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RAD im Pott Winter 2007 Duisburg

Stadt -- Natur -- Zukunft

Grünvernetzung und Radverkehr in Duisburg

Radverkehr und Umweltschutz haben sicher Berührungspunkte, denn mit dem Rad statt mit dem Auto zu fahren, schont Umwelt und Ressourcen. Und viele Radler bevorzugen die Route durchs Grüne. Warum also mit dem Grün nicht schon in der Stadt anfangen? Für Tiere und Pflanzen ist die Vernetzung der Lebensräume eine wichtige Voraussetzung zum Erhalt intakter Ökosysteme. Breite, asphaltierte Straßen, Gebäude und Bahntrassen bilden oft unüberwindliche Hindernisse. Auch für die Radler bildet der Autoverkehr die größte Gefahrenquelle. Grünzüge, auf denen man sich sicher bewegen und die Natur erleben kann, sind besonders für Kinder und Jugendliche unverzichtbar, wenn sie als Erwachsene einen verantwortlichen Umgang mit der Natur praktizieren wollen. Wer die Natur in ihrer ganzen Vielfalt täglich erlebt, lernt sie achten und schätzen. Auch viele Senioren entdecken nach dem Arbeitsleben ihre Umwelt auf dem Rad neu. Sie freuen sich, wenn man bereits ab der eigenen Haustür entspannt die Tour beginnen kann. Grünvernetzung und Radverkehr, warum nicht beides mit einander verknüpfen?

Umweltdezernent Dr. Peter Greulich hat sich die Grünvernetzung zur Herzensangelegenheit gemacht. Zwar sind nicht geringe Teile des Stadtgebiets naturnahe Kulturlandschaften mit großen Wiesen, Wäldern, Parks und Wasserflächen. Sie sind jedoch umso wertvoller für Ökologie und Freizeit, wenn sie untereinander verbunden sind. Seit Jahren arbeitet das Amt für Umwelt und Grün der Stadt Duisburg beharrlich an der ökologischen Vernetzung der Gebiete. Und fast immer werden auch Fuß- und Radwege in die "Grünen Verbindungen" durch die Stadt gebaut. Denn städtische Grünflächen, Parks und Wälder sind im Wesentlichen Kulturlandschaft, vom Menschen gestaltet, erhalten und genutzt. Man darf in ihnen wandern, auf der Wiese liegen und Rad fahren.

Verantwortungsbewusst und schonend mit den eigenen Lebensgrundlagen umzugehen, fängt man am besten in der eigenen Stadt an. In besonderen Schutzgebieten müssen sich alle an die strengen Auflagen beim Betreten halten. Hier hat die Natur klar den Vorrang. Die Sicherung dieser Biotope ist Aufgabe des Amtes für Umwelt und Grün. Die Balance zwischen kultureller Nutzung und Umweltschutz zu halten ist schwierig. Sie erfordert große Fachkenntnis, ausreichende Mittel und die Unterstützung durch eine Bürgerschaft, die einen verantwortlichen Umgang mit der Umwelt will.

Wir wollen im Folgenden einige Projekte der Stadt vorstellen, die diesen Balanceakt zwischen Kultur und Natur versuchen, um so eine höhere urbane Lebensqualität zu erreichen. Der ambitionierteste Ansatz ist der "RHEINplan". Das Amt für Umwelt und Grün und das Landschaftsarchitektenbüro BSL haben mit dem "RHEINplan" ein Konzept vorgelegt, durch den in 35 Einzelprojekten die Flächen längs der Rheins ökologisch aufgewertet und für die Menschen erlebbar gemacht werden sollen.

Rheinorange

Hier mündet die Ruhr in den Rhein, zwei weltbekannte Flüsse, doch wer war schon mal dort? In Koblenz hat man die Mündung der Mosel zu inszenieren gewusst, in Duisburg ist es ein fast unbekannter Ort. Zwar steht seit 14 Jahren dort die Kunstinstallation "Rheinorange" etwas verloren in der Uferwiese, aber man muss den Weg zur Mündung genau Weg kennen und rüttelfest sein. Das Ende des Ruhrtalradwegs, ein verborgener Ort, unbeschildert, vergessen. Bis 2010 soll sich die Situation grundlegend ändern. Der Ruhrdeich erhält einen sicheren Fuß- und Radweg, der Unfallschwerpunkt "Kaßlerfelder Kreis" wird gemieden, da der Radweg dort am Ufer geführt unter der Autobrücke verlaufen wird. An der Mündung wird ein erhöhter Aussichtspunkt gebaut, der zum Verweilen und Betrachten einlädt. Die Beschilderung des Weges rundet das Projekt ab.

