<< Verbesserung bei Baustellen in Radwegebereichen? zurück zur Jahresübersicht B 227n erzeugt mehr Verkehr >>


RAD im Pott Herbst 2006 Im Pott

Negatives Gutachten drei Jahre lang zurückgehalten

Mautfinanzierter Bau der A 52 illusorisch

Ob die Autobahn A 52 jemals gebaut wird, vermag derzeit niemand konkret vorhersagen. Die Befürworter der unseligen Trasse mitten durch den Essener Norden hatten vor fünf Jahren als letzten Rettungsanker einen durch eine Maut finanzierten Bau vorgeschlagen. Mit einem Gutachten sollte bis 2003 belegt werden, dass dieses tatsächlich machbar ist.

Schon seit langem wird über den "Lückenschluss" zwischen dem heutigen Ende der A 52 am Autobahnkreuz Essen-Ost und dem Autobahnkreuz Essen-Nord (A 42 / B 224) heftig diskutiert, wobei die Stadt sich Anfang der 90er Jahre sogar eine Zeit lang gegen einen Weiterbau aussprach. Aber schon bald sorgten die konservativen Kräfte in der damals in Essen noch tonangebenden SPD dafür, dass dieser Beschluss wieder gekippt wurde. Das derzeit bestehende schwarz-grüne Bündnis hat bei seiner Kooperationsvereinbarung vor zwei Jahren diesen Punkt wohlweislich ausgeklammert. Eine Einigung wäre wohl auch kaum zu erwarten gewesen, sind die Grünen doch erklärte Gegner dieser Autobahn, während die CDU diese eindeutig befürwortet.

Inzwischen wurde mehrfach im Landtag die Veröffentlichung der Machbarkeitsstudie für das Betreibermodell mittels Mautfinanzierung angemahnt. Laut NRZ vom 7. August liegt die innerhalb von 10 Monaten erstellte Studie schon seit über drei Jahren vor. Es hätten noch Nachbetrachtungen erfolgen müssen, so dass NRW-Verkehrsministerium gegenüber der NRZ.

Diese Aussage machten die Bürgerinitiativen gegen die A 52 stutzig, sie beantragten Akteneinsicht, die allerdings auch erst durch das Gelsenkirchener Verwaltungsgericht erwirkt werden mussten. Dabei habe sich gezeigt, so Patrik Köbele, Sprecher der BI gegen die A 52, dass sich seit 2003 kaum noch etwas getan habe. Es müsse daher andere Gründe geben für das Zurückhalten der Studie.

In besagter Studie wird zunächst vermerkt, dass es sich bei der A 52 durch den Essener Norden nicht allein um die vielfach propagierte Entlastungsstrecke für die Gladbecker Straße (B 224) handelt, sondern um einen Baustein einer neuen leistungsfähigen Nord-Süd-Autobahnachse durch das Ruhrgebiet. Diese setzt im Süden an der A 46 bei Wuppertal an und führt über die B 224n nach Velbert, von dort über die Ende 2005 eröffnete B 227n und den geplanten Ruhralleetunnel (projektierte A 535) bis zur heutigen A 52, dann weiter über die neu zu bauenden Abschnitte der A 52 im Essener Norden bzw. bei Gladbeck und schließlich bis zur A 43 nördlich von Marl.

In einer Art Salamitaktik hat man bis heute die Abschnitte zwischen Wuppertal und Essen-Kupferdreh sowie zwischen Gladbeck und Marl als "richtige" Autobahnen ausgebaut. Letztendlich würde dadurch eine weitere großräumige Verbindung zwischen Köln und Münster entstehen, was für Essen wiederum mehr Verkehr verbunden mit mehr Lärm und noch mehr Abgasen (Feinstaub lässt grüßen !!) bedeuten würde.

Was die Studie vor allem besagt ist die Tatsache, dass eine kostendeckende Refinanzierung des A 52-Weiterbaus mit einer Maut zu unrealistisch hohen Tarifen führen würde -- bis zu 64 Cent pro Kilometer! Für die 7 Kilometer lange Strecke wären selbst bei einem preisreduzierten Maut-Abo bei Hin- und Rückfahrt 4,40 € fällig.

Und selbst dann müsste der Bund noch 30% der Baukosten übernehmen -- ursprünglich vorgesehen waren einmal 20%, der Rest sollte wie erwähnt privat finanziert werden. Ohnehin darf bezweifelt werden, ob ein Autofahrer angesichts solcher Preise überhaupt die Strecke befahren würde -- von Entlastung der Gladbecker Straße also keine Spur! Würde man die Mautgebühr auf akzeptablere neun Cent pro Kilometer senken (im Abo fünf Cent), müsste die Anschubfinanzieung der Öffentlichen Hand sogar 70% betragen. Das aber wäre derzeit angesichts leerer Kassen absolut unrealistisch.

Und so wundert es nicht, dass man selbst dem Bundestag besagtes Gutachten vorenthalten hat, als dieser 2004 den Weiterbau der A 52 in den vordringlichen Bedarf einstufte. Aber so wird selbst die Politik manipuliert. Jedenfalls ist seither die Autobahn wieder im Gespräch, selbst wenn eines ihrer namhaftesten Befürworter, der langjährige Essener CDU-Bundestagsabgeordnete Norbert Königshofen, laut NRZ bislang nie an eine private Finanzierung geglaubt hat.

J.B.


Die Bürgerinitiativen gegen die A 52 veranstalten am Donnerstag, den 9. November, ab 19.00 Uhr in der Zeche Carl in Altenessen eine wissenschaftlich begleitete Informationsveranstaltung zum Verkehr im Ruhrgebiet.


<< Verbesserung bei Baustellen in Radwegebereichen? zurück zur Jahresübersicht B 227n erzeugt mehr Verkehr >>


Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2006.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de