<< Probleme bei der Rheinischen Bahntrasse zurück zur Jahresübersicht Mit dem Rad zur Arbeit: 147.000 Radfahrer >>


RAD im Pott Herbst 2008 Im Pott

Mit 84 Jahren ist Helmut Stienen täglich mit den Rad unterwegs

Radfahren im Alter

Ans aufhören denkt er nicht. "Solange es die Gesundheit zulässt, fahre ich weiter Rad", betont Helmut Stienen und lächelt. Für "Rad im Pott" sprach Dieter Depnering mit dem rüstigen Radler.

RIP: Helmut, seit wann fährst du Rad?

HS: Ich bin Jahrgang 1924 und habe mit 8 Jahren die ersten Runden mit Vaters Rad gedreht. Das war natürlich viel zu groß und so habe ich im Stehen, schräg unter dem Oberrohr durch gestanden und in die Pedale getreten.

RIP: Warum fährst du so gerne?

H.S: Es hält fit. Als Diabetiker hilft es sehr, den Blutzuckerspiegel zu senken. Erkältungskrankheiten sind kein Thema. Die frische Luft stärkt das Immunsystem. Und vor allem macht es Freude.
Porträt von Helmut Stienen

RIP: Wie oft fährst du?

HS: Jeden Tag. Fast alle Erledigungen mache ich mit dem Rad, sei es zum Einkaufen, zum Arzt, Behördengänge, Freunde und Verwandte besuchen. Meine Frau liegt zurzeit in Rheinhausen im Krankenhaus. Mit dem Bus brauche ich fast 50 Minuten dorthin. Mit dem Rad 18.

RIP: Mit welchem Tempo fährst du?

HS: So 12 bis 15 Stundenkilometer. Das geht noch gut. Touren bis 40 Kilometer am Tag sind drin. Bis 80 Jahre habe ich auch noch problemlos Touren von 80 Kilometern gefahren. Das ist nach einer schweren Operation leider nicht mehr möglich.

RIP: Viele halten Radfahren im Alter gefährlich. Wie siehst du das?

HS: Nein, es nicht gefährlich, solange man keine starken Gleichgewichtsstörungen hat. Man muss halt sein Tempo fahren und keinen falschen Ehrgeiz zeigen.

RIP: Warum fährst du nicht mit dem Auto?

HS: Wozu? Meine Frau und ich können doch alles mit dem Rad erledigen. Ansonsten nehmen wir den Bus oder die Bahn. Ein Auto habe ich mein ganzes Leben nicht gebraucht.

RIP: Radfahren ist in Duisburg bei weitem nicht so populär, wie etwa im nahen Holland oder in Münster. Sind die Radwege in Duisburg altengerecht?

HS: Naja, es gibt zu viele Situationen, wo der Radler zugunsten des Autoverkehrs schlechte Lösungen hinnehmen muss. Besonders der sogenannte "freie Rechtsabbieger" ist gefährlich. Da wird oft gerast und keine Rücksicht auf den Radverkehr genommen. Problematisch ist auch die Baustellenabsicherung. Den meisten Baufirmen fällt nichts Besseres ein, als das Schild "Radfahrer absteigen". Eine sichere Führung des Radverkehrs wird nicht für nötig gehalten. Die Stadt hat dieses ernste Problem nicht im Griff. Gefährlich sind auch die schmalen Radwege voller Baumwurzeln.

RIP: Nenne unseren Lesern doch typische gefährliche Ecken und Situationen.

HS: Eine Stelle möchte ich heraus greifen. Das ist die Radroute von Homberg nach Rheinhausen auf der Asterlager Straße. Der Radweg ist im mittleren Teil unterbrochen und geht in Richtung Homberg auf der westlichen Seite als Zweirichtungsradweg weiter. Ein Queren der Fahrbahn ist sehr schwierig, denn es wird Tempo 70 und schneller gefahren. Die zahlreichen LKWs donnern mit geringem Abstand an einem vorbei. Es fehlt eine sichere Querung und Warnschilder, dass Radler die Fahrbahnseite wechseln müssen. Dort muss dringend was geschehen.

RIP: Viele Widerstände gibt es in der Politik und bei den Bürgern gegen das Radfahren in Einbahnstraßen. Teilst du diese Bedenken?

HS: Nein. Als Radfahrer gegenläufig in der Einbahnstraße zu fahren ist nicht gefährlich. Die Autofahrer sehen einen ja kommen. Mit ein wenig Rücksichtnahme klappt das prima. Die Straßenverkehrsordnung erlaubt solchen Lösungen seit vielen Jahren, aber sie sind noch zu wenig bekannt und die Stadtverwaltung sollte diese Lösung weit öfter verwirklichen. Viele Umwegfahrten würden wegfallen und man kann als Radler gefährliche Hauptstraßen mit schlechten Radwegen vermeiden.

RIP: Du fährst nicht nur täglich Rad, sondern arbeitest im Arbeitskreis Verkehr des ADFC Duisburg mit. Warum?

HS: Wenn man die Situation des Radverkehrs verbessern will, muss man als Bürger nicht nur über Politik und Verwaltung meckern, sondern selbst was tun. Im Arbeitskreis kann ich mir den Ärger von der Seele reden und dann suchen wir gemeinsam nach Lösungen, schreiben Anträge, suchen das Gespräch mit der Verwaltung und der Politik. Das ist zwar mühselig, aber langsam verändert sich die Situation auch in Duisburg zum Besseren.

RIP: Welche Erfolge hast du erzielt?

HS: Aktuell ist das die Öffnung der Mühlenstraße für den gegenläufigen Radverkehr.

RIP: Wie siehst du das Verhältnis zu den Autofahrern? Nehmen sie auf die Radler Rücksicht?

HS: In der Regel ja. Aber es gibt eine kleine Minderheit, die auf ihr vermeintliches "Recht auf Vorfahrt" vor dem Radverkehr pocht und sich gefährlich und rücksichtslos verhält. Da wird mit überhöhter Geschwindigkeit und viel zu geringem Abstand an einem vorbei gefahren ohne Bewusstsein von Gefährdung für die Radler. Dabei verstoßen sie gegen den §1 der Straßenverkehrsordnung, der gegenseitige Rücksichtnahme zur Pflicht macht.

RIP: Helmut, herzlichen Dank für dieses Gespräch und weiterhin alles Gute.


<< Probleme bei der Rheinischen Bahntrasse zurück zur Jahresübersicht Mit dem Rad zur Arbeit: 147.000 Radfahrer >>


Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2008.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de