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RAD im Pott Herbst 2007 Essen

Hauptbahnhof auf der Kippe -- Altenessen fraglicher denn je

Diskussionen um Radstationen

Die seit langem geplante Sanierung des Essener Hauptbahnhofs ist in trockenen Tüchern. Mitte Juli konnten sich Stadt, Land, Bund und DB über eine Aufteilung der Kosten in Höhe von 60 Mio € einigen. Allerdings ist diese Einigung auch dem Umstand zu verdanken, dass Essen als zentraler Stanmdort für das Großereignis "Kulturhauptstadt Ruhr 2010" gilt.

Vom großen architektonischen Wurf, wie er vor über 10 Jahren einmal geplant war, ist allerdings keine Rede mehr. Neben der Instandsetzung der maroden Gebäudesubstanz wird es u.a. neue Bahnsteige geben, die Ein- und
Foto des Hauptbahnhof Essen
Durchgänge werden saniert sowie das pavillonartige Vordach am Südausgang ersetzt. Die genauen Pläne dafür werden jetzt ausgearbeitet, die Fertigstellung soll in jedem Fall bis zum Kulturhauptstadtjahr 2010 erfolgen.

Auch ADFC und EFI begrüßen den Durchbruch zur grundlegenden Sanierung des Hauptbahnhofs, bedeutet dies doch endlich auch den Einbau der dringend notwendigen Aufzüge zu den Bahnsteigen. Mit diesen können dann auch die Radler, barrierefrei die Bahnsteige erreichen. Bislang besitzt Essen einen der letzten Großstadtbahnhöfe Deutschlands ohne Aufzüge. Insgesamt ein wichtiger Schritt hin zur fahrradfreundlichen Stadt.

Ein absolutes Muss ist auch der Fortbestand der seit 1999 bestehenden Radstation im Hauptbahnhof. Die in der ehemaligen Expressgutabfertigung untergebrachte Einrichtung erfreut sich einer stabilen Frequentierung. Leider verfügt die Radstation nur über einen Zehnjahresvertrag, welcher 2009, also mitten in der Umbauphase, ausläuft. Seitens der Bahn gibt es Bestrebungen, besagte Expressgutabfertigung demnächst kommerziell nutzen zu können. Das würde das Aus für die Radstation bedeuten, zumindest solange es keine adäquaten neuen Räumlichkeiten gibt.

ADFC und EFI halten den Fortbestand der Radstation im Hauptbahnhof für unerlässlich, um auch zukünftig Pendlern und anderen Bahnreisenden, die fle-xibel und umweltfreundlich per Rad zum Bahnhof gelangen wollen, eine diebstahlsichere und wettergeschützte Abstellmöglichkeit bieten zu können. Voraussetzung für eine gute Akzeptanz der Radstation ist dabei ein möglichst nah an den Bahnsteigen liegender Standort.

So gesehen war und ist die Expressgutabfertigung im Hauptbahnhof ein optimaler Standort. Falls also die Radstation nach 2009 dort tatsächlich ausziehen sollte, müsste nach Ansicht von ADFC und EFI ein mindestens ebenso guter Standort gefunden werden. Auch dürfte dieser unter keinen Umständen kleiner ausfallen, damit auch weiterhin eine gute Frequentierung gewährleistet werden kann. Das Beste wäre natürlich, wenn die Radstation auch über 2009 hinaus dort bleiben könnte, wo sie heute ist.

Radstation Altenessen - die unendliche Geschichte

Diese seit Mitte der 90er Jahre konkret geplante Radstation entwickelt sich mehr und mehr zum Trauerspiel (die RAD im Pott hat schon mehrfach darüber berichtet). Derzeit erscheint eine Fertigstellung fraglicher denn je, obwohl das für die Unterbringung der Radstation geplante Wohn- und Geschäftshaus direkt gegenüber dem Altenessener Bahnhof seit gut zwei Jahren fertig ist -- allerdings nur als Rohbau! Seither tut sich nichts. Der Investor des Gebäudes hat statt dessen die Stadt immer wieder vertröstet. Auch dieses Mal ließ er verlautbaren: "Wir fangen mit dem Innenausbau in Kürze an".

Diese Verzögerungstaktik ist auch der Bezirksregierung in Düsseldorf aufgefallen, die die vom Land im Jahr 2005 bewilligten Zuschussgelder in Höhe von 232.200 € verwaltet. Und so langsam wird man dort am Rhein ungeduldig, schließlich gibt es in NRW auch noch andere Anwärter auf die ohnehin hart umkämpften Fördergelder. Die Stadt befindet sich in einer Zwickmühle: Auf der einen Seite wird sie von der Bezirksregierung mehr und mehr unter Druck gesetzt, auf der anderen Seite besitzt sie selbst kein Druckmittel, um den Investor zur Fertigstellung des Gebäudes zu zwingen.

Eine bezüglich der Platzverhältnisse adäquate Alternative wäre die ehemalige Lierfeldschule, die sich zudem noch in städtischem Besitz befindet. Nur liegt diese vom Bahnhof so weit entfernt, dass kaum ein Radfahrer diesen Standort akzeptieren würde.

J.B.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2007.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de