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RAD im Pott Herbst 2007 Duisburg

Radverkehr auf der Königstraße vor dem Aus?

Duisburgs "Kö" ist nicht nur die beliebteste Einkaufsmeile, sondern auch die wichtigste Ost-West-Querung in der City. "Fußgängerzone-Radfahrer frei" lautet die Beschilderung, doch bereits heute ist sie an über 150 Tagen im Jahr teilweise oder ganz für den Radverkehr gesperrt. Wochenmarkt, Ökomarkt, Weinfest, Weihnachtsmarkt, Stadtfest... - die Liste der Anlässe ist lang, an denen das Ordnungsamt den Radverkehr aus der Königsstraße verbannt.

Den Wunsch, sie vollständig für den Radverkehr zu sperren, wurde von Vertretern der Stadt schon mehrfach geäußert. Immer wieder würden rücksichtslose Radfahrer die einkaufenden Fußgänger gefährden. Wenn die rasenden Rüpelradler ihr verwerfliches Verhalten nicht unverzüglich änderten, helfe nur noch die Sperrung, verlautete aus Kreisen der Verwaltung. In der Tat, es gibt Radfahrer, die viel zu schnell durch die
Foto der Königstraße mit vielen Fußgängern
Fußgängerzone flitzen und für Verärgerung sorgen. Es ist klar die Minderheit, aber sie prägen das Image. Dabei müsste bei einer Breite von über 25(!) Metern und angemessener Fahrweise doch ein friedliches Miteinander möglich sein. Beobachtet man die Flitzer genauer, so fällt auf, dass sie die Königstraße meistens als Durchgangsstrecke benutzen und nicht, um eines der Geschäfte anzufahren.

Warum benutzen sie nicht eine weniger konfliktträchtige Strecke, um die City zu durchqueren? Schaut man sich die Alternativen an, ist die Antwort einfach. Parallel zur Königsstraße verlaufen die Friedrich-Wilhelm-Straße und die Landfermann-/Köhnenstraße und beide sind in ihrer heutigen Gestaltung für den Radverkehr wenig geeignet. Durchgängige Radverkehrsanlagen existieren nicht. Mal fährt man zwischen den Autos, mal auf der Busspur, mal schlecht markiert auf dem Bürgersteig. Rechtsabbieger, rückwärts ausparkende Autos und der von hinten drängende Bus machen ein entspanntes und sicheres Radlen unmöglich. Statt dessen fühlt man sich in einen Angstraum versetzt. Und Konflikte mit Bussen und PKW sind eindeutig gefährlicher als mit Fußgängern. Zahlreiche Ampelanlagen kosten viel Zeit und Kraft. So ist es kaum verwunderlich, dass die Königstraße sich auch beim "Radfernverkehr" großer Beliebtheit erfreut. Will man die Konflikte zwischen Fußgängern und Radlern auf der Königsstraße ernsthaft verringern, müssen die potentiell guten Alternativrouten radfahrfreundlich gestaltet werden.

Fahrverbote auf der Königstraße lösen die Probleme nicht. Sie sind Ausdruck eines obrigkeitsstaatlichen Denkens, das den Radler nicht als Bürger unserer Stadt willkommen heißt, sondern als Ärgernis behandelt, welches zu unterdrücken ist. Die Schaffung geeigneter Alternativen ist ein Prüfstein, der zeigt, inwieweit die Stadt die Förderung des Radverkehrs in der City ernst meint.

Lord Norman Foster hat im Masterplan Innenstadt gerade diese Förderung des Radverkehrs zu einem Schlüsselelement gemacht. Der ADFC begrüßt die Forderung des großen Architekten. Radverkehr ist umweltschonend, geräuscharm, gesundheitsfördernd und effektiv. Die Konflikte auf der "Kö" lassen sich durch intelligente Konzepte und nicht durch Verbote lösen. OB Adolf Sauerland hat Gesprächsbereitschaft signalisiert. Das ist die gute Nachricht.

Dieter Depnering


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2007.
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