dieser Abschnitte mit einer Gesamtlänge von 56 Kilometern gestartet. Insgesamt entstehen mit dem Alleen-Radwegepro­ gramm 364 Kilometer neue Radwege abseits von Autostraßen. Und da es sich dabei um ehemalige Bahntrassen handelt, verlaufen diese neuen Wege auch weitgehend steigungsarm.

In den RAD im Pott-Städten verläuft leider nur eine dieser neuen Radwegetrassen. Dennoch gibt es im näheren Umkreis diverse interessante Strecken, die durchaus Erwähnung finden sollten:

Leider ist die Rheinische Bahntrasse zwischen Duisburg und Essen nicht in das Programm der Alleenradwege aufgenommen worden.

Die Wuppertaler Nordbahntrasse

Ein Sonderfall in jeder Beziehung ist die Wuppertaler Nordbahn. Schon allein we-gen ihrer exponierten Lage und des maßgeblich durch private Initiative (Wuppertalbewegung e.V.) forcierten Baus ist die Radtrasse eine nähere Betrachtung wert.

Ursprünglich gab es in Wuppertal zwei Bahnstrecken, die das gesamte Stadtgebiet von West nach Ost durchquerten. Die nördliche davon, die "Rheinische Bahn", ist seit etlichen Jahren stillgelegt. Die Trasse selbst ist aber mitsamt ihren z.T. spektakulären Viadukten und Tunneln noch vollständig erhalten. Für das topographisch und auch verkehrsmäßig für Radfahrer sehr ungünstig liegende Stadtgebiet wäre diese Radwegeverbindung die Lösung. Man könnte kreuzungs- und steigungsfrei von Vohwinkel über Elberfeld bis nach Oberbarmen gelangen.

Bereits vor Jahren hat die "Wuppertalbewegung", eine äußerst rührige Bürgerinitiative, damit begonnen, die Werbetrommel für den Bau der Radtrasse zu rühren - und nicht nur das. Bis heute hat man fast 3,9 Mio EUR von privater Seite gesammelt. Mit diesem Betrag soll der von der Stadt Wuppertal für dieses Projekt zu schulternde Eigenanteil getragen werden. Der Löwenanteil der Baukosten wird finanziert aus Fördermitteln des Landes NRW. Von diesen 15,8 Mio EUR stammen allein 7,3 Mio EUR aus einer erfolgreich abgeschlossenen Teilnahme an einem Tourismuswettbewerb des Landes.

Geplant ist übrigens auch eine Anbindung der Nordbahntrasse von Ober­ bar-men aus an den bereits bestehenden Radweg über Sprockhövel nach Hattin-gen (die sogenannten "Kohlenbahn"). Dieses Projekt, welches auch einen längeren Tunnelabschnitt aufweist, ist ebenfalls im "Alleenradwegeprogramm" enthalten. Damit entstünde eine durchgehende Radwegeverbindung durch das Bergische Land von Wuppertal bis ins Ruhrtal - ein bestechender Gedanke! Mehr zu dieser interessanten Radtrasse erfährt man unter [1]www.wuppertalbewegung.de.

Wer generell mehr über Radwege auf ehemaligen Bahntrassen wissen möchte, sollte einmal im Internet unter [2]www.bahn trassenradeln.de schauen. Hier hat sich jemand die Mühe gemacht, nahezu alle entspre­ chenden Wege, die es im Bundesgebiet gibt, aufzuführen und zu beschreiben.

Jörg Brinkmann

Bahntrassenradeln

Das Ruhrgebiet ist voll von stillgelegten Bahntrassen. Und es werden immer mehr, da die Deutsche Bahn und die Industrie weitere Strecken stilllegen.

Das Land NRW versucht, diese intakte Infrastruktur einer neuen, sinnvollen Nutzung zuzuführen, statt sie zu zerschlagen. Dabei wird insbesondere die Umwandlung in Rad- und Wanderwege angestrebt.

