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RAD im Pott Sommer 2007 Essen

Neues für Essens Radler

Radstation Hbf und Altenessen

Wenn man Pressemeldungen Glauben schenken darf, scheint die seit über zehn Jahren diskutierte Neugestaltung des Hauptbahnhofs nun doch unmittelbar bevorzustehen. Mangels Geld wird daraus wohl aber nur eine Generalsanierung werden. Diese soll allerdings im Hinblick auf das Großereignis "Kulturhauptstadt 2010" bis dahin abgeschlossen sein. Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, dass die seit 1999 in der ehemaligen Expressgutabfertigung untergebrachte Radstation dabei auf der Strecke bleiben könnte. Der Grund: Die Bahn will besagte Räumlichkeiten kommerziell nutzen.

Angesichts eines nur bis 2009 bestehenden Nutzungsvertrags für die Radstation gilt es für Politik und Verwaltung bereits heute darauf zu
Foto des Wegweisers zur Radstation im Hauptbahnhof Essen
drängen, dass zum einen dieser Vertrag verlängert wird -- und zwar weitgehend zu den bisherigen Konditionen, denn eine marktübliche Miete wird eine Radstation nie erwirtschaften können. Zum anderen muss ihr, falls sich die jetzigen Räumlichkeiten tatsächlich nicht halten lassen, ein gleichwertiger Standort als Ersatz angeboten werden.

Gleichwertig heißt nach Ansicht von ADFC und EFI mindestens die gleiche Größe und eine mindestens ebenso gute Erreichbarkeit. Der bisherige Erfolg der Essener Radstation fußt auch auf ihrer Nähe zum Haupteingang des Bahnhofs. Es nützt nichts, wenn Radstation und Bahnsteige weit auseinander liegen, dies wird von den Nutzern nicht akzeptiert, sprich sie bleiben aus. Daran kann aber auch der Bahn nicht gelegen sein, denn jeder verlorene Kunde der Radstation ist auch ein verlorener Kunde für die Bahn und damit für den Umweltverbund. Und daran kann keinem gelegen sein. Das hat jedenfalls der "Runde UmweltTisch" als Zusammenschluss der Essener Umweltverbände auch noch einmal in einem Offenen Brief zum Ausdruck gebracht.

Von der geplanten Radstation am Bahnhof Altenessen gibt es immer noch keine Fortschritte zu vermelden. Der Rohbau steht zwar seit einigen Jahren, die weiteren Bautätigkeiten ruhen aber seither. Das Problem besteht darin, dass es sich hier um einen privaten Investor handelt, den die Stadt leider nicht zum Weiterbau zwingen kann. Langsam wird es jedoch kritisch, da die bereits seit längerem bestehende Fördermittelzusage des Landes zu verfallen droht. Auch wenn dieser eigentlich unhaltbare Zustand bereits mehrfach in der Presse thematisiert wurde, ist leider immer noch kein Ende der Misere in Sicht.

Baustellenabsicherungen

Im vergangenen Jahr hatte die Stadtverwaltung zugesagt, zukünftig bei Baustellen nach radfahrgerechten Verkehrsführungen zu suchen, die sich an der AGFS-Broschüre "Baustellenabsicherung im Bereich von Geh- und Radwegen" (siehe auch RiP 3/2006) orientieren.

Dass man damit nach wie vor Probleme hat, zeigt die Riesenbaustelle rund um den Krupp-Boulevard (neuerdings Berthold-Beitz-Boulevard). Es beginnt mit der Pferdebahnstraße, wo besonders der in Fahrtrichtung Osten führende
Foto der Altendorfer Straße mit wenig Platz zwischen Straßenbahnschienen und Bordsteinkante
Für Radler besteht derzeit auf der Altendorfer Straße gefährlich wenig Platz
Radweg betroffen ist. Bereits im Einmündungsbereich zur Helenenstraße ist dieser unpassierbar (gilt in diesem Bereich auch für den Radweg in Gegenrichtung), im weiteren Verlauf sind auf ihm dann etliche Gerätschaften der Baufirmen gelagert. Die nächste Unterbrechung folgt im Bereich der Zufahrt der Baulaster für den zukünftigen Krupp-Boulevard. Ein Kuriosum ist die Absperrung des Radwegs an seinem östlichen Ende (Ecke Hans-Böckler-Straße / B 224), schließlich soll man hier eigentlich nur aus der Pferdebahnstraße hinausfahren. Der gegenläufige Radweg, obgleich am westlichen Ende auch nur bedingt passierbar, ist dagegen frei. Dass es für den Radweg Pferdebahnstraße keine ausgeschilderte Umleitung für die Radfahrer gibt, wundert in diesem Zusammenhang dann nicht mehr.

