Bundestreffen in Oberwesel
Das ADFC-Bundestreffen hat einen legendären Ruf. Alle zwei Jahre treffen
sich Aktive aus der ganzen Republik hoch über dem Rheintal. In 22
Arbeitskreisen diskutierten 220 ADFClerInnen Themen rund uns Rad. Drei
Themen von vielen:
Tourenportal
Der Aufbau eines bundesweiten Radtourenportals, mit dessen Hilfe man
Radtouren individuell aussuchen kann, wird die Planung von Touren auf ein
neues Niveau heben. Informationen über Sehenswürdigkeiten, Unterkünfte,
Schwierigkeitsgrad der Strecke, Höhenmeter und Streckenlänge sowie Fotos
vermitteln bereits zuhause am PC einen exzellenten Eindruck. Grundlage der
Tourenvorschläge sind zum einen die überregionalen Radwege in Deutschland.
Die zweite wichtige Quelle sind die Radtouren, die von den
ADFC-Tourenleitern ausgearbeitet und überprüft worden sind. Das
Radtourenportal des ADFC bietet die Informationen und die Pläne direkt zum
Herunterladen aus dem Netz. Für ADFC-Mitglieder sind 100 km pro Monat
frei. Nichtmitglieder zahlen 2 Cent pro Kilometer ausgearbeitete Srecke.
Das Angebot wird fortlaufend ausgebaut. Bereits jetzt sind 60 000
Kilometer im Netz.
Fahrradtechnik
Die Qualität der Fahrradtechnik lässt oft zu wünschen übrig. Defekte
Lichtanlagen, Bruch des Lenkers, der Sattelstütze oder schlechte Bremsen:
jeder Radler kennt die Probleme. Dipl.-Ing. Juliane Neuss ist Spezialistin
für Materialprüfung und untersucht defekte Teile mit wissenschaftlicher
Akribie. Ihre Forschung brachte Erschreckendes zutage. Falsche
Materialwahl und Bearbeitung, Unkenntnis über die Grundlagen des
Maschinenbaus und der Werkstoffkunde sind oft die Ursache für
Materialbruch oder Versagen der Bauteile. Während in anderen Bereichen der
Technik aufwendige, systematische Forschung betrieben wird, fehlen diese,
für die Sicherheit der Radfahrer so wichtige Forschungen fast völlig.
Ebenso gibt es keine verbindlichen Normen in Bezug auf Material und
Produktion, an die sich Produzenten halten müssen. Das verstreute Wissen,
so Juliane Neuss, müsste in einem ersten Schritt in einer Datenbank
zusammengeführt werden, um einen schnellen und gesicherten Zugriff auf die
Daten zu haben.
Ihr Wunschtraum ist der Aufbau eines unabhängigen Instituts, dass
Grundlagenforschung und Qualitätssicherung zu ihrem Anliegen macht. Die
Politik, die Fahrradsicherheit so gerne an der Helmpflicht festmacht, ist
gefordert.
Bericht aus Ungarn
Wie man in einem kleinen und nicht sehr reichen Land den Radverkehr
nachhaltig fördern kann, beschrieben Kristof Szabo und Adam Bodor vom
ungarischen Fahrradverband. Das ungarische Parlament hat einen nationalen
Radverkehrsplan verabschiedet, durch den von 2007 bis 2013 ein
geschlossenes Netz von Fernradwegen ausgebaut wird. Man wollte weg vom
kleinteiligen und lückenhaften "Basteln" ohne durchgehendes Konzept.
Maßgeblich wurde es nicht von den Ministerien, sondern vom Radverband
erarbeitet. Die Ungarn haben damit etwas geschafft, was in Deutschland
bisher nicht gelungen ist, denn hier ist der nationale Radverkehrsplan nur
Papier und ohne finanzielle Mittel. Das Rad erlebt in Ungarn eine
Renaissance und die Politik gibt dem "Druck der Straße" nach.
Dieter Depnering
Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Frühjahr 2008.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de