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RAD im Pott Herbst 2007 Duisburg

Stadterkundung mit dem Oberbürgermeister

Langsam wird es zur Tradition: Zum dritten Mal radelte Oberbürgermeister Adolf Sauerland auf Einladung des ADFC durch Duisburg. Diesmal war die Situation in der City der Schwerpunkt der Tour.

Die City ist im Umbruch: Die neuen Veranstaltungs- und Einkaufstempel City-Palais und Forum sollen neue Gäste ins Zentrum locken. Der König-Heinrich-Platz wird aufwendig neu gestaltet, vor dem Theater wurde -- man glaubt es kaum -- ein verkehrsberuhigter Bereich eingerichtet. Die City soll attraktiver und schöner werden. Urbane Lebensqualität ist das allseits gewünschte Ziel.

Foto der Radtour mit dem Oberbürgermeister
Stararchitekt Lord Norman Foster hat in seinem Masterplan Innenstadt die Dominanz des Autoverkehrs in der Innenstadt als ernstes Problem gebrandmarkt, weil sie die neue Lebensqualität stark behindere. Fußgänger und Radler seien weit weniger problematische Verkehrsteilnehmer, ihre Interessen gelte es zu stärken. Der Radverkehrsanteil am Verkehrsaufkommen soll auf 25% gesteigert werden. Da ist er sich mit OB Adolf Sauerland einig. Leider hat Lord Foster im Unterschied zum Auto- und Fußverkehr keine konkreten Vorschläge zur Stärkung des Radverkehrs gemacht.

Der ADFC sieht diese Lücke im Masterplan als Aufforderung zu bürgerschftlichem Engagement. Auf der Tour mit der Stadtspitze - neben dem OB nahmen auch Umweltdezernent Dr. Peter Greulich, die Radverkehrsbeauftragte Frau Scheel und Herr Fehr von der Innenstadtentwicklungsgesellschaft teil - haben wir einerseits auf die alltäglichen Probleme, die den Radverkehr erschweren, hingewiesen. Des weiteren haben wir unsere Visionen, die eine nachhaltige Steigerung des Radverkehrsanteils befördern, vor Ort erläutert.

Problembereich 1: Radverkehrsbehindernde Beschilderungen

In der City zwingt ein Netz von Einbahnstraßen die Radler zu zeitraubenden und teilweise gefährlichen Umwegen. Exemplarisch seien genannt: Moselstraße, Neckarstraße, Claubergstraße, Börsenstraße ... Wer sich nicht bestens auskennt oder bereit ist, sich ordnungswidrig zu verhalten, verliert schnell die Orientierung und kommt viel später und genervt ans Ziel. Hier tut die Öffnung der Einbahnstraßen gegen die Fahrtrichtung für Radfahrer Not. Fast alle Straßen sind breit genug, um dies gefahrlos machen zu können. Daher fordern wir die flächendeckende Öffnung. Die oft genannten Sicherheitsbedenken sind durch wissenschaftliche Studien der Bundesanstalt für Straßenwesen und die Erfahrung anderer Städte eindrucksvoll widerlegt. Sie haben sich schlicht als irrationale Vorurteile erwiesen. Wie nützlich diese Öffnung ist, zeigt sich auf der Wall- und Grünstraße. Autofahrer und Radler respektieren sich gegenseitig. Weder der Oberbürgermeister noch die Pressevertreter wurden über den Haufen gefahren. Der sehr beliebte Dellplatz mit Kino und Gastronomie ist endlich gut für Radler zu erreichen. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung!

Problembereich 2: Keine Beschilderung wichtiger Ziele in Stadt

Radler nutzen gerne autoverkehrsarme Nebenstrecken, weil es sicher, leiser und nervenschonender ist. Solche Nebenstrecken sind aber nicht beschildert und so ist es schwierig, gute Wege zu finden. Man gerät vor Einbahnstraßenschilder, muss links und rechts abbiegen und die Orientierung geht rasch verloren. Hier hilft eine durchdachte Beschilderung für Radfahrer mit den großen weißen Schildern und roter Beschriftung. Das ist in vielen Städten Standard: Oberhausen, Berlin, Düsseldorf, Münster, Krefeld, Ratingen... Nur in Duisburg hat man die Entwicklung lange Jahre verschlafen. Die Verwaltungsspitze zeigte sich unserem Wunsch aufgeschlossen und ist sich der Notwendigkeit eines Veloroutenetzes bewusst, wenn der Radverkehr nachhaltig gefördert werden soll. Der ADFC wird nicht locker lassen und über die Entwicklung berichten.

