Der ADFC fordert die Planung der Osttangente aufzugeben
Osttangente Rheinhausen -- eine Jahrhundertentscheidung
Der geplante Bau der Osttangente am Rheinhausener Rheinufer zwischen
dem Logport und der Brücke der Solidarität wird Duisburgs Zugang zum
Rhein nachhaltig verändern. Der Bau ist eine Entscheidung, die für
mehrere Generationen Bestand haben wird, denn solch ein
schwerwiegender und kostenintensiver Eingriff lässt sich nicht mittels
der "Portokasse" rückgängig machen.
"Duisburg on the Rhine" ist ein richtiger Slogan, mit dem die Stadt
international für sich wirbt. Doch wenn man nach Duisburg kommt, gibt
es nur wenige Stellen, an denen man dorthin gelangt, wo der Rhein
erlebbar wird. Die Industrie hat die Flächen seit über hundert Jahren
in Beschlag genommen. Die Rheinhauser Rheinauen gehören daher zu den
wichtigsten citynahen Flächen, die einen direkten Zugang zum Fluss
ermöglichen. Das Wäldchen am Rheinufer ist ein wichtiges
Naherholungsgebiet für die Rheinhausener. Der Abschnitt bildet einen der
seltenen schönen und erholsamen Stücke des überregionalen
"Erlebniswegs Rheinschiene" auf Duisburger Gebiet.
Zerstörung von Landschaftsschutzgebiet
Die Verwandlung der wertvollen Fläche in eine stark belastete
Industriestraße ist ein gravierender Nachteil für Duisburg. Die primär
am vermeintlichen Bedürfnis des LKW-Verkehrs orientierte Planung steht
in auffälligem Kontrast zu dem zukunftsweisenden Konzept, Duisburg
endlich wieder an den Rhein zu bringen. Sie steht auch in krassem
Gegensatz zu den Planungen des Rheinparks Hochfeld. Die alten Pläne
zur Bundesgartenschau sahen sogar eine "Verlängerung" des Rheinparks
auf Rheinhauser Seite vor, die mit der jetzigen Straßenplanung un
möglich werden.
Die geplante Trasse vom Logport-Gelände bis zur Brücke der Solidarität
liegt fast ausschließlich in einem Landschaftsschutzgebiet, das durch
diese weitreichenden und zerstörerischen Eingriffe trotz
obligatorischer Ausgleichsmaßnahmen vollkommen entwertet würde.
Druck zum Weiterbau bis Homberg
Die von der Osttangente erhofften Vorteile einer Verkehrsberuhigung
für Rheinhausen würden geringer ausfallen, als von den Befürwortern
behauptet wird. Als Folge werden Verkehrsinfarkte auf der Brücke der
Solidarität und an der Kreuzung Moerser/Friedrich-Ebert-/Asterlager
Straße auftreten. Diese beiden Stellen sind bereits heute so stark
belastet, dass selbst ein leichter Zuwachs nicht mehr verkraftet wird.
Des weiteren hat die Osttangente auch für Hochfeld verheerende
Auswirkungen durch den steigenden LKW -Verkehr. Der Druck wird nach
Fertigstellung der Osttangente daher groß sein, die Trasse entlang des
Rheins bis nach Homberg zur Anschlussstelle der A 40 zu verlängern und
somit auch diese wichtige Grünfläche (Landschaftsschutzgebiet)
nachhaltig zu zerstören. Rheinhausen wäre dann vom Rhein
abgeschnitten.
Falsche Annahme bei der Verkehrsbelastung
Die dem Planfeststellungsverfahren zugrundegelegten Zahlen gehen aber
nach wie vor von einer Zunahme des Verkehrs aus. Der Bedarf für diese
neue Verbindung wird einfach als gegeben vorausgesetzt. Nicht
berücksichtigt wurde die demographische Entwicklung. Es gibt seit
Jahren rückläufige Einwohnerzahlen. Dieser Trend wird sich bis 2015
noch verstärken. Die Sozial- und Altersstruktur in Rheinhausen wird
sich ebenfalls weiter verändern. Eine steigende Verkehrsbelastung bei
gleichzeitigem Rückgang der Einwohnerzahlen und deutlich geringerer
Zahl an Arbeitsplätzen ist nicht zu erwarten. Schon seit ein paar
Jahren ist zu beobachten, dass die Fahrleistungen mit privaten PKW
leicht zurückgehen. Eine Steigerung ist in Rheinhausen höchstens beim
Schwerlastverkehr zu erwarten. Und für diesen wird zur Zeit die L 473n
gebaut, die den Logport direkt an das Fernstraßennetz (A 57) anbindet.
