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| RAD im Pott Sommer 2005 | Im Pott |
Natürlich kann das Thema nicht allein auf diese Weise abgetan werden. Es ist aber schon eine Diskrepanz festzustellen zwischen den vielen Verlautbarungen der vergangenen Wochen und den tatsächlich getroffenen Maßnahmen. Schließlich ist eine der heiligsten Kühe in diesem Land betroffen, das Auto. Und so scheint man mehr an den Symptomen herumdoktern zu wollen als an der maßgeblichen Verursacherquelle. Dabei handelt es sich nicht nur um den Dieselruß, der im wahrsten Sinn des Wortes mächtig Staub aufwirbelt, auch Reifen- und Bremsabrieb sorgen für dicke Luft. Das alles ist seit Jahren bekannt, genau wie die Tatsache, dass dieser Feinstaub zu enormen gesundheitlichen Belastungen führt. So schätzt man, dass allein in Deutschland jährlich zwischen 10.000 und 19.000 Menschen vorzeitig aufgrund von Ruß-Abgasen sterben, die von Diesel-Pkw und Lkw ausgestoßen werden.
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| links steht der Messcontainer. Foto der Gladbecker Straße; links im |
Spätestens seit Ende Februar scheint nun in etlichen Städten die blanke Panik auszubrechen. Denn wie aus heiterem Himmel wurde plötzlich klar, dass mancherorts die Anzahl der erlaubten Tage mit Grenzwertüberschreitungen bereits noch vor Frühlingsbeginn erreicht werden würde. Was also tun?
Vom Gesetzgeber ist gegenüber den Verursachern in allernächster Zukunft nur wenig zu erwarten. Steuererleichterungen für Dieselfahrzeuge mit Rußfiltern wurden ins Gespräch gebracht, von den Bundesländern aber erst einmal abgebügelt, da für sie als Empfänger der Kfz-Steuer dies zu massiven Einnahmeausfällen führen würde. Ein Entwurf des Finanzministerium sieht zwar vor, zwischen 2005 und 2007 zugelassene Neufahrzeuge steuerlich um 350 Euro sowie vor 2006 zugelassene Gebrauchtwagen mit 250 Euro zu entlasten, beschlossen ist aber noch nichts. Und angesichts der nun anstehenden Bundestagswahl im Herbst wird hier wohl auch nichts mehr passieren.
Der Autoindustrie -- und hier allen voran der deutschen -- wurde vorgeworfen, den Einbau von Rußfiltern nicht nur verschlafen, sondern eine Zeitlang sogar bewusst blockiert zu haben. Erst seit in jüngster Zeit Neuwagen mit Dieselmotor nur noch mit hohen Preisabschlägen zu verkaufen sind, scheinen nun endlich auch die Autohersteller Handlungsbedarf zu sehen. In der Tat steigt das Angebot von Fahrzeugen mit Rußfiltern stetig, ist aber zumeist beschränkt auf Autos mit hoher PS-Zahl. Das gilt bezeichnenderweise auch für die in letzter Zeit als Vorreiter ach so hoch gelobten französischen Autohersteller.
Und die Städte? Sie sind das letzte Glied in der Kette. Hier gibt es plötzlich Fahrverbote für Lkw -- an die Diesel-Pkw traut man sich wohl noch nicht heran -- allerdings nur beschränkt auf die Straßen, in denen sich Messstationen befinden und von daher Grenzwertüberschreitungen überhaupt nachgewiesen werden konnten. Leider beschränkt sich die Feinstaubbelastung nicht auf diese Bereiche.
Was aber tut sich nun in Sachen Feinstaub in Duisburg, in Essen, in Mülheim und in Oberhausen?
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Entgegen der landläufigen Darstellung sind bundesweit die industriellen Anteile an der Feinstaub-Belastung etwa doppelt so hoch wie der Kfz-Anteil. Dabei entsteht die Hälfte gar nicht vor Ort, sondern wird aus anderen Gebieten herangeweht (sogenannter "Regionaler Hintergrund"). Das hat der TÜV-Süd ermittelt. In Duisburg dürfte der Anteil der Industrie an den Feinstaubemmissionen mit Ausnahme der City noch größer sein. In Bruckhausen liegt der eindeutig den ortsansässigen Werken zuzuordnende Anteil bei 33 %, der dem Kfz-Verkehr zuzuordnende Anteil bei ca. 6 %.
Die Marxloher Messstelle, die pikanterweise im Außenbereich eines Kindergartens liegt, arbeitet nicht mit Datenfernübertragung, die Proben werden manuell ausgewertet. Dies geschieht, um eine genaue analyse des Feinstaubs und damit auch den Verursacher zu ermitteln. Daher werden die Werte auch nicht im internet veröffentlicht, können aber beim Landesumweltamt abgefragt werden.Die letzten Zahlen zeigen, dass die Tagesmittelwertes von 50 g/m³ bis zum 20. April schon an 47 Tagen überschritten wurden -- erlaubt sind 35 Überschreitungen im ganzen Jahr. Erwartet werden 2005 über 150 Überschreitungen!
Im Jahr 2003 wurden die heute geltenden Tagesmittelgrenzwerte außer in Buchholz an allen Station häufiger als die erlaubten 35 mal überschritten. In Marxloh geschah dies 2003 an 102 Tagen, 2004 sogar an 104 Tagen!
