Neues für Essens Radler
Radverkehr im Ruhrtal
Seit Jahren gestaltet sich das Radfahren im Ruhrtal für Radfahrer (und
nicht nur für diese) auf Essener Gebiet als Hindernisparcours, da der
Ruhrverband dort abschnittweise Druckwasserleitungen verlegte. Einmal
abgesehen von den Behinderungen vor Ort während der Bauarbeiten richtete
sich die Kritik in jüngster Zeit vor allem auf die Qualität der zunächst
nur provisorisch wiederhergerichteten Wegeoberflächen speziell auf der
Südseite des Baldeneysees am Hardenbergufer.
Deren Wiederherstellung ist nun justement in der Woche nach
Redaktionsschluss der RAD im Pott erfolgt, wenn auch zunächst nur im
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| Schlaglochallee am Baldeneysee |
Abschnitt zwischen Essen-Werden und Haus Scheppen, verbunden mit einer
fünftägigen Vollsperrung des Weges. Östlich von Haus Scheppen bis nach
Kupferdreher wird derzeit noch gebuddelt, daher bekommt dieser Abschnitt
erst später seine neue Asphaltdecke.
Erste Begutachtungen haben ergeben, dass die in dem ersten Abschnitt
wiederhergestellte Fahrbahndecke in jedem Fall besser ist als bei dem in
diesem Frühjahr wieder freigegebenen Abschnitt des Ruhrradwanderweges
zwischen Werden (ab dem Kattenturm) und Kettwig. Diese hat sich nämlich
nach der Wiederherstellung in einigen Teilabschnitten als Wellenteppich
entpuppt. Zudem sind einige der als Geschwindigkeitsbremse dienenden
kleinen Schwellen derartig unglücklich eingesetzt worden, dass es einem
beim Überfahren fast den Lenker aus den Händen haut. Schade eigentlich,
denn
dieser Wegeabschnitt entspricht nicht dem Image Essens als
fahrradfreundliche Stadt, was vor allem bei den zahlreichen Radtouristen,
die den neuen Ruhrtal-Radweg befahren, für Enttäuschung sorgen dürfte.
J.B.
Neubauprojekte "Im Mühlenbruch" / "Überruhrstraße" / "Moltkestraße"
Drei für Radfahrer interessante Straßenbauprojekte gibt es zu vermelden:
Während die Straße "Im Mühlenbruch" in Stoppenberg rechtzeitig zum Ende
der Sommerferien fertiggestellt werden konnte (hier liegt das Bischöfliche
Gymnasium), waren die Bautätigkeiten bei der Moltkestraße (liegt im
Grenzbereich von Rüttenscheid und dem Südviertel) sowie bei der
Überruhrstraße im gleichnamigen Stadtteil während des Redaktionsschlusses
im August noch voll im Gange.
- Die Straße "Im Mühlenbruch" hat auf ganzer Länge Radfahrstreifen
bekommen, lediglich der strittige Kreuzungsbereich mit der Gelsenkirchener
Straße wurde bislang ausgeklammert. Hier hat man sich aber noch im
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| Im Mühlenbruch mit Radfahrstreifen |
Nachhinein auf eine fahrradfreundliche Lösung verständigen können, die nur
noch auf ihre Umsetzung wartet. Keine Radverkehrsanlagen hat der
Kreisverkehr mit der Straße "Arendahls Wiese" erhalten, eine Lösung, mit
der ADFC und EFI einverstanden waren, da der wichtigste Sicherheitsaspekt
beim Radfahren - sehen und gesehen werden - in Verbindung mit einer
sicheren Einfädelung in den fließenden Verkehr hier in jedem Fall gegeben
ist.
Etwas merkwürdig mutet im weiteren Verlauf der Übergang der
Radfahrstreifen in den bereits bestehenden Radweg der Backwinkelstraße an,
wird dieser doch plötzlich schmaler. Da aber besagter alter Radweg entlang
der Backwinkelstraße wegen seines schlechten Zustandes ohnehin keine
Benutzungspflicht mehr aufweist, ist dies schon fast egal.
- Bei der Moltkestraße wird derzeit im Abschnitt zwischen Gutenberg- und
Rellinghauser Straße wegen des Neubaus der dortigen Straßenbahnhaltestelle
der gesamte Verkehrsraum faktisch neu sortiert. Dabei soll auch etwas für
die Radfahrer abfallen -- leider nicht auf ganzer Länge. Platzmangel heißt
der offizielle Tenor, man wolle den Autoverkehr nicht in unzumutbarer
Weise einschränken. Dass es sich bei der Moltkestraße um einen Abschnitt
der durch die südlichen Stadtteile führenden West-Ost-Hauptradroute
handelt, spielt keine Rolle. Wieder eine verpasste Chance für die sich
"fahrradfreundlich" bezeichnende Stadt.
