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RAD im Pott Winter 2005 Im Pott

Oberhausen bleibt Spitze * Duisburg wieder verbessert * Mülheim bleibt im Mittelfeld * Essen kein Schlusslicht mehr

ADFC-Fahrradklimatest 2005

Pünktlich zur IFMA, der großen Fahrradausstellung in Köln, wurden die Ergebnisse des diesjährigen Fahrradklimatests von ADFC und BUND der Öffentlichkeit vorgestellt. Über 26.000 Fragebögen galt es diesmal auszuwerten; gegenüber den knapp 8.400 Teilnehmern im Jahr 2003 ein deutliches Plus.

Nach 1988, 1991 und 2003 war dies der vierte Fahrradklimatest, den der ADFC durchgeführt hat. Handelte es sich bei den beiden ersten Erhebungen noch um ein Gemeinschaftsprojekt mit der Zeitschrift "Aktiv Radfahren", war bei den Umfragen 2003 und 2005 der BUND Partner des ADFC. Teilnehmen konnten natürlich alle Radler/innen. So waren beispielsweise von den 267 Teilnehmern in Essen nur knapp ein Drittel Mitglieder des ADFC. Diese Tatsache widerlegt eindeutig den gelegentlich hinter vorgehaltener Hand geäußerten Vorwurf, es hätten ja wieder nur die "üblichen Verdächtigen", sprich die Radverkehrsprofis, an der Umfrage teilgenommen.

Insgesamt gesehen gibt es keine allzu großen Überraschungen. Mit einer Vier plus als Gesamtzensur ist dieser Fahrradklimatest geringfügig besser ausgefallen als vor eineinhalb Jahren. Dabei fällt auf, dass bei allen Städten von den 22 Kategorien zwei besonders negativ herausragen: Die Radverkehrsführung an Baustellen sowie das Parken von Autos auf Radwegen. Offensichtlich ist man in der gesamten Bundesrepublik nicht fähig, dagegen anzugehen. Das hängt wohl damit zusammen, dass das Problembewusstsein bei den zuständigen Stellen unterentwickelt zu sein scheint. So überrascht es schon beinahe, dass sich die meisten Radler dennoch nicht den Spaß am Radfahren nehmen lassen wollen. Das jedenfalls belegt die Drei plus in der entsprechenden Rubrik.

Foto eines Fahrradstreifens mit darauf parkendem Auto
Die schlechtesten Noten gab es für parkende Autos auf Radverkehrsanlagen

Bei den Großstädten führt Münster mit einer Zwei auch weiterhin die Wertung unangefochten an. Neues Schlusslicht ist Hamburg, das damit die Quittung für seine vornehmlich in den letzten Jahren praktizierte fahrradunfreundliche Politik bekommen hat, die selbst überregional für Furore sorgte. Duisburg und Essen konnten dagegen die Abstiegszone verlassen, sie steigerten sich im Einklang von einer Fünf plus auf eine glatte Vier. Dabei belegten beide Städte gemeinsam den 22. Platz -- was bei insgesamt 28 gewerteten Großstädten über 200.000 Einwohner beileibe noch kein Ruhmesblatt darstellt!

Oberhausen hat nach dem spektakulären Aufwärtssprung vor zwei Jahren den damals erworbenen dritten Platz halten können. Es ließ sich sogar eine minimale Steigerung feststellen, was allerdings nichts an der Drei als Endzensur geändert hat. Mülheim -- in der Kategorie der Großstädte unter 200.000 Einwohner gewertet -- konnte sich dagegen leicht von einer Vier auf eine Vier plus steigern, rutschte aber dennoch von Platz zehn auf Rang vierzehn ab. Sieger in dieser Kategorie war Erlangen mit einer Drei plus, das Schlusslicht hieß Würzburg.

Die Reihenfolge bei der nun anschließenden Detailanalyse der vier RAD im Pott-Städte erfolgt diesmal nicht alphabetisch, sondern anhand der Benotung. Noch ein Hinweis zur Tabelle auf Seite 9: Die Leerfelder gehören zu den Fragen, die bei früheren Umfragen in dieser Form nicht gestellt wurden. Drei Fragen sind neu gestellt worden, eine ist entfallen.