Auch an der Altendorfer Straße sorgt die Baustelle des Krupp-Boulevards für eine Gefährdung des Radverkehrs. Hier liegen die Baustellenabsperrungen so dicht an den Straßenbahnschienen, dass für Radler hier nur wenige Zentimeter Platz verbleiben - lebensgefährlich! Nun ist die Altendorfer Straße keine Hauptradroute, da aber sowohl die Pferdebahnstraße aus zuvor geschilderten Gründen als auch die Frohnhauser Straße mangels ebenso fehlender Radverkehrsanlagen keine Alternativen bilden, muss die Stadt hier aktiv werden. Eine Versetzung der Absperrungen um einen halben Meter hin zum Straßenrand würde nach Ansicht von ADFC und EFI schon helfen, genügend Fahrbahnfläche ist hier noch vorhanden.

Umleitung Berliner Platz

Im letzten Heft der RAD im Pott wurde über die mit ADFC und EFI abgesprochene Umleitung für Radfahrer um die Großbaustelle Berliner Platz berichtet, bei der bislang nur die Nord-Süd-Richtung ausgeschildert worden war (siehe Foto). Beim letzten "Arbeitskreis Radverkehr" hat die
Foto eines Umleitungsschildes zum Hauptbahnhof für Radfahrer
Verwaltung nun zugesagt, dass auch die Gegenrichtung eine entsprechende Beschilderung erhalten soll. Allerdings müsse vorher noch die Kostenfrage geklärt werden, da angesichts der zu erwartenden Dauer der Bautätigkeiten besonders solide Schilder installiert werden müssten, die auch eine längere Zeit stehen bleiben könnten.

Hauptradroutennetz

Schlechte Nachrichten gibt es hinsichtlich der Fortschreibung des Hauptradroutennetzes. Obgleich etliche Maßnahmen in einem 2006 aufgestellten Katalog als bis zum Jahre 2010 fertiggestellt aufgeführt sind (siehe RiP 4/2006), musste die Verwaltung nun eingestehen, dass man z.B. für die Radfahrstreifen auf der Frohnhauser Straße (zwischen Jäger- und Haedenkampstraße) sowie der Borbecker Straße (zwischen Schloß- und Fürstäbtissinstraße) zwar einen Finanzierungsantrag beim Land gestellt habe, mit einer Bewilligung jedoch nicht vor 2011 zu rechnen sei. Wann diese doch sehr empfindlichen Lücken im Hauptroutennetz nun wirklich geschlossen werden können, mag man sich unter diesen Umständen garnicht ausmalen.

Fahrrad- und Einbahnstraßen

Bereits vor geraumer haben die Bezirksvertretungen I (Innenstadt, Süd-, Nord-, West- und Ostviertel), II (Rüttenscheid, Stadtwald, Berger- und Rellinghausen), III (Altendorf, Frohn- u. Holsterhausen, Margarethenhöhe und Haarzopf) sowie VI Stoppenberg, Katernberg und Schonnebeck) beschlossen, alle geeigneten Einbahnstraßen in ihren Bezirken für gegenläufigen Radverkehr freizugeben. Dazu hat sich eine Arbeitsgruppe aus verschiedenen Stadtämtern gebildet, welche diese Eignung jeweils vor Ort prüfen soll. Der Bezirk VI wird nun der erste Bezirk sein, in dem besagte Prüfungen in Kürze abgeschlossen sein werden.

Eine Erwähnung wert ist in diesem Zusammenhang noch eine neue
Foto der Fahrradstraße mit Fahrradpiktogrammen auf der Straße
Fahrradstraße Kunsterwerkerstraße
Fahrradstraße, nämlich die Kunstwerkerstraße im Stadtteil Bergerhausen. Das Rechnungsprüfungsamt hatte sich lange Zeit gegen deren Realisierung gesperrt (siehe RiP 4/2006). Doch schließlich war man auch hier zu der Erkenntnis gelangt, dass es kaum eine preiswertere und effektivere Möglichkeit für die Schaffung einer Radroute gibt. Immerhin besteht jetzt eine durchgehende Verbindung vom Siepental ins Ruhrtal zum neuen RuhrtalRadweg.

