Neues für Essens Radler
Im Mühlenbruch
Bei dem Ausbau der im Stadtteil Stoppenberg gelegenen Straße Im
Mühlenbruch zwischen Gelsenkirchener Straße und Ahrendahls Wiese bzw.
Backwinkelstraße ist mittlerweile ein Ende absehbar ist. Besagter Ausbau
beinhaltet auch Radverkehrsanlagen, die im Westen die zur Fahrradstraße
umgewidmete Ahrendahls Wiese sowie die Radwege der Backwinkelstraße
anbinden. Letztere befinden sich allerdings in derart schlechtem Zustand,
dass man die Benutzungspflicht aufgehoben hat.
Über die Straße Im Mühlenbruch wird vor allem das Bischöfliche Gymnasium
angebunden. Insofern erschien es allein der vielen Schüler wegen grotesk,
dass man die Radverkehrsanlagen kurz vor der Kreuzung mit der
Gelsenkirchener Straße enden lassen wollte. Offizielle Begründung der
Stadt: Die Kreuzung gehöre nicht zum Umbauprogramm. Etwa ein Rückfall in
überwunden geglaubte Zeiten, in denen man schwierige Knotenpunkte in
punkto Radverkehr schlichtweg nicht angepackt hat?
Nach Intervention von ADFC und EFI beim letzten Arbeitskreis Radverkehr
hat die Verwaltung nun doch eingelenkt. Die Radfahrstreifen sollen jetzt
bis an die Kreuzung in Verbindung mit einer aufgeweiteten Haltelinie
heranreichen. Jetzt aber hat auf einmal die Politik wieder
Beratungsbedarf. Schon aus Gründen einer wirksamen Schulwegsicherung wird
sie sich aber einer Zustimmung nicht verschließen können.
Neue Fulerumer Straße 2006
- Ein weiteres für Radfahrer interessantes, weil im Hauptroutennetz
befindliches Straßenumbauprojekt findet man im Essener Südosten. Es
handelt sich um die Überruhrstraße im gleichnamigen Stadtteil, auf der
in fast allen Abschnitten Radverkehrsanlagen vorgesehen sind.
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| Neue Fulerumer Straße 2006 |
Fördermittel hierfür sind von der Landesregierung konkret zugesagt, der
Bau könnte also noch in diesem Jahr beginnen.
- Zunächst auf das Jahr 2008 verschoben hat man dagegen den Neubau des
südlichen Abschnitts der Fulerumer Straße bis in die Ortsmitte von
Haarzopf. Da entlang der Trasse auch noch Wohnbebauung entstehen soll,
hat man hier vor einiger Zeit provisorisch eine asphaltierte Baustraße
angelegt, auf der es sich sogar gut radeln lässt -- nach Ansicht von
ADFC und EFI der Schleichweg des Monats!
Radstation Altenessen
Zum x-ten Mal ist nun die Fertigstellung der Radstation in Altenessen
angekündigt worden. Bekanntlich handelt es sich hierbei noch um eine
"Altlast" der 1999 beendeten Internationalen Bauausstellung Emscherpark
(IBA). Das Gebäude ist seit geraumer Zeit fertig, nur beim Innenausbau
stockte es. Nun hat die Bezirksregierung in Düsseldorf der Stadt 232.200€
zur Verfügung gestellt, damit die Radstation, die Bestandteil des
Landesprogramms "100 Fahrradstationen in NRW" ist, endlich fertiggestellt
werden kann.
Der Bahnhof Altenessen ist nicht nur Knotenpunkt für den Öffentlichen
Nahverkehr (hier treffen Regionalexpress, S- und U-Bahn, Straßenbahn und
Busse aufeinander), sondern es kreuzen sich hier auch die
Nord-Süd-Hauptradroute Innenstadt-Altenessen-Karnap und die derzeit in nur
wenigen Abschnitten ausgebaute West-Ost-Hauptroute
Borbeck-Bochold-Altenessen-Stoppenberg-Kray-Steele.
- Auf der Zeche Bonifacius in Kray, also quasi in Sichtweite der zum
Radwanderweg umgestalteten Kray-Wanner-Bahn, soll in diesem Frühjahr
eine weitere "RevierRad-Station" eingerichtet werden, in der man dann
auch die bereits im ganzen Ruhrgebiet anzutreffenden orangenfarbenen
"RevierRad"-Räder" ausleihen kann.
