Neues für Essens Radler
Radstation Hbf und Altenessen
Wenn man Pressemeldungen Glauben schenken darf, scheint die seit über zehn
Jahren diskutierte Neugestaltung des Hauptbahnhofs nun doch unmittelbar
bevorzustehen. Mangels Geld wird daraus wohl aber nur eine
Generalsanierung werden. Diese soll allerdings im Hinblick auf das
Großereignis "Kulturhauptstadt 2010" bis dahin abgeschlossen sein. Hinter
vorgehaltener Hand ist zu hören, dass die seit 1999 in der ehemaligen
Expressgutabfertigung untergebrachte Radstation dabei auf der Strecke
bleiben könnte. Der Grund: Die Bahn will besagte Räumlichkeiten
kommerziell nutzen.
Angesichts eines nur bis 2009 bestehenden Nutzungsvertrags für die
Radstation gilt es für Politik und Verwaltung bereits heute darauf zu
drängen, dass zum einen dieser Vertrag verlängert wird -- und zwar
weitgehend zu den bisherigen Konditionen, denn eine marktübliche Miete
wird eine Radstation nie erwirtschaften können. Zum anderen muss ihr,
falls sich die jetzigen Räumlichkeiten tatsächlich nicht halten lassen,
ein gleichwertiger Standort als Ersatz angeboten werden.
Gleichwertig heißt nach Ansicht von ADFC und EFI mindestens die gleiche
Größe und eine mindestens ebenso gute Erreichbarkeit. Der bisherige Erfolg
der Essener Radstation fußt auch auf ihrer Nähe zum Haupteingang des
Bahnhofs. Es nützt nichts, wenn Radstation und Bahnsteige weit auseinander
liegen, dies wird von den Nutzern nicht akzeptiert, sprich sie bleiben
aus. Daran kann aber auch der Bahn nicht gelegen sein, denn jeder
verlorene Kunde der Radstation ist auch ein verlorener Kunde für die Bahn
und damit für den Umweltverbund. Und daran kann keinem gelegen sein. Das
hat jedenfalls der "Runde UmweltTisch" als Zusammenschluss der Essener
Umweltverbände auch noch einmal in einem Offenen Brief zum Ausdruck
gebracht.
Von der geplanten Radstation am Bahnhof Altenessen gibt es immer noch
keine Fortschritte zu vermelden. Der Rohbau steht zwar seit einigen
Jahren, die weiteren Bautätigkeiten ruhen aber seither. Das Problem
besteht darin, dass es sich hier um einen privaten Investor handelt, den
die Stadt leider nicht zum Weiterbau zwingen kann. Langsam wird es jedoch
kritisch, da die bereits seit längerem bestehende Fördermittelzusage des
Landes zu verfallen droht. Auch wenn dieser eigentlich unhaltbare Zustand
bereits mehrfach in der Presse thematisiert wurde, ist leider immer noch
kein Ende der Misere in Sicht.
Baustellenabsicherungen
Im vergangenen Jahr hatte die Stadtverwaltung zugesagt, zukünftig bei
Baustellen nach radfahrgerechten Verkehrsführungen zu suchen, die sich an
der AGFS-Broschüre "Baustellenabsicherung im Bereich von Geh- und
Radwegen" (siehe auch RiP 3/2006)
orientieren.
Dass man damit nach wie vor Probleme hat, zeigt die Riesenbaustelle rund
um den Krupp-Boulevard (neuerdings Berthold-Beitz-Boulevard). Es beginnt
mit der Pferdebahnstraße, wo besonders der in Fahrtrichtung Osten führende
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| Für Radler besteht derzeit auf der Altendorfer Straße gefährlich wenig Platz |
Radweg betroffen ist. Bereits im Einmündungsbereich zur Helenenstraße ist
dieser unpassierbar (gilt in diesem Bereich auch für den Radweg in
Gegenrichtung), im weiteren Verlauf sind auf ihm dann etliche
Gerätschaften der Baufirmen gelagert. Die nächste Unterbrechung folgt im
Bereich der Zufahrt der Baulaster für den zukünftigen Krupp-Boulevard. Ein
Kuriosum ist die Absperrung des Radwegs an seinem östlichen Ende (Ecke
Hans-Böckler-Straße / B 224), schließlich soll man hier eigentlich nur aus
der Pferdebahnstraße hinausfahren. Der gegenläufige Radweg, obgleich am
westlichen Ende auch nur bedingt passierbar, ist dagegen frei. Dass es für
den Radweg Pferdebahnstraße keine ausgeschilderte Umleitung für die
Radfahrer gibt, wundert in diesem Zusammenhang dann nicht mehr.