Fahrradabstellanlagen

118 VRR-Abstellbügel hat die Stadt Essen in den vergangenen Monaten an insgesamt 29 Standorten installiert, darunter am Georg-Melches-Stadion in Vogelheim (RWE) und -- endlich! -- auch an der Philharmonie.

Letzteres ist insofern bemerkenswert, als dass sich deren Intendant zwei Jahre lang mit allen Mitteln gegen eine Aufstellung gewehrt hatte (siehe
Foto der VRR-Bügel mit abgestellten Rädern an der Seite der Philharmonie
Endlich -- die neuen VRR-Bügel an der Philharmonie
auch RiP 4/2006) und es etlicher Ortstermine und der Einschaltung hochrangiger Personen aus Politik und Verwaltung bedurfte, um diese eigentlich selbstverständliche Angelegenheit über die Bühne zu bringen.

Aus diesem Grund gilt es in allernächster Zukunft darauf zu achten, dass auch der 55 Mio € teure Neubau des Folkwang-Museums adäquat mit Fahrradabstellanlgen ausgestattet wird, so wie dies beim Vorgängerbau der Fall gewesen ist.

In jedem Fall Fahrradabstellanlagen erhalten wird nach Angaben der Verwaltung das neue Karstadt-Einkaufzentrum am Limbecker Platz, und zwar in der zukünftig vollständig fußläufigen Friedrich-Ebert-Straße. Die Platzierung erfolgt zwar links und rechts vom Haupteingang, leider jedoch nicht in dessen unmittelbarer Nähe, wie dies ADFC und EFI eigentlich für notwendig erachtet hatten.

Eon-Neubau bedroht Radweg

Der Konzern Eon-Ruhrgas plant einen Neubau seines Konzernsitzes auf dem ehemaligen Festwiesengelände in Rüttenscheid, das an seiner Westseite an die Norbertstraße grenzt. Diese weist speziell hier einen mit wunderschönen alten Platanen umgrenzten Radweg auf, von dem allerdings auf den bislang bekannten Planzeichnungen mitsamt den Bäumen nichts mehr zu sehen ist. Schlimm genug, dass also hier ganz offensichtlich die Bäume weichen sollen. In jedem Fall aber erhalten werden muss an dieser Stelle der Radweg, schließlich handelt es sich um eine Hauptradroute!

Kampmannbrücke

Diese die Stadtteile Heisingen und Kupferdreh verbindende Brücke über die Ruhr ist so marode, dass sie von Autos nur noch einspurig befahren werden darf. Ampeln regeln die Fahrtrichtung, der Gegenverkehr muss jeweils
Foto der Kampmannbrücke mit Ampel und schmalen Gehwegen links und rechts
Die Kampmannbrücke zwischen Heisingen und Kupferdreh -- für Radler derzeit kein angenehmes Pflaster
warten. Das bedeutet mitunter lange Wartezeiten, was natürlich auch die Radfahrer betrifft. Nun könn(t)en Autofahrer auf die autobahnmäßig ausgebaute Ruhrbrücke der B 227 ausweichen. Die ist als Kraftfahrstraße jedoch für Radler tabu. Und so benutzen etliche Radler auf der Kampmannbrücke den Gehweg, einige sogar den schmalen Asphaltstreifen zwischen der Bordsteinkante und den auf der Fahrbahn montierten Leitplanken (siehe Foto). Wer bereit ist Umwege zu fahren, kann natürlich auch über die frühere Eisenbahnbrücke radeln.

Nun wird bereits seit langem über die Art und Weise diskutiert, wie ein Ersatz für die Kampmannnbrücke aussehen könnte. Strittig war vor allem, wieviel Platz den Autos, Fußgängern und Radfahrern eingeräumt werden soll. Vor allem die CDU war sich hierbei nicht einig, was letztendlich eine gemeinsame Linie sowohl in der Bezirksvertretung VIII als auch im Rat verhinderte. Und so stimmte eine Mehrheit aus SPD, Grünen und FDP für den Vorschlag der Verwaltung, welcher eine 10,50 Meter breite Brücke mit einem 3,50 Meter breiten kombinierten Radgehweg auf der südlichen Seite vorsieht.