Oberhausen: Platz drei gehalten

Foto des Ortseingangsschildes von Oberhausen
Zum ersten Mal waren die Bemühungen Oberhausens für ein fahrradfreundliches Verkehrsklima beim Fahrradklimatest 2003 honoriert worden, als die Radler ihrer Stadt eine Drei statt einer Fünf plus als Endzensur gaben. Einen derartigen Sprung nach vorne hatte bislang noch keine Stadt geschafft. Dass dies kein Ausrutscher war, belegt die diesjährige Wertung mit einer glatten Drei, welche erneut den dritten Platz einbrachte.

Dass den Oberhausener Bürgern das Radfahren Spaß macht, zeigt die glatte Zwei in dieser Rubrik, was übrigens eine leichte Steigerung gegenüber der letzten Umfrage bedeutet. Dies trifft auch auf den Umstand zu, dass nahezu alle Bevölkerungsschichten tüchtig in die Pedale treten. Dafür gab es eine
Foto einer Baustelle mit Schild -Radfahrer absteigen-
Ewiges Ärgernis: Baustellen auf Radwegen
Zwei minus. Diese Note erhielten auch die in jüngster Zeit erfolgten Aktivitäten der Stadt zugunsten des Radverkehrs sowie die Erreichbarkeit der Innenstadt per Rad, wobei man in letztgenannter Kategorie von einer Zwei plus auf eine Zwei minus rutschte. Ebenfalls eine Zwei minus gab es für die Radrouten abseits der Hauptstraßen sowie für die Radverkehrswegweisung.

Die schlechtesten Noten -- jeweils eine glatte Vier -- erhielt Oberhausen für die Radverkehrsführung an Baustellen sowie bei dem Problem der parkenden Autos auf Radwegen. Und obgleich diese sogar leicht besser sind als bei der letzten Umfrage, sind sie für eine fahrradfreundliche Stadt mehr als ein Fauxpas. Das ansonsten positive Bild wird dadurch beträchtlich getrübt und signalisiert besonderen Handlungsbedarf.

Generell rückläufig sind offensichtlich die Konflikte zwischen Autofahrern und Radlern. Hier hat es den größten Sprung nach vorne gegeben -- von einer Vier minus auf eine Drei minus. Schlechter bewertet -- wenn auch nur minimal -- wurde die Akzeptanz der Radler als Verkehrsteilnehmer, außerdem die Möglichkeit für zügiges Radfahren ohne Behinderungen, die Anlegung von Aufstellflächen für Radler an Ampeln sowie die Fahrradmitnahme in Bussen und Bahnen.

Insgesamt gesehen hat sich das positive Bild Oberhausens beim Radverkehr konsolidiert. Man ist auf einem guten Weg, eine wirklich fahrradfreundliche Stadt zu werden -- wenn man es schafft, noch den bestehenden negativen Begleiterscheinungen wie Baustellenmanagement und Falschparkern Herr zu werden.

Mülheim: Es geht stetig bergauf

Foto des Ortseingangsschildes von Mülheim/Ruhr
Nach der deutlichen Verbesserung Mülheims beim Fahrradklimatest vor zwei Jahren -- hier kletterte man um eine ganze Note von einer glatten Fünf auf eine Vier -- fiel die Steigerung in diesem Jahr merklich geringer aus. Vier plus hieß die Endzensur, die Mülheims Radler ihrer Stadt gaben. In einer Rubrik erzielte man sogar eine Zwei (minus), nämlich bei der Fragestellung, ob das Radfahren in der Stadt an der Ruhr Spaß bereitet.

Eine glatte Drei gab es für die Erreichbarkeit der Innenstadt -- etwas schlechter als bisher -- sowie für die Wahrscheinlichkeit, dass das Fahrrad geklaut wird. Hier stehen alle anderen Städte schlechter da. Spürbar verbessert hat man sich in den Rubriken "Gegenläufig geöffnete Einbahnstraßen", "Konflikte mit Autos" sowie "Fahrradmitnahme in Bussen und Bahnen". Wobei die beiden letztgenannten Rubriken mit einer Vier plus als Zensur immer noch verbesserungswürdig erscheinen.

