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RAD im Pott Frühjahr 2004 Oberhausen

20 Jahre FahrradInitiative für Oberhausen/ADFC Oberhausen

"Die Zeit war einfach reif für die Gründung"

Michael Steinbach (48) war Mitbegründer der FahrradInitiative für Oberhausen (FIFO) und stand anschließend dem ADFC in Oberhausen vor. Ihm folgte 1994 Edwin Süselbeck (34).

Das Interview, das Michael Steinbach mit Edwin Süselbeck führte, kann im Internet nachgelesen werden: www.adfc.de/oberhausen/ .

Edwin Süselbeck (süs): Michael, wie war es 1984, mit dem Rad durch Oberhausen zu fahren?

Michael Steinbach (mis): Es gab eine ganze Menge so genannter Radwege, die die Stadtverwaltung innerhalb kurzer Zeit mit Pinsel und Farbe und viel Phantasie auf die Bürgersteige gemalt hatte. In den siebziger Jahren war alles, was an alten Radwegen da war, überwiegend in Parkstreifen umgewandelt worden. In den achtziger Jahren fingen immer mehr Leute an, sich wieder für das Fahrrad fahren zu interessieren. Wer legal bleiben wollte, musste sich dann mit diesen schrecklichen Behelfsradwegen herumquälen und das hat viele auf die Palme gebracht. Also nicht nur diejenigen, die schnell fahren wollten, sondern auch andere Leute, die sich einfach durch diese merkwürdigen Radwege ständig behindert und ausgebremst fühlten. Es hat eben alle zusammengebracht, die ganz normal ungehindert und gleichberechtigt im Straßenverkehr fahren wollten.

süs: Diese Situation hat dann zur FahrradInitiative für Oberhausen geführt?

mis: Ja. Ich persönlich glaube, die Zeit war einfach reif für die Gründung der FIFO. Nachdem wir diese Idee in einem ganz kleinen Kreis geschmiedet hatten, war die Resonanz auf die Gründungsversammlung enorm groß. Solveig Kiock von der NRZ Oberhausen schrieb einige Tage vorher einen großen Artikel über die bevorstehende Gründung und das Echo war phantastisch. Wir hatten rund 100 Leute bei der Gründungsversammlung am 8. März 1984 in Altenberg und alle waren Feuer und Flamme und wollten was tun. Was mich besonders beeindruckt hat, es waren sehr viele junge Leute und Schüler, aber auch durchaus ältere Leute, die sich in die Arbeit eingeklinkt haben. Es war wirklich über eine große Altersbandbreite ein gemeinsames Projekt.

süs: Was waren eure Ziele?

mis: In der Anfangszeit stand vor allem zweierlei im Vordergrund: Einmal ging es darum, dass Radfahrer auch legal und möglichst gefahrlos die Fahrbahn benutzen konnten. Wir wollten vor allem Radfahrstreifen auf der Straße, wir wollten Fahrradstreifen gegen Einbahnstraßen. Und wir wollten andererseits erreichen, dass Radwege gradlinig verlaufen, dass sie klar erkennbar sind, jedenfalls nicht ein einziger Mischmasch mit dem Gehweg sind.

süs: Und womit seid ihr dann gestartet?

mis: Das Erste, was wir kurzfristig gemacht haben, war die Vorbereitung einer Fahrraddemonstration, die am 2. Juni stattfand, also knapp drei Monate nach der Gründung. Das sollte einfach der Arbeit noch mehr Schwung geben. Wir wollten schnell was auf die Beine stellen, wir wollten nicht nur in kleinen Zirkeln beraten, Pläne schmieden und zeichnen.

süs: Gab es noch andere Aktionen?

mis: Wir haben zum Beispiel 1985 eine Wettfahrt Rad gegen Taxi durch­ geführt. Mich wundert es heute noch, dass sich der Taxifahrer als Partner für uns gefunden hat und soviel Humor hatte, dabei auch möglicherweise zu unterliegen. Er unterlag tatsächlich! Auf der relativ kurzen Strecke vom Altmarkt bis Styrum war Christof Hamm auf seinen Hollandrad eindeutig schneller. Beide mussten noch zwei, drei Dinge unterwegs erledigen. Das hat dem Ganzen noch eine zusätzliche Spannung gegeben.

süs: Wie hat denn die Stadt auf die neue Interessenvertretung reagiert?

mis: Unsere ersten Kontakte zur Stadt waren durchaus zwiespältig. Es gab zwar einerseits in der Verwaltung und auch in den politischen Gremien Unterstützer der neuen Fahrradfahrwelle, aber es gab auch sehr viele Kritiker, die uns als grüne Jungs und als unreife Chaoten dargestellt und gesehen haben. Das hat eine Weile gedauert, wobei eine kritisch-konstruktive Zusammenarbeit mit der Stadt schon lief, während es andererseits noch heftige Attacken auf die Stadt gab. Das war eigentlich kein Widerspruch, denn wir wollten ja was erreichen auf unterschiedlichen Ebenen. Wir haben immer mit offenen Karten gespielt. Dass man die Stadtverwaltung kritisiert, schließt ja nicht aus, dass man andererseits mit ihr zusammenarbeitet, wo es sinnvoll ist.

süs: Das hat dann sogar dazu geführt, dass ihr bereits 1987 den ersten Fahrradstadtplan herausgegeben habt.

mis: Den nannten wir Oberhausens heimliche Radwege. Bei dieser Schleichwegekarte haben wir mit der Stadtverwaltung über Konzeption und Inhalte der Karte diskutiert, die Kartengrundlage wurde uns zur Verfügung gestellt. Wir haben die Karte mit relativ großem Erfolg verkauft, obwohl sie ziemlich schlicht war.

