<< Radverkehrsnetz NRW kommt nach Duisburg zurück zur Jahresübersicht Radstation am Hauptbahnhof >>


RAD im Pott Herbst 2007 Duisburg

Duisburger Umwelttage 2007

Umwelt, Mobilität und Verkehr

Für die moderne Industriegesellschaft ist Mobilität unverzichtbar. Aber der enorme Zuwachs an technisch unterstützter Mobilität in den letzten 150 Jahren hat die Umwelt in bisher unbekanntem Ausmaß verändert. Hoher Energie- und Rohstoffverbrauch, Versiegelung der Landschaft und Bewegungsmangel bei den Menschen sind die Schattenseiten dieser Entwicklung. Auch der Klimawandel macht deutlich, dass wir ungebremst in die Katastrophe zu fahren drohen, falls es nicht gelingt, bessere, das heißt umwelt- und menschenverträglichere Formen der Mobilität zu praktizieren.

In diesem Punkt war sich das hochkarätige Podium der Eröffnungsveranstaltung weitgehend einig. Vor über vierhundert Teilnehmern in der Halle der DB-Netz war die Debatte jenseits dieses allgemeinen Konsenses durchaus kontrovers. Besonders Staatsekretär Dr. Kozlowski vom NRW-Verkehrsministerium setzte den Schwerpunkt auf Verbesserung der Technik. Bessere und sparsame Motoren, computergesteuerte Verkehrsleitsysteme, effizientere Lärmdämmung, auf diesem Wege glaubt er die enormen Herausforderungen zu meistern. Weiter so, aber etwas schlauer, schien sein Credo zu sein.

Kein Wort zur wachsenden Bedeutung des Radverkehrs, der Mobilität zu Fuß, zum enormen Flächen- und Energieverbrauch durch Straßen, der hohen Lärmbelastung durch Auto- und Bahnverkehr, der Zerschneidung der Landschaft durch Autobahnen.

Sehr unscharf war auch sein Mobilitätsbegriff. Denn Autobahnen und Bahnstrecken machen zwar das Überwinden großer Entfernungen leicht und sind somit klassische Infrastrukturen der Makromobilität, aber erschweren zugleich Mikromobilität. Das Betreten von Autobahnen und Bahngleisen ist streng verboten und gefährlich. Nur an besonders hergerichteten Stellen ist ein Überqueren mit Hilfe aufwendiger Brücken und Unterführungen möglich. Wer also mal schnell zu Fuß oder mit dem Rad auf die andere Seite will, muss enorme Umwege in Kauf nehmen. Das ist in Duisburg z. B. im Bereich der A 59 und des Hauptbahnhofes ein massives Problem. Die so gepriesene Makromobilität unterdrückt durch ihren enormen technischen Aufwand die wesentlich umweltfreundlichere und gesündere Mikromobilität. Daran ändern auch sparsamere Motoren, leisere Fahrzeuge und "intelligente" Verkehrsleitsysteme nichts.

Prof. Heiner Monheim von der Uni Trier legte den Schwerpunkt seiner Argumentation auf die Stärkung der Mikromobilität und die Verbesserung der Lebensqualität in den Städten. Entschieden müsse man der durch die Förderung der Makromobilität erst möglich gewordene "Stadtflucht" in die Vorstädte und das Umland entgegenwirken. Die Menschen sollen wieder gerne in der Stadt wohnen; in einer Stadt der kurzen Wege, wo Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeit nahe beieinander liegen. Das würde die fatale Abhängigkeit vom Auto entschieden mindern und die Verkehrsmengen reduzieren. Das Rad, das bis in die fünfziger Jahre 40% der Verkehrsleistung im Ruhrgebiet erbrachte, sei in dieser modernen Stadt ein ideales Verkehrsmittel.

Er forderte die Teilnehmer der Veranstaltung auf, nicht nur auf Politik und Verwaltung zu warten, sondern selbst aktiv zu werden, die Fahrräder aus den Kellern zu holen und das Rad zu benutzen. Dadurch ließen sich große Mengen an Treibhausgasen, Rohstoffen und Energie einsparen. Und man würde merken: Radfahren ist nicht nur gesund, sondern macht auch Spaß.

Man konnte nach der doch eher braven Rede des Staatsekretärs Kozlowski merken, wie die Beiträge von Prof. Monheim die Stimmung im Saal veränderten. Es gab kräftigen Applaus. So schön und optimistisch der Appell von Heiner Monheim an die Bürger war, man könnte aus Sicht des ADFC sogar von einer Steilvorlage für die Förderung des Radverkehrs sprechen, so schien dem Vertreter des ADFC Duisburg auf dem Podium der Appell zu einseitig. Politik und Verwaltung seien ebenso in der Pflicht wie die Bürger. Ohne sichere Wege und gute Ausschilderung hätten viele Bürger Angst, sich mit dem Rad in der heftigen Autoverkehr zu wagen. Besonders Kinder und Jugendliche brauchen das Gefühl, dass es toll ist, mit dem Rad zur Schule, zu Freunden oder zum Sport zu fahren. Sie sollen nicht mehr sehnsuchtsvoll darauf warten, endlich das eigene Auto zu bekommen, um zum vollwertigen Verkehrsteilnehmer zu werden.

Der "Grüne Ring" sei ein Projekt, das auf alten Bahntrassen sichere und attraktive Rad- und Fußwege durch die Stadt ermögliche. Bahn und Stadt sollten gemeinsam nach Lösungen suchen, um dieses wegweisende Projekt zu verwirklichen.

Das ehrgeizige Ziel, "Radfahren in Duisburg so attraktiv werden zu lassen wie in Münster", wie Oberbürgermeister Sauerland in seiner Eröffnungsrede forderte, bliebe dann nicht nur ein schöner Traum.

Dieter Depnering


<< Radverkehrsnetz NRW kommt nach Duisburg zurück zur Jahresübersicht Radstation am Hauptbahnhof >>


Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2007.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de