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RAD im Pott Winter 2004 Essen

10 Jahre Arbeitskreis Radverkehr

20 Jahre ADFC-Essen

10 Jahre Verkehrs- und Umweltzentrum

2004 -- das Jubiläumsjahr (Teil 3)

In den ersten Jahren ihres Bestehens waren ADFC und EFI bemüht, mittels vielerlei Aktivitäten den Radverkehr in Essen überhaupt erst einmal wieder ins Bewusstsein von Politik und Verwaltung zu rücken. Ende der 80er Jahre gelang es schließlich, verstärkt mit Vertretern der Verwaltung ins Gespräch zu kommen. Insgesamt fünf Stadtämter waren zu dieser Zeit mit dem Thema Radverkehr befasst: Planungsamt, Tiefbauamt, Grünflächenamt, Straßenverkehrsamt und sogar das U-Bahn-Bauamt (welches beispielsweise den Radweg Rüttenscheider Straße zu verantworten hatte). Besagte Gespräche erfolgten meist separat mit einem dieser Ämter, von ämterübergreifender Koorditation keine Spur.

Dann der Durchbruch. Mit der seit Herbst 1993 amtierenden Umweltdezernentin Dr. Eva-Maria Krüger trat eine energische Befürworterin des Radverkehrs auf den Plan, die es endlich schaffte, alle Beteiligten an einen Tisch zu bekommen. Am 3. März 1994 fand die erste Sitzung des "Arbeitskreises Radverkehr" statt (diese offizielle Bezeichnung führte man allerdings erst später ein). Die Umweltdezernentin war übrigens auch die erste Person aus der Verwaltungsspitze, die ihrerseits ADFC und EFI einen Besuch abstattete.

Das für den Radverkehr im Straßenbereich zuständige Tiefbauamt wollte sich allerdings schon nach kurzer Zeit nicht mehr dem Diktum der sehr rührigen Umweltdezernentin unterwerfen und richtete Ende 1994 einen eigenen Arbeitskreis ein. Dieser befasste sich vornehmlich mit der Umsetzung des Hauptroutennetzes. Der ursprüngliche Arbeitskreis war nunmehr zuständig für die Radrouten in Grünbereichen sowie auf Bahntrassen. Vor allem wurden hier diverse öffentlichkeitswirksame Aktionen wie "Radler des Jahres" usw. konzipiert.

Foto der AK-Teilnehmer am Konferenztisch
Arbeitskreissitzung im November 2004 (Foto Stadt Essen)
Schwerpunktthema der allerersten Arbeitskreissitzung 1994 war die damals anstehende Bereisung durch die Landtagskommission -- es ging um die Aufnahme Essens in die Arbeitsgemeinschaft "Fahrradfreundliche Städte und Gemeinden" (AGFS). Aber auch einige andere Tagesordnungs­ punkte erscheinen nach nunmehr zehn Jahren immer noch aktuell:

Das Nebeneinander beider Arbeitskreise funktionierte immerhin mehr als sieben Jahre lang. Für die ehrenamtlich tätigen Fahrradverbände bestand allenfalls das Problem, die Vielzahl von Terminen unter einen Hut zu bekommen. Im Herbst 2001 lief dann jedoch die Amtszeit von Frau Dr. Krüger ab, eine Verlängerung war politisch nicht gewollt. Seitens der Stadt ging man nach dem Ausscheiden von Frau Dr. Krüger sogar noch einen Schritt weiter und löste das Umweltdezernat sogar ganz auf. Damit war auch das Schicksal des dort angesiedelten Arbeitskreises Radverkehr besiegelt -- es verblieb der Arbeitskreis im Tiefbauamt. Aber auch dessen Gestaltungsspielraum wurde durch die seit 1999 von der CDU betriebene restriktive Radverkehrspolitik mehr und mehr eingeschränkt.

2003 wurde schließlich die generelle Planung für den Radverkehr ins Amt für Stadtplanung umgesiedelt, während die Bauausführung beim Tiefbauamt verblieb. 1996 hatte man den umgekehrten Weg eingeschlagen, sämtliche Zuständigkeiten beim Radverkehr wurden damals beim Tiefbauamt konzentriert. Jedenfalls ist das Planungsamt nunmehr auch für die Durchführung des mittlerweile nur noch dreimal pro Jahr tagenden Arbeitskreises Radverkehr zuständig.

Aber es sind auch wieder Silberstreifen am Horizont sichtbar - und das gleich mehrere. Einer der Anlässe für diesen Hoffnungsschimmer ist eigentlich ein negativer - nämlich der drohende Rauswurf Essens aus der AGFS (die RAD im Pott hat mehrfach darüber berichtet). Diese Drohung hat Wirkung gezeigt, denn vor allem bezüglich der Öffentlichkeitsarbeit ist bei den letzten beiden Arbeitskreissitzungen schon Einiges in die Wege geleitet worden.

Hoffnungen erweckt ebenfalls die nach der Kommunalwahl sich abzeichnende neue politische Konstellation. Das gilt auch für die daraus resultierende Neuorganisation der Verwaltung (hierzu an anderer Stelle mehr). Natürlich sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine konkreten Auswirkungen beim Radverkehr zu verspüren -- dazu ist es einfach noch zu früh. ADFC und EFI jedenfalls sind bemüht, dem Arbeitskreis und damit auch dem Radverkehr in dieser Stadt wieder zu dem Stellenwert zu verhelfen, den er vor zehn Jahren besessen hat.

J.B.

Die Artikel über die anderen Jubiläen sind in den Ausgaben 1/2004 und 3/2004 erschienen.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2004.
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