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RAD im Pott Winter 2004 Essen

Neues für Essens Radler

Kreuzungsquerung des Ruhr-Radwanderweges entschärft

Seit Jahren bildete die Querung des Ruhrradwanderweges über die Kreuzung Marie-Juchacz-Straße / Wuppertaler Straße / Ruhrallee im Stadtteil Rellinghausen einen besonderen Unfallbrennpunkt. Speziell im Bereich der freigeführten Rechtsabbiegespur von der Marie-Juchacz-Straße in Richtung Ruhrallee krachte es besonders häufig. Der Grund: Die Autofahrer fuhren mit viel zu hoher Geschwindigkeit durch die Abbiegespur und orientierten sich dabei fast ausschließlich nach links. Von rechts kommende Radler wurden schlichtweg nicht wahrgenommen. Viele Radler wiederum querten den Kreuzungsbereich allzu unbekümmert.

In diesem Sommer nun hat die Stadt gehandelt. Herausgekommen ist eine Kompromisslösung, bei welcher die Radler wieder mal die meisten Federn lassen mussten. Nicht gekommen ist beispielsweise die schon lange von ADFC und EFI geforderte Ampelanlage im Bereich des freigeführten
Foto des neu gestalteten freien Rechtsabbiegers  mit Zebrastreifen
Rechtsabbiegers. Immerhin wurde dessen Kurvenradius verkleinert, was die Geschwindigkeit der Autos ein wenig reduziert. Der Radweg wiederum wurde zum Gehweg deklariert, auf dem das Radfahren aufgrund der Zusatzbeschilderung zwar erlaubt bleibt, dies jedoch nur noch mit Schrittgeschwindigkeit -- so jedenfalls schreibt es die Straßen­ verkehrsordnung vor!

Der Radweg selbst wurde etwas weiter in den Kurvenbereich hineingezogen, so dass sich nunmehr Radler wie Autofahrer ein winziges Stück entgegenkommen. Damit können vor allem die von rechts kommenden Radler besser von den herannahenden Autofahrern wahrgenommen werden. Allerdings ist der Weg dabei auch schmaler geworden.

Verhindern konnten die Radfahrverbände immerhin die von der Stadt geplanten Diagonalsperren, hätten diese doch wegen ihrer geringen Durchlässigkeit bei starkem Radfahraufkommen -- und das ist hier nicht nur an Wochenenden der Fall -- zu einem Chaos gesorgt.

Obs tatsächlich funktioniert, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Im Aktivenkreis von ADFC und EFI jedenfalls hat sich noch keine einhellige Meinung gebildet, ob man mit der Lösung glücklich sein kann oder nicht. Die allerbeste Lösung wäre nach Ansicht der Radfahrverbände eine Unterquerung der Marie-Juchacz-Straße. Vielleicht bringt das seit kurzem im Gespräch befindliche Projekt des Ruhrtal-Radwegs Bewegung in die Angelegenheit.

Und es geht doch -- Radfahrstreifen auf der Frankenstraße

Eigentlich hatte die CDU sich darauf festgelegt, auf Hauptverkehrsstraßen keine Radfahrstreifen anlegen zu wollen, obgleich diese anerkanntermaßen viel sicherer sind als herkömmliche Radwege. Aber keine Regel ohne Ausnahmen -- oder doch etwa bessere Einsicht?

ADFC und EFI jedenfalls waren überrascht, als auf der Frankenstraße im Stadtteil Stadtwald kurz vor der Kommunalwahl im September nagelneue Radfahrstreifen aufgebracht wurden. Sie bilden die Verlängerung der
Foto des neuen Radfahrstreifens auf der Frankenstraße vom Stadtwaldplatz
kommenden Radwege, sind nur wenige hundert Meter lang und beginnen bzw. enden an den Einmündungen Habicht-/ Amselstraße. Begünstigt wurde die Anlegung der Radfahrstreifen durch die überbreite Fahrbahn, auf der aber doppelspuriges Fahren wegen der vielen parkenden Autos nicht möglich ist.

Da böte sich doch ein Vergleich mit der Borbecker Straße zwischen dem Borbecker Zentrum und der Schloßstraße an. Obwohl Bestandteil des Hauptroutennetzes, blockiert hier die örtliche CDU nach wie vor hartnäckig die Anlegung von Radfahrstreifen. Vielleicht sollten sie sich einmal vor Ort anschauen, was ihre Parteikollegen im Essener Süden möglich gemacht haben.

Einbahnstraße Lindenallee für Radler freigegeben

Bereits seit längerem existieren in mehreren Bezirksvertretungen Beschlüsse, alle geeigneten Einbahnstraßen für Radler in entgegengesetzter Fahrtrichtung freizugeben. Bislang scheiterte die Umsetzung an fehlenden Kapazitäten innerhalb der Verwaltung. Der von der Bereisungskommission der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Städte zu Jahresanfang gesetzte Warnschuss scheint nun Wirkung zu zeigen. Noch im Frühjahr hat die Verwaltung zugesagt, die von den BVen gefassten Beschlüsse nun Schritt für Schritt umzusetzen.

Foto einer Baustellenabsicherung mit quer gestellten Sperrren; der Boden ist mit Laub bedeckt
Novum in Essen: Baustellenabsicherung als Slalomparcours. Als Ausgleich: Blätterteppich, damit Radler weich fallen können.
Der Anfang erfolgte Mitte Oktober in der Innenstadt. Zwei Abschnitte der Lindenallee wurden im Umfeld des Deutschlandhauses -- und somit faktisch vor den Schreibtischen der zuständigen Fachämter -- für gegenläufigen Radverkehr freigegeben. Dabei handelt es sich um die Öffnung einer echten wie auch einer unechten Einbahnstraße. In letztgenanntem Fall dürfen Autofahrer wenden und entgegen der Einbahnrichtung weiterfahren. Anschauungsunterricht quasi vor der eigenen Haustür der Verwaltung -- wenn das nichts ist. Bleibt nur zu hoffen, dass die Öffnung der anderen Einbahnstraßen nicht weiter lange auf sich warten lässt.

Baustellen und kein Ende

Seit über einem Jahr ist die Nord-Süd-Radroute (City - Rüttenscheid - Stadtwald - Baldeneysee) wegen einer Großbaustelle an dem Knotenpunkt Müller-Breslau-Straße / Wittenbergstraße für Radfahrer zu einem Dauerärgernis geraten. Hatte man den Bereich anfänglich sogar für Radler gänzlich gesperrt (siehe auch RiP 4/2003), war dies nach heftigen Protesten von ADFC und EFI wieder rückgängig gemacht worden. Eine ordentliche Führung für Radfahrer durch den Baustellenbereich gibt es allerdings nach wie vor nicht -- das gilt erst recht für eine Umleitung, wie sie beim Autoverkehr gang und gäbe ist.

Und als wenn dies alles nicht schon genug sei, hat man nun die nördlich anschließende Von-Einem-Straße ebenfalls dicht gemacht, hier kann der Baustellenbereich nur noch auf dem Gehweg passiert werden -- natürlich mit dem Schild "Radfahrer absteigen". ADFC und EFI haben dies bei den zuständigen Stellen vorgebracht, mal sehen, was in den nächsten Wochen passiert.

J.B.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2004.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de