Auch an der Altendorfer Straße sorgt die Baustelle des Krupp-Boulevards
für eine Gefährdung des Radverkehrs. Hier liegen die
Baustellenabsperrungen so dicht an den Straßenbahnschienen, dass für
Radler hier nur wenige Zentimeter Platz verbleiben - lebensgefährlich! Nun
ist die Altendorfer Straße keine Hauptradroute, da aber sowohl die
Pferdebahnstraße aus zuvor geschilderten Gründen als auch die Frohnhauser
Straße mangels ebenso fehlender Radverkehrsanlagen keine Alternativen
bilden, muss die Stadt hier aktiv werden. Eine Versetzung der Absperrungen
um einen halben Meter hin zum Straßenrand würde nach Ansicht von ADFC und
EFI schon helfen, genügend Fahrbahnfläche ist hier noch vorhanden.
Umleitung Berliner Platz
Im letzten Heft der RAD im Pott wurde über
die mit ADFC und EFI abgesprochene Umleitung für Radfahrer um die
Großbaustelle Berliner Platz
berichtet, bei der bislang nur die Nord-Süd-Richtung ausgeschildert worden
war (siehe Foto). Beim letzten "Arbeitskreis Radverkehr" hat die
Verwaltung nun zugesagt, dass auch die Gegenrichtung eine entsprechende
Beschilderung erhalten soll. Allerdings müsse vorher noch die Kostenfrage
geklärt werden, da angesichts der zu erwartenden Dauer der Bautätigkeiten
besonders solide Schilder installiert werden müssten, die auch eine
längere Zeit stehen bleiben könnten.
Hauptradroutennetz
Schlechte Nachrichten gibt es hinsichtlich der Fortschreibung des
Hauptradroutennetzes. Obgleich etliche Maßnahmen in einem 2006
aufgestellten Katalog als bis zum Jahre 2010 fertiggestellt aufgeführt
sind (siehe RiP 4/2006), musste die
Verwaltung nun eingestehen, dass man
z.B. für die Radfahrstreifen auf der Frohnhauser Straße (zwischen Jäger-
und Haedenkampstraße) sowie der Borbecker Straße (zwischen Schloß- und
Fürstäbtissinstraße) zwar einen Finanzierungsantrag beim Land gestellt
habe, mit einer Bewilligung jedoch nicht vor 2011 zu rechnen sei. Wann
diese doch sehr empfindlichen Lücken im Hauptroutennetz nun wirklich
geschlossen werden können, mag man sich unter diesen Umständen garnicht
ausmalen.
Fahrrad- und Einbahnstraßen
Bereits vor geraumer haben die Bezirksvertretungen I (Innenstadt, Süd-,
Nord-, West- und Ostviertel), II (Rüttenscheid, Stadtwald, Berger- und
Rellinghausen), III (Altendorf, Frohn- u. Holsterhausen, Margarethenhöhe
und Haarzopf) sowie VI Stoppenberg, Katernberg und
Schonnebeck) beschlossen, alle geeigneten Einbahnstraßen in ihren Bezirken
für gegenläufigen Radverkehr freizugeben. Dazu hat sich eine Arbeitsgruppe
aus verschiedenen Stadtämtern gebildet, welche diese Eignung jeweils vor
Ort prüfen soll. Der Bezirk VI wird nun der erste Bezirk sein, in dem
besagte Prüfungen in Kürze abgeschlossen sein werden.
Eine Erwähnung wert ist in diesem Zusammenhang noch eine neue
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| Fahrradstraße Kunsterwerkerstraße |
Fahrradstraße, nämlich die Kunstwerkerstraße im Stadtteil Bergerhausen.