- Erheblich umfangreicher ist der sich momentan in der Umgestaltung
befindende Bereich der Überruhrstraße. Hier sollen auf fast ganzer Länge
Radverkehrsanlagen entstehen, in überwiegendem Maße Radfahrstreifen. Um
daneben noch die vor allem von der Politik eingeforderte hohe Zahl von
Autoparkplätzen unterbringen zu können, ist vor allem im (nördlich
gelegenen) Überruhr-Hinsel die Straße z.T. sehr viel breiter geworden. Die
exakte Fahrbahnaufteilung war wegen fehlender Markierungen Anfang August
allerdings noch nicht erkennbar. Im Bereich Überruhr-Holthausen wird
dagegen die in der Vergangenheit ohnehin schon sehr breite Fahrbahnfläche
nur neu aufgeteilt werden, ohne dass hier großartig umgebaut werden muss.
J.B.
Verkehrsführung Neubau Karstadt
Als ziemliche Katastrophe hat sich in letzter Zeit die Verkehrsführung für
Radfahrer im Bereich der Großbaustelle rund um den Karstadt-Neubau in der
nordwestlichen Innenstadt entpuppt. Nachdem bereits der Presse zu
entnehmen war, dass selbst Autofahrer mit den geänderten Verhältnissen
nicht zurecht kamen, sieht es für Radfahrer ganz übel aus. Vorher gab es
in dem Bereich Ostfeldstraße / Limbecker Platz bis hin zum Berliner
Platz Radfahrstreifen, die kurz vor Beginn
der Bauarbeiten rund um Karstadt sogar noch von Westen her über der
Ottilienstraße Anschluss bekamen.
Die Radfahrstreifen sind nun ersatzlos entfernt worden, das Radeln vor
allem in Richtung Berliner Platz ist seither aufgrund der sehr engen
Fahrbahnen lebensgefährlich geworden. In Gegenrichtung existiert ein (von
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| Der Berliner Platz im August 2006 |
Fußgängern nur relativ wenig benutzter) Gehweg, der allerdings für Radler
bislang nicht freigegeben wurde. Hier gäbe es also noch eine
Alternativführung. Ansonsten kann man allen Radlern nur raten, diesen
Bereich bis 2008 großräumig zu meiden, zumindest bis der Karstadt-Neubau
fertig ist.
Kleiner Fauxpas am Rande: Die erst vor wenigen Monaten vor der Haltelinie
der Autofahrer aufgebrachte Aufstellfläche für die Radler, die von der
Ottilienstraße in die Ostfeldstraße links abbiegen woll(t)en, hat man
wieder entfernt!
J.B.
Radverkehr auf Zollverein
Wenn dieses Heft der RAD im Pott erscheint, hat die mit vielen
Vorschusslorbeeren bedachte Design-Ausstellung "Entry 2006" auf dem
umgestalteten Areal von Zollverein Schacht XII wenige Tage zuvor begonnen.
Eine letzter Besuch des Geländes anlässlich der Zollverein-Radtour Mitte
August ergab allerdings noch das typische Durcheinander einer
Großbaustelle. Die neue Nord-Süd-Achse für Autos von der Gelsenkirchener
Straße hin zur Arendahls Wiese ist zwar fertiggestellt, war aber
noch nicht freigegeben.
Vor drei Jahren war ebenfalls eine Nord-Süd-Achse für Radfahrer über das
Zollverein-Gelände angekündigt worden, die gleichfalls ausgehend von der
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| Die neue Diagonalverbindung für Radfahrer und Fußgänger auf Zollverein |
Gelsenkirchener Straße zunächst parallel zur neuen Autostraße weiter von
Schacht XII und Zollverein I/II bis zur Straße "Bullmannaue" führen
sollte. Während parallel zur Zufahrtstraße vom Radweg noch nichts zu sehen
ist, hat man mit der Anlegung des Weges zwischen den beiden genannten
Zollverein-Schächten diagonal über die breite Gleisharfe bereits begonnen.
Ob es anlässlich der Entry-Austellung sowohl optisch ansprechende als auch
zweckmäßige Fahrradabstellanlagen geben wird, konnte leider bis zum
Readaktionsschluss nicht mehr in Erfahrung gebracht werden. Es wäre aber
ein Armutszeugnis sondergleichen, wenn bei einer Ausstellung mit dieser
Intention und Ausstrahlung auf einem Weltkulturerbe -- und das auch noch in
einer sich fahrradfreundlich nennenden Stadt -- nichts Adäquates geben
würde.
Immer noch nicht geklappt hat es mit der Verlagerung der
"RevierRad"-Station auf Zollverein in eine feste Unterkunft. Die seit
Jahren provisorisch in einem Blech-Container untergebrachten Mitarbeiter
konnten einem angesichts der vor allem im Juli vorherrschenden
Temperaturen von weit über 30° C schon leid tun.
J.B.
Ende der Großbaustelle Müller-Breslau-/Wittenbergstraße
Umfangreiche Kanalbauarbeiten hatten über einen längeren Zeitraum dafür
gesorgt, dass der eigentlich vor Jahren optimal für den Radverkehr
hergerichtete Kreuzungsbereich Müller-Breslau-Straße, Wittenbergstraße und
Paulinenstraße im Stadtteil Rüttenscheid (Kreuzungspunkt im
Hauptradroutennetz) für Radler zunächst nicht mehr befahren werden durfte.