süs: Der zweite Fahrradstadtplan ist schon zwei Jahre später erschienen, dann aber richtig gemeinsam mit der Stadt Oberhausen und sah deutlich professioneller aus. Ich nehme mal an, das ist eine direkte Wirkung des ersten?

mis: Es hat sicherlich Druck auf die Verwaltung bewirkt, dass wir die Karte weitgehend selbständig auf die Beine gestellt haben, dass wir das Projekt tatsächlich verwirklicht und nicht nur geträumt haben. Man hat daran auch gesehen, dass es eine Nachfrage gab und die Stadt ist dann recht schnell darauf eingeschwenkt.

süs: Beim zweiten Fahrradstadtplan war es dann schon so, dass er vom ADFC herausgegeben wurde, während der erste noch von der FIFO stammte. Das heißt, irgendwo in der Zeit ist der Punkt, wo aus der FIFO der ADFC geworden ist?

mis: Es gab den bundesweiten ADFC schon einige Jahre, als wir die FIFO gegründet haben. Es gab allerdings in Oberhausen zunächst keine organisierten ADFC-Aktivitäten, sondern damals spielte sich das alles innerhalb des so genannten Bezirksvereins Dortmund ab, der für das Ruhrgebiet zuständig war. Wir sind dann Ende der Achtziger in der Lage gewesen, selbst einen ADFC für Oberhausen und Mülheim zu gründen. Für Oberhausen alleine fühlten wir uns zu schwach, aber auch die Verbindungen zwischen beiden Städten, die ja praktisch ineinander übergehen, waren ein Argument, diesen Verein übergreifend auch für Mülheim zu gründen.

süs: Ein wichtiges Standbein des ADFC sind Radtouren. Gab es die schon 1984?

mis: In den ersten Jahren stand die Verkehrspolitik ganz vorne. Die Aktiven der ersten Jahre hatten mit Fahrrad fahren in der schönen Natur nicht so viel im Sinn. Wir haben aber dann nach einiger Zeit erkannt, dass wir einfach andere Leute mit einbinden müssen und von daher haben wir das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden und zunehmend Radtouren angeboten. Neben unseren eigenen Radtouren kamen ab 1987 gemeinsame Touren mit der Volkshochschule der Stadt Oberhausen dazu.

süs: Was fällt Dir denn heute auf, nach 20 Jahren FIFO/ADFC Oberhausen?

mis: Mir fällt auf, dass Fahrrad fahren heute im Stadtbild präsenter ist. Es gibt auf jeden Fall viel mehr vernünftige Fahrradinfrastruktur als früher, obwohl es immer noch Ausschnitte des Stadtgebietes be­ trifft und nicht das ganze Stadtgebiet.


Radtour zum Jubiläum

Auf einer Radtour am 13. März steuert Edwin Süselbeck einige Punkte in Oberhausen an, an denen die Spuren der FIFO-/ADFC-Aktivitäten zu erkennen sind. Näheres siehe href=touren.htm Radtouren.

Geschichte in Daten

Einige Daten zur FIFO-/ADFC-Geschichte ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

# 1984 Gründung der FahrradInitiative für Oberhausen (FIFO) o Fahrraddemo # 1985 Wettfahrt Auto/Rad # ca. 1986 FIFO radelt entlang der B 1 nach Dortmund # 1987 FIFO gibt "Oberhausens heimliche Radwege" heraus # erste gemeinsame Radtour mit der Volkshochschule # ca. 1988 der ADFC wird aktiv # 1989 Fahrradstadtplan gemeinsam mit der Stadt o 1991 der ADFC wird ein Verein # Beleuchtungsaktion "Sei helle" # Test der Fahrradmitnahme im Bus # neuer Fahrradstadtplan # 1991-94 Fahrradwache zur Sterkrader Fronleichnamskirmes # 1992 mangelhaft plus für Oberhausen im Fahrradklimatest # erster ADFC-/VHS-Fahrradfrühling o die RAD im Pott geht an den Start # 1993 erster Oberhausener Gebrauchtradmarkt # 1994 gemeinsame Aktion "1000 Kilometer für die Gesundheit" mit der Barmer Ersatzkasse # Diskussion um den Unfallschwerpunkt A 42/B 223 # 1995 ADFC eröffnet seine Geschäftsstelle auf dem Altenberggelände # ADFC und VRR testen Fahrradboxen # Vorstellung der neuen Fahrradcodierung o Unterschriftenaktion gegen Radfahrverbot in der neuen Fußgängerzone in Sterkrade # 1996 Diskussion um die Lothringer Straße # ADFC prüft alle Sackgassen auf Durchlässigkeit # Radtour über die ÖPNV-Trasse mit 150 Teilnehmern # Test der Erreichbarkeit des Centros # 1997/98 Gespräche mit den städtischen Dezernenten und dem Oberbürgermeister # 1998 Radplan erscheint in neuer Konzeption # ADFC-/SRL-Bundesfachausschuss Verkehr besucht Oberhausen # 1999 Radtrasse ist durchgängig befahrbar # 2000 O.Direkt zum Radverkehr erscheint # erste gemeinsame Radtour mit dem Katholischen Bildungswerk # ADFC-Bundesfachausschuss Tourismus bereist Oberhausen # 2001 ADFC-Aktion "Bausteine für ein fahrradfreundliches Oberhausen" # Oberhausen wird Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Städte und Gemeinden in NRW o 2002 erster Sterkrader Gebrauchtradmarkt # 2003 ADFC-/NRZ-Serie "Oberhausen tritt in die Pedale" füllt 24 Wochen lang jeden Samstag eine Zeitungsseite # neuer Radplan # 2004 Zwanzig Jahre FIFO/ADFC Oberhausen # 20?4 vierzig Prozent aller Wege werden mit dem Rad zurückgelegt


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Frühjahr 2004.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de