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RAD im Pott Sommer 2005 Im Pott

Neue Radwanderführer für das Ruhrgebiet

Schmökern und Radfahren im Revier

Das Ruhrgebiet als Radwanderregion findet immer mehr Anklang. Diesen Eindruck erweckt jedenfalls das Erscheinen gleich mehrerer Radwanderführer in diesem Frühjahr. Zwei davon decken das westliche Ruhrgebiet ab, einer den östlichen Sektor, während das vierte Exemplar sich auf das Ruhrtal beschränkt.

Mit dem Fahrrad durch das westliche Ruhrgebiet

Mit diesem Titel hat sich der bislang im Rheinland tätige J.P.Bachem-Verlag nun auch ins Ruhrgebiet vorgewagt. Zwölf Tourenbeschreibungen zwischen Duisburg und Gelsenkirchen beinhaltet dieser im Querformat mit Spiralbindung erstellte Radwanderführer. Ausgearbeitet wurden die Touren von Edwin Süselbeck, seit vielen Jahren maßgeblicher Mitstreiter des ADFC Oberhausen/Mülheim.

Bei den zwölf Touren handelt es sich überwiegend um leichte Rundtouren, nur zwei Touren sind angesichts topographischer Gegebenheiten als schwer eingestuft. Die Länge beträgt zwischen 20 und 39 Kilometern, so dass man die meisten Touren durchaus als familientauglich einordnen kann. Sie starten bzw. enden immer an einem Bahnhof, so dass das Auto getrost zu Hause stehen gelassen werden kann. Der Textteil besteht aus den Wegbeschreibungen sowie den -- optisch grün abgesetzt gedruckten -- Informationen zu den auf der Wegstrecke liegenden Sehenswürdigkeiten. Aufgelockert wird der Textbereich durch viele Bilder.

Auf den ersten Blick sehr ansprechend wirken auch die den Tourenbeschreibungen zugeordneten Kartenausschnitte. Sie sind durch ihren klar gegliederten und konturenscharfen Druck gut zu lesen. Mitunter ist man mit der bei kleinmaßstäbigen Karten notwendigen Generalisierung sprich Vereinfachung der Karten etwas übers Ziel hinaus geschossen, was gelegentlich eine klare Zuordnung der Wegeführung
Umschlag des Randwanderführeres "Mit dem Fahrrad durch das westliche Ruhrgebiet" mit Foto eines Flussschiffes
erschwert. Auch hätte man zwecks besserer Orientierung vor Ort zumindest die Straßennamen der Hauptverkehrsstraßen einsetzen können. Sehr detailliert ist der Serviceteil, welcher die entlang der jeweiligen Wegstrecken liegenden Museen und Freizeiteinrichtungen hinsichtlich ihrer Öffnungszeiten, Eintrittspreise sowie weiterer Besonderheiten auflistet. Selbstverständlich sind auch Telefonnummern und Internetadressen enthalten.

Alles in allem handelt es sich um einen Radwanderführer, der sich eher an die "Normalos" unter den Radwanderern richtet. Über den Preis von 12,95 € kann man zwar geteilter Meinung sein -- hier orientiert der Verlag sich an dem Preisniveau der Konkurrenzprodukte -- hinsichtlich seines Gebrauchswertes ist dieser Radwanderführer aber sehr empfehlenswert.

Die schönsten Radtouren * im westlichen Ruhrgebiet * im östlichen Ruhrgebiet

Hierbei handelt es sich um gleich zwei neue Radwanderführer des Bielefelder Verlages (BVA). Die Besonderheit der beiden Bücher liegt darin, dass die meisten der darin beschriebenen Radtouren den vom ADFC-Essen bzw. ADFC-Dortmund ausgearbeiteten Tourenvorschlägen entsprechen, die für die ebenfalls von der BVA herausgegebenen ADFC-Regionalkarten "Ruhrgebiet West" bzw. "Ruhrgebiet Ost" konzipiert wurden. Leider wird nur in einem der beiden Bücher konkret darauf hingewiesen. Bedauerlich ist auch, dass beim Radwanderführer für das westliche Ruhrgebiet gleich drei Touren z.T. erheblich von der ADFC-Regionalkarte abweichen. Jeweils eine Tourenbeschreibung -- das gilt nun wieder für beide Bücher -- ist in den ADFC-Regionalkarten überhaupt nicht enthalten.

Natürlich basieren auch die in den Büchern enthaltenen Kartenausschnitte auf den beiden ADFC-Regionalkarten, sind jedoch inhaltlich auf die jeweiligen Touren reduziert. Leider fehlen auch hier die für eine Orientierung vor Ort notwendigen Namen der Hauptverkehrsstraßen. Dennoch kann aber auch diesen Karten eine gute Lesbarkeit attestiert werden. Immerhin befindet sich auf jedem Kartenausschnitt ein Kilometerbalken, so dass einzelne Wegstrecken bezüglich ihrer Länge abgegriffen werden können.

