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RAD im Pott Winter 2006 Essen

Neues für Essens Radler

Landeswegweisung

Seit langem warten Essens Radler auf die Fertigstellung der Wegweisung beim Hauptroutennetz I. Die jetzt noch fehlenden Schilderstandorte befinden sich entlang des NRW-Landesroutennetzes, welches in Essen zwar weitgehend identisch ist mit dem eigenen Hauptroutennetz, im Gegensatz zu diesem aber nicht von der Stadt, sondern vom Land finanziert wird. Aufgabe der Stadt war es lediglich, besagtes Landesroutennetz auf Essener Stadtgebiet mit dem vom Land beauftragten Projektleiter abzustimmen.

Mangels Personal im Radwegebereich hat die Stadt diese Aufgabe jahrelang liegengelassen. Inzwischen sollen aber die (Vor-)arbeiten endlich erledigt sein. Wird auch Zeit, denn neben Duisburg ist Essen eine der letzten Großstädte in NRW, die ihr Netz noch nicht ausgeschildert haben. Zudem läuft die Frist für Beantragung von Fördergeldern ab. Nach Auskunft des Landes muss die Beschilderung bis zum Sommer 2007 erfolgt sein.

Im Bezug auf die Ernennung zur Kulturhauptstadt 2010 muss sich die Stadt auch darüber Gedanken machen, welche themenbezogenen Radrouten sie diesbezüglich gedenkt einzurichten. Hier stehen ebenso Fördergelder zur Verfügung, die allerdings auch rechtzeitig beantragt werden müssen.

Neuer Radweg im Essener Norden

Auf der Verbindungsbahn von der Zeche Zollverein zur Schurenbachhalde bzw. zum Rhein-Herne-Kanal betrieb die Emscherpark-Eisenbahn (EPEG) während der Internationalen Bauausstellung Emscherpark und auch noch in den Jahren danach einen Museumsbahnverkehr. Seit dem Konkurs der EPEG vor einigen Jahren sind dort keine Züge mehr gefahren, die Gleise wachsen seither mehr und mehr zu. Da nicht absehbar ist, dass die Strecke jemals wieder reaktiviert wird, hat der Regionalverband Ruhrgebiet (RVR), der ohnehin
Foto der Museumsbahntrasse im Grünen, noch mit abgestellten Waggons
Die ehemalige Museumsbahntrasse soll demnächst zum Radweg werden (Blick von der Eickwinkelhalde)
Eigentümer der Trasse ist, kurzerhand beschlossen, Anfang 2007 hier einen Radwanderweg zu bauen, so dass man zukünftig ungehindert von Zollverein bis zum Kanal radeln kann.

Neue Radfahrstreifen

Diverse neue Radfahrstreifen gibt es im Stadtgebiet zu vermelden, auch wenn es sich in einigen Fällen nur um kurze Abschnitte handelt. Das größte Projekt ist die Überruhrstraße, wo zwischen der Straße Halferstein im Norden und der Eilgenstraße im Süden im Zuge eines Umbaus Radfahrstreifen auf einer Länge von ca. 2 km angelegt wurden.

In der Innenstadt wurde im Zuge der durch den Karstadt-Neubau bedingten Neuordnung der Verkehrsflächen die seit Jahren bestehende Lücke zwischen dem Radweg Hindenburgstraße und den Radfahrstreifen Ostfeldstraße (die dummerweise wegen besagter Großbaustelle derzeit gar nicht existieren)
Foto des neuen Radfahrstreifens an der Hindenburgstraße, vor Albatros
Zunächst nur auf einer Seite -- die neuen Radfahrstreifen auf der Hindenburgstraße
geschlossen. Das allerdings auch nur in Fahrtrichtung Süden, die andere Seite soll später erfolgen. Im übrigen beabsichtigt die Stadt im Baustellenbereich für Radler eine Umleitung auszuschildern, was aber bis dato noch nicht erfolgt ist. Aber man hat ja noch knapp drei Jahre Zeit, dann soll das neue Einkaufszentrum fertig sein...

