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RAD im Pott Herbst 2008 Duisburg

Fahrradampeln für Linksabbieger

Teurer Luxus oder Sicherheitsgewinn?

Radfahren soll in Duisburg komfortabler und sicherer werden. Das lässt sich die Stadt durchaus etwas kosten. Der neuste Clou: extra Radampeln im Miniformat, die in Augenhöhe angebracht werden. Sie signalisieren an schwierigen Stellen, wann man nach links abbiegen darf.

Die Planer sind von der neuen Technik angetan und feiern es als innovatives Element. Die offizielle Bezeichnung lautet "geführter Linksabbieger".

Die ersten Exemplare sind in der Innenstadt an der Kreuzung Köhnenstr., Landgerichtsstr., Pulverweg angebracht. Auch in Rheinhausen auf der Friedrich-Ebert-Straße wird der Linksabbieger in die Krefelder Straße mittels Miniampeln geleitet, weitere sollen folgen.

Die Idee des sicheren Abbiegens ist gut, aber wie sind die Erfahrungen im Alltag? Halten die Miniampeln in der Praxis, was sie in der Theorie versprechen? Auf einer Tour des ADFC mit Bezirksvertretern und Verwaltungsspitze in Rheinhausen sammelte man erste Eindrücke.

Um es direkt zu sagen, die anfängliche Begeisterung legte sich rasch, denn die Lösung gaukelt eine Sicherheit vor, die sich schnell als trügerisch heraus stellte. Die Ampeln sind klein und auf eine Ent­ fernung von 10 Metern ist der winzige Linksabbiegepfeil nicht zu erkennen. Er verschmilzt optisch mit dem Radsymbol zu einer grünen oder roten Fläche. Und das ist sehr gefährlich, denn wenn dem Radler "Grün" signalisiert wird, hat auch der Querverkehr "Grün" und man fährt mit dem Rad mitten in die querenden Autos. Bestenfalls führt das zu quietschenden Reifen und hupenden Autos, schlimmstenfalls zu schweren Unfällen.

Die ungewohnte Aufstellfläche direkt vor den wartenden Autos des Querverkehrs führt zu Irritationen bei allen Beteiligten. Als Radler fühlt man sich unsicher, die Autofahrer sind genervt, ob dieses "exotischen" Wartens der Radler mitten auf der Fahrbahn. Objektiv gefährlich wird es aber dann, wenn eine Gruppe von Radlern auf der Fahrbahn warten muss, denn dann ist schnell die Fahrbahn blockiert. Nach links abbiegender Gegenverkehr kommt nicht vorbei und droht in die wartenden Radler zu fahren. Für Radlergruppen, wie der ADFC sie oft führt, ist die Lösung also ungeeignet. Das gleiche gilt, wenn eine Gruppe Schüler zu Schulbeginn oder zu Schulschluss an der Ampel warten muss. Daher waren sich ADFC, Bezirksvertreter und -verwaltung einig: Die Lösung -- auch mit besten Absichten installiert -- besteht den Praxistest in Duisburg nicht und muss ab bzw. umgebaut werden. Die eigentlich sinnvolle Idee führt hier im Detail zu einer Verschlechterung und ist teilweise schlicht gefährlich.

DD


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2008.
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