Gelsenkirchener Straße
In der letzten Frühjahrsausgabe der
RAD im Pott wurde der geplante Ausbau
des bislang für Radfahrer sehr gefährlichen S-Kurvenbereichs der
Gelsenkirchener Straße nördlich des Stoppenberger Zentrums vorgestellt,
die Bestandteil einer möglichen Anbindung der Zeche
Zollverein vor allem an die südöstlichen Stadtteile Essens ist. ADFC und
EFI hatten kritisiert, dass man die dort angelegten Radfahrstreifen kurz
vor einem wichtigen Abzweig vor einer hohen Bordsteinkante hatte enden
lassen -- ohne Einfädelmöglichkeit für Radfahrer in den fließenden Verkehr.
Verlängern konnte (und wollte) man den Radfahrstreifen nicht mehr, statt
dessen hat man den Vorschlag der Radfahrverbände aufgegriffen und die
Bordsteinkante an besagter Stelle abgesenkt. Die Radfahrer können nun bis
zu besagtem Abzweig auf dem von Fußgängern nur wenig frequentierten Gehweg
weiterradeln. Eine kleine und einfache, aber wirkungsvolle Maßnahme.
Kleinvieh macht auch Mist
Genauso einfach wie effektiv sind auch die folgenden zwei Maßnahmen:
- Die mit Ampeln versehene Kreuzung Ruhrallee / Schinkelstraße ist mit
einer speziellen Ausschilderung versehen, die es Radlern bislang nicht
ermöglichte, geradeaus die stark frequentierte Ruhrallee zu queren.
Wie der Autoverkehr unterlag auch der Radverkehr nämlich dem dort
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| Kreuzung Schinkelstraße / Ruhrallee |
bisher vorgeschriebenen Abbiegezwang. Nach Anregung von ADFC und EFI
hat die Stadt hier nun zwei Zusatzschilder "Radfahrer frei"
installiert, so dass Radler die ansonsten wenig befahrene
Schinkelstraße als durchgängige Verbindung zwischen dem Südviertel und
Huttrop nutzen können.
- Bei der Erstellung der drei Radtourenbroschüren (siehe auch S. 32) stellte man fest, dass ein Abschnitt einer Radroute zwischen
der Grund- und der Feldmarkstraße (Grenze Katernberg - Gelsenkirchen)
entlang einer Kleingartenanlage führt -- über einen Fußweg mit
etlichen versetzt angeordneten Umlaufsperren. Guten Gewissens hätte
man hier keine Radtour vorschlagen können, zumal der städtische
Kleingärtnerverband sehr kleinkariert
reagieren kann, wenn Wege in seinem Zuständigkeitsbereich für Radfahrer
freigegeben werden, selbst wenn diese eine ausreichende Breite aufweisen.
Nun hat sich herausgestellt, dass der hier sogar asphaltierte Weg sich in
städtischer Trägerschaft befindet, was eine kurzfristige Freigabe
erleichtert. Fehlt nur noch die entsprechende Umsetzung, die bei
Redaktionsschluss jedoch noch nicht erfolgt war...
Baustelle Gruga-Radweg
Auf dem gesamten Gruga-Radweg gibt es rege Bautätigkeit zu vermelden:
- Zum einen ist der östliche, mittlerweile fast acht Jahre alte
Abschnitt in den vergangenen Monaten abschnittweise saniert worden --
leider nicht immer in der von vielen Radlern erwarteten Qualität, was
aber nach Aussage des zuständigen Bauleiters wegen des nicht
hundertprozentig festen Untergrunds auf Dauer gesehen auch nicht
möglich sei. Dies hat auch wieder die Diskussion um die Verwendung von
sogenannten "Wassergebundenen Decken" losgetreten (dazu wird es in
diesem Jahr auch einen Test geben, mehr auf S. 5).
Derzeit wird der untere Abschnitt in Stadtwald und Rellinghausen saniert.
Hier gab es sofort wieder Kritik wegen des für die Wegeoberfläche
verwendeten groben Materials -- diesmal allerdings unberechtigt. Bei
besagtem Material handelt es sich noch nicht um die oberste glatte
Deckschicht. Zunächst wollte man die unteren Tragschichten sich setzen
lassen, dann verhinderte die winterliche Wetterlage die Aufbringung der
Deckschicht. Eigentlich hatte man ganz bewusst die kalte Jahreszeit für
diese Maßnahme gewählt, da dann weniger Radfahrer unterwegs sind. Wenn
dieses Heft erscheint, dürften die Sanierungsarbeiten allerdings beendet
sein.