Für Duisburg-Bruckhausen wurde bereits im vergangenen Jahr ein Luftreinhalteplan aufgestellt, jetzt müssen weitere für Marxloh und Hüttenheim folgen. Die ersten Aktionspläne zur kurzfristigen Reduzierung der Feinstaubbelastung liegen vor. Im Norden sieht der Aktionsplan 19 von der Industrie umzusetzende Maßnahmen vor, so werden z.B. die Werksgelände regelmäßig feucht gereinigt, Mitarbeiter geschult und Außenlager besser vor Abwehungen geschützt.
Weitere Aktionspläne sind für Hüttenheim, Angerhausen und Walsum (Industrie) sowie für die Innenstadt (Verkehr) in Arbeit. Für die Kardinal-Gahlen-Straße sind vorerst keine harten Maßnahmen wie in Düsseldorf geplant, weil man zurecht eine des Verkehrs auf andere, weitaus sensiblere Bereiche befürchtet. Stattdessen sollen die Straßen nicht nur nass gereinigt, sondern regelmäßig gespült wer den, um Staubaufwehungen zu vermeiden. Zwar ist auch der Einsatz schadstoffarmer Busse vorgesehen, bemerkenswerterweise hat sich die DVG bislang weigert, ihre Linienbusflotte mit Rußfiltern nachzurüsten.
H.F.
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Vor allem erstgenannte Station gilt als "Problemfall". Anfang April wurden dort bereits 26 Tage mit Grenzwertüberschreitungen festgestellt (in Frillendorf waren es "erst" 15 Tage). Da nach Berechnungen des Umweltamtes in Altenessen ohne Eingreifen spätestens Ende Juni die besagte 35 Tagesfrist überschritten worden wäre, sah man sich seitens der Stadt nun doch gezwungen zu handeln. Wie üblich bei Restriktionen gegenüber dem Autoverkehr sind jedoch nur halbherzige Maßnahmen geplant.
So werden zukünftig Lastwagen ab 3,5 Tonnen über die Daniel-Eckhard-Straße, Hafenstraße, Sulterkamp und Bottroper Straße umgeleitet. Dies gilt jedoch lediglich für aus Richtung Norden kommende Lkw, und auch nur morgens zwischen 6 und 10 Uhr. Missachtungen dieser Fahrverbote sollen lediglich mit 15 Euro geahndet werde, geradezu lächerlich angesichts der Brisanz dieser Thematik. Sollten diese Maßnahmen nicht greifen, soll die Gladbecker Straße von Zeit zu Zeit mit Wasser abgespült werden, um den Staub zu binden.
Ob eine derart örtlich wie zeitlich begrenzte Maßnahme wirklich greift, darf getrost bezweifelt werden. Schließlich beschränkt sich die Feinstaubbelastung nicht nur auf das Umfeld dieser zwei bislang bestehenden Messstationen. Es gibt in Essen viele weitere Bereiche, an denen man sicherlich überhöhte Grenzwerte ermitteln würde -- so beispielsweise an der Ruhrallee, an der Alfredstraße und der Brückstraße. Aber ohne Messstationen gibt es auch keine Messwerte, welche die Stadt zum Handeln zwingen würden. Frei nach dem Motto: "Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß".
Übrigens hat die Essener Verkehrs AG zu Beginn dieses Jahres 30 neue Busse angeschafft -- ohne Rußfilter. Hier gibt es aber Erfreuliches zu vermelden, denn nach einigem hin und her hat man beschlossen, die Busse mit Filtern nachzurüsten.
J.B.
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hpv
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Mögliche Aktionspläne sind auch in Oberhausen kurzfristig angelegt und betreffen zunächst den Lkw-Verkehr, erst im weiteren Verlauf auch die mit Diesel angetriebenen Pkw. Die Maßnahmen sollen in erster Linie dem unmittelbaren Umfeld Entlastung bringen.
Das Landesumweltamt hat den Standort Mülheimer Straße nicht zufällig ausgewählt. Voruntersuchungen haben ergeben, dass dort die Feinstaubbelastung vermutlich am höchsten sein wird. Wichtigste Kriterien dafür waren das Verkehrsaufkommen (ca. 35.000 Kfz täglich) und die ungünstige Durchlüftung durch die geschlossene mehrgeschossige Bauweise.
Zunächst ist kein weiterer Messstandort in Oberhausen vorgesehen, allerdings gibt es neue Richtlinien aus Brüssel mit weitergehenden Anforderungen. Danach sind neben den Feinstäuben deutlich mehr Schadstoffe (z.B. Benzol) zu berücksichtigen, wenn es um die Reinhaltung der Luft geht. Hierzu führt das städtische Umweltamt erste Untersuchungen durch. Möglich also, dass es irgendwann doch weitere Messstandorte in Oberhausen geben wird.
N.M.
2002 hat nun die EU eine Umgebungslärm-Richtlinie in Kraft gesetzt, die in Deutschland noch in diesem Jahr in nationales Recht umgesetzt werden soll. Diese EU-Richtlinie besagt, dass für Ballungsräume mit mehr als 250.000 Einwohnern bis 2007 Lärmkarten erstellt und bis 2008 konkrete Aktionspläne zur Lärmminderung ausgearbeitet sein müssen. Nach dem Desaster mit der Feinstaubrichtlinie darf man gespannt sein, wann und vor allem wie gehandelt wird - oder ob man wieder versuchen wird, die ganze Angelegenheit so lange wie möglich auszusitzen.
J.B.
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