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RAD im Pott Frühjahr 2006 Essen

B 227n zerstört Natur und Landschaft im Essener Süden

Neue Autobahn erzeugt mehr Verkehr

Sie sind selten geworden, aber es gibt sie noch, die offiziell "gefeierten" Freigaben von Autobahnen. So geschehen im Dezember in Kupferdreh mit der Freigabe der autobahnmäßig ausgebauten B 227n durch den neuen NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke. Mitgliedern von Bürgerinitiativen sowie verschiedenen Umweltverbänden blieb lediglich die Möglichkeit, mit Plakaten und Spruchbändern ihrem Protest Ausdruck zu verleihen.

Die umstrittene Asphaltpiste dient als offizielle Zufahrt zur äußerst umstrittenen A 44 (DüBoDo), die derzeit nur in Teilstücken existiert und deren östlicher Abschnitt zwischen Velbert und Bochum inzwischen offiziell gekippt wurde. Dafür schuf man Ende der 80er Jahre mit der B 224n eine ebenfalls autobahnmäßig ausgebaute Direktverbindung nach Wuppertal, die bereits für viel Verkehr in Richtung Essen sorgt. Wenn nun noch das fehlende Teilstück der A 44 zwischen Velbert und Ratingen fertiggestellt wird, kann man sich ausmalen, welche Verkehrsmengen demnächst nach Essen einfallen werden.

Das nun freigegebene Straßenstück wird als Lehrbeispiel dazu dienen, wie man mit neuen Straßen mehr Verkehr erzeugt. Bislang floss der Verkehr zwischen Velbert und Kupferdreh über die sehr kurvenreiche alte B 227. Die aber hätte man maßvoll ohne allzu viele Eingriffe in die Natur ausbauen können. Letztendlich mussten aber die Proteste einiger weniger Anwohner über zuviel Verkehr dafür herhalten, das skizzierte Autobahnprojekt mit gravierenden Eingriffen in die Landschaft zu realisieren. So hat man z.B.
Foto einer Demonstration auf der Straße bei der Eröffnung der B227n
das bislang weitgehend unberührte Asbachtal auf Dauer zerstört. Ursprünglich hatte sich auch die Stadt Essen gegen das Monsterprojekt gewandt, wohl wissend um die zu erwartende Verkehrszunahme sowie um die landschaftszerstörerische Wirkung, musste sich aber letztlich dem Druck der Landesverkehrsbehörde beugen.

Auch die Umwelt- und Verkehrsverbände hatten sich bereits seit langem vehement gegen das Projekt engagiert. Legendär ist das einwöchige Mahnfeuer bei Eis und Schnee im Winter 1985/86 auf dem Krähenberg an der Essener Stadtgrenze. Auch Mitglieder der EFI beteiligten sich schon damals an den Aktionen, darunter der heutige Bürgermeister Rolf Fliß. Vor allem die Hartnäckigkeit der Bürgerinitiative gegen die DüBoDo hat erreichen können, dass zumindest die A 44 über Hattingen nach Bochum nicht weitergebaut werden wird.

Neben den wenigen Anwohnern der alten B 227, die wie erwähnt den Autobahnbau befürworteten -- und dies auf Kosten vieler Tausend zukünftig betroffener Bürger im Essener Süden -- gibt es auch im Stadtteil Bergerhausen eine Bürgerinitiative, die für die Autobahn ist, nämlich die der Anwohner der Ruhrallee. Diese wollen mit der erwarteten Zunahme des Verkehrs einen Tunnel unter der eigentlich schon immer vielbefahrenen Ruhrallee erzwingen. Hier hat man sich aber offensichtlich ins eigene Fleisch geschnitten: Der Verkehr wird zwar zunehmen, den Tunnel wird es dagegen angesichts der hohen Kosten bei gleichzeitig leeren Kassen zumindest kurzfristig nicht geben.

Auf diesen Tunnel setzen allerdings auch die Befürworter der Autobahn A 52 durch den Essener Norden, die mit dem neuen Landesverkehrsminister Oliver Wittke über einen entschiedenen Befürworter in Düsseldorf verfügen. Sie wollen mit der B 227n, dem Ruhralleetunnel und besagtem Autobahnprojekt eine weitere Nordsüdachse durch das Ruhrgebiet schlagen. Auf dass die Lebensqualität in dieser Stadt weiter sinke -- ein erster Schritt dafür ist vollzogen.

J.B.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Frühjahr 2006.
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