- Auch in dem neuen, erst vor einem Jahr eröffneten westlichen Abschnitt
gibt es rege Bautätigkeiten zu vermelden, die allerdings länger
andauern werden. Es handelt sich um die Renaturierungsarbeiten für den
Borbecker Mühlenbach durch die Emschergenossenschaft. Diese bereits
seit langem angekündigte Maßnahme beinhaltet zunächst einmal den Bau
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| Grugaradweg an der Mühlenbachtalbrücke |
einer parallel zum Bach führenden unterirdischen Schmutzwasserleitung,
die Voraussetzung für das eigentliche Renaturierungsprojekt ist.
Tatsächlich betroffen ist derzeit allerdings nur der Radweg unterhalb
der Mühlbachtalbrücke in Fulerum. Bleibt nur zu hoffen, dass man hier
die wassergebundene Wegedecke nach Abschluss der Arbeiten wieder in
einen wirklich glatten Zustand versetzt.
Mountainbiker im Abseits
Vor ein einigen Jahren sah sich die Stadt gezwungen, einen illegal von
jugendlichen Mountainbikern im Schellenberger Wald angelegten
Cross-Parcours wieder zu beseitigen, dann hintertreiben vermeintlich
ruhebedürftige Bürger die Bemühungen eines Sportvereins, einen geordnet
angelegten Parcours für eben diese Jugendlichen anzulegen: So geschehen
nun schon zum zweiten Mal im Essener Südosten.
Zunächst hatte der SV Steele eine ehemalige Zechenhalde in Burgaltendorf
als ideales Trainingsgelände für die jugendlichen Mountainbiker
auserkoren. Und da man zunächst auch die Unterstützung der Verwaltung und
der örtlichen Politik hatte, begann man mit der Herrichtung des am Rand
des Stadtteils liegenden des Geländes. Angesichts des Protestes einiger
weniger Anwohner knickte die Politik jedoch ein und untersagte die
Benutzung.
Jetzt scheint sich das gleiche Spiel zu wiederholen. Mit Hilfe von
Verwaltung und Politik hatte man sich ein Gelände zwischen Wolfskuhle und
Isinger Feld ausgeguckt -- mit gewissem Abstand zu irgendwelchen
Wohngebieten. Es gibt aber Anwohner, die offensichtlich die Flöhe husten
hören. Nicht anders sind einige Proteste zu erklären, die jetzt dazu
geführt haben, dass ein Lärmgutachten erstellt werden muss, was zumindest
die Fertigstellung des Mountainbike-Parcours verzögert. Bleibt nur zu
hoffen, dass die Politik diesmal standhaft bleibt und nicht erneut den
Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitmöglchkeit verwehrt.
"Winterdienst" in Essen
Der vergangene, etwas strengere Winter gibt erneut Anlass, auf den völlig
unzureichenden Winterdienst auf den städtischen Radwegen hinzuweisen.
Offensichtlich hat diesbezüglich in Essen der Grundgedanke einer sich
fahrradfreundlich nennenden Stadt immer noch keinen Einzug gehalten -- im
Gegensatz zu manch anderer Stadt. Beispielsweise Düsseldorf -- hier werden
nach Recherchen von dort arbeitenden ADFC-Mitgliedern viele Radwege wie
auch immer abgestreut, und das z.T. innerhalb kürzester Frist. Natürlich
können auch dort nicht alle Radwege berücksichtigt werden, aber die
wichtigsten gehören dazu.
Nach Ansicht der hierfür zuständigen Essener Entsorgungsbetriebe sei auf
dem hiesigen Radwegenetz ein wirtschaftlicher Winterdienst nicht
durchführbar, allenfalls Radfahrstreifen könn(t)en (mit-)gestreut werden.
Die Praxis zeigt allerdings etwas anderes. So hat beispielsweise an der
Huyssenallee erst nach einigen Tagen das Spritzwasser der Autos dafür
gesorgt, dass Teilbereiche der Radfahrstreifen eisfrei wurden. Auf der
Rüttenscheider Brükke wiederum hatte man zwar innerhalb kürzester Frist
den Gehweg gestreut, nicht aber den unmittelbar daneben liegenden Radweg -
und das sogar als dieser nach wenigen Tagen völlig vereist war! Essen
fahrradfreundlich - zumindest nicht in diesem Winter!
J.B.
Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Frühjahr 2006.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de