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RAD im Pott Herbst 2008 Im Pott

Probleme bei der Rheinischen Bahntrasse

Seit Jahren wird der Bau der Radroute auf der Rheinischen Bahntrasse von der Essener Innenstadt bis an den Rhein bei Duisburg offensiv propagiert. Jetzt scheint das herausragende Projekt nicht einmal mehr unbeschadet das Planungsstadium zu überstehen. Nachdem klar geworden ist, dass eine Fertigstellung vor 2010 nicht zu schaffen ist, strebt man nun einen provisorischen Ausbau mit erheblich verminderten Ausbaustandards bis zu besagtem Kulturhauptstadtjahr an.

Geplante Brücke muss bleiben

Aber auch so wird immer ersichtlicher, dass der Radweg nicht im ursprünglich geplanten Maße gebaut werden kann. So soll die Brücke über den Berthold-Beitz-Boulevard definitiv nicht gebaut werden. Dabei musste ausgerechnet für diesen mit gewaltigem finanziellem Aufwand an­ gelegten Prachtboulevard der Bahndamm abgetragen werden, auf dem der Radweg entstehen soll. Es ist schon ärgerlich, dass man -- trotz rechtzeitiger Hinweise speziell durch die Fahrradverbände -- den Bau dieser Brücke nicht von Beginn an mit eingeplant hat.

So werden zukünftig die Radfahrer den Damm hinunter und wieder hinauf­ fahren müssen. Das gilt für beide Fahrtrichtungen, was bedeutet, dass die Radler im Zweirichtungsverkehr den Einmündungsbereich des Berthold-Beitz-Boulevards in die Pferdebahnstraße queren müssen. Wie gefährlich dies sein wird, zeigt sich seit Jahren auf dem Ruhrtal-Radweg in Rellinghausen im Bereich der Marie-Juchacz-Straße. Hier hat man bis heute keine vernünftige Lösung hinbekommen, um die Radfahrer sicher über diese Kreuzung zu führen. Knackpunkt ist die freigeführte Rechtsabbiegespur, auf der sich die Autofahrer fast immer nach links orientieren, um zu sehen, ob sie beim Abbiegen freie Fahrt haben. Dabei werden speziell die von rechts kommenden Radler zu spät wahrgenommen. Und da der Kurvenradius dieser Spur großzügig bemessen ist, rauschen die Autos meist mit hohem Tempo durch, was deren Gefährlichkeit noch steigert.

Im Einmündungsbereich des Berthold-Beitz-Boulevards gilt es für Radler sogar zwei dieser freigeführten Rechtsabbieger zu queren, was die Gefährdung verdoppelt. Es erstaunt schon, dass man in einer sich fahrradfreundlich nennenden Stadt eine solche potentielle Unfallquelle schaffen will, nur um Kosten zu sparen. Nach Ansicht von ADFC und EFI kann und darf daher auf diese Brücke nicht verzichtet werden.

Weitere Kostenreduktionen

Leider wird die Radroute auf der Rheinischen Bahntrasse nicht aus dem aktuellen Radwegeprogramm des Landes NRW gefördert. Konsequenz hieraus ist, dass man sich von den ursprünglich veranschlagten Kosten von 17 Mio Euro verabschieden muss. Die gestrichene Radwegebrücke über den Berthold-Beitz-Boulevard ist aber nur eines der Opfer, die gebracht werden sollen.

Zumindest beim provisorischen Ausbau wird zunächst einmal auf die Asphaltdecke verzichtet werden. Bekanntlich haben derartige Provisorien aber mitunter lange Bestand. Umso teurer könnte später die nachträgliche Asphaltierung der Trasse werden. In Essen-Altendorf soll zwecks weiterer Einsparungen sogar ein Teil der Route auf parallel geführte Straßen gelegt werden.

JB


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2008.
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