Man hatte den Einmündungsbereich der Wittenbergstraße für Radler gesperrt
- für eine Hauptradroute ein Unding - auf Intervention von ADFC und EFI
diesen Fauxpas allerdings relativ schnell wieder beseitigt. Anknüpfend an
den Artikel über den häufig immer noch praktizierten Umgang mit dem
Radverkehr bei Baustellen (S. 4) war dies aber schon sehr bezeichnend.
Nun hat die Baustelle ein Ende gefunden, und erstaunlicherweise hat man es
geschafft, den alten Zustand einschließlich Markierungen (wenn auch
reichlich lädiert) und Signalisierung wiederherzustellen. Lediglich im
Kreuzungsbereich mit der Paulinenstraße sind einige kleine Fehler
unterlaufen, so hat man eine vorgelagerte Aufstellfläche für Radfahrer an
der Ampel "vergessen", will diese aber nachträglich dort wieder
abmarkieren.
- Da man sich gerade in der "Ecke" befindet, gilt es noch kurz über ein
seit Jahren nur wenige hundert Meter weiter südlich auf der
Wittenbergstraße befindliches Ärgernis zu berichten: Die "Asphaltblase"
auf dem stadteinwärts führenden Radfahrstreifen in Höhe der Brücke über
die Autobahn A 52. Temperaturschwankungen rufen bei der Brücke
Eigenbewegungen hervor, die den Asphalt am Anfang und am Ende der Brücke
hochdrücken, was vor allem die zumeist mit hoher Geschwindigkeit vom
Stadtwaldplatz herunterrollenden Radfahrer massiv gefährdet. Immer wieder
hat es kleinere Ausbesserungsarbeiten gegeben, deren Erfolg aber nie von
langer Dauer war. Zuletzt hatte auf Intervention der Stadt das eigentlich
zuständige Landesamt für Straßenbau die grundlegende Sanierung für diesen
Bereich versprochen, der aber bis zum Redaktionsschluss immer noch nicht
erfolgt war.
J.B.
Diagonalsperre Gruga-Radweg
In der letzten Ausgabe der RAD im Pott wurde
über die quasi über Nacht
installierte Diagonalsperre auf dem sehr viel befahrenen Gruga-Radweg in
Höhe der Walpurgisstraße berichtet. Das auf Veranlassung der Polizei
aufgestellte Hindernis war dann auch Thema im "Arbeitskreis Radverkehr"
Anfang Juni bei der Stadtverwaltung. Die Polizei rechtfertigte ihre --
nicht mit den anderen Stadtämtern abgestimmte -- Entscheidung mit
Sicherheitsabwägungen, obgleich es acht Jahre lang an dieser Stelle zu
keinem einzigen Unfall gekommen war -- ohne Diagonalsperre! Diese hatte man
kurz nach Freigabe des Radweges 1998 im Einvernehmen mit allen Beteiligten
wieder entfernt.
Beim "Arbeitskreis Radverkehr" wurde ein kurzfristiger Ortstermin
vereinbart, bei welchem man sich darüber verständigte, dass die
Diagonalsperre bis auf ein Teilstück auf der Ostseite nun abermals
abgebaut werden sollte. Darauf warten die Radler allerdings bis heute, bei
Redaktionsschluss Mitte August war jedenfalls noch nichts passiert.
J.B.
Tagesbruch Gruga-Radweg
Ein sich erst im Nachhinein als folgenschwer erweisender Tagesbruch hat
sich Ende Mai auf dem neuen Gruga-Radweg zwischen der Margarethenhöhe und
der Wienenbuschbrücke ereignet. Ein Hund stürzte in das etwa 3 Meter tiefe
Loch, das Tier musste einige Tage später eingeschläfert werden. Der Grund
für das Unglück sollen Vortriebsarbeiten für einen Abwasserkanal der
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| An dieser Stelle des Gruga-Radweges geschah der Tagesbruch; der Weg ist bis heute gesperrt. |
Emschergenossenschaft unter dem Radweg gewesen sein. Wenige Tage zuvor
habe es ebenfalls zwei, wenn auch kleinere Löcher auf dem Radweg gegeben,
so der Pressesprecher der Emschergenossenschaft Michael Steinbach
gegenüber der WAZ. Man könne nicht vorhersagen, wann ein solcher
Tagesbruch entstehe.
Der Vorfall geschah am Wochenbeginn morgens, ein Zeitpunkt, zu dem auf dem
Radweg nicht sonderlich viel los ist. Man mag sich gar nicht ausdenken,
was geschehen wäre, hätte sich der Vorfall an einem Wochenende ereignet.
Schließlich gehört der nur wenig mehr als ein Jahr alte Radweg bereits zu
den meistfrequentierten Radwanderstrecken in Essen.
Jedenfalls ist der Weg seither gesperrt. Es gibt eine ausgeschilderte,
wenn auch nicht sonderlich attraktiv zu fahrende Umleitung. Wann der Weg
wieder freigegeben wird, war bei Redaktionsschluss noch unklar. Klar ist
nur, dass die Großbaustelle entlang des Gruga-Radweges die Benutzer noch
einige Jahre begleiten wird.
J.B.
Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2006.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de