<< Neue Radverkehrsanlagen Dickswall/Essener Straße zurück zur Jahresübersicht Der RuhrtalRadweg >>


RAD im Pott Frühjahr 2008 Mülheim

Polizei kodiert in Mülheim keine Räder mehr

In Folge der Fusion bzw. Zuordnung des Polizeipräsidiums mit bzw. nach Essen wurde die Kodierung von Fahrrädern durch die Polizei in Mülheim eingestellt. Die Polizei begründete gegenüber dem ADFC ihre Entscheidung überraschenderweise nicht mit fehlenden Personalkapazitäten, sondern verwies auf die verbesserten Möglichkeiten zur Verwendung der Rahmennummern. Diese Auffassung wird jedoch von den Mülheimer Fahrradhändlern und dem ADFC keineswegs geteilt. Zwar ist es nachvollziehbar, dass der Abgleich zwischen vermisster Rahmennummer und den Rahmennummern von gefundenen bzw. gestellten Rädern mit Hilfe der elektronischen Datenverarbeitung problemlos möglich ist. Jedoch bleiben bei der Verwendung von Rahmennummern bei der polizeilichen Arbeit erhebliche Mängel bestehen:

1. Der bestohlene Besitzer eines Rades kann bei der Aufgabe seiner Anzeige natürlich nur seine Rahmennummer angeben, wenn diese ihm auch ohne Rad noch bekannt ist.

2. Missverständnisse sind bei der Verwendung der Rahmennummer kaum zu vermeiden. Die Zahlen sind aufgrund der Lackierung ohnehin schon sehr unleserlich. Viele Hersteller versehen den Rahmen zusätzlich mit Produktionsnummern, so dass häufig die falsche Nummer verwendet wird.

3. Die meisten gestohlenen Räder tauchen irgendwann irgendwo wieder auf, wenn auch manchmal in schlechtem Zustand. Da dies viele Diebstahlopfer nicht wissen, wird häufig das Fahrrad nicht als vermisst gemeldet (insbesondere, wenn die Rahmennummer nicht bekannt ist). Der rechtmäßige Besitzer eines kodierten Rades kann hingegen durch den Kodier-Code in der Regel ermittelt werden und sodann über den Verbleib des Rades informiert werden.

4. Die Polizei kann bei kodierten Rädern (im Gegensatz zu unkodierten) bei normalen Verkehrskontrollen die Rechtmäßigkeit des Besitzers überprüfen. Die Kodierung fungiert also wie ein Fahrzeugschein. In Städten, wo Radfahrer regelmäßig dahingehend überprüft werden, spricht sich dies auch bei Fahrraddieben schnell rum. Das Fahren eines gestohlenen, aber kodierten Rades ist einfach mit dem Risiko verbunden, "erwischt" zu werden. Hierdurch konnte in vielen Städten die Diebstahlquote bei kodierten Rädern deutlich gesenkt werden. Undenkbar wäre wohl, wenn die Polizei bei Kraftfahrzeugen auf die Kontrolle von Fahrzeugscheinen verzichten wollte. Ausgerechnet bei Fahrrädern, welche vergleichsweise häufiger gestohlen werden, möchte sie aber auf die Kodierung verzichten.

Die Mülheimer Fahrradhändler bieten die Kodierung selbstverständlich weiterhin an, wenn auch kostenpflichtig. Vielleicht möchte die Polizei aber einfach doch nur Arbeitszeit sparen, um die Personalkapazitäten voll und ganz in die Aufklärung von Diebstählen unkodierter Räder stecken zu können. Der ADFC und der Fachhandel möchten zu diesem Thema mit der Polizei im Gespräch bleiben.

HPV


<< Neue Radverkehrsanlagen Dickswall/Essener Straße zurück zur Jahresübersicht Der RuhrtalRadweg >>


Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Frühjahr 2008.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de