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RAD im Pott Frühjahr 2006 Duisburg

Radstation X

X ist ein Symbol für Unbekanntes. Es gab x Versuche, eine Radstation am Duisburger Hauptbahnhof zu initiieren. Hier steht es auch für die römische Zahl 10: 10 Jahre ist es her, dass der erste Antrag in den Rat eingebracht wurde um die Radstation am Duisburger Hauptbahnhof zu ermöglichen. Viele Irrungen und Wirrungen hat es seitdem gegeben. Mit Logik, politisch sinnvollen Handeln oder gar Vernunft, damit haben viele der vergangenen Beschlüsse und Handlungen wenig zu tun. Fraktionsdenken, dem politisch anders Denkenden eins Auswischen, "das Räppelchen wegnehmen", das sind die Vokabeln, die fallen, wenn man über die Entwicklung der Radstation spricht.

Die Geschichte nimmt ihren Anfang:

Der ADFC hat zusammen mit der regierenden SPD und den Grünen auf Landesebene das Programm 100 Radstationen in NRW verankert. Sinnvoll für alle die auf die Kombination Fahrrad und Bahn angewiesen sind. Gegen Vandalismus und Diebstahl ist schließlich kein Rad gewachsen.

Am 20. Dezember 1996 kommt der Vorschlag für eine Radstation auf das Duisburger Tableau. Aber sie wird mit fadenscheinigen Argumenten abgelehnt.

Der damalige Verkehrsreferent des ADFC, Markus Westphalen, gleichzeitig sachkundiger Bürger für die Fraktion der Grünen im Verkehrsausschuss, berichtete von den ersten positiven Erfahrungen mit den Radstationen und stellt am 22.05.2001 erneut einen Antrag. Eine Radstation am Duisburger Hauptbahnhof. Dass die Genossen in Duisburg anders ticken als jene auf Landesebene, musste er wiederum erfahren.

Das vermeintliche Ende einer unendlichen Geschichte

Die vorletzte Kommunalwahl zeigte die Schwäche der SPD in Duisburg und zwang Frau OB Zieling zur Zusammenarbeit mit den Grünen. Die Radstation stand wieder auf der Tagesordnung, der ADFC hatte in seien Wahlprüfsteinen nämlich noch mal auf das Thema aufmerksam gemacht. Nun war es dann auch kein Problem mehr für die SPD, dass die Radstation vermeintlich dem örtlichen Fahrradhandel Konkurrenz machen könnte. Im Jahre 2001 wird die Drucksache 3307/1 mit allen Stimmen der im Rat vertreten Parteien beschlossen, die Radstation kann kommen. Der Handel freute sich sogar auf die Radstation!

Mystisches Untertauchen und Erwachen:

Wie kann ein Projekt, das einstimmig im Rat beschlossen wurde, von der Bildfläche verschwinden? Man entzieht dem Projekt seine Grundlage. Vom ADFC immer wieder gefordert, war die Fahrradstation immer auch ein Lieblingskind der Grünen. Als SPD und Grüne für eine Zusammenarbeit keine Möglichkeit mehr sah und die SPD sich der FDP zuwandte, wurde auch die Radstation beiseite geschoben. Man entzog dem Betreiber die Betätigungsgrundlagen: In Vorgriff auf die Hartz-Gesetze und das Ende der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wurden schnell die städtischen Zuschüsse für neue ABM- Maßnahmen eingestellt. Und die waren die Grundlage für den Betrieb der Station.

Eine Kommunalwahl weiter stehen die Grünen wieder auf Augenhöhe mit, diesmal, der CDU. Die Abstellanlage ist wieder im Gespräch. Der Betreiber steht noch immer parat. Die Paritätische Initiative für Arbeit betreibt seit nun 10 Jahren in Mülheim erfolgreich eine, nein, zwei Radstationen! Die Arbeitsfördermaßnahmen haben sich in dieser Zeit mehrfach geändert. Die Tätigkeiten waren und sind dadurch nicht gefährdet. Auch hier erweist sich die Argumentation der SPD als haltlos.

Die Detailplanungen werfen aber neue Fragen auf, die gelöst werden wollen. Den verwaisten Platz unter den UCI-Kino nutzen die Gastwirte, um ihr Altglas zu entsorgen. Hier werden die Radfahrer vorbeigeführt. Etwas versteckt auf der Ostseite liegt die Radstation. Dem Sparwillen ist der auffällige Pylon zum Opfer gefallen. Wie kann die Station nun auf sich
Foto der Straße zwischen UCI und Hauptbahnhof mit den Bushaltestellen
Dürfen die Fahrradfahrer diesen Weg zur Radstation nutzen?
aufmerksam machen? Ungelöste Probleme, für die in der Ratssitzung am 9. Februar 2006 die Verwaltung keine Lösung aufzeigen wollte. Der technische Dezernent gerät in die für ihn typische Rage und interessiert sich nicht für den vorher gefassten Ratsbeschluss. Dem angedachten Ortstermin will er nicht beiwohnen. Welches Demokratieverständnis hat dieser hochrangige Wahlbeamte? Hier erweißt er sich einmal mehr als Bremser in Sachen fahrradfreundlicher Entscheidungen. Die Fraktion der SPD stärkt dem Dezernenten mit dem gleichen Parteibuch den Rücken und will an diesem Termin ebenfalls nicht teilnehmen.

Der ADFC steht für sachorientierte Gespräche zur Radverkehrsförderung immer bereit. Insbesondere mit den Duisburger Verkehrsbetrieben wird beim anberaumten Ortstermin über eine vernünftige Zufahrt zur Radstation zu reden sein. Dem Betreiber wünschen wir schon jetzt viel Erfolg. Erste Nutzer der Radstation haben sich übrigens schon angemeldet.

Harald Höbusch


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Frühjahr 2006.
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