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RAD im Pott Sommer 2005 Essen

Absurde Begründung für Blockadehaltung der SPD

Feinstaub verhindert Radverkehrsmaßnahme

Alles redet vom Feinstaub und notwendigen Maßnahmen, um ihn zu reduzieren -- auch in Essen. Dass aber nun ausgerechnet der umweltfreundliche Radverkehr genau deswegen ausgebremst werden soll, ist schon mehr als kurios. Und das auch nur wegen egoistisch geprägter lokaler Befindlichkeiten.

Es geht um den letzten Lückenschluss der Nordradroute im Grenzbereich des Nordviertels und Altenessen. Zwischen dem hier endenden Abschnitt der Altenessener Straße, seit Jahren verkehrsberuhigt und mittlerweile sogar zur Fahrradstraße umfunktioniert, sowie der Ellernstraße, ebenfalls eine Fahrradstraße, besteht eine etwa 50 Meter lange Lücke im Radroutennetz. Diese sollte nun endlich geschlossen werden.

Besagter verkehrsberuhigter Abschnitt der Altenessener Straße bildet einen äußerst beliebten Schleichweg zur parallel geführten Unsuhr- bzw. Karolinger Straße, obgleich diese vier- bzw. sechsspurig ausgebaut sind und es für die zahlreichen Abbieger in Richtung Westen
Foto der Kreuzung mit einigen Autos und Bäumen im Hintergrund.
Der Einmündungsbereich Altenessener / Unsuhrstraße
(Katzenbruch bzw. Grillostraße) sogar einen freigeführten Rechtsabbieger ohne Ampel gibt. Dennoch glauben viele Autofahrer, über die Altenessener Straße trotz Tempolimit (30 km/h!) schneller zu sein können. Was insofern stimmt, da sich hier kaum einer ans Tempolimit hält.

Nun sollte mit dem Netzlückenschluss für den Radverkehr endlich auch der Schleichverkehr unterbunden werden. Man wollte die Altenessener Straße von Norden her schließen, sie zur Einbahnstraße umwidmen. Die CDU/SPD-Koalition in der Bezirksvertretung I, in deren Zuständigkeit der verkehrsberuhigte Abschnitt der Altenessener Straße liegt, signalisierte im Hinblick auf die im Nordviertel lebenden Menschen Zustimmung für diese Pläne (zudem befindet sich hier eine Grundschule sowie das vielbesuchte Berufsförderungszentrum).

Nicht so jedoch die von der SPD dominierte Bezirksvertretung V (Altenessen, Karnap), in deren Zuständigkeit der Einmündungsbereich der Altenessener Straße fällt, der in Fahrtrichtung Süden geschlossen werden soll. Mit der Begründung, man benötige den verkehrsberuhigten Abschnitt der Altenessener Straße zur Entlastung der feinstaubbelasteten Gladbecker Straße (B 224), lehnte die BV V die Pläne ab. Dass parallel zu diesem Abschnitt der Altenessener Straße die bereits erwähnte Verbindung über die Unsuhr- bzw. Karolinger Straße besteht, wird genauso ignoriert wie die Tatsache, dass eine Schließung für in Richtung Innenstadt fahrende Autos nicht einen einzigen Meter, für in Richtung Westen abbiegende Autos allenfalls 200 Meter Umweg bedeuten würde.

Offenbar glaubt die Altenessener SPD mit einer Verlagerung des Verkehrs von der Gladbecker Straße auf die -- ebenfalls schon stark belastete -- Altenessener Straße den Feinstaubniederschlag weiträumiger verteilen zu können. In geradezu zynischer Weise wird dabei eine weiter steigende Belastung der Altenessener Straße in Kauf genommen. Schließlich gibt es hier keine Messstation, die mit ihren Ergebnissen Verkehrsbeschränkungen bewirken könnte. Noch absurder wird die Haltung der SPD dadurch, dass ausgerechnet durch sie eine Maßnahme für den Radverkehr, welcher nachhaltig die Feinstaubbelastung reduzieren könnte, blockiert wird.

Bleibt nur die Forderung, dass der Rat der Stadt sich der Sache annimmt. Schließlich handelt es sich bei dem geplanten Netzlückenschluss der Nordradroute um ein stadtteilübergreifendes Projekt mit herausragender Bedeutung. So soll auch das geplante Radverkehrsnetz NRW hier entlang geführt werden. Da müssen egoistisch geprägte lokale Befindlichkeiten zurückstehen.

J.B.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Sommer 2005.
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