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RAD im Pott Winter 2007 Mülheim

Mülheim für weitere 7 Jahre als fahrradfreundlich ausgezeichnet

Im November erhielt die Stadt Mülheim, vertreten durch Planungsdezernentin Helga Sander die Verlängerungsurkunde. Auf Antrag der Stadt wurde Mülheim durch die Auswahlkommission des Landes erneuet im Hinblick auf seine Leistungsfähigkeit in Sachen Radverkehrsförderung überprüft. Da die Mitgliedschaft in der AGFS nach einer im letzten Jahr durchgeführten Satzungsänderung automatisch auf 7 Jahre beschränkt und Mülheim seit 1999 in der Arbeitsgemeinschaft gewesen ist, war die Nachprüfung zur Verlängerung der Mitgliedschaft obligatorisch. Insgesamt 27 Mitgliedkommunen konnten sich über eine Verlängerung der Mitgliedschaft
Foto der Personen mit der Verlängerungs-Urkunde
Mülheims Planungs- und Baudezernentin Helga Sander und Staatssekretär im NRW-Verkehrsministerium Günter Kozlowski; Foto: N. Schläger, P3-Agentur
freuen. Grundlage der Antragsverlängerung war ein umfangreicher Prüfkatalog, durch den der Fortschritt in Sachen Radverkehrsförderung dokumentiert werden musste. Das Leitbild der AGFS schreibt vor, dass hierbei der Blickpunkt der gesamten (nicht motorisierten) Nahmobilität, also auch z.B. dem Fußgängerverkehr gilt.

Die Stadt gab in ihrer Bewerbung detailliert an, dass sie in den vergangenen Jahren trotz schwieriger Finanzlage erhebliche Investitionen für den Rad- und Fußgängerverkehr getätigt habe und führte neben dem klassischen Radwegebau Schutzstreifen und Radfahrstreifen an mehr als 30 Straßenabschnitten an, wodurch wichtige Lückenschlüsse realisiert worden seien. Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in 130 Tempo 30-Zonen sowie weit mehr als 60 Einbahnstraßen, welche für den Radverkehr in Gegenrichtung geöffnet worden seien, sind weitere genannte Bausteine. Auch die größeren Projekte des RVR im Stadtgebiet wurden angeführt. Im Bereich Service entwickelte und bestellt die Stadt Leistungen der Radstationen. Die Kooperation im Bereich Öffentlichkeitsarbeit mit relevanten Akteuren im Radverkehr (ADFC, Zweiradhandwerk, Einzelhandel, Radsportvereine, Touristiker, Polizei, Verkehrsbetriebe, Tagespresse) habe landesweit vorbildliche Projekte hervorgebracht, welche sich zudem dauerhaft etabliert haben (Mülheimer Fahrradfrühling, Radpost, Codieraktionen, Lichtwochen, Aktionswoche im Forum, Mülheim Mobil, RevierRad, PublikCar, Shop and Go...). Man betonte, dass Maßnahmen zur Förderung des Fuß- und Radverkehrs in Mülheim in der Regel in allen politischen und fachbehördlichen Gremien eine breite oder sogar einstimmige Unterstützung fänden. Da die Mitgliedschaft in der AGFS immer gleichermaßen Anerkennung für das Erreichte und Verpflichtung für die zukünftige Verbesserung sein soll, war ein Ausblick Pflicht: Die Stadt kündigte an, innerhalb der nächsten 7 Jahre die Schließung aller verbliebenen, bedeutenden Lücken im Radverkehrsnetz zu betreiben und den Abbau des Sanierungsstaus bei bestehenden Radwegen zu vollenden.

Was bringt die städtische Finanzplanung ?

Abgesehen vom laufenden Umbau der Innenstadt haben in den nächsten Jahren einige andere Investitionsmaßnahmen auf den Radverkehr Einfluss: Im Rahmen der Verbesserungen auf dem RuhrtalRadweg soll 2008-2009 der Mintarder Auenweg (von Mintarder Straße bis Reiterhof Neuhaus) saniert werden.

Der ebenfalls zum RuhrtalRadweg gehörende Lückenschluss in der Styrumer/Alstadener Ruhraue ist hingegen erst im Jahr 2010 eingeplant.

Die Signalisierung der Einmündung der Reichspräsidentenstraße in die Obere Saarlandstraße könnte einen bestehenden Unfallschwerpunkt mit Radfahrbeteiligung beseitigen. Am Stoppschild missachten z.Z. nämlich noch Kraftfahrzeuge die Vorfahrt der Radler auf dem Zweirichtungsradweg der Oberen Saarlandstraße.

Ebenfalls 2008 ist die Erneuerung der Bahnunterführung der Steinkampstraße geplant. Auf den dortigen Schutzstreifen bilden sich zur Zeit teilweise große Regenpfützen.

Eine andere Styrumer "Sehenswürdigkeit" sind zweifelsohne die buckeligen Radwege an der Moritzstraße zwischen dem Schloss und der Friesenstraße. Obwohl auch Teil des Ruhrradweges, ist hier eine Erneuerung (der gesamten Straße) erst 2009-2010 vorgesehen.

Innerhalb des Straßenbauprogramms (wo kleinere Einzelmaßnahmen haushaltstechnisch zusammengefasst dargestellt sind) sind die Entscheidungen der Bezirksvertretung 3 und 2 bemerkenswert: Nach anfänglicher Diskussion hat man in der Bezirksvertretung 3 die Instandsetzung des Nachbarweges zwischen Oemberg und Mühlenbergheide beschlossen. Hier dient die glatte Fahrbahn wohlwissend nicht der Schonung von Autostoßdämpfern, sondern "nur" der Gelenkschonung und dem Schutz vor Stürzen von Wanderern und Radfahrern. Der Nachbarsweg ist in diesem Abschnitt nämlich ein für Kraftfahrzeuge gesperrter Wald- und Feldweg und wohl das Einfallstor in den Saarner Wald Richtung Entenfang.

Leider schätzt man den in der Bezirksvertretung 2 einmal mehr den Nutzen für Radfahrer und Fußgänger als zu gering ein, um für 2008 die Instandsetzung der Reuterstraße zu beschließen. An das jahrelange Gezerre zur Sanierung der Mellinghofer Straße sei erinnert. Mit der Begründung, hier würden zu wenige (autofahrende) Anlieger von der Maßnahme profitieren, hat man anderen Straßen den Vorrang gegeben. Ob die Reuterstraße, welche als Fahrradstraße das Hexbachtal mit dem Gruga-Radweg verknüpft, das Wohlgefallen der Bezirksvertretung 2 im Jahr 2009 findet, darf gewettet werden.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2007.
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