Problembereich 3: unzureichende sichere Radabstellmöglichkeiten

Fahrraddiebstahl ist ein massenhaftes Phänomen. Kaum ein Radler, der nicht schlechte Erfahrungen gemacht hat. Viele Radler fahren daher mit alten Rädern in die Stadt. Das schützt zwar nicht sicher vor Diebstahl, aber der Schaden hält sich in Grenzen. Die guten Räder werden nur dann benutzt, wenn man sie vor Diebstahl sicher weiß. Die Radstation am Hauptbahnhof bietet sehr guten Schutz. Aber sie ist viel zu weit von der Königstraße, vom Dellplatz oder dem Innenhafen entfernt. Sichere Abstellmöglichkeiten gibt es dort zu wenig oder sie fehlen an diesen und anderen Orten fast ganz. So kettet man die Räder in seiner Not mit dicken Schlössern an Laternen, Geländer oder Schildermasten. Kein schöner Anblick und für Fußgänger zu häufig ein Hindernis. In den Niederlanden gibt es weit bessere Lösungen. Wir sollten von unseren westlichen Nachbarn lernen. Bewachte Abstellanlagen gibt an wichtigen Orten, natürlich gut ausgeschildert. Die Akzeptanz ist sehr gut und das Stadtbild gewinnt. Schließfächer fürs Gepäck machen den Einkauf in der Stadt wesentlich einfacher. Bei der Neugestaltung der Innenstadt im Rahmen des Masterplans sollten ähnliche Lösungen bedacht werden. Am Innenhafen wären sichere und formschöne Abstellbügel ein erster Schritt. Umweltdezernent Greulich und OB Sauerland hörten sich die Vorschläge des ADFC konzentriert an. Sie forderten uns auf, mit dem Büro Foster die Dinge ausführlich zu diskutieren. Wir wollen diese Chance wahrnehmen und werden in der RIP berichten.

Problembereich 4: leistungsfähige Nord-Süd- und Ost-West-Querungen

Der Deutschen liebstes Kind, das Auto, beansprucht und erhält den überwältigenden Teil der öffentlichen Verkehrsfläche. Das schien für Jahrzehnte der beste Weg zu einer attraktiven Stadt. Die Schattenseiten der automobilen Mobilität wurden zu oft verdrängt oder geleugnet. Radverkehr galt in den Augen der Verkehrsingenieure als aussterbende Form der Mobilität. Dabei hatte im Ruhrgebiet der 50er Jahre sein Anteil noch vierzig Prozent (!) des Verkehrsaufkommens betragen. Man fuhr mit dem Rad zu Thyssen, Krupp und den Zechen. Mit dem Rad zur Arbeit hat viele Vorteile. Mit dem Rad zum Einkaufen auch. Voraussetzung sind leistungsfähige Radrouten in der Stadt. In der City fehlen besonders sichere und gut erkennbare Ost-West- und Nord-Süd-Querungen. Vom Hauptbahnhof zum Rathaus und vom Innenhafen zum Rheinpark ist es heute unattraktiv, unübersichtlich und gefährlich. Eine durchdachte Konzeption und eine gute Beschilderung würden helfen. Der ADFC wird in Diskussion mit der Stadt seine Vorstellungen einbringen.

Fazit

Die Stimmung auf der Tour war gut und man hörte sich konzentriert zu. Die Probleme wurden ernst genommen und nicht mit schönen Worten beiseite gewischt. Die neue Radverkehrsbeauftragte, Frau Scheel, machte sich fleißig Notizen. In einem intensiven Auswertungsgespräch wurden die Eindrücke verarbeitet. Vier Stunden nahm sich die Stadtspitze Zeit. Das ist nicht selbstverständlich. Es wurde vereinbart, in gemeinsamen Gesprächen mit der Fachverwaltung die Probleme anzugehen. Beide Seiten werteten die Tour als Erfolg.

Dieter Depnering


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2007.
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