Ein neuer Radfahrstreifen ist auch an der umgestalteten Moltkestraße zwischen der Rellinghauser Straße und der Gutenbergstraße zu vermelden, etwa 150 Meter lang und dies auch nur auf der südlichen Straßenseite. Auf der gegenüberliegenden Seite hat es mal wieder nicht gereicht, obgleich es sich hier um einen Bestandteil des Hauptroutennetz handelt.

Fahrradstraße Kunstwerkerstraße

Eigentlich hätte die im unteren Teil des Siepentals in Bergerhausen befindliche Straße gemeinsam mit der oberhalb gelegenen Lanterstraße längst Fahrradstraße sein sollen, so ein Beschluss der Bezirksvertretung II. Während die Lanterstraße bereits vor Jahren umgestaltet wurde, stellte man dies bei der Kunstwerkerstraße wegen eines größeren Wohnungsbauprojekts zurück, da man größere Schäden durch den Lkw-Verkehr befürchtete.

Nun sollte auch hier die Fahrradstraße endlich realisiert werden, zumal man am unteren Ende an der Westfalenstraße extra eine Fahrradampel installiert hatte, damit die Radler eine sichere Anbindung an den Ruhrtal-Radweg bekommen. Das Rechnungsprüfungsamt (RPA) hat jedoch interveniert und Bedenken angemeldet.

ADFC und EFI halten dagegen, dass es sich hier um einen Bestandteil des Hauptroutennetzes handelt, wobei die Fahrradverbände hier nicht alleine stehen. Anwohner des Siepentals hatten sich mehrfach mit der Frage an ADFC und EFI gewandt, warum hier nichts geschehe. Auch die BV II hat ihren Wunsch, die Kunstwerkerstraße zur Fahrradstraße umzugestalten, nicht aufgegeben. Bleibt zu hoffen, dass das RPA sich doch noch den guten Argumenten der Radler anschließt und die Fahrradstraße nicht länger blockiert.

Fahrradabstellanlagen Philharmonie

Zu einem Ärgernis besonderer Art hat sich die Diskussion um die Installation von Fahrradständern im Bereich des vor über zwei Jahren zur Philharmonie umgestalteten ehemaligen Saalbaus an der Huyssenalle entwickelt. Trotz diverser Vorstöße der Fahrradverbände, trotz grundsätzlicher Unterstützung aus Politik und Verwaltung, trotz fünf vor Ort erfolgter Einigungsversuche hat es die Leitung der Philharmonie bislang vermocht, die Fahrradständer zu verhindern.

"Das Bild des denkmalgeschützten Gebäudes würde gestört", so heißt es. Dass kürzlich wochenlang eine Mercedes-Ausstellung auf dem Vorplatz den Blick auf das Gebäude verstellte, damit hatte man offenbar kein Problem. "Kein Bedarf", so das zweite Argument. Die Leitung der Philharmonie sollte sich einmal die große Fahrradabstellanlage an der benachbarten Aalto-Oper anschauen, die mit schöner Regelmäßigkeit rappelvoll ist. Auch die wild um die Philharmonie abgestellten Räder sprechen eine andere Sprache. Und wenn man unbedingt designmäßig schöner gestaltete Fahrradständer als die ansonsten in Essen verwendeten VRR-Bügel haben will - da bieten sich die am Grugaeingang Orangerie aufgestellten Fahrradständer an. Letztendlich wird die Politik hier aber Druck auf die Leitung der Philharmonie ausüben müssen, damit endlich etwas passiert.

Fahrradabstellanlagen Zollverein XII

Dass eine solche Angelegenheit auch anders ausgehen kann, zeigt sich beim Weltkulturerbe Zeche Zollverein. Anlässlich der momentan stattfindenden Designaustellung "Entry 2006" waren in der letzten RAD im Pott hier Fahrradabstellanlagen angemahnt worden. Nachdem sich auch Bürgermeister und EFI-Sprecher Rolf Fliß eingeschaltet hatte, wurden innerhalb kürzester Frist sogenannte Fahrradgeländer installiert, wie sie auch auf dem übrigen
Foto der Fahrradständer
Könnten ein Vorbild für die Essener Philharmonie sein -- die neuen Fahrradständer am "Entry"-Eingang
Zollvereingelände zu finden sind. Und weil man diese im ehemaligen Gleisbereich unter einem Gebäude aufgestellt hat, stehen Fahrräder hier sogar im Trockenen. Besser geht's nicht.

