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RAD im Pott Herbst 2007 Essen

Projekt "Neue Wege zum Wasser" hinterlässt erste Spuren

Eine Radroute namens "Blauer Pfad"

Vor einem Jahr erschien in der RAD im Pott ein Bericht über das von der Stadt Essen im Zusammenhang mit der Renaturierung der Emscher und ihrer Zuflüsse aufgelegte Programm "Neue Wege zum Wasser". Dieses Entwicklungsprogramm dient maßgeblich der Attraktivitätssteigerung bislang vernachlässigter Bereiche vornehmlich im nördlichen, westlichen und östlichen Stadtgebiet. Dazu hat man von vornherein auch neue Wege für den Radverkehr mit in Betracht gezogen.

Wie dies konkret aussehen könnte, hat die Stadt im Juni vorgestellt. Geplant sind drei durchgängige Nord-Süd-Achsen, die den Rhein-Herne-Kanal mit der Ruhr verbinden sollen -- eine im Westen, eine in der Mitte und eine im Osten der Stadt. Als erstes soll die etwa 20 Kilometer lange Westroute von Dellwig bis nach Werden in Angriff genommen werden, wobei man wo immer möglich durch grüne Bereiche gehen will. Bis zum Kulturhauptstadtjahr 2010 soll diese als "Blauer Pfad" bezeichnete Radroute fertiggestellt sein. Geleitet werden die Radler auf dieser Route mit Hilfe von blauen Markierungen.

Zu zwei Dritteln führt dieser "Blaue Pfad" über bereits bestehende Wege, die allerdings nur zum Teil für Radfahrer geeignet sind. Einige Radwege wurden bereits vor Jahrzehnten angelegt, hier besteht dringender Erneuerungsbedarf. Dafür, aber auch um die noch bestehenden Lücken zu schließen, hat die Stadt in diesem Jahr 1,2 Mio € bereitgestellt, in den kommenden zwei Jahren sind es jeweils 1,5 Mio €.

Für eine Stadt wie Essen ist die Durchführung eines derartigen Projekts nur noch möglich mit Hilfe von Beschäftigungsprogrammen. Auf diese Weise hatte man bereits vor vielen Jahren im Essener Norden im Zuge der "Grünen 14" ein Radwegenetz geschaffen. Auch in den 90er Jahren sind Langzeitsarbeitslose bei Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) im Radwegebau eingesetzt worden.

Zur Zeit ist man dabei, die Zahl derartiger Arbeitskräfte (Gemeinwohlarbeiter) wieder stark zu erhöhen. Um Befürchtungen entgegenzuwirken, die Stadt mache privaten Unternehmen damit Konkurrenz, gehen die Aufträge dieses Mal direkt an die Firmen. Die müssen dafür Langzeitarbeitslose befristet beschäftigen - natürlich verbunden mit der Hoffnung, dass diese dort irgendwann einen festen Arbeitsplatz erhalten. In 15% der Fälle würde dies auch klappen, so die "Essener Arbeits- und Beschäftigungsgesellschaft" (EABG), die hierbei als offizieller Kooperationspartner der Stadt agiert.

Alles in allem werden auf diese Weise Essens Radler schneller als gedacht zu neuen Radrouten gelangen. Wer hätte vor zwanzig Jahren an eine solche Entwicklung beim Radverkehr geglaubt?

J.B.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2007.
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