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RAD im Pott Herbst 2007 Im Pott

Neue Radwanderkarten für die Region

Viele neue Radrouten zu entdecken

Gerade im Ruhrgebiet sind in den letzten Jahren viele neue Radrouten entstanden. Für die Herausgeber von Radwanderkarten bedeutet dieser doch eigentlich sehr erfreuliche Umstand, dass sie ihre Kartenwerke mehr denn je auf dem Laufenden halten müssen. Der Idealfall einer neuen Karte ist natürlich der, dass diese nicht nur einen aktuellen Sachstand bezüglich aller vorhandenen Radrouten bzw. Radwege enthält, sondern auch schon die in allernächster Zukunft noch fertigzustellenden Radwege. Auf der anderen Seite lässt jede überarbeitete Ausgabe einer Radwanderkarte auch Verbesserungen in der Grafik und damit in der Übersichtlichkeit erwarten. Aber auch bei den jetzt neu erschienenen Karten hat sich herausgestellt, dass es die ideale Karte nach wie vor nicht gibt.

Und dennoch: Wer sich in unserer Region mit dem Fahrrad zielsicher bewegen will, kommt um die eine oder andere neue Karte nicht herum: Was in den letzten Wochen und Monaten neu auf dem Markt erschienen ist, wird nun hier vorgestellt:

ADFC-Radtourenkarte 1:150.000

RTK 10 / Münsterland / Niederrhein

RTK 11 / Ostwestfalen / Sauerland

Die Erneuerung dieser beiden Radwanderkarten war seit langem überfällig, zu lange lag deren letzte Überarbeitung bereits zurück. Sie sind Bestandteil eines das gesamte Bundesgebiet umfassenden Radkartenwerkes, welches der Bielefelder Verlag (BVA) seit über einem Jahr nach und nach erneuert. 12 Karten liegen derzeit überarbeitet vor, bis 2008 sollen nach Angaben des Verlages alle 27 Karten fertig sein.

Umschlagbilder der Karten RTK 10 und RTK 11
Jede einzelne RTK deckt ein Gebiet von 21.000 km² ab, wobei die gesamte Kartenfläche auf einer Seite abgebildet und für eine Nutzung von GPS ausgelegt ist. Das Gebiet der RTK 10 deckt den Bereich zwischen Nordhorn im Norden und Solingen im Süden sowie Venlo im Westen und Hamm im Osten ab. Die RTK 11 wird begrenzt von Hamm im Westen und der Weser im Osten sowie dem Steinhuder Meer bzw. dem Dümmer See im Norden und Winterberg im Süden. Diese großen Gebiete und der verwendete Maßstab 1:150.000 zeigen schon auf, dass diese Karten eher für großräumige als für lokale Radtouren geeignet sind.

Das Grundgrüst der Radtourenkarte bilden die beschilderten, überregionalen Radwege, in der hiesigen Region wären dies z.B. der "Emscherpark-Radweg", der "Rundkurs Ruhrgebiet", der "Ruhrtal-Radweg" oder die "Kaiser-Route". Darüber hinaus enthält die Karte ein von "ADFC-Scouts" ausgearbeitetes Netz landschaft lich reizvoller regionaler und verkehrsarmer Strecken. Allerdings scheint diesen Scouts im dicht besiedelten Ruhrgebiet die eine oder andere wichtige Verbindung durchgegangen zu sein.

So fehlt beispielsweise der 2005 freigegebene westliche Abschnitt der Radtrasse von Essen-Rellinghausen bis nach Mülheim-Heißen, immerhin ein über 8 Kilometer langer autofreier Radweg. Statt dessen hat man die seit 1999 stillgelegte Trasse sogar als noch aktive Bahnstrecke dargestellt. Die Radler schickt man unterdessen auf innerstädtischen Straßen von Essen-Steele über Rüttenscheid und Frohnhausen nach Mülheim - in diesem Kartenmaßstab kaum nachvollziehbar. Eigentlich hätte man es bei der BVA besser wissen können, denn in der 2005 überarbeiteten ADFC-Regionalkarte "Ruhrgebiet West", die bekanntlich aus dem gleichen Hause stammt, ist diese Route bereits enthalten. Neben diesem Fauxpas gibt es noch etliche kleinere Unstimmigkeiten, deren Auflistung hier allerdings den Rahmen sprengen würde.

