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RAD im Pott Winter 2004 Duisburg

Der ADFC fordert die Planung der Osttangente aufzugeben

Osttangente Rheinhausen -- eine Jahrhundertentscheidung

Der geplante Bau der Osttangente am Rheinhausener Rheinufer zwischen dem Logport und der Brücke der Solidarität wird Duisburgs Zugang zum Rhein nachhaltig verändern. Der Bau ist eine Entscheidung, die für mehrere Generationen Bestand haben wird, denn solch ein schwerwiegender und kostenintensiver Eingriff lässt sich nicht mittels der "Portokasse" rückgängig machen.

"Duisburg on the Rhine" ist ein richtiger Slogan, mit dem die Stadt international für sich wirbt. Doch wenn man nach Duisburg kommt, gibt es nur wenige Stellen, an denen man dorthin gelangt, wo der Rhein erlebbar wird. Die Industrie hat die Flächen seit über hundert Jahren in Beschlag genommen. Die Rheinhauser Rheinauen gehören daher zu den wichtigsten citynahen Flächen, die einen direkten Zugang zum Fluss ermöglichen. Das Wäldchen am Rheinufer ist ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Rheinhausener. Der Abschnitt bildet einen der seltenen schönen und erholsamen Stücke des überregionalen "Erlebniswegs Rheinschiene" auf Duisburger Gebiet.

Zerstörung von Landschaftsschutzgebiet

Die Verwandlung der wertvollen Fläche in eine stark belastete Industriestraße ist ein gravierender Nachteil für Duisburg. Die primär am vermeintlichen Bedürfnis des LKW-Verkehrs orientierte Planung steht in auffälligem Kontrast zu dem zukunftsweisenden Konzept, Duisburg
Foto eines Schildes "Landschaftsschutzgebiet" im Wald
endlich wieder an den Rhein zu bringen. Sie steht auch in krassem Gegensatz zu den Planungen des Rheinparks Hochfeld. Die alten Pläne zur Bundesgartenschau sahen sogar eine "Verlängerung" des Rheinparks auf Rheinhauser Seite vor, die mit der jetzigen Straßenplanung un­ möglich werden.

Die geplante Trasse vom Logport-Gelände bis zur Brücke der Solidarität liegt fast ausschließlich in einem Landschaftsschutzgebiet, das durch diese weitreichenden und zerstörerischen Eingriffe trotz obligatorischer Ausgleichsmaßnahmen vollkommen entwertet würde.

Druck zum Weiterbau bis Homberg

Die von der Osttangente erhofften Vorteile einer Verkehrsberuhigung für Rheinhausen würden geringer ausfallen, als von den Befürwortern behauptet wird. Als Folge werden Verkehrsinfarkte auf der Brücke der Solidarität und an der Kreuzung Moerser/Friedrich-Ebert-/Asterlager Straße auftreten. Diese beiden Stellen sind bereits heute so stark belastet, dass selbst ein leichter Zuwachs nicht mehr verkraftet wird. Des weiteren hat die Osttangente auch für Hochfeld verheerende Auswirkungen durch den steigenden LKW -Verkehr. Der Druck wird nach Fertigstellung der Osttangente daher groß sein, die Trasse entlang des Rheins bis nach Homberg zur Anschlussstelle der A 40 zu verlängern und somit auch diese wichtige Grünfläche (Landschaftsschutzgebiet) nachhaltig zu zerstören. Rheinhausen wäre dann vom Rhein abgeschnitten.