Auch im westlichen Ruhrgebiet warten noch zahlreiche Trassen auf diese neue Nutzung. Drei wichtige Beispiele: Die Trasse der "Rheinischen Bahn" verbindet den "Rheinpark" am Kultushafen mit der Wasserwelt Wedau und führt weiter über den Duisburg-Mülheimer Wald nach Mülheim und Essen. Die "Bergisch-Märkische-Hochfeldbahn" verbindet den Duis­ burger Hauptbahnhof durchs Dellviertel mit dem "Bürgerpark" im Westen Hochfelds und den Außenhafen. Quer durch Meiderich ließe sich der Rhein-Herne-Kanal mit dem Rhein verbinden.

Wie erfolgreich diese Art der Nutzung ist, beweist die HOAG-Trasse im Duisburger und Oberhausener Norden, die den Hafen Walsum über Wehofen und Holten mit Sterkrade verbindet und nahtlos in den "Grünen Pfad" übergeht. Gut ein Jahr nach ihrer Eröffnung fällt die Bilanz der 14 km langen Strecke rundum gut aus. Egal ob Sommer oder Winter, der Zuspruch durch die Bürger ist enorm. Tausende nutzen sie täglich. Die Anrainer gehen dort spazieren, man joggt oder fährt Rad. Andere kommen von weiter her um das besondere Erlebnis zu genießen, kreuzungsfrei, ohne Autoverkehr durchgängig Radeln zu können. Das entscheidende Plus für Komfort und Sicherheit: man hat die Brücken über die Straßen erhalten. Dem RVR als Bauherren kann man zu dieser Maßnahme nur gratulieren. Herzlichen Dank, liebe RVRler!!

Doch, eine kleine Bitte gibt es noch. Die Drängelgitter an einigen Ein- und Ausfahrten sind viel zu eng aufgestellt. Räder mit Kinderanhänger, Tandems, Behinderten- oder Liegeräder passen nicht durch. Diese Probleme ließen sich im Sinne der Menschen leicht lösen.

Rheinische Bahntrasse

Zwar konnten nach Auskunft des Regionalverbandes Ruhr (RVR) die Verkaufsverhandlungen mit der Deutschen Bahn zumindest für das Essener Stadtgebiet erfolgreich abgeschlossen werden. Jetzt hofft der RVR auf die rechtzeitige Bewilligung von Fördergeldern des Landes, um wenigstens die 4,3 Kilometer lange Strecke in Essen bis zum Kulturhauptstadtjahr 2010 fertigstellen zu können.

17,2 Mio EUR soll der erste Bauabschnitt des von der Segerothstraße im Essener Universitätsviertel bis zum Kaldenhovenbaum am Terrassenfriedhof in Essen-Schönebeck führenden Radwegs kosten, davon allein 950.000 EUR für den Erwerb der Trasse. Dabei wird sogar eine sogenannte Einstreu-Asphaltdecke verwendet, die beim Bau zwar etwas teurer ist, im Unterhalt dagegen erheblich weniger Kosten verursacht als die bislang gebräuchlichen wassergebundenen Wegedecken aus einem Dolomitsandgemisch.

Leider wird dieser erste Bauabschnitt noch vor dem großen Bahndamm der Hauptbahnstrecke zwischen Essen und Mülheim enden, so dass es zunächst keine direkte Verbindung zum Gruga-Radweg geben wird. Die Radler müssen sich also nach wie vor durch die engen und wegen ihrer Unübersichtlichkeit gefährlichen Unterführungen der Heissener Straße bzw. der Reuterstraße zwängen.

Für das Mülheimer und Duisburger Gebiet gibt es berechtigte Hoffnungen auf eine Umsetzung in naher Zukunft. Die Stadtverwaltungen unterstützen den RVR bei der zügigen Umsetzung.

J.B./DD


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Sommer 2008.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de