Die Textteile einer jeden Tour sind stark gegliedert. Es beginnt mit einer kurzen allgemeinen Einführung in die jeweilige Region, gefolgt von einer stichwortartigen Auflistung zu Start und Ziel, Streckenlänge, Wegecharakteristik, Sehenswürdigkeiten und Hinweisen zu
Umschlagfotos der Bücher "Die schönsten Radtouren im westlichen Ruhrgebiet" und "Die schönsten Radtouren im östlichen Ruhrgebiet", jeweils ein Landschaftsfoto und ein Foto eines Radfahrergruppe
weiteren Informationsquellen. Dann folgt eine tabellarische Kurzbeschreibung der Wegstrecke mit exakter Kilometrierung und erst danachdie eigentliche Beschreibung der Radtour mit den Detailhinweisen zu den entlang der Wegstrecke liegenden Sehenswürdigkeiten.

Vor allem die Qualität der Wegbeschreibungen lässt gelegentlich sehr zu wünschen übrig. Einerseits erfolgt diese mit einer peniblen Genauigkeit, so dass man schon beim Lesen fast den Überblick verliert, andererseits werden lange Teilstücke ohne irgendwelche Hinweise in ein zwei Sätzen abgehandelt, so dass man sich gelegentlich fast schon "allein gelassen" fühlt.

11 Radtourenbeschreibungen sind in dem Buch für das westliche Ruhrgebiet enthalten, 12 sind es für das östliche Ruhrgebiet. Dabei handelt es sich sowohl um Rundtouren als auch um Touren mit unterschiedlichen Start und Zielpunkten.

In allen Fällen liegen diese an Bahnhöfen, so dass eine umweltfreundliche An- bzw. Abreise per Bahn möglich ist. Die Länger der Touren beträgt zwischen 22 und 56 Kilometer. Unterschiedlich sind auch die Schwierigkeitsgrade, so dass für jeden etwas dabei sein dürfte.

Beide Radwanderführer des Bielefelder Verlages weisen eine kaschierte, weil durch den Buchtitel verdeckte Spiralheftung auf, sind aber im Gegensatz zum Buch des J.P.Bachem-Verlages hochkant gehalten. Ansonsten gilt es noch festzuhalten, dass so gut wie keine der beschriebenen Radtouren identisch ist, alle Bücher sich daher wunderbar ergänzen. Und so muss man auch den beiden neuen Radwanderführern des Bielefelder Verlages, die übrigens je Band ebenfalls 12,95 € kosten, eine interessante Auswahl an Tourenvorschlägen attestieren. Allerdings sollte man zu beiden Büchern auch die jeweils zugehörigen ADFC-Regionalkarten immer mit im Gepäck haben.

Bikeline-Radwanderführer "Ruhr-Radweg"

Der Untertitel "Vom Sauerland bis an den Rhein" besagt schon deutlich, dass es sich bei diesem Radwanderführer aus der "bikeline"-Reihe des Esterbauer-Verlages um die Beschreibung einer einzigen Route entlang der Ruhr von der Quelle bis zur Mündung handelt. Die aufmerksame RAD-im-Pott-Leserschaft wird bereits gemerkt haben, dass vor vier Jahren dieser Radwanderführer schon einmal an dieser Stelle beschrieben worden ist. In der Tat handelt es sich um die 2. Auflage mit diversen Verbesserungen.

Unverändert geblieben ist der Startpunkt des "Ruhr-Radwegs" in Winterberg, wohingegen man den Endpunkt in Duisburg-Ruhrort von der
Umschlag des Radwanderführers "Ruhr-Radweg" mit Foto der Ruhr
Friedrich-Ebert-Brücke hin zum Ruhrorter Bahnhof verlegt hat. Bezeichnenderweise wird dieser irreführend als "Bahnhof von Duisburg" bezeichnet, was mehr als unglücklich ist, handelt es sich doch hierbei um eine schon vor Jahren zum Haltepunkt degradierte Bahnstation, von der man nur noch nach Oberhausen fahren kann.

Ansonsten wurde an einigen markanten Stellen dieser Radroute die Wegeführung verlagert, so beispielsweise zwischen Fröndenberg und Schwerte sowie zwischen Mülheim-Styrum und Duisburg-Kasslerfeld. Nach wie vor nicht nachvollziehbar -- auch in der zweiten Auflage -- ist die Beschreibung des in Essen-Werden notwendigen Wechsels der Ruhrseite, übrigens ein Problemfall, der in keinem der vorgestellten Radwander­ führer befriedigend gelöst werden konnte. Hier fehlt im Prinzip ein vergrößerter Kartenausschnitt. Einen solchen vermisst man übrigens auch für die mehr als sehenswerte historische Altstadt von Hattingen. Ansonsten gilt bezüglich der Bikeline-Karte das bereits vor vier Jahren gesagte: Ausführlicher Textteil mit einigen kleinen Ungenauigkeiten, verhältnismäßig gut lesbare Kartenausschnitte mit einer im großen und ganzen gut nachvollziehbaren Routenführung, wobei auch in diesem Fall die Straßennamen der wichtigsten Straßen fehlen.

Im Gegensatz zu den Radwanderführern des J.P.Bachem- und des Bielefelder Verlages, die Tagestouren beinhalten, dürfte der Bikeline-Radwanderführer eher Radwanderer ansprechen, die Mehrtagestouren unternehmen. 11,90 € müssen für diesen Radwanderführer auf den Tisch gelegt werden.

J.B.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Sommer 2005.
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