Das Rechnungsprüfungsamt hatte sich lange Zeit gegen deren Realisierung
gesperrt (siehe RiP 4/2006). Doch
schließlich war man auch hier zu der Erkenntnis gelangt, dass es kaum
eine preiswertere und effektivere Möglichkeit für die Schaffung einer
Radroute gibt. Immerhin besteht jetzt eine durchgehende Verbindung vom
Siepental ins Ruhrtal zum neuen RuhrtalRadweg.
Fahrradabstellanlagen
118 VRR-Abstellbügel hat die Stadt Essen in den vergangenen Monaten an
insgesamt 29 Standorten installiert, darunter am Georg-Melches-Stadion in
Vogelheim (RWE) und -- endlich! -- auch an der Philharmonie.
Letzteres ist insofern bemerkenswert, als dass sich deren Intendant zwei
Jahre lang mit allen Mitteln gegen eine Aufstellung gewehrt hatte (siehe
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| Endlich -- die neuen VRR-Bügel an der Philharmonie |
auch RiP 4/2006) und es etlicher
Ortstermine und der Einschaltung
hochrangiger Personen aus Politik und Verwaltung bedurfte, um diese
eigentlich selbstverständliche Angelegenheit über die Bühne zu bringen.
Aus diesem Grund gilt es in allernächster Zukunft darauf zu achten, dass
auch der 55 Mio € teure Neubau des Folkwang-Museums adäquat mit
Fahrradabstellanlgen ausgestattet wird, so wie dies beim Vorgängerbau der
Fall gewesen ist.
In jedem Fall Fahrradabstellanlagen erhalten wird nach Angaben der
Verwaltung das neue Karstadt-Einkaufzentrum am Limbecker Platz, und zwar
in der zukünftig vollständig fußläufigen Friedrich-Ebert-Straße. Die
Platzierung erfolgt zwar links und rechts vom Haupteingang, leider jedoch
nicht in dessen unmittelbarer Nähe, wie dies ADFC und EFI eigentlich für
notwendig erachtet hatten.
Eon-Neubau bedroht Radweg
Der Konzern Eon-Ruhrgas plant einen Neubau seines Konzernsitzes auf dem
ehemaligen Festwiesengelände in Rüttenscheid, das an seiner Westseite an
die Norbertstraße grenzt. Diese weist speziell hier einen mit
wunderschönen alten Platanen umgrenzten Radweg auf, von dem allerdings auf
den bislang bekannten Planzeichnungen mitsamt den Bäumen nichts mehr zu
sehen ist. Schlimm genug, dass also hier ganz offensichtlich die Bäume
weichen sollen. In jedem Fall aber erhalten werden muss an dieser Stelle
der Radweg, schließlich handelt es sich um eine Hauptradroute!
Kampmannbrücke
Diese die Stadtteile Heisingen und Kupferdreh verbindende Brücke über die
Ruhr ist so marode, dass sie von Autos nur noch einspurig befahren werden
darf. Ampeln regeln die Fahrtrichtung, der Gegenverkehr muss jeweils
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| Die Kampmannbrücke zwischen Heisingen und Kupferdreh -- für Radler derzeit kein angenehmes Pflaster |
warten. Das bedeutet mitunter lange Wartezeiten, was natürlich auch die
Radfahrer betrifft. Nun könn(t)en Autofahrer auf die autobahnmäßig
ausgebaute Ruhrbrücke der B 227 ausweichen. Die ist als
Kraftfahrstraße jedoch für Radler tabu. Und so benutzen etliche Radler auf
der Kampmannbrücke den Gehweg, einige sogar den schmalen Asphaltstreifen
zwischen der Bordsteinkante und den auf der Fahrbahn montierten
Leitplanken (siehe Foto). Wer bereit ist Umwege zu fahren, kann natürlich
auch über die frühere Eisenbahnbrücke radeln.
Nun wird bereits seit langem über die Art und Weise diskutiert, wie ein
Ersatz für die Kampmannnbrücke aussehen könnte. Strittig war vor allem,
wieviel Platz den Autos, Fußgängern und Radfahrern eingeräumt werden soll.
Vor allem die CDU war sich hierbei nicht einig, was letztendlich eine
gemeinsame Linie sowohl in der Bezirksvertretung VIII als auch im Rat
verhinderte. Und so stimmte eine Mehrheit aus SPD, Grünen und FDP für den
Vorschlag der Verwaltung, welcher eine 10,50 Meter breite Brücke mit einem
3,50 Meter breiten kombinierten Radgehweg auf der südlichen Seite
vorsieht.
