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RAD im Pott Winter 2006 Mülheim

Leineweberstraße -- Zwischen Hartz IV-Boulevard und Durchgangsstraße

Die Leineweberstraße wird täglich von tausenden Mülheimern in Bus und Bahn, zu Fuß und mit dem Rad als Ost-West-Verbindung genutzt. Auch für den Lieferverkehr besteht diese Möglichkeit zu bestimmten Zeiten. Allerdings müssen sonstige Autos um die Stadt herumfahren. Dies geschieht zu etwa 90% über Tourainer Ring und Ruhrstraße bzw. Konrad-Adenauer-Brücke. Mülheim hat zur Zeit also noch etwas, wovon manche Gemeinden träumen, eine
Foto der Leineweberstraße, eine Fußgängerzone mit Geschäften und großen Bäumen
Die Leineweberstraße ist als breite Fußgängerzone noch nicht gut mit dem Auto erreichbar.
funktionierende Umgehungsstraße. Ein "Schönheitsfehler" ist, dass etwa 10% der Verkehre die Innenstadt südlich über Oberstraße, Friedhofweg und Schulstraße umfahren.

Mit dem Antrag der SPD zur Öffnung der Leineweberstraße sind nun alle diesel-und benzingetriebenen Zeitgenossen gewissermaßen in Poolposition. Die Mülheimer Innenstadt ließe sich innerhalb von weniger als 60 Sekunden durchfahren: Mülheim einfach links mit Altstadt und rechts mit Schlossstrasse liegen (und das übliche Stoffgemisch aus Feinstaub, Co² und co. hinter sich) lassend! Dumm nur, dass schon aus der breiten Zustimmung deutlich wurde, dass dann kaum jemand mehr freiwillig die Innerstädtische Ortsumgehung benutzen würde -- zumindest theoretisch. Denn eine
Foto des Dickswall: eine große vier- bis sechsspurige Straße ohne Grün.
Der anschließende Dickswall ist bereits gut mit dem Auto erreichbar und lädt Mülheimer Politiker zum Flanieren ein.
leistungsfähig Straße könnte die Leineweberstraße aufgrund der hochbelasteten Stadtmittekreuzung nicht werden. Somit reicht die Idee lediglich für einen gehörigen Stau zu Lasten von Bus und Bahn, Fußgängern, Radfahrern und der Anlieger. Es führen eben immer so viele Autofahrer auf der Suche nach ihrem persönlichen Zeitvorteil in die Straße, wie eben hineinpassen. In abgemildeter Form kann man dies ja bereits in Fahrtrichtung Osten beobachten. Klar, dass die vermeindlichen Interessensvertreter des Einzelhandels auch auf dieses tote Pferd setzen. Ebenso wie die Politik hat man wohl vergessen, dass die umsatzstärksten Jahre ab den 70igern mit dem Umbau zu einem fußläufigen Boulvard einhergingen. Die unvermeidlichen Folgen des Strukturhandels im Einzelhandel sind freilich sehr unbequem und schmerlich einzusehen und solange man noch an die heilende Kräfte des Autoverkehrs glauben kann...

Übrigens standen von rund 100 Ladenlokalen auf der Leineweberstraße am 10.11.2006 gerade mal zwei leer! Selbstverständlich gab es in den übrigen Ladenlokalen auch 1-Euro-Läden und Döner-Restaurants - eben wie es "euch" gefällt. Es stellt sich somit auch die Frage, was eigentlich so schlimm an der heutigen Leineweberstraße ist? Die Leineweberstraße spiegelt hier lediglich die Geiz-ist-Geil-Mentalität der Bevölkerung wieder. Vielleicht erinnern ramschigen Ladenlokale die Politik aber auch zu sehr an die eigene, Hartz IV-durchwachsene Bevölkerung.

KLR


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2006.
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