Rheinpark

Ende nächsten Jahres soll er bereits für die Bürger geöffnet werden, Duisburgs 60 Hektar große Grünfläche am Rhein. Auf einer Länge von gut 1,2 Kilometern wird man auf dem ehemaligen Gelände der "Niederrheinischen Hütte" direkt am Ufer spazieren gehen können. Zahlreiche Angebote für sportliche Aktivitäten wie Streetballfelder, Flächen für Inline-Skater und auch Kletterwände erhöhen den Freizeitwert. Große Wiesen und kleine Wälder bieten Lebensräume für zahlreiche Tiere und Pflanzen. Nach Stilllegung der
Foto einer Brücke mit Demonstranten und Plakat 'DU an den Rhein'
Werksbahn wird ein Bahndammradweg mit Rheinblick den Park durchqueren. Diese Trasse soll im Süden und Norden an den "Grünen Ring Zentrum" angeschlossen werden. Auf den stillgelegten Bahntrassen lässt sich das Naherholungsgebiet Wedau mit dem Rad in fünf Minuten erreichen. Auch Tiere und Pflanzen haben dann einen "grünen Korridor" vom Rhein bis zum Stadtwald. Nördlich des Rheinpark schließt sich der Grünzug Hochfeld-West an, der im Bereich Kremerstraße bis an die Innenstadt reicht. Von dort sind es zum Kantpark nur noch 200 Meter.

Grüner Ring Zentrum

Dies ist wohl das wichtigste Projekt des Radverkehrs in Duisburger Zentrum, das ein neues, naturnahes und entspanntes Erleben der Stadt ermöglichen wird. Auf den stillgelegten Trasse der Bergisch-Märkischen Bahn lässt sich ein innerstädtischer "Grüner Ring" durch das Zentrum legen, der im Südosten an die Wedau und den Stadtwald reicht. Im Süden grenzt er an den Stadtteil Wanheimerort, im Westen führt er durch den Rheinpark direkt ans Wasser. Im Nordwesten gelangt man durch den Grünzug Hochfeld-West bis an die Innenstadt. Im Osten würde sich der Ring am Hauptbahnhof über das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs in der Wedau schließen. In weiten Teilen sind getrennte Fuß- und Radwege sowie zusätzliche breite Grünzüge möglich. Richtig gestaltet können sich auf diesem zentralen Ring täglich tausende Radler durch die Stadt sicher und zügig fast ohne Autoverkehr bewegen. Ein Rückgrat des Radverkehrs, das das Potential zu einem "Best for Bike"-Projekt hat.

Duisburg liegt im Schnittpunkt mehrerer überregionaler radtouristischer Wege, die dann auf vorbildlichen Niveau durch die Stadt geführt würden. Das "Nadelöhr" Duisburg gehörte der Vergangenheit an. Besonders interessant ist der Kauf der Trasse der "Rheinischen Bahn", die im Bereich Wedau an den "Grünen Ring" anknüpft und im Stadtwald den Ruhrrücken quert. Über Mülheim-Speldorf und Mülheim-Zentrum führt sie weiter bis nach Essen. Die Trasse wurde inzwischen vom Regionalverband Ruhr erworben und wird bis 2010 als durchgängiger Fuß- und Radweg ausgebaut. Dann wird auch der Rundkurs Mülheim-Stadtwald-Duisburg-Ruhrauen-Mülheim möglich. Auch eine Tour von Essen über Mülheim durch den Stadtwald nach Duisburg und dann zurück längs der Rhein-Herne-Kanals erhält eine neue Qualität. Die ganze Region profitiert von diesem Projekt.

Der ADFC setzt sich seit Jahren für die Realisierung des "Grünen Rings" ein. Was vielen unmöglich schien, scheint in greifbare Nähe zu rücken. Daher ist die Zeit gekommen, einen Workshop durchzuführen, auf dem Bürger und Planer ihre Ideen zum "Grünen Ring" austauschen, um ein optimales Konzept zu erarbeiten.

Grünvernetzung und Radverkehr passen in Duisburg gut zueinander, wenn die Potentiale, die sich aus dem Rückzug der Montanindustrie ergeben, erkannt und genutzt werden. Rad fahren ist ein wichtiger Baustein zu ökologisch vertretbarer Mobilität und zugleich ein Beitrag zu mehr Lebensqualität. Nach vielen Jahren der Lethargie herscht Aufbruchstimmung vor.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2007.
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