Neue Radwanderkarten für die Region
Viele neue Radrouten zu entdecken
Gerade im Ruhrgebiet sind in den letzten Jahren viele neue Radrouten
entstanden. Für die Herausgeber von Radwanderkarten bedeutet dieser doch
eigentlich sehr erfreuliche Umstand, dass sie ihre Kartenwerke mehr denn
je auf dem Laufenden halten müssen. Der Idealfall einer neuen Karte ist
natürlich der, dass diese nicht nur einen aktuellen Sachstand bezüglich
aller vorhandenen Radrouten bzw. Radwege enthält, sondern auch schon die
in allernächster Zukunft noch fertigzustellenden Radwege. Auf der anderen
Seite lässt jede überarbeitete Ausgabe einer Radwanderkarte auch
Verbesserungen in der Grafik und damit in der Übersichtlichkeit erwarten.
Aber auch bei den jetzt neu erschienenen Karten hat sich herausgestellt,
dass es die ideale Karte nach wie vor nicht gibt.
Und dennoch: Wer sich in unserer Region mit dem Fahrrad zielsicher bewegen
will, kommt um die eine oder andere neue Karte nicht herum: Was in den
letzten Wochen und Monaten neu auf dem Markt erschienen ist, wird nun hier
vorgestellt:
ADFC-Radtourenkarte 1:150.000
RTK 10 / Münsterland / Niederrhein
RTK 11 / Ostwestfalen / Sauerland
Die Erneuerung dieser beiden Radwanderkarten war seit langem überfällig,
zu lange lag deren letzte Überarbeitung bereits zurück. Sie sind
Bestandteil eines das gesamte Bundesgebiet umfassenden Radkartenwerkes,
welches der Bielefelder Verlag (BVA) seit über einem Jahr nach und nach
erneuert. 12 Karten liegen derzeit überarbeitet vor, bis 2008 sollen nach
Angaben des Verlages alle 27 Karten fertig sein.
Jede einzelne RTK deckt ein Gebiet von 21.000 km² ab, wobei die gesamte
Kartenfläche auf einer Seite abgebildet und für eine Nutzung von GPS
ausgelegt ist. Das Gebiet der RTK 10 deckt den Bereich zwischen Nordhorn
im Norden und Solingen im Süden sowie Venlo im Westen und Hamm im Osten
ab. Die RTK 11 wird begrenzt von Hamm im Westen und der Weser im Osten
sowie dem Steinhuder Meer bzw. dem Dümmer See im Norden und Winterberg im
Süden. Diese großen Gebiete und der verwendete Maßstab 1:150.000 zeigen
schon auf, dass diese Karten eher für großräumige als für lokale Radtouren
geeignet sind.
Das Grundgrüst der Radtourenkarte bilden die beschilderten, überregionalen
Radwege, in der hiesigen Region wären dies z.B. der "Emscherpark-Radweg",
der "Rundkurs Ruhrgebiet", der "Ruhrtal-Radweg" oder die "Kaiser-Route".
Darüber hinaus enthält die Karte ein von "ADFC-Scouts" ausgearbeitetes
Netz landschaft lich reizvoller regionaler und verkehrsarmer Strecken.
Allerdings scheint diesen Scouts im dicht besiedelten Ruhrgebiet
die eine oder andere wichtige Verbindung durchgegangen zu sein.
So fehlt beispielsweise der 2005 freigegebene westliche Abschnitt der
Radtrasse von Essen-Rellinghausen bis nach Mülheim-Heißen, immerhin ein
über 8 Kilometer langer autofreier Radweg. Statt dessen hat man die seit
1999 stillgelegte Trasse sogar als noch aktive Bahnstrecke dargestellt.
Die Radler schickt man unterdessen auf innerstädtischen Straßen von
Essen-Steele über Rüttenscheid und Frohnhausen nach Mülheim - in diesem
Kartenmaßstab kaum nachvollziehbar. Eigentlich hätte man es bei der BVA
besser wissen können, denn in der 2005 überarbeiteten ADFC-Regionalkarte
"Ruhrgebiet West", die bekanntlich aus dem gleichen Hause stammt, ist
diese Route bereits enthalten. Neben diesem Fauxpas gibt es noch etliche
kleinere Unstimmigkeiten, deren Auflistung hier allerdings den Rahmen
sprengen würde.
Gegenüber der Vorgängerkarte hat sich das Kartenbild sichtlich verändert.
