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RAD im Pott Winter 2006 Duisburg

Schöne Bescherung

Zwischen Not, Kummer und Elend können Radlerinnen und Radler in diesem Winter auf der für sie praktisch nicht vorhandenen Cityquerung (Ost-West-Achse) wählen. Jede der drei Möglichkeiten, die Achse Hauptbahnhof - Rathaus zu befahren, hat ihre individuellen Tücken: Die Passage auf der Landfermannstraße bietet in Richtung Rathaus durch den Grünvorlauf einen begrenzten Vorteil. Bei zügiger Fahrt vor dem Autoverkehr durch die Baustelle zu gelangen, verlangt aber einige Geduld nach Betätigen des Anforderungsknopfes. In Gegenrichtung ist - wie für den Autoverkehr - auf Höhe der Liebfrauenkirche Schluss.

Die Friedrich-Wilhelm-Straße als zweite Ost-West-Querung weist zusätzlich zu der durch die üppige Breite begünstigten hohen Kfz-Geschwindigkeit eine Gefährdung durch den massiven Schwerlastverkehr auf. An sich schon für den Fahrradverkehr ungeeignet, überziehen die vielen Lkw, die die Forum-Baustelle anfahren, den Belag zusätzlich mit einer glitschigen
Foto der Fußgängerzone zur Marktzeit mit Absperrung und Schild Radfahrer absteigen
Dreckschicht. Bleibt noch die eigentlich für den Zweiradverkehr geöffnete Fußgängerzone. Diese ist aber während des Weihnachtsmarktes nicht befahrbar. Vor und nach dem Weihnachtsmarkt sowie außerhalb der übrigen Markttage ist durch die Verengungen überwiegend nur ein Fahren im Schritttempo möglich. Da dies nicht alle Radlerinnen und Radler so sehen, sind Konflikte vorprogrammiert, die zwischen den zwei schwächsten Verkehrsteilnehmergruppen ausgetragen werden.

Klar, dass bei Großbaustellen -- zwei parallelen zumal -- Einschränkungen hinzunehmen sind. Nicht hinzunehmen ist aus Sicht des ADFC Duisburg jedoch, dass diese Einschränkungen so sehr zu Lasten des Radverkehrs gehen, dass dieser über mehrere Monate kaum noch oder nur unter erheblicher Gefährdung stattfinden kann. Und wer weiß, wann welche Baustelle wieder eröffnet wird? Abwanderungsverhalten weg vom umweltfreundlichsten Verkehrsmittel könnte, in Zeiten dringender Kfz-Verkehrsreduktion (Stichworte Feinstaub, Klimawandel, leere Kassen, Lärmminderungskonzept, ....), die "schöne Bescherung" dieses Winters sein.

Dabei mangelt es der AG Verkehr im ADFC Duisburg nicht an Alternativkonzepten: Einbahnstraßen könnten geöffnet werden, um Querverbindungen zu erleichtern, die Friedrich-Wilhelm-Straße böte mit bis zu 8 Spuren Breite (Parkstreifen hinzugerechnet) locker die Flächen zum fahrradfreundlichen Umbau, und anstelle martialischer Absperrgitter und dem Aufmarsch von Ordnungskräften sind Phantasie und Kreativität gefragt, um während der Märkte die Beziehungen zwischen Fuß und Rad zu regeln. Damit es 2007 nicht heißen muss: "Die Innenstadt ist fahrradfrei!"

Christian Eckert


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2006.
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