Falsche Annahme bei der Verkehrsbelastung

Die dem Planfeststellungsverfahren zugrundegelegten Zahlen gehen aber nach wie vor von einer Zunahme des Verkehrs aus. Der Bedarf für diese neue Verbindung wird einfach als gegeben vorausgesetzt. Nicht berücksichtigt wurde die demographische Entwicklung. Es gibt seit Jahren rückläufige Einwohnerzahlen. Dieser Trend wird sich bis 2015 noch verstärken. Die Sozial- und Altersstruktur in Rheinhausen wird sich ebenfalls weiter verändern. Eine steigende Verkehrsbelastung bei gleichzeitigem Rückgang der Einwohnerzahlen und deutlich geringerer Zahl an Arbeitsplätzen ist nicht zu erwarten. Schon seit ein paar Jahren ist zu beobachten, dass die Fahrleistungen mit privaten PKW leicht zurückgehen. Eine Steigerung ist in Rheinhausen höchstens beim Schwerlastverkehr zu erwarten. Und für diesen wird zur Zeit die L 473n gebaut, die den Logport direkt an das Fernstraßennetz (A 57) anbindet. Nach deren Fertigstellung sollte der Schwerlastverkehr unbedingt hierüber geleitet werden. Parallel dazu könnten die Hauptstraßen in Rheinhausen für den Schwerlastverkehr vom und zum Logport gesperrt werden.

Die für den Bau der Osttangente vorgesehenen finanziellen Mittel können besser in verkehrsleitende und -lenkende Maßnahmen sowie in den Lärmschutz investiert werden.

Das Logistikzentrum ist wegen der guten Anbindung an das Schienennetz und das westdeutsche Wasserstraßennetz an dieser Stelle errichtet worden. Nach Auffassung des ADFC gehören Güter in erster Linie auf diese beiden Verkehrsträger und die sollten auch gefördert werden. Mit dem Bau der Osttangente und ggf. noch weiteren Straßenbauprojekten wird es aber immer attraktiver für die Speditionen, noch mehr Schwerlastverkehr auf die Straße zu verlagern.

Keine spürbare Entlastung

Die im Erläuterungsbericht aufgezeigten Vorteile der Osttangente für die Bewohner Rheinhausens werden mit wenigen Ausnahmen von den Anwohnern nicht wahrgenommen werden. Eine Minderung des Verkehrsaufkommens von durchschnittlich etwa 10 % (Friedrich-Ebert- und Schwarzenberger Straße) wird von den Anwohnern kaum bemerkt werden. Eine Verringerung des Lärmpegels um weniger als 1 dB (A) wie auf den oben erwähnten Straßen und auch der Werthauser Straße oder von gut 1 dB (A) wie auf der Margarethenstraße sind bekanntlich für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar. Eine spürbare Entlastung gäbe es theoretisch für die Anwohner der Friedrich-Alfred- und der Atroper Straße. Doch schon seit zwei Jahren ist die Zufahrt über diese beiden Straßen zum Logport - Gelände für LKW über 7,5 Tonnen gesperrt, sodass hier bereits heute (ohne Osttangente und noch vor Fertigstellung der L 473n) keine LKW mehr von und nach Logport entlang fahren.

Unterbrechung der Rheinschiene

Der Bereich am Rheinufer zwischen den beiden Rheinbrücken ist auch ein beliebtes Naherholungs- und Freizeitgebiet. Die Wege hier sind von Radwanderern sehr geschätzt. Die Erreichbarkeit aus nördlicher Richtung wird durch den riesigen Verkehrsknoten an der Brücke der Solidarität -- ein bis zu dreispuriger, ampelgeregelter Kreisverkehr -- erheblich gestört. Im Verlaufe des Fernradwegs "Erlebnisweg Rheinschiene" wären künftig in jeder Richtung fünf Fußgängerampeln zu passieren. Da es einer recht ausgeklügelten Ampelschaltung bedarf, um den motorisierten Verkehr in diesem Knoten störungsfrei zu bewältigen, werden Radfahrer und Fußgänger erfahrungsgemäß dabei erst einmal nicht berücksichtigt und bekommen später kurze Grünphasen in den verbleibenden Lücken. Dabei ist davon auszugehen, das hier wieder Anforderungsampeln entstünden und für jede Teilquerung erneut auf Grün gewartet werden müsste.

Die Osttangente brächte nur dem Schwerlastverkehr einen Vorteil. Dieser würde erkauft mit der Zerstörung eines wertvollen Landschaftsschutzgebiet. Die Gefahren durch weiteren LKW-Schleich­ verkehr durch das übrige Stadtgebiet ist nicht zu unterschätzen. Für den Radverkehr entstünden durch die Osttangente und vor allem durch den riesigen Kreisverkehr gravierende Nachteile.

HF


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2004.
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