Nach deren Fertigstellung sollte der Schwerlastverkehr unbedingt
hierüber geleitet werden. Parallel dazu könnten die Hauptstraßen in
Rheinhausen für den Schwerlastverkehr vom und zum Logport gesperrt
werden.
Die für den Bau der Osttangente vorgesehenen finanziellen Mittel
können besser in verkehrsleitende und -lenkende Maßnahmen sowie in den
Lärmschutz investiert werden.
Das Logistikzentrum ist wegen der guten Anbindung an das Schienennetz
und das westdeutsche Wasserstraßennetz an dieser Stelle errichtet
worden. Nach Auffassung des ADFC gehören Güter in erster Linie auf
diese beiden Verkehrsträger und die sollten auch gefördert werden. Mit
dem Bau der Osttangente und ggf. noch weiteren Straßenbauprojekten
wird es aber immer attraktiver für die Speditionen, noch mehr
Schwerlastverkehr auf die Straße zu verlagern.
Keine spürbare Entlastung
Die im Erläuterungsbericht aufgezeigten Vorteile der Osttangente für
die Bewohner Rheinhausens werden mit wenigen Ausnahmen von den
Anwohnern nicht wahrgenommen werden. Eine Minderung des
Verkehrsaufkommens von durchschnittlich etwa 10 % (Friedrich-Ebert-
und Schwarzenberger Straße) wird von den Anwohnern kaum bemerkt
werden. Eine Verringerung des Lärmpegels um weniger als 1 dB (A) wie
auf den oben erwähnten Straßen und auch der Werthauser Straße oder von
gut 1 dB (A) wie auf der Margarethenstraße sind bekanntlich für das
menschliche Ohr nicht wahrnehmbar. Eine spürbare Entlastung gäbe es
theoretisch für die Anwohner der Friedrich-Alfred- und der Atroper
Straße. Doch schon seit zwei Jahren ist die Zufahrt über diese beiden
Straßen zum Logport - Gelände für LKW über 7,5 Tonnen gesperrt, sodass
hier bereits heute (ohne Osttangente und noch vor Fertigstellung der L
473n) keine LKW mehr von und nach Logport entlang fahren.
Unterbrechung der Rheinschiene
Der Bereich am Rheinufer zwischen den beiden Rheinbrücken ist auch ein
beliebtes Naherholungs- und Freizeitgebiet. Die Wege hier sind von
Radwanderern sehr geschätzt. Die Erreichbarkeit aus nördlicher
Richtung wird durch den riesigen Verkehrsknoten an der Brücke der
Solidarität -- ein bis zu dreispuriger, ampelgeregelter Kreisverkehr --
erheblich gestört. Im Verlaufe des Fernradwegs "Erlebnisweg
Rheinschiene" wären künftig in jeder Richtung fünf Fußgängerampeln zu
passieren. Da es einer recht ausgeklügelten Ampelschaltung bedarf, um
den motorisierten Verkehr in diesem Knoten störungsfrei zu bewältigen,
werden Radfahrer und Fußgänger erfahrungsgemäß dabei erst einmal nicht
berücksichtigt und bekommen später kurze Grünphasen in den verbleibenden
Lücken. Dabei ist davon auszugehen, das hier wieder Anforderungsampeln
entstünden und für jede Teilquerung erneut auf Grün
gewartet werden müsste.
Die Osttangente brächte nur dem Schwerlastverkehr einen Vorteil.
Dieser würde erkauft mit der Zerstörung eines wertvollen
Landschaftsschutzgebiet. Die Gefahren durch weiteren LKW-Schleich
verkehr durch das übrige Stadtgebiet ist nicht zu unterschätzen. Für
den Radverkehr entstünden durch die Osttangente und vor allem durch
den riesigen Kreisverkehr gravierende Nachteile.
HF
Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2004.
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