Aufzüge Hauptbahnhof: Ein Dauerärgernis -- nicht nur für Radfahrer --

sind die fehlenden Aufzüge im Essener Hauptbahnhof, einem der letzten Großstadtbahnhöfe Deutschlands, die immer noch nicht über eine solche Selbstverständlichkeit verfügen! Ständig ist auf einen umfassenden Umbau verwiesen worden, welcher aber letztendlich in immer größere Entfernung rückte. Zuletzt ließ man verlauten, man wolle mit der Installierung der Aufzüge noch 2006 beginnen -- unabhängig von einer Sanierung. Jetzt ist das Jahr fast vorüber, und nichts ist zu sehen. Nun hat die Deutsche Bahn gewaltig abgespeckte Planungen für eine Sanierung bis 2010 im Sinn. Es kann also noch Jahre dauern, bis auch in Essen mobilitätsbeschränkte Personen, Eltern mit Kinderwagen und letztendlich auch die Radler ohne Probleme auf die Bahnsteige gelangen können. ADFC und EFI jedenfalls glauben an die Realisierung der Aufzüge erst, wenn sie tatsächlich gebaut werden.

Fahrradboxen gesucht

Die jüngst erweiterten Fahrradabstellanlagen am Essener Hauptbahnhof und der Hauptpost erfreuen sich bester Nachfrage. Das gilt offenbar auch für Fahrradboxen, wobei es hier manchmal sogar zu Engpässen kommt. Sichtbar wurde dieses Phänomen kürzlich am S-Bahnhof Kettwig Stausee. Hier plakatierte Ende Oktober ein Interessent die Boxen flächendeckend mit einem Steckbrief, auf denen er 100 € für die Übernahme einer Fahrradbox anbot.

Sperrung Viehofer Platz

Baustellen auf Radwegen waren ein großes Thema in der letzten RAD im Pott. Beim letzten Arbeitskreis Radverkehr versprach die Stadtverwaltung, dass man sich zukünftig verstärkt um eine sichere und den Bedürfnissen der Radfahrer entsprechende Führung des Radverkehrs künmmern wolle. Die Chance einer ersten großen Bewährungsprobe wurde jedoch am Viehofer Platz vertan -- und zwar gründlich!

Über besagten Platz führt die Radroute von der Innenstadt in Richtung Norden. Dabei muss inmitten des Viehofer Platzes ein breiter Mittelstreifen gequert werden, normalerweise kein Problem, da es hier einen sehr breiten kombinierten Rad- und Gehweg gibt. Wegen einer Baustelle wurde nun dieser Weg auf ganzer Breite gesperrt. Während
Foto der Absperrung mit Baken über die volle Fahrbahn- und Gehweg-Breite
Hier sollten offenbar keine Radler durchkommen -- die äußerst gründliche Absperrung am Viehofer Platz
Fußgänger noch ohne nennenswerte Probleme auf das Grünbankett ausweichen konnten -- jedenfalls solange es nicht regnete -- war dies für Radfahrer nicht möglich. Keine Bordsteinabsenkungen, keine Umleitung, nichts! Die Absperrung von Norden her unmittelbar vor dem Viehofer Platz nahm sogar die gesamte Breite der Altenessener Straße ein, obgleich die eigentliche Baustelle in diesem Bereich viel schmaler war. Es zeigt sich, dass selbst bei einer Hauptroute der Radverkehr für die Stadt nach wie vor keinen hohen Stellenwert besitzt.

Winterdienst auf Radwegen

Bei der Podiumsdiskussion in der VHS Mitte September (siehe S. 41) klang es bereits an, eine Anfrage von ADFC und EFI beim Arbeitsktreis Radverkehr hat es bestätigt: Einen Winterdienst auf Radwegen wird es auch im kommenden Winter in Essen nicht geben. Er ist der Stadt bzw. den damit offiziell betrauten Essener Entsorgungsbetrieben (EBE) schlichtweg zu teuer. Kostenminimierung geht vor Sicherheit -- und das in einer sich fahrradfreundlich bezeichnenden Stadt.

J.B./K.R.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2006.
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