Gegenüber der Vorgängerkarte hat sich das Kartenbild sichtlich verändert. So sind vor allem die Siedlungsstrukturen flächiger dargestellt als bisher. Das beruhigt das Kartenbild in einem dicht besiedelten Raum wie dem Ruhrgebiet spürbar. Dadurch werden andere Elemente im Kartenbild besser sichtbar, so vor allem auch die dargestellten Radrouten. Bezeichnenderweise sind auch die Autobahnen farbig hervorgehoben, was für eine Radkarte zunächst etwas deplaziert erscheint, als Orientierungshilfe vor Ort aber hilfreich sein kann. Ein wichtiges Merkmal der ADFC-Karten ist wie bisher das Aufzeigen der Wegebeschaffenheit sowie der Frequentierung der Straßen durch den Autoverkehr. Zudem lässt sich anhand der Geländeschummerung und der Steigungspfeile das Geländeprofil, durch welches eine Radroute verläuft, erkennen.

Wie bisher gibt es ein eigenes Begleitheft mit den wichtigsten Tourinformationen und einer Übersicht mit Adressen und Telefonnummern sämtlicher Bett & Bike-Betriebe in der Region. Karte und Begleitheft sind in einer wetterfesten Schutzhülle aus recyclebarem Material zusammengefasst - ideal bei Wind und Wetter. Jede ADFC-Radtourenkarte kostet wie bisher 6,80 € und ist im Buchhandel, aber natürlich auch in allen ADFC-Infoläden erhältlich.

RVR-Radwanderführer 1:50.000

"Route der Industriekultur per Rad"

Hierbei handelt es sich um die zweite Auflage des 2001 in zwei Bänden erschienenen Radwanderführers über die "route industriekultur", welche aus der 1999 beendeten "Internationalen Bauausstellung Emscherpark" hervorgegangen ist. Drei Unterschiede zur ersten Auflage falllen schon auf den ersten Blick auf: War diese bisher zweiteilig, besteht die Neuauflage nur noch aus einem Teil; und statt schwarz ist das Titelblatt jetzt rot. Leider entfallen ist die schützende Kunststoffhülle.

Umschlagbild des RVR-Radwanderführers
Beibehalten hat man die Spiralheftung und die Aufteilung der im Maßstab 1.50.000 gehaltenen Karten in viele einzelne Ausschnitte, die herausklappbar sind. In den Karten sind im Wesentlichen der "Emscherpark-Radweg", der "Rundkurs Ruhrgebiet" und diverse Querverbindungen enthalten. Die Reihenfolge der einzelnen Kartenausschnitte richtet sich nach der Laufrichtung der abgebildeten Radrouten. Das allerdings hat zur Folge, dass die Bereiche, die nicht im Einzugsbereich einer Radroute liegen, von dem Radwanderführer nicht erfasst werden. Dies betrifft z.B. das nördliche Bottrop, bezeichnenderweise aber auch die komplette Essener City!

Natürlich sind in den Karten alle relevanten Sehenswürdigkeiten gekennzeichnet. Dem Kartenteil schließt sich wie bisher der Erläuterungsteil an, in welchem besagte Sehenswürdigkeiten dann kurz und prägnant beschrieben sind. In bestimmten Fällen finden sich im Textteil noch auf 1:20.000 vergrößerte Kartenausschnitte, was im eigentlichen Kartenteil auch entsprechend markiert ist).

Kartengrundlage ist die bewährte Grafik des Stadtplanwerks Ruhrgebiet, wobei der verwendete Maßstab 1:50.000 naturgemäß nur die Benennung der wichtigsten Straßen ermöglicht. Wie bei den Karten des RVR üblich, wird leider nicht differenziert, ob die Radrouten über stark oder über nur mäßig befahrene Straßen verlaufen, ob es Radwege gibt oder ob die Route auf autofreien Radtrassen verläuft.

