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RAD im Pott Winter 2007 Essen

Neues für Essens Radler

"Neue Wege zum Wasser"

Das unter diesem Arbeitstitel fungierende Langzeitprojekt wurde in der Herbstausgabe der RAD im Pott bereits vorgestellt. Ende September präsentierte die Stadt das Projekt dann einer breiteren Öffentlichkeit auf der stadteigenen "Konzernmesse" in der Essener Fußgängerzone, Mitte Oktober schließlich mit einem von Essens Umwelt- und Baudezernentin Simone Raskob in der VHS gehaltenen Vortrag.

Als Neuigkeit kann berichtet werden, dass die drei Nord-Süd-Achsen für den Radverkehr inzwischen Namen erhalten haben: Die etwa 18 km lange westliche Route, welche derzeit bereits in arbeit ist und bis 2010 fertiggestellt sein soll, ist die sogenannte "Wasserroute", bei der mittleren Route handelt es sich um die "Kulturroute", die östliche ist die "Naturroute". Auf die beiden letztgenannten Routen werden Essens Radler allerdings noch eine Weile warten müssen, sie werden erst nach 2010 angepackt, auf ein Fertigstellungsdatum wollte sich noch niemand festlegen.

Interessant war ein Hinweis von Frau Raskob, dass im Hinblick auf das Kulturhauptstadt-Ereignis eine ca. 13 km lange Ringradroute um die Innenstadt geplant sei, mit der sich alle auf der Strecke liegenden Kultureinrichtungen anfahren lassen.

Überruhrstraße fertiggestellt

Eines der größten Straßensanierungsprojekte in den vergangenen Jahren war die im Essener Süden liegende Überruhrstraße. Vor kurzem sind nun die letzten Markierungsarbeiten erfolgt, die insofern recht umfangreich ausfielen, da die Überruhrstraße nun in fast ganzer Länge Radfahrstreifen aufweist. Aber eben nur fast. Dies beginnt schon am nördlichen Ende, wo die Radfahrstreifen an der Eigenstraße aufhören und damit die Chance für eine radfahrgerechte Anbindung an den Stadtteil Steele vertan wurde.

Völlig unverständlich ist die ca. 100 Meter lange Unterbrechung des in Richtung Norden führenden Radfahrstreifens zwischen Heuweg und Treibweg zugunsten eines Parkstreifens (!) für Autos, obgleich die hier liegenden
Foto des Knotenpunkts, gesehen von der Zornigen Ameise aus
Uneingeschränkt positiv: Die Radverlehrsanlagen im Knotenpunkt Überruhrstraße / Marie-Juchacz-Straße
Häuser bis auf eines nicht am Bürgersteig angrenzen. Zudem weisen diese eigene Stellflächen für Autos auf, so dass an dieser Stelle eigentlich keine Notwendigkeit für Parkstreifen besteht. Nun also müssen die Radler auf der vielbefahrenen Fahrbahn fahren, was doppelt gefährlich ist, da es hier z.T. ganz ordentlich bergauf geht. Auf der Gegenseite wurde der Gehweg immerhin so breit gehalten, dass auf ihm auch Radfahrer fahren können (obgleich er bislang nicht dafür ausgeschildert wurde). Eine umgekehrte Lösung wäre hier besser gewesen, bergauf der Radgehweg, bergab (wenn schon nicht anders möglich) auf der Fahrbahn.

Positiv ist hingegen der Einmündungsbereich mit der Marie-Juchacz-Straße zu werten, hier wurde vor allem für die von Westen kommenden Radfahrer, die links nach Überruhr-Hinsel abiegen wollen, im freigeführten Rechtsabbieger eine geradezu vorbildliche Lösung gefunden. Schwieriger wird es hier allerdings für die von Süden aus Burgaltendorf kommenden Radler, die in die Marie-Juchacz-Straße abbiegen wollen. Für sie gibt es keine separate Abbiegespur (dafür gleich zwei für Autos), sondern nur eine indirekte Abbiegemöglichkeit, was einen erheblichen Zeitverlust bedeutet, weil eine zusätzliche Ampelphase abgewartet werden muss.

Im Süden enden die Radfahrstreifen an der Charlottenstraße, also quasi dort, wo auch die Hauptradroute in Richtung Burgaltendorf die
Foto der Straße
Ärgerlich dagegen die fehlenden Radverkehrsanlagen an der Überruhrstraße zwischen Heuweg und Treibweg
Überruhrstraße verlässt. Der sich hier anschließende Serpentinenabschnitt wäre für Radfahrer ohnehin sehr unattraktiv zu fahren gewesen, im Gegensatz zum nördlichen Ende also eine akzeptable Entscheidung.

