Neue Chancen für den Radtourismus im Ruhrgebiet
Der Ruhrtal-Radweg
Der Fahrradtourismus ist in Deutschland derzeit einer der ganz wenigen
Bereiche im Fremdenverkehrsgewerbe, der trotz konjunktureller
Schwierigkeiten spürbare Wachstumssteigerungen aufweisen kann.
Begriffe wie "Donau-Radweg" und "Weser-Radweg" sind fast jedem
geläufig. Was auch schon zeigt, dass Fahrradtourismus häufig mit
Radeln entlang von Gewässern in Verbindung gebracht wird.
Spätestens seit der Internationalen Bauaustellung (IBA) Emscherpark in
den 90er Jahren gibt es auch im Ruhrgebiet Bemühungen, den Radtourismus
zu etablieren. Bekannteste Radrouten sind der "Emscherpark-Radweg" und
der "Rundkurs Ruhrgebiet". Obgleich mit einer
attraktiven Routenführung und mit vielen interessanten Objekten am
Wegesrand ausgestattet, ist ihr Bekanntheitsgrad bislang weitgehend
auf das Ruhrgebiet beschränkt geblieben. Was nicht heißen soll, dass
sie nicht oft und gerne benutzt werden. Im Gegenteil, nur sind es
häufig die Ruhrgebietler selbst, die hier radeln. Und die fahren
abends zumeist wieder nach Hause.
Ein wesentlicher Faktor beim Radtourismus ist aber vor allem ein
wirtschaftlicher, und der kommt hierbei natürlich zu kurz. Es sollen
schließlich auch Menschen von außerhalb angesprochen werden, die dann
in der Region ihr Geld lassen, indem sie hier übernachten und speisen.
Diesen Gedanken greifen die "Macher" des "Ruhrtal-Radwegs" auf. Dazu
gehören der Regionalverband Ruhrgebiet (RVR = Nachfolgeorganisation
des KVR), die Ruhrgebiet Touristik GmbH sowie der Hochsauerlandkreis.
Unter dem Begriff "Ruhrtal-Radweg" soll die radtouristische
Erschließung des gesamten Ruhrtals von der Quelle bis zur Mündung
erfolgen. Seit kurzem liegt nun eine Machbarkeitsstudie vor. Darin
enthalten sind die Analyse des touristischen Potenzials einer solchen
Radwanderroute sowie eine Bestandsaufnahme der vorhandenen
Infrastruktur. Daraus abgeleitet ergibt sich ein Maßnahmenkatalog, der
alles auflistet, was vor Ort noch getan werden muss.
Und das ist nicht wenig. Problematisch scheint die Finanzierung vieler
Maßnahmen zu sein. Sowohl der RVR als maßgeblicher Koordinator des
Ruhrtal-Radwegs als auch die entlang der Wegstrecke liegenden Kommunen
werden nur langfristig ausreichend Mittel zur Verfügung stellen
können. So hat beispielsweise die Stadt Essen signalisiert, dass man
derzeit kein Geld habe, um die auf ihrem Stadtgebiet notwendigen
Maßnahmen durchführen zu können.
Die Routenführung
Der Ruhrtal-Radweg soll mitten im Sauerland in Winterberg beginnen.
Die Routenverlauf erfolgt zunächst über Olsberg, Meschede, Arnsberg,
Wickede und Fröndenberg. Kurz vor Schwerte trifft er dann auf den
bereits bekannten Rundkurs Ruhrgebiet, dem er weiter in Richtung
Westen folgt. Dabei passiert er u.a. den Hengsteysee bei Hagen, den
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Harkortsee bei Wetter sowie den Kemnader See bei Bochum. Bei
Bochum-Dahlhausen erreicht der Ruhrtal-Radweg schließlich Essener
Stadtgebiet und somit den Einzugsbereich der RAD im Pott. Daher er
folgt jetzt eine detaillierte Beschreibung des Wegeverlaufs zusammen
mit den für notwendig erachteten Maßnahmen:
- Essen: Bis Essen-Steele liegt der Radweg wie bisher auf der
südlichen Ruhrseite, wobei er bis zur Horster Schwimmbrücke auf
einigermaßen hochwasserfreiem Terrain verlegt werden soll. In
Steele wechselt die Route dann die Ruhrseite. Ein ganz besonderer
Knackpunkt ist im weiteren Verlauf die Kreuzung Marie-Juchacz-Straße /
Wuppertaler Straße im Stadtteil Rellinghausen. Zwar
hat die Stadt Essen diesen bislang als Unfallschwerpunkt geltenden
Bereich jüngst etwas entschärft (siehe auch S. 20),
notwendig wäre hier aber eine Unterquerung des Brückenbereichs und damit
eine barrierefreie Führung der Radroute. Bezeichnenderweise taucht diese
in der Machbarkeitsstudie aber erst gar nicht auf!
Im weiteren Verlauf führt der Radweg durch die Heisinger Aue. Bislang
endet er an der Ausflugsgaststätte "Rote Mühle". Hier plant der RVR
selbst eine Weiterführung entlang der Ruhr bis zur Kampmannbrücke
zwischen Heisingen und Kupferdreh. Den Ausbau im weiteren Verlauf bis
zur ehemaligen Eisenbahnbrücke am Nordende des Baldeneysees müsste
dann wieder die Stadt Essen übernehmen. Solange jedoch müssen die
Radler weiterhin über die Wuppertaler Straße fahren, die hier immerhin
Radfahrstreifen besitzt, und weiter über die Straße Stauseebogen,
wobei letztere allerdings keinerlei Radverkehrsanlagen aufweist.
