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RAD im Pott Herbst 2006 Essen

Auch Radfahrer profitieren von Wohnumfeldverbesserung

Neue Wege zum Wasser

Essen hat wie etliche andere Städte im Ruhrgebiet große strukturelle Schwierigkeiten. Glaubte man jahrzehntelang mit der Umwandlung zu einer verwaltungs- und dienstleistungsorientierten Stadt einen nachhaltigen Wandel vollzogen zu haben, zeigen die jüngsten Entwicklungen Gegenteiliges. Dabei spielt nicht nur das Image als früherer Standort der Schwerindustrie und des Kohlebergbaus eine Rolle, generell ist weltweit ein Kampf um die Neuansiedlung von hochwertigen Arbeitsplätzen entbrannt. Aber es sind nicht nur die Standortfaktoren für Arbeitsplätze, vor allem der Wohnwert spielt eine immer herausragendere Rolle für die langfristige Entwicklung einer Stadt. Und hier hat Essen nach wie vor einiges aufzuholen, speziell im Essener Norden und Westen. Die besorgniserregende demographische Entwicklung der Stadt ist ein Synonym dafür.

Genau diesen Punkt hat die im vergangenen Jahr aus Berlin nach Essen gekommene neue Dezernentin für Umwelt und Bauen, Simone Raskob, aufgegriffen und unter dem Titel "Neue Wege zum Wasser" den Anstoß für ein neues Konzept für einen langfristigen Umbauprozess dieser Stadt gegeben. Wohnumfeldverbesserung durch Wasser und Grün heißt das Stichwort. Derzeit beträgt der Anteil an bebauter Fläche 45%, Grün- und Freiflächen weisen 51% auf, die von vielen als besonders attraktiv empfundenen Wasserflächen dagegen nur 4%.

Aufgegriffen werden soll dabei die Tatsache, dass in den kommenden Jahren die Emschergenossenschaft die bislang als Abwasserkanal missbrauchte Emscher und ihre Zuläufe einem umfangreichen Renaturierungsprogramm unterziehen will ("Masterplan Emscher Landschaftspark 2010"), ein Prozess, der sich offiziell bis zum Jahr 2018 erstrecken soll. Auf Essener Gebiet befinden sich die Zuläufe zur Emscher der Borbecker Mühlenbach (dessen Sanierung bereits begonnen hat), die Berne zusammen mit dem Stoppenberger Bach sowie der Katernberger Bach in Verbindung mit dem Schwarzbach.

Foto des Mühlenbaches; ein gerader Kanal im Betonbett
Umgestaltete Landschaft
Modellbeispiel für eine Umgestaltung der städtischen Landschaft im Bereich des Borbecker Mühlenbaches

Aber nicht nur Fließgewässer, auch Seen und Teiche möchte die Stadt mit Hilfe des Programms neu entstehen oder aber wiederherstellen lassen. Versuchsweise hat man damit bereits im Segerothpark nördlich der Essener Innenstadt begonnen. Geplant sind auch eine Neugestaltung des Umfeldes des Ziegelteiches am Bückmannshof in Altenessen oder die Anlegung eines ganz neuen Sees im Grenzbereich Altenessen / Katernberg an der Kuhlhoffstraße.

Bei alledem spielt nicht nur das Wasser eine große Rolle, auch die vielen brachliegenden Bahntrassen bieten sich als sogenannte Magistralen an, um ein stadtweites Verbindungsnetz zu schaffen. Etliche Bahntrassen sind bekanntlich bereits zu Rad- und Gehwegen umgebaut worden, das Potenzial ist jedoch bei weitem nicht ausgeschöpft. Einbeziehen will man auch Verbindungen in die Nachbarstädte, genannt sei hier vor allem die in der nördlichen Essener Innenstadt beginnende Rheinische Bahn, die über Altendorf und die Mülheimer City bis nach Duisburg-Wedau führt. Da eine Realisierung angesichts der zu erwartenden Kosten kurzfristig nicht zu erwarten ist, gilt es derzeit vor allem die Bahntrasse vor weiteren Begehrlichkeiten zu sichern. Ein Punkt, der im Prinzip auch für alle anderen Bahntrassen gilt.

Natürlich wird die Stadt Essen ein solches Vorhaben finanziell nicht allein schultern können, schon gar nicht angesichts der momentanen Finanzlage. Also müssen Kooperationspartner mit ins Boot geholt werden. Einer ist schon genannt worden, die Emschergenossenschaft, die mit dem Renaturierungsprogramm der Emscher und ihrer Zuflüsse wie erwähnt bereits begonnen hat. Dabei bedarf es auch vieler Arbeitskräfte, die sich derzeit überwiegend aus Arbeitsförderungsmaßnahmen im Rahmen von Beschäftigungsprogrammen rekrutieren.

In das Projekt einbezogen hat die Stadt neben etlichen privaten und öffentlichen Institutionen u.a. auch die Wohnungswirtschaft. Gerade diese profitiert massiv von der Verbesserung ihrer Wohnumfelder, z.B. durch Wertsteigerung ihrer Inmobilien. Letztendlich sollen mit dem Programm private Investitionen angeregt werden. Mit einbezogen werden sollen natürlich auch die Bürger vor Ort und die Politik, welche dieses alles letztendlich mittragen müssen.

Ein konkreter Zeitplan ist derzeit nicht bekannt, er dürfte sich aber an dem Umbau des Emschersystems orientieren. Dieser wird sich, wie bereits erwähnt, noch weit über 10 Jahre erstrecken. Ein langfristiges Projekt also auch für Essen, bei dem zu hoffen bleibt, dass der Stadt nicht unterwegs die Puste ausgeht.

J.B.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2006.
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