Viele neue Radwanderkarten erschienen
Das Ruhrgebiet per Fahrrad erschließen
Das Ruhrgebiet als Radwanderregion wird offensichtlich immer beliebter.
Das belegt zumindest die bis jetzt in diesem Jahr erschienene Zahl von
neuen Radwanderkarten für die Region, bei welcher man fast schon den
Überblick verliert. Vor allem der Regionalverband Ruhrgebiet (RVR),
ohnehin bereits seit Anfang der 90er Jahre in diesem Metier besonders
präsent, hat wieder einmal etliche Neuerscheinungen herausgebracht.
Kartenbasis für alle Radwanderkarten des RVR ist das "Stadtplanwerk
Ruhrgebiet", derzeit in punkto Lesbarkeit und Detailtreue eines der besten
Stadtkartenwerke überhaupt. Von ihm werden auch alle amtlichen
(Fahrrad-)Stadtpläne im Ruhrgebiet abgeleitet, wenn auch mit inhaltlich
verschiedenen Schwerpunkten und unterschiedlichen Farbgebungen. Der RVR
selber teilt seine Karten in drei Gruppen ein:
RadTour - Karten
Diese aus drei Karten bestehende Reihe beinhaltet fast das gesamte
Radroutennetz der Region, darunter den Emscherpark Radweg, den Rundkurs
Ruhrgebiet und den neue RuhrtalRadweg. Der Karteninhalt ist zwar sehr
umfangreich und detailliert, allerdings werden ausgerechnet die
straßenbegleitenden Radwege sehr stiefmütterlich behandelt. Dies ist vor
allem dann ärgerlich, wenn es keine ruhigen Alternativstrecken gibt.
Ungewöhnlich ist auch der verwendete Maßstab 1:40.000, welcher nicht nur
das Abschätzen von Streckenlängen unnötig erschwert, sondern auch das
Angleichen an Karten aus anderen Verlagen. Dafür gibt es ein Begleitheft,
welches detaillierte Informationen zu den Sehenswürdigkeiten,
Öffnungszeiten und Kontaktadressen enthält. Karte und Begleitheft sind
wetterfest in einer Folientasche verpackt.
Drei Karten gibt es bislang in dieser Serie. Die Älteste ist die
"RadTour Mittleres Ruhrgebiet", die bereits im Jahr 2000 erschienen ist und
eigentlich nicht mehr als aktuell bezeichnet werden kann. Sie deckt den
Kernbereich des Ruhgebiets zwischen Duisburg und Dortmund ab. 2005
erschien die Karte "RadTour Östliches Ruhrgebiet", die sich zwischen
Dortmund und Hamm bzw. Werne und Hagen erstreckt und die alte
Spiralo-Karte "Kreis Unna" ersetzt hat.
Neu erschienen ist nun die Karte "RadTour Nördliches Ruhrgebiet", welche
sich von Oberhausen-Sterkrade im Westen bis zum Dortmund-Ems-Kanal im
Osten erstreckt. Im Norden reicht ihre Ausdehnung fast bis nach Dülmen, im
Süden bis Essen-Karnap. Ersetzen soll sie die bisherige Spiralo-Karte des
Kreises Recklinghausen. Auch für das westliche Ruhrgebiet ist eine "Rad
Tour" angekündigt. Allen Karten gemeinsam ist der Preis in Höhe von 10,-
€.
TourTipp - Karten
Hierbei handelt es sich um eine Kartenreihe, die landschaftlich
interessante Ausflugsgebiete abbildet. Durch die Verwendung eines relativ
großen Maßstabes (1:15.000 bzw. 1:20.000) kann zwar kein besonders großes
Gebiet abgedeckt werden, dafür sind aber beispielsweise alle Straßennamen
enthalten. Überhaupt ist die Detailfülle und die gute Lesbarkeit das große
Plus dieser Kartenreihe. Bei den Angaben über das Vorhandensein von
Radverkehrsanlagen schwächelt man aber leider auch hier. Einfach eine
Radroute darstellen und die Radler darüber im Unklaren zu lassen, was sie
vor Ort nun tatsächlich an befahrbaren Radstrecken vorfinden, ist zu
wenig. Dafür enthalten diese Karten -- für Radfahrer vielleicht nur ein
schwacher Trost -- aber auch Fußwanderwege. Und auf den jeweiligen
Rückseiten finden sich detaillierte Informationen zu Landschaft, Städten
und Sehenswürdigkeiten.
"TourTipp Elfringhauser Schweiz", "Tour Tipp Die Haardt", "TourTipp Hohe
Mark" und "TourTipp Bergisch-Märkisches Hügelland" sind bereits seit
einiger Zeit erhältlich. In diesem Jahr sind nun weitere drei Karten
erschienen, die auch im Einzugsbereich der RAD im Pott liegen: "TourTipp
Baldeneysee", "TourTipp Kemnader See" und "TourTipp Kirchheller Heide".
Die beiden letztgenannten Karten hat es vor über zehn Jahren schon einmal
gegeben. Sie sind aber nun auf aktuellem Stand und decken sogar ein etwas
größeres Gebiet ab als früher. Eine Karte der derzeit aus sieben Karten
bestehenden Reihe kostet 4,90 €.