So sind vor allem die Siedlungsstrukturen flächiger dargestellt als
bisher. Das beruhigt das Kartenbild in einem dicht besiedelten Raum wie
dem Ruhrgebiet spürbar. Dadurch werden andere Elemente im Kartenbild
besser sichtbar, so vor allem auch die dargestellten Radrouten.
Bezeichnenderweise sind auch die Autobahnen farbig hervorgehoben, was für
eine Radkarte zunächst etwas deplaziert erscheint, als Orientierungshilfe
vor Ort aber hilfreich sein kann. Ein wichtiges Merkmal der ADFC-Karten
ist wie bisher das Aufzeigen der Wegebeschaffenheit sowie der
Frequentierung der Straßen durch den Autoverkehr. Zudem lässt sich anhand
der Geländeschummerung und der Steigungspfeile das Geländeprofil, durch
welches eine Radroute verläuft, erkennen.
Wie bisher gibt es ein eigenes Begleitheft mit den wichtigsten
Tourinformationen und einer Übersicht mit Adressen und Telefonnummern
sämtlicher Bett & Bike-Betriebe in der Region. Karte und Begleitheft sind
in einer wetterfesten Schutzhülle aus recyclebarem Material
zusammengefasst - ideal bei Wind und Wetter. Jede ADFC-Radtourenkarte
kostet wie bisher 6,80 € und ist im Buchhandel, aber natürlich auch in
allen ADFC-Infoläden erhältlich.
RVR-Radwanderführer 1:50.000
"Route der Industriekultur per Rad"
Hierbei handelt es sich um die zweite Auflage des 2001 in zwei Bänden
erschienenen Radwanderführers über die "route industriekultur", welche aus
der 1999 beendeten "Internationalen Bauausstellung Emscherpark"
hervorgegangen ist. Drei Unterschiede zur ersten Auflage falllen schon auf
den ersten Blick auf: War diese bisher zweiteilig, besteht die Neuauflage
nur noch aus einem Teil; und statt schwarz ist das Titelblatt jetzt rot.
Leider entfallen ist die schützende Kunststoffhülle.
Beibehalten hat man die Spiralheftung und die Aufteilung der im Maßstab
1.50.000 gehaltenen Karten in viele einzelne Ausschnitte, die
herausklappbar sind. In den Karten sind im Wesentlichen der
"Emscherpark-Radweg", der "Rundkurs Ruhrgebiet" und diverse
Querverbindungen enthalten. Die Reihenfolge der einzelnen
Kartenausschnitte richtet sich nach der Laufrichtung der abgebildeten
Radrouten. Das allerdings hat zur Folge, dass die Bereiche, die nicht im
Einzugsbereich einer Radroute liegen, von dem Radwanderführer nicht
erfasst werden. Dies betrifft z.B. das nördliche Bottrop,
bezeichnenderweise aber auch die komplette Essener City!
Natürlich sind in den Karten alle relevanten Sehenswürdigkeiten
gekennzeichnet. Dem Kartenteil schließt sich wie bisher der
Erläuterungsteil an, in welchem besagte Sehenswürdigkeiten dann kurz und
prägnant beschrieben sind. In bestimmten Fällen finden sich im Textteil
noch auf 1:20.000 vergrößerte Kartenausschnitte, was im eigentlichen
Kartenteil auch entsprechend markiert ist).
Kartengrundlage ist die bewährte Grafik des Stadtplanwerks Ruhrgebiet,
wobei der verwendete Maßstab 1:50.000 naturgemäß nur die Benennung der
wichtigsten Straßen ermöglicht. Wie bei den Karten des RVR üblich, wird
leider nicht differenziert, ob die Radrouten über stark oder über nur
mäßig befahrene Straßen verlaufen, ob es Radwege gibt oder ob die Route
auf autofreien Radtrassen verläuft.
Der Radwanderführer "Route Industriekultur per Rad" besitzt fast schon die
Dicke eines Buches, ist also keine reine Radwanderkarte. Dabei ersetzt er
nicht nur das Vorgängerexemplar, sondern im Prinzip auch die beiden
Radwanderkarten des "Emscherpark-Radweges" und des "Rundkurs Ruhrgrbiet" -
beide schon seit längerem offiziell nicht mehr erhältlich. Nicht nur
deswegen kann der angesetzte Preis in Höhe von 13,90 € als angemessen
gelten, die Vorgängerkarte war immerhin 1,30 € teurer.
