Radstation X
X ist ein Symbol für Unbekanntes. Es gab x Versuche, eine Radstation am
Duisburger Hauptbahnhof zu initiieren. Hier steht es auch für die römische
Zahl 10: 10 Jahre ist es her, dass der erste Antrag in den Rat eingebracht
wurde um die Radstation am Duisburger Hauptbahnhof zu ermöglichen. Viele
Irrungen und Wirrungen hat es seitdem gegeben. Mit Logik, politisch
sinnvollen Handeln oder gar Vernunft, damit haben viele der vergangenen
Beschlüsse und Handlungen wenig zu tun. Fraktionsdenken, dem politisch
anders Denkenden eins Auswischen, "das Räppelchen wegnehmen", das sind die
Vokabeln, die fallen, wenn man über die Entwicklung der Radstation
spricht.
Die Geschichte nimmt ihren Anfang:
Der ADFC hat zusammen mit der regierenden SPD und den Grünen auf
Landesebene das Programm 100 Radstationen in NRW verankert. Sinnvoll für
alle die auf die Kombination Fahrrad und Bahn angewiesen sind. Gegen
Vandalismus und Diebstahl ist schließlich kein Rad gewachsen.
Am 20. Dezember 1996 kommt der Vorschlag für eine Radstation auf das
Duisburger Tableau. Aber sie wird mit fadenscheinigen Argumenten
abgelehnt.
Der damalige Verkehrsreferent des ADFC, Markus Westphalen, gleichzeitig
sachkundiger Bürger für die Fraktion der Grünen im Verkehrsausschuss,
berichtete von den ersten positiven Erfahrungen mit den Radstationen und
stellt am 22.05.2001 erneut einen Antrag. Eine Radstation am Duisburger
Hauptbahnhof. Dass die Genossen in Duisburg anders ticken als jene auf
Landesebene, musste er wiederum erfahren.
Das vermeintliche Ende einer unendlichen Geschichte
Die vorletzte Kommunalwahl zeigte die Schwäche der SPD in Duisburg und
zwang Frau OB Zieling zur Zusammenarbeit mit den Grünen. Die Radstation
stand wieder auf der Tagesordnung, der ADFC hatte in seien Wahlprüfsteinen
nämlich noch mal auf das Thema aufmerksam gemacht. Nun war es dann auch
kein Problem mehr für die SPD, dass die Radstation vermeintlich dem
örtlichen Fahrradhandel Konkurrenz machen könnte. Im Jahre 2001 wird die
Drucksache 3307/1 mit allen Stimmen der im Rat vertreten Parteien
beschlossen, die Radstation kann kommen. Der Handel freute sich sogar auf
die Radstation!
Mystisches Untertauchen und Erwachen:
Wie kann ein Projekt, das einstimmig im Rat beschlossen wurde, von der
Bildfläche verschwinden? Man entzieht dem Projekt seine Grundlage. Vom
ADFC immer wieder gefordert, war die Fahrradstation immer auch ein
Lieblingskind der Grünen. Als SPD und Grüne für eine Zusammenarbeit keine
Möglichkeit mehr sah und die SPD sich der FDP zuwandte, wurde auch die
Radstation beiseite geschoben. Man entzog dem Betreiber die
Betätigungsgrundlagen: In Vorgriff auf die Hartz-Gesetze und das Ende der
Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wurden schnell die städtischen Zuschüsse für
neue ABM- Maßnahmen eingestellt. Und die waren die Grundlage für den
Betrieb der Station.
Eine Kommunalwahl weiter stehen die Grünen wieder auf Augenhöhe mit,
diesmal, der CDU. Die Abstellanlage ist wieder im Gespräch. Der Betreiber
steht noch immer parat. Die Paritätische Initiative für Arbeit betreibt
seit nun 10 Jahren in Mülheim erfolgreich eine, nein, zwei Radstationen!
Die Arbeitsfördermaßnahmen haben sich in dieser Zeit mehrfach geändert.
Die Tätigkeiten waren und sind dadurch nicht gefährdet. Auch hier erweist
sich die Argumentation der SPD als haltlos.
Die Detailplanungen werfen aber neue Fragen auf, die gelöst werden wollen.
Den verwaisten Platz unter den UCI-Kino nutzen die Gastwirte, um ihr
Altglas zu entsorgen. Hier werden die Radfahrer vorbeigeführt. Etwas
versteckt auf der Ostseite liegt die Radstation. Dem Sparwillen ist der
auffällige Pylon zum Opfer gefallen. Wie kann die Station nun auf sich
 |
| Dürfen die Fahrradfahrer diesen Weg zur Radstation nutzen? |
aufmerksam machen? Ungelöste Probleme, für die in der Ratssitzung am 9.
Februar 2006 die Verwaltung keine Lösung aufzeigen wollte. Der technische
Dezernent gerät in die für ihn typische Rage und interessiert sich nicht
für den vorher gefassten Ratsbeschluss. Dem angedachten Ortstermin will er
nicht beiwohnen. Welches Demokratieverständnis hat dieser hochrangige
Wahlbeamte? Hier erweißt er sich einmal mehr als Bremser in Sachen
fahrradfreundlicher Entscheidungen. Die Fraktion der SPD stärkt dem
Dezernenten mit dem gleichen Parteibuch den Rücken und will an diesem
Termin ebenfalls nicht teilnehmen.
Der ADFC steht für sachorientierte Gespräche zur Radverkehrsförderung
immer bereit. Insbesondere mit den Duisburger Verkehrsbetrieben wird beim
anberaumten Ortstermin über eine vernünftige Zufahrt zur Radstation zu
reden sein. Dem Betreiber wünschen wir schon jetzt viel Erfolg. Erste
Nutzer der Radstation haben sich übrigens schon angemeldet.
Harald Höbusch
Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Frühjahr 2006.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de