Ab Kupferdreh geht es weiter entlang der Südseite des Baldeneysees.
Leider liegen hier die Hauptattraktionen -- Villa Hügel, Schloss Baldeney
sowie Reste der Zeche Carl-Funke -- auf der anderen Seeseite. Dafür ist
die Radroute auf der Südseite besser befahrbar. Letztendlich gelangt
man nach Essen-Werden, wo erneut wegen des extrem starken Autoverkehrs
dringender Handlungsbedarf besteht. Laut Machbarkeitsstudie soll der
Ruhrtal-Radweg zukünftig nicht mehr mitten durch den Ort führen,
sondern weiter entlang der Ruhr. Erst nach der Unterquerung der
Ruhrbrücke soll er in einer Schleife auf besagte Brücke führen, um auf
deren Südseite dann die Ruhrseite zu wechseln. Allein diese Maßnahme
ist mit 230.000 Euro veranschlagt. Ist bis hierhin eine autofreie
Führung möglich, muss nun im Bereich des S-Bahnhofs die stark
frequentierte Ruhrtalstraße gequert werden, damit in einem Bogen über
das Löwental wieder der Radweg entlang der Ruhr erreicht werden kann.
Diesem folgend erreicht der Ruhrtal-Radweg nach etlichen Kilometern
schließlich Kettwig.
- Mülheim: Von Kettwig aus werden in der Machbarkeitsstudie zwei
Routen vorgeschlagen: Zum einen der auf der nördlichen Ruhrseite
liegende, durchgehend asphaltierte Weg nach Mülheim-Menden, dessen
Wegequalität allerdings stark verbesserungswürdig erscheint.
Immerhin ist der für 1,8 Mio Euro veranschlagte Ausbau begonnen,
wird aber wohl noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Geringerer
baulicher Aufwand ist beim Radwanderweg auf der südlichen
Ruhrseitezu erwarten. Dessen wassergebundene Decke (außer in der
Ortsdurchfahrt Mintard) lässt sich daher vergleichsweise kurzfristig
ausbessern.
Im Stadtgebiet von Mülheim bleibt der Ruhrtal-Radweg dem Rundkurs
Ruhrgebiet bzw. dem R 12 folgend auf der südlichen Ruhrseite. Er
passiert den Wasserbahnhof und das MüGa-Gelände, um dann über die
ehemalige Eisenbahnbrücke wieder auf die nördliche Ruhrseite zu
gelangen. Hier in Mülheim-Styrum stößt die Route hinter dem
Aquariusturm auf die Moritzstraße und folgt dieser wie auch im weiteren
Verlauf der Steinkampstraße. In der Machbarkeitsstudie werden hier vor
allem die
Gefährdung durch den Autoverkehr und Beeinträchtigungen durch Lärm umd
Abgase bemängelt. Hinzu kommen an zwei Stellen Querungsprobleme. Die
Beseitigung des Schwachpunkts wird als dringlich angesehen, kostet
aber auch 111.000 Euro. Eine Realisierung ist für 2005 vorgesehen.
- Oberhausen: Die Stadt wird vom Ruhrtal-Radweg nur relativ kurz
berührt. Von Mülheim kommend geht es über den R 21 am Stadion
Styrum vorbei über die Friesenstraße und Solbadstraße zur Kewerstraße,
wo sie auf den Emscherpark-Radweg nach Duisburg trifft.
Ärgerlich ist hierbei, dass der attraktive Ruhrpark umfahren wird.
Immerhin existiert hierzu eine Entwurfsplanung, die einen
ruhrbegleitenden Radweg vom Stadion bzw. Freibad Styrum durch den
Ruhrpark vorsieht, der die Wegstrecke auch noch um ca. einem
Kilometer verkürzt. Eine Realisierung dieser mit einer hohen
Dringlichkeitsstufe versehenen und etwa 210.000 Euro kostenden
Wegeführung ist jedoch nur langfristig zu erwarten.
- Duisburg: Auch im Grenzbereich zwischen Oberhausen und Duisburg
soll die Route des Ruhrtal-Radweges direkt an die Ruhr verlegt
werden. Ansonsten folgt dieser weiter dem Emscherpark-Radweg bis
zur Emmericher Straße. Diese unterquerend führt die Route direkt
zum Rhein -Herne-Kanal. Dem Wasserlauf in Richtung Westen folgend
geht es weiter auf dem zwischen Hafenkanal und Ruhr verlaufenden
Radweg. Über die Ruhrorter Straße führt die Route schließlich in
den gleichnamigen Stadtteil, wo der Ruhrtal-Radweg dann offiziell
enden soll.
Es besteht Handlungsbedarf
Viele der hier vorgestellten Maßnahmen dürften Zukunftsmusik bleiben,
solange die Finanzierung nicht überall geklärt bzw. gesichert ist.
Dabei müssen sich alle Beteiligten vor Augen halten, dass man mit dem
Ruhrtal-Radwegs ein Qualitätsprodukt in die Welt gesetzt hat, welches
sich an den bekannten radtouristischen Routen wie Weser-Radweg und
Donau-Radweg orientiert. Und da gibt es eigentlich wenig Spielraum,
will man sich nicht auf radtouristischem Gebiet blamieren. Daher sind
nun Land, RVR sowie die beteiligten Kommunen gefragt, der
Machbarkeitsstudie auch entsprechend Taten folgen zu lassen.
J.B. & N.M.
Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2004.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de