RVR-Radwanderkarte 1:40.000
"Westliches Ruhrgebiet"
Als dritte neue Karte der das gesamte Ruhrgebiet umfassenden
"RadTour"-Reihe ist nun das Exemplar für das westliche Ruhrgebiet
erschienen. Es umfasst die Bereiche zwischen Bocholt im Norden und
Rheinhausen im Süden sowie Kevelaer im Westen und Kirchhellen im Osten,
also auch große Teile des Niederrheins. Damit dient die neue Karte ebenso
als Nachfolge der seit langem veralteten Spiralokarte des Kreises Wesel.
Inhaltlich gilt für diese Karte all das, was auch zu den anderen bislang
erschienen Karten "Östliches Ruhrgebiet und "Nördliches Ruhrgebiet" gesagt
worden ist (siehe RiP 2/2005 und
2/2006):
- Die Verwendung des grafisch übersichtlichen "Stadtplanwerks Ruhrgebiet"
als Kartengrundlage (wenn da nur nicht der extrem blasse Druck wäre,
welcher zwar die aufgezeigten Radrouten besonders gut erkennen lässt,
ansonsten aber die Erkennbarkeit der örtlichen Gegebenheiten zumindest bei
ungünstigen Lichtverhältnissen unnötig erschwert)
- Der nach wie vor recht ungewöhnliche Maßstab 1:40.000, welcher zwar auch
in den beiden anderen erwähnten RVR-Karten verwendet wird, mit den Karten
andererer Verlage aber nicht kompatibel
ist. Zudem erschwert er unnötig das Abschätzen von Streckenlängen
- Das Nichtaufzeigen von Radverkehrsanlagen an Straßen und ob eine
eingezeichnete Radroute über eine vielbefahrene oder über eine ruhige
Straße führt (der RVR hat bei seiner Routenwahl vornehmlich das
"Landesroutennetz NRW" als Grundlage genommen, bei dessen Planung solche
Kriterien leider nicht immer ausschlaggebend gewesen sind). Immerhin sind
Radrouten auf ehemaligen Bahntrassen gesondert gekennzeichnet.
- Ansonsten enthält die Karte 18 (!) touristisch ausgerichte überregionale
Radrouten sowie 9 lokale Radwege der Städte und Kreise. Das ist schon was.
- Wie immer bei dieser Kartenreihe gibt es ein Begleitheft mit
detaillierten Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Freizeitangeboten mit
Öffnungszeiten und Kontaktadressen. Karte und Begleitheft sind wetterfest
in einer Folientasche verpackt, Kostenpunkt 10,- €.
RVR-Radwanderkarten 1:20.000
"Hohe Mark" und "Die Haard"
Beide Karten gehören zur beliebten, weil im gut lesbaren Maßstab 1:20.000
gehaltenen und zudem recht preiswerten "Tour Tipp"- Kartenreihe des RVR.
In beiden Fällen handelt es sich um überarbeitete Neuauflagen.
Die Karte "Hohe Mark" beinhaltet das Gebiet zwischen Reken, Lembeck und
Wulfen im Westen sowie zwischen Hausdülmen und dem Halterner See im Osten,
während die Karte "Die Haard" den Bereich zwischen den Städten Haltern im
Westen und Datteln im Osten abdeckt. Dazwischen liegt das große
Waldgebiet, welches der Karte den Namen gibt.
Kartengrundlage ist auch hier das Stadtplanwerk Ruhrgebiet, wobei wegen
des hier verwendeten Maßstabs alle Straßennamen eingesetzt werden können,
was die Orientierung ungemein erleichtert. Ein großer Vorteil ist auch die
Kennzeichnung der Straßen, die über Radverkehrsanlagen verfügen. Grundlage
für die Wahl der eingezeichneten Radwege ist das "Radroutennetz NRW",
hinzu kommen wieder etliche touristisch ausgelegte überregionale und
lokale Radwanderrouten. Maßstabsbedingt ist das abgebildete Kartenbild
natürlich nicht allzu groß, was den Aktiosradius für Radtouren etwas
einschränkt. Dieses kleine Manko kann aber wettgemacht werden, indem man
seine Tour über die beiden (sich z.T. überschneidenden) Kartenblätter
plant.
Und wer einmal zu Fuß die Gegend erkunden möchte, für den enthält die
Karte die Wege des "Sauerländischen Gebirgsvereins". Sogar Strecken für
"Nordic Walker" sind enthalten. Auf den Rückseiten beider Karten finden
sich schließlich Hinweise zur Landschaft, zu den Ortschaften und den
Freizeitstätten. Jede "TourTipp"-Karte kostet 4,90 € und ist wie alle
Karten des RVR im Buchhandel und in den hiesigen ADFC-Infoläden
erhältlich.
J.B.
Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2007.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de