zurück zur Jahresübersicht Was wird aus der RAD im Pott? >>


RAD im Pott Winter 2007 Im Pott

Kulturhauptstadt 2010 macht's vielleicht möglich

Fahrrad fahren auf der Autobahn

"Einmal auf der Autobahn mit dem Fahrrad fahren" -- das ist ein von vielen Radlern insgeheim gehegter Wunsch. Im Rahmen des Kulturhauptstadtjahrs 2010 im Ruhrgebiet könnte er vielleicht in Erfüllung gehen - analog zu den großen Radsternfahrten, wie sie bereits seit einigen Jahren in Berlin stattfinden. Dort wird einmal jährlich anlässlich des "Autofreien Tages" ein Teil der Stadtautobahn für eine große Fahrraddemo freigegeben, was jedesmal mehrere hunderttausend Radler in die Hauptstadt zieht.

Im Revier geht es um die Sperrung der A40 ("Ruhrschnellweg"), vom Volksmund häufig auch als "Ruhrschleichweg" bezeichnet. Gesperrt werden
Foto der A40 mit regem Verkehr
soll dabei der 59 Kilometer und 20 Meter lange Abschnitt zwischen Duisburg-Häfen und Dortmund-Hörde. "Betroffen" wären etwa 140.000 Kraftfahrzeuge, die hier jeden Tag lärmend die Luft verpesten. Stattfinden soll das Ereignis, soweit bisher bekannt, am 18. oder 25. Juli 2010.

Die Idee in die Welt gesetzt hat Fritz Pleitgen, ehemaliger Intendant des Westdeutschen Rundfunks und nunmehr Chef der Organisationsgesellschaft für die Kulturhauptstadt 2010. Dabei hat er die Radfahrer zunächst nicht im Blickfeld gehabt, sondern wollte für ein Volksfest auf der gesperrten Autobahn 28.000 Tapeziertische und 56.000 Bänke aufstellen lassen. Entlang dieser riesig langen Reihe sollte dann allen Bürgern und Besuchern des Reviers die Möglichkeit geboten werden, auf der Autobahn zu feiern.

Laut Pleitgen hat bereits die erste Veröffentlichung dieser Idee im August großen Zuspruch ausgelöst. Gemeldet hätten sich z.B. Bands und Solokünstler, Spielmannzüge, Posaunenchöre und Bergmannkapellen.

Autoren wollten Lesungen veranstalten, Firmen versuchten gleich hunderte Tische zu reservieren (NRZ vom 20. September).

Zudem sei das Volksfest auch eine riesige logistische Herausforderung: Umleitungen, Parkplätze, zusätzliche Zugänge, Querungsmöglichkeiten über die Mittelleitplanken, der Auf- und Abbau des "Langen Tisches", die Reinigung vor dem Fest und danach.

Fahrradtour auf der A40

Auf der einen Häfte der Autobahn sollen die Tische postiert werden, die andere Seite soll laut Pleitgen für Spaziergänger und Radfahrer frei bleiben. Und hier kommt nun eine Idee ins Spiel, die geradezu prädestiniert ist für die ADFC-Verbände im Ruhrgebiet -- eine große gemeinsame Radtour von Duisburg nach Dortmund (oder umgekehrt)!

Schließlich führt der Ruhrschnellweg durch die Einzugsbereiche der ADFC-Verbände in Duisburg, Mülheim/Oberhausen, Essen, Bochum und Dortmund. Aber auch die ADFC-Verbände im Kreis Wesel, Kreis Recklinghausen, Bottrop, Gelsenkirchen, Herne, Witten/Ennepe-Ruhr, Hamm und Unna müssen mit einbezogen werden. So könnten viele tausend Radler dazu bewegt werden, an der großen gemeinsamen Fahrradtour teilzunehmen.

Noch aber schreiben wir das Jahr 2007. Und noch befinden sich die Planungen für die Sperrung der A40 in einem frühen Stadium. Schließlich müssen viele Institutionen, Behörden usw. ihr Okay geben. Mit Ruhr 2010-Chef Fritz Pleitgen als Initiator existiert aber auch ein prominenter und einflussreicher Befürworter der Sperrung. Und Rückendeckung aus der Politik gibt es offenbar auch schon. Denn laut Pleitgen "finden der Ministerpräsident und der Verkehrsminister die Idee gut".

Der ADFC auch!

Jörg Brinkmann


zurück zur Jahresübersicht Was wird aus der RAD im Pott? >>


Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2007.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de