Die schlechtesten Zensuren gab es auch in Mülheim für die Radverkehrsführung an Baustellen sowie für die parkenden Autos auf Radwegen. Hier erhielt die Stadt jeweils eine Fünf plus -- übrigens die einzige mangelhafte Benotung Mülheims. Nicht viel besser steht es allerdings um die Reinigung von Radwegen sowie um den Umstand, dass man dort oftmals mit Hindernissen rechnen muss. Bei diesen Punkten vergaben Mülheims Radler jeweils eine Vier minus. Die gleiche Benotung gab es auch für die unzureichenden Fahrradabstellanlagen sowie für die fehlenden Aufstellflächen an Ampeln. Spürbar schlechter wurde nur eine Rubrik benotet, nämlich die Breite von Radwegen. Hier rutschte man von einer Drei Minus auf eine glatte Vier ab, was vielleicht zu denken geben sollte.

Insgesamt gesehen kann sich Mülheim, das sich seit 1999 "Fahrradfreundliche Stadt" nennt, zumindest auf einem guten Weg wähnen, wirklich einmal fahrradfreundlich zu werden. Um beispielsweise den Standard der Nachbarstadt Oberhausen zu erreichen, sind allerdings noch etliche Anstrengungen notwendig.

Duisburg: Absturz ausgebügelt

Foto des Ortseingangsschildes von Duisburg
Beim Fahrradklimatest 2003 war Duisburg eine der wenigen Städte, in der sich die Situation beim Radverkehr nach Ansicht vieler Radler verschlechtert hatte. Mit einer Fünf plus hatte man bei den Großstädten den drittletzten Platz belegt. Dieses mal hat Duisburg mit einer glatten Vier die damalige Blamage wieder halbwegs ausgleichen können, steht sogar etwas besser da als beim Fahrradklimatest 1991. Platz 22 in der Rangliste bei den Großstädten ist aber noch beileibe kein Ruhmesblatt. Übrigens -- bis auf die Hundertstelstelle genau entspricht die Benotung der der ehemaligen "Rostigen Speiche"-Stadt Essen.

Trotz vieler Widrigkeiten scheint auch den Duisburgern das Radfahren nach wie vor Spaß zu machen, hier erreichte man mit einer Drei plus die insgesamt beste Note. Mit einer glatten Drei wurde die Tatsache gewürdigt, dass auch in Duisburg nahezu alle Bevölkerungsgruppen das Fahrrad benutzen. Genauso positiv bewertet wurde die Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Rad, auch Konflikte mit Fußgängern scheinen in Duisburg nicht das Problem zu sein. Hierfür gab's eine Drei minus.

Schlechteste Note insgesamt war die glatte Fünf für die Radverkehrsführung an Baustellen -- wie in allen anderen Städten schlicht ein Ärgernis auch für Duisburgs Radler. Diese verteilten noch fünf weitere Male eine Fünf, wenn auch mit einem freundlichen Plus versehen. Das betrifft zunächst einmal die vielen Hindernisse auf den Radwegen, mit denen Duisburgs Radler konfrontiert werden, wobei die falschparkenden Autos wie überall einer gesonderten Erwähnung bedürfen. Völlig unzureichend ist in den Augen Duisburger Radler auch die Reinigung der Radwege. Zudem vermissen sie Aufstellflächen an Ampeln genauso wie gegenläufig geöffnete Einbahnstraßen.

Mit einer Vier minus als Note sieht es bei der Breite von Radverkehrsanlagen, bei den Fahrradabstellanlagen sowie der Wegweisung nicht viel besser aus. Die gleiche Bewertung gab es bezüglich bestehender Konflikte mit Autos, bei der Problematik des Fahrradklaus sowie für die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt, die es offensichtlich kaum zu geben scheint.