Lückenschluss im Norden

Klein aber fein ist der letzte Lückenschluss der Nordradroute nach Altenessen. Bekanntlich führt der erste Abschnitt dieser Hauptradroute durch das Nordviertel über die Altenessener Straße, die hier bereits vor Jahren zur Fahrradstraße umgewidmet wurde. In Höhe der Unsuhrstraße wird die Altenessener Straße dann zur vierspurigen Hauptstraße, die bisher aber keine Radverkehrsanlagen aufwies. Die Radroute selbst knickt bereits nach knapp 100 Metern links ab in die wenig befahrene Ellernstraße, inzwischen ebenfalls eine Fahrradstraße.

Nun galt es die besagte 100 Meter Lücke zu schließen, was sich aber über Jahre hinzog, weil sich vor allem die Altenessener Bezirksvertretung einer wirklich fahrradfreundlichen Lösung mit z.T. abstrusen Begründungen widersetzte (siehe RiP 2/2005). Nun also wird der nordwärts fahrende Radler durch indirektes Linksabbiegen auf den neuen Zweirichtungs- Rad(geh)weg gelenkt, der durch Wegfall des Parkstreifens immerhin breit genug geraten ist. Für die gegenläufig fahrenden Radler ist dieser Bereich völlig problemlos zu meistern, da hier kein Einmündungsbereich zu queren ist. Alles in allem eine Kompromisslösung, mit der es sich aber leben lässt.

(Fahrrad-)Stadtplan präsentiert

Der in der letzten RAD im Pott-Ausgabe vorgestellte Essener Stadtplan des KV-Verlages aus Steele ist Mitte Oktober während einer Pressekonferenz in der Rüttenscheider Filiale der Buchhandlung Baedeker der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Zwei weitere kleine Präsentationen folgten in den Wochen darauf. Bereits am ersten Tag konnten im Verkehrs- und Umweltzentrum etliche Pläne verkauft werden. Dort
Die Personen mit Stadtplan in der Hand, fotografiert durch die Speichen eines Rades
Präsentieren den Stadtplan (v.r.n.l.): Rolf Fliß (KV-Verlag, EFI), Jutta Sawatzki (Baedeker), Andrea Bischoff (KV- Verlag, EFI), Jörg Brinkmann (ADFC) Foto P. Braczko
wie natürlich auch im gesamten Buch- und Kartenhandel ist der mit vielen Details und Informationen für Radler versehene Plan für 5,- € zu haben.

Ruhrradweg mit Hindernissen

"Diesen Sommer vergessen wir lieber ganz schnell". Derartige Sprüche waren in in diesem Jahr von Radfahrern immer wieder zu hören, die das Pech hatten, in einen der zahlreichen diesen Sommer begleitetenden Regengüsse zu geraten. Nun ist Regen im Sommer ja nichts ungewöhnliches, Ende August waren die Mengen dann aber doch so groß, dass die Ruhr über die Ufer trat. Und das gleich so ordentlich, dass Büsche und Bäume, ja sogar ganze
Foto einer Trümmerlandschaft mit liegengebliebenem Wohnwagen
Der Ruhrradwanderweg zwischen Rellinghausen und Heisingen Ende August 2007
Wohnwagen weggerissen wurden. Ein solcher fand sich dann mitten auf dem Ruhrradwanderweg zwischen Rellinghausen und Heisingen. Es dauerte seine Zeit, bis dieser neben diversen umgestürzten Bäumen weggeräumt werden konnte. Was haben wohl die in dieser Zeit auf dem neuen "RuhrtalRadweg" radelnden Fahrradtouristen gedacht?

Neues von der Fahrradpolizei

Gleich zwei Begebenheiten mit der in Altenessen stationierten Fahrradstaffel veranlassten die Pressestelle der Essener Polizei entsprechende Pressemitteilungen herauszugeben.

So stellten die radelnden Polizisten Anfang September mit einem Zwischenspurt einen während der Fahrt telefonierenden Autofahrer. Kaum hatten die Beamten ihn gestoppt, gestand dieser, dass er gar keinen Führerschein mehr besitze. Er bekam eine Anzeige und wird in Zukunft für eine (noch) längere Zeit zu Fuß laufen müssen. Oder wie wär's mal mit Rad fahren?

Ernster gestaltete sich ein Einsatz auf der B 224 in Altenessen, als den radelnden Beamten ein ebenfalls mit dem Handy telefonierender Lkw-Fahrer auffiel. Als die Beamten diesen an einer Ampel zur Rede stellen wollten, brauste er los und hielt dabei direkt auf einen der Radfahrpolizisten zu. Dieser konnte sich nur mit einem geschickten Ausweichmanöver in Sicherheit bringen. Der Lkw-Fahrer flüchtete, was ihm aber kaum etwas genützt haben dürfte, da sich die Beamten das Kennzeichen des Lkw wie auch das Gesicht des Fahrers merken konnten.

J.B.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2007.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de