<< Gesucht: Die fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands zurück zur Jahresübersicht Mitmach-Aktion "Mit dem Rad zur Arbeit" >>


RAD im Pott Sommer 2005 Im Pott

Wie sieht es in Duisburg, Essen, Mülheim und Oberhausen aus?

Radfahren statt Feinstaub

Seit Monaten geistern nahezu täglich Schlagworte wie Dieselruß, Feinstaub, Fahrverbote, Rußfilter durch die Medien. Nach Ansicht des ADFC fehlt in der ganzen Diskussion bislang ein elementarer Begriff: das Fahrrad. Denn würden die Menschen gerade innerhalb der Städte mehr Wege mit diesem völlig abgasfreien Verkehrsmittel bewältigen, könnte man sich den Rest dieses Artikels beinahe schon sparen.

Natürlich kann das Thema nicht allein auf diese Weise abgetan werden. Es ist aber schon eine Diskrepanz festzustellen zwischen den vielen Verlautbarungen der vergangenen Wochen und den tatsächlich getroffenen Maßnahmen. Schließlich ist eine der heiligsten Kühe in diesem Land betroffen, das Auto. Und so scheint man mehr an den Symptomen herumdoktern zu wollen als an der maßgeblichen Verursacherquelle. Dabei handelt es sich nicht nur um den Dieselruß, der im wahrsten Sinn des Wortes mächtig Staub aufwirbelt, auch Reifen- und Bremsabrieb sorgen für dicke Luft. Das alles ist seit Jahren bekannt, genau wie die Tatsache, dass dieser Feinstaub zu enormen gesundheitlichen Belastungen führt. So schätzt man, dass allein in Deutschland jährlich zwischen 10.000 und 19.000 Menschen vorzeitig aufgrund von Ruß-Abgasen sterben, die von Diesel-Pkw und Lkw ausgestoßen werden.

Bild der Messcontainer, ein Würfel von ca. 2m Kantenlänge.  Nun ist zum
links steht der Messcontainer. Foto der Gladbecker Straße; links im
1. Januar dieses Jahres die 22. Bundesimmissionsschutzverordnung in Kraft getreten, die den zulässigen Grenzwert für Feinstaub deutlich niedriger ansetzt als bisher. Bei 50 Mikrogramm Staub pro Kubikmeter Luft liegt nunmehr der Grenzwert, der zudem nur an maximal 35 Tagen pro Jahr überschritten werden darf. Diese Regelung basiert auf einer EU-Verordnung aus dem Jahr 1999. Fast sechs Jahre also hatten die Verantwortlichen Zeit zu handeln -- nichts ist bekanntlich geschehen!

Spätestens seit Ende Februar scheint nun in etlichen Städten die blanke Panik auszubrechen. Denn wie aus heiterem Himmel wurde plötzlich klar, dass mancherorts die Anzahl der erlaubten Tage mit Grenzwertüberschreitungen bereits noch vor Frühlingsbeginn erreicht werden würde. Was also tun?

Vom Gesetzgeber ist gegenüber den Verursachern in allernächster Zukunft nur wenig zu erwarten. Steuererleichterungen für Dieselfahrzeuge mit Rußfiltern wurden ins Gespräch gebracht, von den Bundesländern aber erst einmal abgebügelt, da für sie als Empfänger der Kfz-Steuer dies zu massiven Einnahmeausfällen führen würde. Ein Entwurf des Finanzministerium sieht zwar vor, zwischen 2005 und 2007 zugelassene Neufahrzeuge steuerlich um 350 Euro sowie vor 2006 zugelassene Gebrauchtwagen mit 250 Euro zu entlasten, beschlossen ist aber noch nichts. Und angesichts der nun anstehenden Bundestagswahl im Herbst wird hier wohl auch nichts mehr passieren.

Der Autoindustrie -- und hier allen voran der deutschen -- wurde vorgeworfen, den Einbau von Rußfiltern nicht nur verschlafen, sondern eine Zeitlang sogar bewusst blockiert zu haben. Erst seit in jüngster Zeit Neuwagen mit Dieselmotor nur noch mit hohen Preisabschlägen zu verkaufen sind, scheinen nun endlich auch die Autohersteller Handlungsbedarf zu sehen. In der Tat steigt das Angebot von Fahrzeugen mit Rußfiltern stetig, ist aber zumeist beschränkt auf Autos mit hoher PS-Zahl. Das gilt bezeichnenderweise auch für die in letzter Zeit als Vorreiter ach so hoch gelobten französischen Autohersteller.

Und die Städte? Sie sind das letzte Glied in der Kette. Hier gibt es plötzlich Fahrverbote für Lkw -- an die Diesel-Pkw traut man sich wohl noch nicht heran -- allerdings nur beschränkt auf die Straßen, in denen sich Messstationen befinden und von daher Grenzwertüberschreitungen überhaupt nachgewiesen werden konnten. Leider beschränkt sich die Feinstaubbelastung nicht auf diese Bereiche.

Was aber tut sich nun in Sachen Feinstaub in Duisburg, in Essen, in Mülheim und in Oberhausen?

N.M.

Nach dem Feinstaub der Lärm

Die Diskussion um die Feinstaubrichtlinie ist noch voll im Gange, da "droht" den Städten schon das nächste Ungemach. Denn die EU beabsichtigt ihre Bürger nicht nur gegen die Luftbelastung, sondern auch gegen den Lärm zu schützen. Immerhin sind ca. 13 Millionen Menschen in Deutschland tagsüber einem als gesundheitsschädlich geltenden Lärmpegel von 65 dB (A) und mehr ausgesetzt. So schätzt das Umweltbundesamt, dass 2% der Herzinfarkte allein durch Lärm verursacht werden. Die Folge sind etwa 2.000 Tote pro Jahr.

2002 hat nun die EU eine Umgebungslärm-Richtlinie in Kraft gesetzt, die in Deutschland noch in diesem Jahr in nationales Recht umgesetzt werden soll. Diese EU-Richtlinie besagt, dass für Ballungsräume mit mehr als 250.000 Einwohnern bis 2007 Lärmkarten erstellt und bis 2008 konkrete Aktionspläne zur Lärmminderung ausgearbeitet sein müssen. Nach dem Desaster mit der Feinstaubrichtlinie darf man gespannt sein, wann und vor allem wie gehandelt wird - oder ob man wieder versuchen wird, die ganze Angelegenheit so lange wie möglich auszusitzen.

J.B.


<< Gesucht: Die fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands zurück zur Jahresübersicht Mitmach-Aktion "Mit dem Rad zur Arbeit" >>


Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Sommer 2005.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de