Dennoch gilt es festzustellen, dass Duisburg bei fast allen dieser Punkte besser abgeschnitten hat als beim letzten Fahrradklimatest. Bedenklich ist allerdings der Umstand, dass die Akzeptanz der Radfahrer als Verkehrsteilnehmer um eine ganze Note schlechter bewertet wurde -- statt einer Drei gab's eine Vier. Bedenklich insofern, als dass gegenüber den anderen Städten in Duisburg noch verhältnismäßig viel radgefahren wird. Das zeigt aber auch, wie außerordentlich hoch der Handlungsbedarf hier tatsächlich ist.

Essen: Rote Laterne abgegeben

Foto des Ortseingangsschildes von Essen
Dass Essen bei der Analyse der RAD im Pott-Städte an letzter Stelle abgehandelt wird, hat nun doch wieder mit dem Alphabet zu tun, denn die Endzensur, eine glatte Vier, entspricht exakt der von Duisburg. Besagte Vier dokumentiert aber auch, dass es in Essen beim Radverkehr endlich aufwärts geht -- obgleich diese Note noch keine Jubelschreie auslöst. Schließlich steht man nur eine Note besser da als 1991. Damals hatte eine glatten Fünf die "Rostige Speiche" als fahrradunfreundlichste Großstadt zur Folge.

Immerhin wurde bei der diesjährigen Umfrage erreicht, zweimal eine Drei minus zu erhalten -- für die Rubrik "Radfahren macht Spaß" sowie für die Radverkehrswegweisung. Dass letztgenannte Rubrik nicht besser abgeschnitten hat, liegt sicherlich daran, dass die eigentlich gut geplante Wegweisung nach fünf Jahren immer noch nicht fertiggestellt ist.

Für Essener Verhältnisse recht positiv abgeschnitten haben auch die Radrouten abseits von Hauptstraßen, die Fahrradmitnahme in Bussen und Bahnen, die nicht sonderlich hohen Diebstahlzahlen bei Fahrrädern sowie die in jüngster Zeit forcierte Förderung des Radverkehrs. In all diesen Rubriken wurde eine Vier plus erreicht. Vor allem letztgenannter Punkt erscheint insofern interessant, als dass in diesem Jahr mit dem "Essener Fahrradfrühling" eine ganze Veranstaltungsreihe rund um das Fahrrad ins Leben gerufen worden war. Augenscheinlich wird dies jedoch als Eintagsfliege wahrgenommen, denn die Öffentlichkeitsarbeit im Allgemeinen erhielt eine Vier minus.

Immerhin dreimal noch taucht eine Fünf als Zensur auf. Schlechteste Rubrik war dabei auch in Essen die Radverkehrsführung an Baustellen, die eine glatte Fünf erhielt. Nicht viel besser, nämlich eine Fünf plus, gab es für die zahlreichen Falschparker auf Radwegen -- genauso wie für die unzureichende Zahl von Aufstellflächen für Radler an Ampeln. Blamabel für eine Stadt, die wie Oberhausen und Mülheim Mitglied in der "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Städte" in NRW (AGFS) ist.

Das trifft auch auf die Akzeptanz von Radfahrern als Verkehrsteilnehmer, für die Sicherheit beim Radfahren sowie bei den Konflikten mit Autofahrern zu. Hier vergaben Essens Radler ebenso eine Vier minus wie bei der in ihren Augen unzureichenden Breite von Radwege, welche zudem noch zu viele Hindernisse aufweisen und die zu selten gereinigt werden. Auch bei den Fahrradabstellanlagen wird nach wie vor großer Handlungsbedarf gesehen, denn auch hierfür gab's eine Vier minus.

Dennoch gilt es festzuhalten, dass Essen bei fast allen Rubriken besser bewertet wurde als bei der Umfrage vor zwei Jahren. Ähnlich wie in Duisburg kann dies aber nicht wirklich trösten, denn in den meisten Fällen wurde statt einer Fünf gerade einmal eine Vier als Bewertung erreicht. Es gibt also noch enorm viel zu tun in Essen.

Jörg Brinkmann


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2005.
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