Der Radwanderführer "Route Industriekultur per Rad" besitzt fast schon die Dicke eines Buches, ist also keine reine Radwanderkarte. Dabei ersetzt er nicht nur das Vorgängerexemplar, sondern im Prinzip auch die beiden Radwanderkarten des "Emscherpark-Radweges" und des "Rundkurs Ruhrgrbiet" - beide schon seit längerem offiziell nicht mehr erhältlich. Nicht nur deswegen kann der angesetzte Preis in Höhe von 13,90 € als angemessen gelten, die Vorgängerkarte war immerhin 1,30 € teurer.

RVR-Radwanderkarte 1:40.000

"Westliches Ruhrgebiet"

Als dritte neue Karte der das gesamte Ruhrgebiet umfassenden "RadTour"-Reihe ist nun das Exemplar für das westliche Ruhrgebiet erschienen. Es umfasst die Bereiche zwischen Bocholt im Norden und Rheinhausen im Süden sowie Kevelaer im Westen und Kirchhellen im Osten, also auch große Teile des Niederrheins. Damit dient die neue Karte ebenso als Nachfolge der seit langem veralteten Spiralokarte des Kreises Wesel.
Umschlagbild der RVR-Radwanderkarte Westliches Ruhrgebiet
Inhaltlich gilt für diese Karte all das, was auch zu den anderen bislang erschienen Karten "Östliches Ruhrgebiet und "Nördliches Ruhrgebiet" gesagt worden ist (siehe RiP 2/2005 und 2/2006):

RVR-Radwanderkarten 1:20.000

"Hohe Mark" und "Die Haard"

Beide Karten gehören zur beliebten, weil im gut lesbaren Maßstab 1:20.000 gehaltenen und zudem recht preiswerten "Tour Tipp"- Kartenreihe des RVR. In beiden Fällen handelt es sich um überarbeitete Neuauflagen.

Umschlagbild des TourTipps Hohe Mark
Die Karte "Hohe Mark" beinhaltet das Gebiet zwischen Reken, Lembeck und Wulfen im Westen sowie zwischen Hausdülmen und dem Halterner See im Osten, während die Karte "Die Haard" den Bereich zwischen den Städten Haltern im Westen und Datteln im Osten abdeckt. Dazwischen liegt das große Waldgebiet, welches der Karte den Namen gibt.

Kartengrundlage ist auch hier das Stadtplanwerk Ruhrgebiet, wobei wegen des hier verwendeten Maßstabs alle Straßennamen eingesetzt werden können,
Umschlagbild des TourTipps Die Haard
was die Orientierung ungemein erleichtert. Ein großer Vorteil ist auch die Kennzeichnung der Straßen, die über Radverkehrsanlagen verfügen. Grundlage für die Wahl der eingezeichneten Radwege ist das "Radroutennetz NRW", hinzu kommen wieder etliche touristisch ausgelegte überregionale und lokale Radwanderrouten. Maßstabsbedingt ist das abgebildete Kartenbild natürlich nicht allzu groß, was den Aktiosradius für Radtouren etwas einschränkt. Dieses kleine Manko kann aber wettgemacht werden, indem man seine Tour über die beiden (sich z.T. überschneidenden) Kartenblätter plant.

Und wer einmal zu Fuß die Gegend erkunden möchte, für den enthält die Karte die Wege des "Sauerländischen Gebirgsvereins". Sogar Strecken für "Nordic Walker" sind enthalten. Auf den Rückseiten beider Karten finden sich schließlich Hinweise zur Landschaft, zu den Ortschaften und den Freizeitstätten. Jede "TourTipp"-Karte kostet 4,90 € und ist wie alle Karten des RVR im Buchhandel und in den hiesigen ADFC-Infoläden erhältlich.

J.B.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2007.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de