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RAD im Pott Herbst 2008 Duisburg

"Wunderschön doch funktionale Mängel"

Der neue Rheinpark

Noch ist er nicht ganz fertig, aber schon jetzt wurde er teilweise geöffnet. Erste Eindrücke zum 35 Millionen Euro Projekt:

Die Jugend hat den Park bereits für sich entdeckt; Skateboarder, BMX-Radfahrer und Inline-Skater nutzen intensiv die Fläche im Park. Auch die ersten Spaziergänger erkunden das ehemalige Werksgelände am Hochfelder Rheinufer.

Das Gelände ist ungewöhnlich gestaltet, denn die Wiesen sind oft als schiefe Ebenen angelegt, darin eingeschnitten führen Wege durch den Park. Fast überall herrscht strenge Geometrie, auch die Bäume stehen in Reih und Glied.

Weit sichtbar erheben sich die rauen Betonwände des ehemaligen Möllerbunkers aus den geometrischen Flächen. Sie sind zu Kletterwänden umgestaltet. Um sie herum befinden sich Spielplätze, ein Streetballfeld und Anlagen für Skateboarder. Den Jugendlichen gefällt "ihr" Bereich, das zeigt der große Andrang. Man muss Schlange stehen bis man an der Reihe ist.

Geht man eine der schiefen Ebenen hinauf, so ändert sich die Aussicht schlagartig. Oben angekommen wird der Blick auf den Rhein frei. Die
Foto der Skater-Anlage im Rheinpark
Sonne lacht über Rheinhausen, davor ziehen die Schiffe gemächlich ihre Bahn. Langsam senkt sich die Sonne und taucht den Park in ein goldenes Licht. Der Himmel wird rot. Duisburg, die "Stadt am Rhein", endlich wird das schöne Wort wahr. Hier im Rheinpark erlebt man hautnah, wie schön der Fluss ist. Man kann die Seele baumeln lassen, um neue Kraft zu tanken oder einfach schauen und träumen.

Als die Sonne den Horizont erreicht, wird es merklich kühl. Zeit zum Aufbruch. Ein Besucherstrom verlässt in Gruppen den Park. Der Alltag kommt zurück, denn die Wege sind viel zu schmal. Vier Personen können kaum nebeneinander gehen. Der gepflasterte Teil ist gerade mal 1,1 Meter breit. Die Skater kommen nicht vorbei. Radfahrer benutzen die Klingel und nerven die Fußgänger. Wie soll das erst im Sommer werden? Diese Konflikte sind hausgemacht. Und die Planer wussten schon seit über einem Jahr von diesen Problemen, denn Vertreter des ADFC hatten in Gesprächen mit Stadtverwaltung, der Entwicklungsgesellschaft Duisburg und dem verantwortlichen Berliner Planungsbüro auf die Mängel hingewiesen. Aus Sicht der Radfahrer ist auch die Gestaltung der Treppenanlagen fehlerhaft. Rampen zum Schieben des Rades gibt es nicht. Das ist besonders zur wichtigen Eisenbahnbrücke nach Rheinhausen ärgerlich. Die Treppenanlagen sind mit 1,2 Meter Breite viel zu schmal. Wenn sich die Bürger beim Auf- und Absteigen begegnen, sind sie gezwungen hintereinander zu gehen. Bei den Gesamtkosten von rund 35 Millionen Euro wären breitere Wege und Treppen gut angelegtes Geld. Die Zusatzkosten sind minimal und liegen im Promillebereich. Also liebe Verantwortliche: schnell nachbessern, damit dieses wunderschöne Projekt nicht durch funktionale Mängel viel von seiner Praxistauglichkeit einbüßt.

DD


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2008.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de