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RAD im Pott Winter 2005 Duisburg

10 Jahre Liegeradtreff Duisburg

Der Liegeradtreff Duisburg hat sich in den vergangenen 10 Jahren gut etabliert. Leute aus einem Umkreis von mehr als 50 km nehmen gerne am Fachsimpeln, Ausprobieren und Erfahrungsaustausch teil, geben Auskünfte oder schätzen die Gemeinsamkeiten.

Mit den auf den ersten Blick so unterschiedlichen, aus mancherlei Sicht vielleicht etwas skurrilen Rädern, sollte der Treff unter den Radlern ähnlich bekannt werden wie der Motorradtreff am Kaiserberg. Inzwischen sind Liegeräder in Duisburg nichts Ungewöhnliches mehr. Der ADFC hat mit der "Rad im Pott" ebenso wie die ortsansässige Presse dazu beigetragen, dass der Bekanntheitsgrad des Treffs gestiegen ist. Einige freundliche Zeitungsberichte, die Mund-zu-Mund-Propaganda und auch eine eigene Homepage (www.liegeradtreff-duisburg.de) taten das Ihrige. In der RIP wird jede Liegerad-Aktivität angekündigt.

Ein Treff für fahrradbegeisterte Radfahrer wurde ins Leben gerufen. Diejenigen, die in der unpopulären, bequemeren und doch so vorteilhaften
Foto der Liegeradler in der Innenstadt an der Vogel-Skulptur
Körperposition Rad fahren wollen, sollten andere ebenso dafür begeistern. Die Welt ist bunt und dreht sich - sie ist offen für alles Neue, vor allem für solche, die sich gerne an Unkonventionellem reiben. Da war die Wahl eines zentralen Ortes in der City für die Treffen - mit der bunten, sich drehenden, dabei weltoffenen und auch provozierenden Statur in Form des wasserspendenden Vogels mit gespreizten Flügeln von Niki de St. Phalle - mehr als passend gewählt. Zudem ist er verkehrsgünstig gelegen: 500 m vom Hauptbahnhof entfernt, in einer Fußgängerzone mit Radfahrerlaubnis.

Treff ist sechsmal im Jahr, jeden geraden Monat, immer der zweite Sonntag, von 11 bis 12 Uhr. Anschließend startet jeweils eine Tour von ca. vier Stunden in 20er Schnitt-Tempo gefahren und mit Einkehr. Es gab auch schon zwei Touren mit dem gleichen Einkehrziel - eine für die gemütliche Runde und eine für die Geschwindigkeitshungrigen - das ist dank zweier Tourenführer eine gelungene Sache.

Mit der Zeit trafen sich rund 10-15 Radler regelmäßig zum Austausch mit Gleichgesinnten. Sie kommen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und sind zwischen 10 und 70 Jahren. Sie geben gerne Auskünfte oder sogar das eigene Rad unter Anleitung zur Probefahrt ab. Radfahren hält eben jung und kann so kommunikativ sein! Viele aus der Gründungszeit sind heute noch dabei, nehmen regelmäßig teil oder kommen immer wieder gerne sporadisch. Gerne gesehen werden übrigens Neugierige und Skeptiker - die dann bei Tourverabredungen von längeren Distanzen ins Staunen geraten. Natürlich waren bei sehr einladendem Wetter auch schon mal über 30 Liegeräder auf der Königstrasse anzutreffen.

Was meine Person betraf, begann alles im August 1994 mit einem für drei Wochen ausgeliehenen Liegerad. Zunächst skeptisch, wurde ich dann endgültig infiziert. Es folgte daraufhin die Anschaffung eines eigenen
Foto der Liegeradler-Gruppe auf der Straße, größtenteils mit Kurz-Liegerädern
Liegerades und auch der Beitritt in den HPV Deutschland e.V. Der als gemeinnützig anerkannte Verein diente mir als Vorbild in Sachen Treffen. Hier nahm ich außerhalb Duisburgs an Events teil, holte mir Informationen und übernahm selbst viele Anregungen. Die Events rund um das Liegerad (HPV) wurden damals in einer Fachzeitschrift (HPV-Nachrichten) publiziert (www.hpv.org).

Im Mai 1995 gab es die erste Tour am obengenannten Treffpunkt "zum Kennenlernen von HPVs". Im Dezember folgte der erste Liegeradtreff: zunächst drei-, dann vier- und schließlich sechsmal im Jahr. Mit den Treffen sollte eine Minderheit gestärkt, der Bekanntheitsgrad gesteigert sowie das Liegeradfahren verbreitet werden.

Gesundheits- und Sicherheitsaspekte sind von mir stets in den Vordergrund gestellt worden. Ich selbst erfahre das Radeln in der Horizontalen gerade als Bandscheiben-OP-Geschädigter als außerordentlich förderlich und als eine große Entlastung für meinen Rücken. In der Fachpresse wird davon zuwenig verbreitet oder es steht oft nur einer Minderheit zur Verfügung. Das Radeln in der entlastenden Körperposition hat viele gesundheitsfördernde Vorteile. Eine Ausarbeitung zum Thema mit entsprechender Fachkompetenz -- Stichworte sind z. B. gesundes Sitzen, Rückenentlastung, horizontale Durchblutung, Venenklappen, freier Brustkorb u.v.m. -- wäre wünschenswert.

Auf skeptische Aussagen wie "sieht etwas behindert aus" erwidere ich schon mal "einspuriges Reha-Rad". Merke: Krankenfahrstühle haben doch wenigstens 75 PS und vier Räder! Nach längeren Touren mit gemischten Rädern, die der ADFC angeboten hat, so nach 90-125 km im 27er Schnitt, verstummen solche Stimmen schnell ...

Also auf Wiedersehen beim nächsten Liegeradtreff im Dezember? Ich würde mich freuen!

Uwe Schnell


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2005.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de