Neues für Essens Radler
Kreuzungsquerung des Ruhr-Radwanderweges entschärft
Seit Jahren bildete die Querung des Ruhrradwanderweges über die Kreuzung
Marie-Juchacz-Straße / Wuppertaler Straße / Ruhrallee im Stadtteil
Rellinghausen einen besonderen Unfallbrennpunkt. Speziell im Bereich der
freigeführten Rechtsabbiegespur von der Marie-Juchacz-Straße in Richtung
Ruhrallee krachte es besonders häufig. Der Grund: Die Autofahrer fuhren
mit viel zu hoher Geschwindigkeit durch die Abbiegespur und orientierten
sich dabei fast ausschließlich nach links. Von rechts kommende Radler
wurden schlichtweg nicht wahrgenommen. Viele Radler wiederum querten den
Kreuzungsbereich allzu unbekümmert.
In diesem Sommer nun hat die Stadt gehandelt. Herausgekommen ist eine
Kompromisslösung, bei welcher die Radler wieder mal die meisten Federn
lassen mussten. Nicht gekommen ist beispielsweise die schon lange von
ADFC und EFI geforderte Ampelanlage im Bereich des freigeführten
Rechtsabbiegers. Immerhin wurde dessen Kurvenradius verkleinert, was die
Geschwindigkeit der Autos ein wenig reduziert. Der Radweg wiederum wurde
zum Gehweg deklariert, auf dem das Radfahren aufgrund der
Zusatzbeschilderung zwar erlaubt bleibt, dies jedoch nur noch mit
Schrittgeschwindigkeit -- so jedenfalls schreibt es die Straßen
verkehrsordnung vor!
Der Radweg selbst wurde etwas weiter in den Kurvenbereich hineingezogen,
so dass sich nunmehr Radler wie Autofahrer ein winziges Stück
entgegenkommen. Damit können vor allem die von rechts kommenden Radler
besser von den herannahenden Autofahrern wahrgenommen werden.
Allerdings ist der Weg dabei auch schmaler geworden.
Verhindern konnten die Radfahrverbände immerhin die von der Stadt
geplanten Diagonalsperren, hätten diese doch wegen ihrer geringen
Durchlässigkeit bei starkem Radfahraufkommen -- und das ist hier nicht
nur an Wochenenden der Fall -- zu einem Chaos gesorgt.
Obs tatsächlich funktioniert, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.
Im Aktivenkreis von ADFC und EFI jedenfalls hat sich noch keine
einhellige Meinung gebildet, ob man mit der Lösung glücklich sein kann
oder nicht. Die allerbeste Lösung wäre nach Ansicht der Radfahrverbände
eine Unterquerung der Marie-Juchacz-Straße. Vielleicht bringt das seit
kurzem im Gespräch befindliche Projekt des Ruhrtal-Radwegs Bewegung in
die Angelegenheit.
Und es geht doch -- Radfahrstreifen auf der Frankenstraße
Eigentlich hatte die CDU sich darauf festgelegt, auf
Hauptverkehrsstraßen keine Radfahrstreifen anlegen zu wollen, obgleich
diese anerkanntermaßen viel sicherer sind als herkömmliche Radwege.
Aber keine Regel ohne Ausnahmen -- oder doch etwa bessere Einsicht?
ADFC und EFI jedenfalls waren überrascht, als auf der Frankenstraße im
Stadtteil Stadtwald kurz vor der Kommunalwahl im September nagelneue
Radfahrstreifen aufgebracht wurden. Sie bilden die Verlängerung der
kommenden Radwege, sind nur wenige hundert Meter lang und beginnen bzw.
enden an den Einmündungen Habicht-/ Amselstraße. Begünstigt wurde die
Anlegung der Radfahrstreifen durch die überbreite Fahrbahn, auf der aber
doppelspuriges Fahren wegen der vielen parkenden Autos nicht möglich
ist.
Da böte sich doch ein Vergleich mit der Borbecker Straße zwischen dem
Borbecker Zentrum und der Schloßstraße an. Obwohl Bestandteil des
Hauptroutennetzes, blockiert hier die örtliche CDU nach wie vor
hartnäckig die Anlegung von Radfahrstreifen. Vielleicht sollten sie sich
einmal vor Ort anschauen, was ihre Parteikollegen im Essener Süden
möglich gemacht haben.
Einbahnstraße Lindenallee für Radler freigegeben
Bereits seit längerem existieren in mehreren Bezirksvertretungen
Beschlüsse, alle geeigneten Einbahnstraßen für Radler in
entgegengesetzter Fahrtrichtung freizugeben. Bislang scheiterte die
Umsetzung an fehlenden Kapazitäten innerhalb der Verwaltung. Der von der
Bereisungskommission der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Städte
zu Jahresanfang gesetzte Warnschuss scheint nun Wirkung zu zeigen. Noch
im Frühjahr hat die Verwaltung zugesagt, die von den BVen gefassten
Beschlüsse nun Schritt für Schritt umzusetzen.
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| Novum in Essen: Baustellenabsicherung als Slalomparcours. Als Ausgleich: Blätterteppich, damit Radler weich fallen können. |
Der Anfang erfolgte Mitte Oktober in der Innenstadt. Zwei Abschnitte der
Lindenallee wurden im Umfeld des Deutschlandhauses -- und somit faktisch
vor den Schreibtischen der zuständigen Fachämter -- für gegenläufigen
Radverkehr freigegeben. Dabei handelt es sich um die Öffnung einer
echten wie auch einer unechten Einbahnstraße. In letztgenanntem Fall
dürfen Autofahrer wenden und entgegen der Einbahnrichtung weiterfahren.
Anschauungsunterricht quasi vor der eigenen Haustür der Verwaltung --
wenn das nichts ist. Bleibt nur zu hoffen, dass die Öffnung der anderen
Einbahnstraßen nicht weiter lange auf sich warten lässt.
Baustellen und kein Ende
Seit über einem Jahr ist die Nord-Süd-Radroute (City -
Rüttenscheid - Stadtwald - Baldeneysee) wegen einer Großbaustelle an dem
Knotenpunkt Müller-Breslau-Straße / Wittenbergstraße für Radfahrer zu
einem Dauerärgernis geraten. Hatte man den Bereich anfänglich sogar für
Radler gänzlich gesperrt (siehe auch RiP 4/2003), war dies nach heftigen Protesten von ADFC und EFI wieder
rückgängig gemacht worden. Eine ordentliche Führung für Radfahrer durch
den Baustellenbereich gibt es allerdings nach wie vor nicht -- das gilt
erst recht für eine Umleitung, wie sie beim Autoverkehr gang und gäbe ist.
Und als wenn dies alles nicht schon genug sei, hat man nun die
nördlich anschließende Von-Einem-Straße ebenfalls dicht gemacht, hier
kann der Baustellenbereich nur noch auf dem Gehweg passiert werden --
natürlich mit dem Schild "Radfahrer absteigen". ADFC und EFI haben dies
bei den zuständigen Stellen vorgebracht, mal sehen,
was in den nächsten Wochen passiert.
J.B.
Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2004.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de