8,4 Mio € kostet der Neubau der Brücke. Zwar würde die Verwaltung gerne
2009 mit dem Bau beginnen, allerdings sind laut eines Berichts der NRZ im
Investitionsprogramm des Landes derzeit keine Mittel für die Brücke
vorgesehen.
Gustav-Heinemann-Brücke
Diese die Ruhr in Werden querende Brücke wird in den zwei kommenden
Jahren, also 2008 und 2009, grundlegend saniert, was gerade für Radfahrer
mangels Alternativstrecken massive Einschränkungen mit sich bringen wird.
Als einziges positives Ergebnis der Sanierung soll es auf der Südseite der
Brücke einen erheblich verbreiterten Rad- und Gehweg geben.
Alles andere als zufriedenstellend sind dagegen die Planungen der
Verwaltung für die Führung des Radverkehrs über den vorgelagerten
Kreuzungsbereich - egal in welcher Fahrtrichtung. So wie heute wäre auch
zukünftig eine Querung nur in mehreren Etappen möglich. Ein Armutszeugnis
für eine sich fahrradfreundlich nennende Stadt, die sich offen-bar nicht
in der Lage sieht, hier eine wirklich innovative Lösung zu finden. Und das
vor dem Hintergrund, dass über diesen Kreuzungsbereich der sehr
erfolgreiche Ruhrtalradweg verläuft.
RuhrtalRadweg
Etwas Erfreuliches gibt es aus dem Ruhrtal zu berichten: Die Wegedecke des
Hardenbergufers, das ist der Radwanderweg auf der Südseite des
Baldeneysees, ist rechtzeitig zum Frühjahrsbeginn vollständig
wiederhergestellt worden. Vor allem die jahrelangen Rohrverlegungsarbeiten
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| Der "RuhrtalRadweg": Buckelpiste parallel zur Wuppertaler Straße |
des Ruhrverbandes hatten den Weg mehr und mehr zur Schlaglochpiste geraten
lassen. Das hat nun ein Ende, der Weg ist jetzt wieder uneingeschränkt
passierbar.
Alles andere als ordentlich geraten ist dagegen in Heisingen der neu mit
einer Art wassergebundener (?) Decke hergerichtete Parallelweg zur
Wuppertaler Straße zwischen den Einmündungen "Stauseebogen" und "Rote
Mühle". Dieser offiziell als Route des RuhrtalRadwegs ausgewiesene Weg
gleicht mehr einer Buckelpiste, die zudem noch etliche tückische
Sandlöcher aufweist. Bleibt zu hoffen, dass hier noch nachgebessert wird.
Gruga-Radweg
Ähnliche Probleme gibt es vom Gruga-Radweg in Rüttenscheid zu vermelden.
Hier wurde der Radweg gleich an zwei Stellen "ausgebessert". Beim
Teilstück im Bereich des Steag-Heizkraftwerks war wegen der Verschlammung
des Weges eine Grundsanierung notwendig geworden, die sich aufgrund
widriger Umstände über zwei Monate hinzog (zusätzliche Schäden am Radweg
durch Sturm Kryill, unkoordinierte Versorgung mit Arbeitsmaterialien und
Gerätschaften). Schließlich wurde die Sanierung kurz vor Vollendung
abgebrochen. Bereits wenige Tage zuvor hatte man den Weg provisorisch
freigegeben, was zur Folge hatte, dass auch einige Reiter der gleichzeitig
stattfindenden Messe "Equitana" ihre Pferde auf dem Weg ausritten. Da
braucht man sich nicht zu wundern, dass auch hier etliche Dellen in der
Wegedecke zu verzeichnen sind.
Das es noch schlimmer sein kann, ist im weiteren Verlauf des Radweges
inmitten des Messeparkplatzes zu sehen. Hier hat eine andere
Arbeitskolonne versucht den Weg auszubessern. Das Ergebnis: wie im Ruhrtal
eine nur unzureichend befestigte Buckelpiste! Auch hier wäre eine
Nachbesserung dringend erforderlich!
J.B.
Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Sommer 2007.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de