8,4 Mio € kostet der Neubau der Brücke. Zwar würde die Verwaltung gerne 2009 mit dem Bau beginnen, allerdings sind laut eines Berichts der NRZ im Investitionsprogramm des Landes derzeit keine Mittel für die Brücke vorgesehen.

Gustav-Heinemann-Brücke

Diese die Ruhr in Werden querende Brücke wird in den zwei kommenden Jahren, also 2008 und 2009, grundlegend saniert, was gerade für Radfahrer mangels Alternativstrecken massive Einschränkungen mit sich bringen wird. Als einziges positives Ergebnis der Sanierung soll es auf der Südseite der Brücke einen erheblich verbreiterten Rad- und Gehweg geben.

Alles andere als zufriedenstellend sind dagegen die Planungen der Verwaltung für die Führung des Radverkehrs über den vorgelagerten Kreuzungsbereich - egal in welcher Fahrtrichtung. So wie heute wäre auch zukünftig eine Querung nur in mehreren Etappen möglich. Ein Armutszeugnis für eine sich fahrradfreundlich nennende Stadt, die sich offen-bar nicht in der Lage sieht, hier eine wirklich innovative Lösung zu finden. Und das vor dem Hintergrund, dass über diesen Kreuzungsbereich der sehr erfolgreiche Ruhrtalradweg verläuft.

RuhrtalRadweg

Etwas Erfreuliches gibt es aus dem Ruhrtal zu berichten: Die Wegedecke des Hardenbergufers, das ist der Radwanderweg auf der Südseite des Baldeneysees, ist rechtzeitig zum Frühjahrsbeginn vollständig wiederhergestellt worden. Vor allem die jahrelangen Rohrverlegungsarbeiten
Foto des RuhrtalRadweges parallel zur Wuppertaler Straße
Der "RuhrtalRadweg": Buckelpiste parallel zur Wuppertaler Straße
des Ruhrverbandes hatten den Weg mehr und mehr zur Schlaglochpiste geraten lassen. Das hat nun ein Ende, der Weg ist jetzt wieder uneingeschränkt passierbar.

Alles andere als ordentlich geraten ist dagegen in Heisingen der neu mit einer Art wassergebundener (?) Decke hergerichtete Parallelweg zur Wuppertaler Straße zwischen den Einmündungen "Stauseebogen" und "Rote Mühle". Dieser offiziell als Route des RuhrtalRadwegs ausgewiesene Weg gleicht mehr einer Buckelpiste, die zudem noch etliche tückische Sandlöcher aufweist. Bleibt zu hoffen, dass hier noch nachgebessert wird.

Gruga-Radweg

Ähnliche Probleme gibt es vom Gruga-Radweg in Rüttenscheid zu vermelden. Hier wurde der Radweg gleich an zwei Stellen "ausgebessert". Beim Teilstück im Bereich des Steag-Heizkraftwerks war wegen der Verschlammung des Weges eine Grundsanierung notwendig geworden, die sich aufgrund widriger Umstände über zwei Monate hinzog (zusätzliche Schäden am Radweg durch Sturm Kryill, unkoordinierte Versorgung mit Arbeitsmaterialien und Gerätschaften). Schließlich wurde die Sanierung kurz vor Vollendung abgebrochen. Bereits wenige Tage zuvor hatte man den Weg provisorisch freigegeben, was zur Folge hatte, dass auch einige Reiter der gleichzeitig stattfindenden Messe "Equitana" ihre Pferde auf dem Weg ausritten. Da braucht man sich nicht zu wundern, dass auch hier etliche Dellen in der Wegedecke zu verzeichnen sind.

Das es noch schlimmer sein kann, ist im weiteren Verlauf des Radweges inmitten des Messeparkplatzes zu sehen. Hier hat eine andere Arbeitskolonne versucht den Weg auszubessern. Das Ergebnis: wie im Ruhrtal eine nur unzureichend befestigte Buckelpiste! Auch hier wäre eine Nachbesserung dringend erforderlich!

J.B.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Sommer 2007.
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