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RAD im Pott Herbst 2004 Im Pott/Glosse

Fahr Rad!

Deutschland hat eine neue Massenbewegung -- für eine neue Massenbewegung. Eine Viertelmillion Berliner hat am vergangenen Wochenende mit einem gigantischen Fahrradkorso für eine moderne Fahrradpolitik demonstriert, die Auto-, Fahrrad-, Bus- und Fußverkehr endlich gleichermaßen berücksichtigt. Eine Viertelmillion Demonstranten -- so viele, wie 1981 in Sonderzügen aus ganz Deutschland zu der legendären Friedensdemonstration im Bonner Hofgarten anreisten! Schaute jemand hin? Für die Medien war der Umzug ein Lokalereignis.

Aber das Problem ist ein deutsches. Was sich hier Luft macht, ist der jahrelang angestaute Unwille einer starken Gruppe nahezu ohne politische Vertretung. Denn in der kommunalen Verkehrspolitik geben immer noch Asphaltpopulisten den Ton an, die glauben, Radfahrer gäben kein Geld aus, weshalb ihnen der Weg in die Stadt nicht unnötig erleichtert werden dürfe.

In Wirklichkeit schaden die erbärmlichen Radwege den Autofahrern nicht minder -- denn der Stau, in denen sie stecken, besteht zu beträchtlichen Teilen aus verhinderten Radfahrern. Woher man das weiß? Aus Untersuchungen des, jawohl, ADAC. Fahrradfreundliche Städte haben deutlich höhere Radverkehrsanteile -- und darum auch freiere Straßen, denn Fahrräder brauchen nun einmal weniger Platz als Autos. "Je mehr Autofahrer in der Stadt aufs Fahrrad umsteigen, desto größer die Entlastung von Stau, Lärm und Abgasen" -- das sagt heute, endlich, auch einmal ein Vizepräsident des ADAC. Hört jemand zu?

Frank Drieschner

Aus "Die Zeit", Nr. 25 vom 9. Juni 2004


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Herbst 2004.
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