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RAD im Pott Winter 2007 Essen

Engagement für vernünftige Lösung hat sich gelohnt

Radverkehr contra Platanen

In Essen wird derzeit an allen Ecken und Enden gebaut. Davon ist in etlichen Fällen auch der Radverkehr betroffen -- mal positiv, mal negativ. Die RAD im Pott hat immer wieder darüber berichtet. Das neueste Großprojekt ist das Verwaltungsgebäude von Eon-Ruhrgas in Rüttenscheid, dessen Baubeginn auf dem Gelände des ehemaligen Grugastadions an der Norbertstraße gerade erfolgt ist. Die Norbertstraße selbst verfügt schon seit langem über Radwege, die auch Bestandteil des städtischen Hauptradroutennetzes sind. Der stadteinwärts führende Radweg war bislang in diesem Bereich umsäumt von großen alten Platanen und besaß dadurch sogar fast Alleecharakter. Ein Teil dieser Bäume wird aber allein der Hauptzufahrt zum neuen Verwaltungskomplexx dran zum Opfer fallen.

Nun hat Eon-Ruhrgas den Bedarf für eine weitere Zufahrtsstraße von der Norbertstraße zu seinen Tiefgaragen angemeldet. Ob diese Erschließung überhaupt Sinn macht, sei einmal dahingestellt. Eon-Ruhrgas will sie haben, und die Stadt folgt dem ohne Wenn und Aber. Nun ist besagte Anbindung aber ausgerechnet an einer Stelle geplant, an der sich die Norbertstraße in einer Senke befindet, wohingehend der parallel führende Radweg etwas höher liegt.

Zwei Pläne hatte die Verwaltung hierfür vorgelegt. Bei dem ersten Plan sollte der Radweg zur Fahrbahn verschwenkt bzw. abgesenkt werden, was eine sichere Führung parallel zur Fahrbahn, gleichzeitig aber auch die Fällung
Foto der Platanen
Die Norbertstraße mit Radweg, hier noch mit alten Platanen
weiterer Platanen mit sich gebracht hätte. Beim zweiten Plan wären zwar die Bäume gesichert gewesen, indem man den Radweg auf seinem jetzigen Niveau belassen hätte, allerdings hätte dies eine extrem weite Verschwenkung in die neue Zufahrtstraße mit sich gebracht - eine unsichere, ja sogar gefährliche Lösung, weil hierbei der Radfahrer völlig aus dem Blickfeld der Autofahrer verschwindet.

Für geradezu unglaublich erschien ADFC und EFI dabei die Behauptung der Verwaltung, dieser zweite Vorschlag sei die "deutlich sicherere" Lösung. Unglaublich insofern, als dass die Verwaltung einer sich fahrradfreundlich nennenden Stadt immer noch zu ignorieren scheint, dass nach heutigem Kenntnisstand der Radverkehr in Einmündungs- und Kreuzungsbereichen im Blickfeld der Autofahrer bleiben muss, damit er bei Abbiegevorgängen nicht übersehen wird. Das bedeutet aber auch eine geradlinige Führung des Radverkehrs entlang der Fahrbahn. An der Norbertstraße sollte der Radfahrer jedoch gleich 15 (!) Meter in die neue Seitenstraße geführt werden, was vermutlich in NRW ein neuer Rekord gewesen wäre.

Immerhin schien sich die Verwaltung wohl doch der Tatsache bewusst zu sein, dass sie hier eine neue Gefahrenquelle schafft. Denn um sich der zu erwartenden Konflikte zu entledigen, wollte sie den Radfahrern, die ja eigentlich parallel zur vorfahrtberechtigten Norbertstraße fahren, perfiderweise an dieser Stelle die Vorfahrt nehmen. Wie bereits gesagt, es handelt sich um ein Bestandteil des städtischen Hauptradroutennetzes, auf dem ein einigermaßen zügiges und hindernisfreies Fortkommen gewährleistet sein sollte. Insgesamt wäre dies für eine sich fahrradfreundlich bezeichnende Stadt ein unmögliches Unterfangen gewesen.

Ortstermin ermöglicht Lösung

Ende Oktober fand eine gemeinsame Sondersitzung des Bauausschusses und der Bezirksvetretung II wegen der Verkehrsführung um das neue Verwaltungsgebäude von Eon-Ruhrgas statt, der sich ein Ortstermin auf besagtem Radweg anschloss. Ca. 30 Personen waren insgesamt vertreten, darunter auch die Radfahrverbände, die sogar die Gelegenheit bekamen, vor Ort Stellung zu beziehen.

Und siehe da, nach längerem hin und her fand sich ein Kompromiss, mit dem alle Beteiligten offenbar leben können. Es bleibt im Prinzip bei dem ersten Lösungsvorschlag, bei dem der Radweg direkt an der Fahrbahn liegend den Einmündungsbereich quert. Allerdings erfolgt die Heranführung des Radwegs an die Fahrbahn erst später als ursprünglich geplant, weshalb dort jetzt einige Bäume stehen bleiben können. Im tieferliegenden Bereich erhält der Radweg eine Stützmauer, was den Freiraum der Wurzeln der dort stehenden Platanen vergrößert. Diese können daher zusätzlich stehen bleiben.

Einmal mehr hat sich gezeigt, dass sich Engagenment auch bei vermeintlich kleinen Dingen lohnt. Allen ist geholfen, dem Radverkehr wie auch der Umwelt, indem nun mehr Bäume erhalten werden können. Stellt sich nur die Frage, warum es eines solch aufwändigen Ortstermins bedurfte. Hätte die Verwaltung mit all ihren Fachleuten nicht selbst auf dieses vernünftige Ergebnis kommen können?

J.B.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2007.
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