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RAD im Pott Sommer 2006 Leserbrief

Radwege mit wassergebundener Decke

Leserbrief von Andreas Hertrich aus Essen zur RAD im Pott 1/2006, S. 5 "Bau von Musterwegestrecke im Nordsternpark / Schöner Radeln entlang der Emscher":

Die Emschergenossenschaft dokumentiert mit diesem Pilotprojekt in erfreulicher Weise ihr Engagement für den Radverkehr. Gespannt sein kann man auf die Ergebnisse der "Bürgerbefragung" und deren Auswirkungen auf die zukünftige Gestaltung der Wege. Das Thema Wegeoberfläche im Grünbereich, wassergebundene Decke (Dolomitsand) contra Asphaltdecke, beschäftigt viele Radfahrer, die regelmäßig diese Strecken befahren.

Bei der wassergebundenen Decke ärgert es viele Radler, dass bei Regen das Spritzwasser und bei Sonne der Staub Fahrrad, Kette und Kleidung verdrecken. Dazu kommt ein im Vergleich zu Asphalt höherer Fahrwiderstand, geringerer Fahrkomfort und Haltbarkeit.

Probleme mit der wassergebundenen Decke können am Beispiel an der ehemaligen Bahnstrecke von Mülheim-Heißen nach Essen-Steele gezeigt werden. Beim neuen Abschnitt von der Gruga nach Mülheim ("Grugabahn")
Foto des Gruga-Radweges unter Bäumen, mit regem Fahrradverkehr
Stark befahrener Gruga-Radweg mit wassergebundener Decke
zeigen sich bereits nach einem Jahr an einigen Stellen Oberflächenschäden. Auch die im April komplett erneuerte Wegedecke von der Gruga nach Steele zeigt durch die hohe Nutzung bereits jetzt Spurrillen.

Dies ist unter anderem mit dem Gefälle sowie der fehlenden Randbefestigung zu erklären und führt besonders unter Bäumen schnell zu Wasserschäden mit Schlaglöchern. Die Erfahrung zeigt, dass die notwendige jährliche Pflege der Strecken aus Kostengründen nicht erfolgt. Daher ist die Anforderung an eine annähernd gleichbleibende Befahrbarkeit über den gesamten Nutzungszeitraum nicht gewährleistet.

Bei allen Oberflächen führen Baumpflanzungen mit Flachwurzlern (z.B. Pappeln) zu Wurzelaufbrüchen. Längspflasterung sind grundsätzlich zu vermeiden, da gefährliche Spurrillen für Radfahrer entstehen können.

Allgemein kann kein Patentrezept vorgegeben werden. Es ist aber wichtig, dass individuell je Wegebauprojekt eine sinnvolle Kombination verschiedener Oberflächen gewählt wird. Dabei ist ein langfristiger Betrachtungszeitraum unter Berücksichtigung der Kostenverteilung zwischen den Baukosten und Wartungs- und Unterhaltungskosten von mindestens 15 Jahren anzusetzen.

Eine akzeptable Lösung für alle Bürger ist es, wenn fehlende Wegeverbindungen -- für die derzeit kein Geld da ist -- vorerst nur geräumt werden sprich: Bewuchs entfernen und grob planieren. Seitens der Bürger wird schnell ein sogenannter Trampelpfad entstehen; dies ist überall zu beobachten. Eine Freigabe im juristischem Sinn brauchen solche Wege nicht. "Betreten auf eigene Gefahr" sollte reichen. Solch ein Vorgehen schafft Raum um andere Projekte sinnvoll zu gestalten und nachhaltig einer Nutzung zur Verfügung zu stehen! Aus meiner Sicht wären allgemein definierte Ausbaustandards mehr als wünschenswert. Dazu wäre eine Vernetzung von Emschergenossenschaft, Ruhrverband, RVR und ADFC ein sinnvoller erster Schritt auf diesem hoffentlich dauerhafteren Weg.

Leserbriefe geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder und können gegebenenfalls sinnwahrend von dieser gekürzt werden.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Sommer 2006.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de