<< Globecyclers mit Tandem zurück zur Jahresübersicht Neues Statut für die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte >>


RAD im Pott Frühjahr 2006 Im Pott

Als Radtouren-Tester im Schwarzwald

Glück muss der Mensch haben!

Eine Fahrradzeitschrift suchte 6 Leser, die eine neu aufgelegte Trekking-Radtour durch den Schwarzwald testen sollten. Elke hat unsere Bewerbung hingeschickt und wir werden als Teilnehmerpaar für NRW ausgewählt.

Also liegen wir gemütlich im City-Night-Line von Duisburg nach Basel. Unsere Räder stehen im großzügigen Fahrrad- und Gepäckwagen. Warum soll das eigentlich beim ICE nicht auch möglich sein?

Morgens gegen sieben am Badischen Bahnhof treffen wir die anderen Teilnehmer: Thomas und Thomas aus Berlin, Hardy und Rudi aus Lüneburg, Florian, den Redakteur und unseren Tourenguide Valentin. Bei einem Wetter, wie es Ende September schöner nicht sein könnte, machen wir uns auf: fünf Tage und 360 Kilometer bis Karlsruhe.

Die erste Etappe führt uns über 75 km nach Freiburg. Erst auf asphaltierten Wegen ohne nennenswerte Steigungen. Nach einer Pause an der Burgruine Rötteln wird das Gelände anspruchsvoller, aber der Blick auf Freiburg entschädigt uns bald für die Anstrengungen. Rathaus, Marktplatz
Foto der Radfahrgruppe bei der Pause an einem Wegweiser
wie überhaupt die gesamte Altstadt mit den offenen Entwässerungsrinnen sind wirklich sehenswert. Abends im Brauhaus treffen wir noch einmal Frau Budig von der Schwarzwald-Touristik, die unsere Tour organisiert hat.

Die zweite Etappe beginnt mit einer Seilbahnfahrt auf den Schauinsland. Der Gipfel liegt noch in eiskaltem Nebel und wir sind froh, uns Richtung Feldberg warm radeln zu können. Bald schon hat die Streckenführung aber mit Trekking nicht mehr viel zu tun. Steile Schotter-strecken mit faustgroßen Steinbrocken sind eher für Mountainbiker geeignet und wir können unsere Räder manchmal nur noch schieben. Jetzt bin ich froh über den Gepäcktransfer, den ich eigentlich für unnötigen Luxus halte. Wir ersparen uns die letzten Höhenmeter zum Feldberggipfel und fahren auf Waldwegen hinab zum Titisee. Einige Anbauteile wie Rückstrahler bleiben auf der Strecke und ein Schutzblech muss vorsorglich abmontiert werden. Die Landschaft ist ein Traum. Der Schwarzwald ist hier noch eine intakte Mischlandschaft aus Feldern und Wald und immer wieder genießen wir großartige Blicke in die Täler. Wir rasten unter einem Wegweiser nach Breitnau-Einsiedel und schlagartig wird klar: hier muss er sein, der Nabel der Welt!

Mit Einbruch der Dunkelheit erreichen wir das Naturfreundehaus Brend bei Furtwangen. 90 km und ungezählte Steigungen stecken uns in den Beinen.

Etappe 3 führt uns auf dem Schwarzwald-Höhenweg durch märchenhafte Waldstücke, bis wir dann die Hochebene auf einer rasanten Abfahrt nach Triberg und weiter nach Niederwasser verlassen. Ein Satz Scheibenbremsen stößt dabei an seine Grenzen und verwandelt sich in Wellblech. Auch nach dem Abkühlen bleibt eine deutliche Unwucht zurück und wir sind froh, dass
Foto eines ländlichen Hauses
der Rest des Tages uns überwiegend durch Täler führt. Entlang der Kinzig durchradeln wir zahlreiche Fachwerkstädtchen, Schiltach ist vielleicht das schönste, bis wir nach 60 km unser Tagesziel Alpirsbach erreichen. Hier nimmt sich der Tourismusleiter die Zeit uns zu einer Stadtführung mit Besichtigung der Klosterbrauerei zu begleiten.

Etappe 4 führt uns auf Waldwegen weiter das Kinzigtal hinauf und über Loßburg nach Freudenstadt. Die Landschaft wird waldreicher, je weiter wir nach Norden kommen. Leider wird aber auch die ohnehin schon nicht perfekte Beschilderung immer dürftiger. Aber das hindert uns nicht, den Weg ins Murgtal zu finden. Hier erwartet uns nicht nur der landschaftlich reizvollste, sondern auch der entspannendste Teil unserer Fahrt. 20 km entlang des Wildbaches und fantastischer Felsformationen geht es auf Forstwegen kontinuierlich bergab, bis wir nach insgesamt 65 km das unscheinbare Forbach erreichen.

Die letzte Etappe über 70 km nach Karlsruhe gerät eher zum Lückenfüller. Aber die nach der gestrigen Tour vergleichsweise reizarme Landschaft, der einsetzende Dauerregen, die irreführenden Wegweiser und hiermit verbundene Irrfahrt durch den Hardtwald können unsere gute Laune nicht brechen, zu schön waren die Eindrücke der vergangenen Tage.

Unser Fazit: Der Schwarzwald ist ein lohnenswertes Ziel auch für Tourenradler.

Die für uns gewählte Strecke müsste an manchen Stellen noch entschärft werden, aber es sollte sich für jedes Leistungsniveau eine passende Route finden lassen. Mit geeigneten Karten und etwas Orientierungsvermögen kann man die Tour ohne weiteres auch in Eigenregie angehen.

Elke Schnitzler / Volker Walk


<< Globecyclers mit Tandem zurück zur Jahresübersicht Neues Statut für die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte >>


Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Frühjahr 2006.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de