ErlebnisRadtouren - Karten
Bei dieser Radkartenreihe des RVR wird ebenfalls ein relativ großer
Maßstab verwendet, so dass eine gute Lesbarkeit gewährleitet ist. Es
findet sich aber nicht die Vielzahl an Radrouten, sondern es werden
spezielle Rundtouren von jeweils einem Ausgangspunkt aus dargestellt. Ob
dabei z.B. auch Radwege vorhanden sind, spielt keine Rolle -- sie werden
nicht dargestellt. Dafür enthalten die Karten wieder viele
Hintergrundinformationen über alles das, was sich entlang der Wegstrecke
befindet. Drei Karten gibt es bislang: "ErlebnisRadtouren Haus Ripshorst",
"ErlebnisRadtouren Zeche Zollverein" für jeweils 3,90 € sowie "Erlebnis
Radtouren Vier Flüsse" für 6,90 €, wobei letztgenannte Karte aus zwei
Teilen besteht, welche in einer Folientasche zusammengefügt sind.
In diesem Jahr hat diese Kartenreihe noch keinen weiteren Zuwachs
erfahren, der RVR hat aber noch das Erscheinen der Karte
"ErlebnisRadtouren Zeche Zollern" (bei Dortmund) angekündigt.
Neue ADFC-Regionalkarten
Ruhrgebiet Ost
Die vom Bielefelder Verlag (BVA) in Kooperation mit dem ADFC
herausgegebene Regionalkartenreihe hat sich als ein großer Erfolg erwiesen
und erfährt nicht nur laufend Zuwachs, es werden auch ständig
aktualisierte Neuauflagen bereits erschienener Karten herausgegeben. 2004
wurden die beiden ADFC-Regionalkarten "Ruhrgebiet West" und "Ruhrgebiet
Ost" herausgegeben. Während die westliche Karte schnell vergriffen war und
2005 mit etlichen Verbesserungen neu aufgelegt wurde, ist die Karte
"Ruhrgebiet Ost" nun in diesem Jahr dran.
Über beiden die im Maßstab 1:50.000 gehaltenen Karten (alle anderen
ADFC-Regionalkarten 1:75.000) braucht an dieser Stelle nicht allzuviel
gesagt werden - das ist bei ihrer erstmaligen Präsentation 2004 erfolgt.
Ihr Manko, die manchmal mit kleinen Fehlern behaftete Kartengrundlage,
wird mehr als wettgemacht durch die umfangreichen Informationen zum
Radfahren. Dazu zählt nicht nur die differenzierte Darstellung der
Wegebeschaffenheit sowie der Verkehrsbelastung durch Autos und ob
Radverkehrsanlagen vorhanden sind, es gibt auch Steigungspfeile und eine
Geländeprofildarstellung mit Höhenlinien und Geländeschummerung.
Die Karte beinhaltet vom ADFC getestete Radtourenvorschläge, das neue
NRW-Landesroutennetz sowie ausgeschilderte Radwanderrouten. Ausgerechnet
hier ist den Kartenmachern in Bielefeld allerdings ein Fauxpass
sondergleichen passiert: Der in seiner Priorisierung besonders hoch
angesiedelte und mit großem PR-Aufwand Ende April eröffnete "Ruhrtal
Radweg" fehlt in der Karte. Und das, obgleich die offizielle
(Spiralo-)Karte ebenfalls von der BVA erstellt worden ist!
Wie üblich bei dieser Kartenreihe gibt es kein Begleitheft mit
detaillierten Hintergrundinformationen. Das wäre bei dem einheitlich für alle
ADFC-Regionalkarten erhobenen Preis von 6,90 € auch kaum durchführbar. Am
Kartenrand gibt es aber stichwortartige Kurzinormationen, und im
Kartenbild selbst finden sich alle relevanten Sehenswürdigkeiten.
Niederrhein Süd
Auch diese 2003 erstmalig erschienene ADFC-Regionalkarte erfährt zum
ersten mal eine Erneuerung. Sie ist im "normalen" Regionalkarten-Maßstab
1:75.000 gehalten, was angesichts der nicht so hohen Bebauungsdichte am
linken Niederrhein auch völlig ausreichend ist. Die Karte schließt sich
der ADFC-Regionalkarte Niederrhein-Nord an und reicht vom Duisburger
Zentrum im Norden bis nach Jülich im Süden. Hier schließen sich die
Regionalkarten Aachen und Köln an. In seiner West-Ost-Ausdehnung wird das
Kartenbild umgrenzt von Maas und Rhein. Die Karte ist inhaltlich wie bei
der Niederrhein-Nord-Karte maßgeblich vom ADFC-Duisburg bearbeitet
worden. Hierzu gilt im Prinzip das bereits für die ADFC-Ruhrgebiets-Karte
Gesagte. Kostenpunkt auch für diese Karte: 6,90 €.
Eifel / Mosel
Eigentlich nicht mehr im Einzugsbereich der RAD im Pott liegend, erscheint
diese nagelneue ADFC-Regionalkarte dennoch interessant auch für hiesige
Radler, bildet sie doch das letzte fehlende Glied einer ganzen Kette von
ADFC-Regionalkarten vom Münsterland bis nach Saarbrücken, also faktisch
von der holländischen bis zur französischen Grenze.
Damit stellen all diese ADFC-Regionalkarten sogar eine Konkurrenz zur
ADFC-Radtourenkarte 1:150.000 dar, denn sie sind nicht nur wegen ihres
Maßstabs erheblich detaillierter, sondern auch noch aktueller. Immerhin
steht bei der großmaßstäbigen Radtourenkarte eine vollständig
überarbeitete Neuauflage ins Haus. Die ersten neun Ausgaben der insgesamt
27 Karten umfassenden Reihe sollen noch in diesem Jahr erscheinen. Es
handelt sich aber zunächst einmal um Karten im süddeutschen Raum. Bis 2008
soll dann die komplette Erneuerung aller Radtourenkarten abgeschlossen
sein.
Jörg Brinkmann
Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Sommer 2006.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de