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RAD im Pott Frühjahr 2004 Essen

2004 -- das Jubiläumsjahr

Eigentlich feiert der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Gegründet wurde er 1979 in Bremen, wo auch heute noch der Hauptsitz besteht. Es dauerte aber noch fünf Jahre, bis sich der ADFC auch in Essen konstituierte -- am 25. Mai 1984 wurde die Ortsgruppe gegründet. Georg Fürtges, Jürgen Kammel und Ralf Kober-Sonderfeld waren damals die Initiatoren. Bemerkenswert: die Es­ sener Ortsgruppe gründete sich im Gegensatz zu anderen Städten nicht aus einer Fahrradinitiative heraus. Schließlich gab es in Essen be­ reits seit acht Jahren die EFI -- die Essener Fahrrad-Initiative -- die auch heute noch besteht.

Mit der EFI bahnte sich relativ schnell eine enge Zusammenarbeit an, obgleich die Aktiventreffen in den ersten Jahren noch getrennt abliefen. Fahrradtouren, Raddemos usw. wurden aber schon gemeinsam durchgeführt. Eine der ersten herausragenden Aktivitäten des ADFC in Essen war Ende 1984 die Mitwirkung an der damals sehr populären
Foto von Frank Rosinger und einer Dame beim Durchschneiden des Bandes zur Eröffnung
Der spätere Vorsitzende des ADFC Essen Frank Rosinger 1990 bei der Eröffnung der ersten Fotoausstellung
Radiosendung "Hörer machen Programm" auf WDR II. 1987/88 produzierte man zusammen mit der EFI eine Videodokumentation über das Radfahren in Essen, Titel: "In Essen auf Rädern". Diesen Titel trugen auch zwei 1990 und 1994 erstellte Fotoausstellungen. Ebenso gemeinsam mit der EFI erfolgte die 1989 bundesweit durchgeführte Unterschriftenaktion gegen die Radwegebenutzungspflicht. Immerhin 10.000 Unterschriften ka­ men zusammen, angesichts der damals oft nur mit viel Mühe zu ver­ mittelnden Thematik durchaus ein Erfolg.

Ausgerechnet diese Aktion brachte für den Essener ADFC aber uner­ wartete Probleme mit sich. Als man andere ADFC-Ortsverbände um Unterstützung der Unterschriftenaktion nachsuchte, schaltete sich der ADFC-Bundesverband mit der Intention ein, sich nicht an der Aktion aus Essen zu beteiligen. Man verfolge zwar die gleiche Zielrichtung, halte aber nichts von diesbezüglichen Unterschriftenaktionen. Die Irritation in Essen war groß. So groß, dass sich maßgebliche ADFC-Aktive zurückzogen. Zwar war der ADFC auch danach weiterhin in Essen präsent, bestand aber in den Folgejahren im wesentlichen nur auf dem Papier.

Wirklich eigenständig war die Essener Ortsgruppe ohnehin nicht, gehörte sie doch damals noch zum Bezirksverband Dortmund. So bekamen die Essener ADFCler eine Mitgliederzeitung, in der viel über Dortmund, aber so gut wie nichts aus Essen zu lesen war. Immerhin stiegen die Mitgliederzahlen. Gab es bei der Gründung der Ortsgruppe 1984 gerade einmal 22 eingeschriebene ADFCler in Essen, waren es 1992 immerhin schon 200 Mitglieder. Mittlerweile waren auch einige Neumitglieder zum Aktivenkreis gestoßen. Die ebenfalls 1992 im Zuge der Neustruk­ turierung des ADFC-Bundesverbandes erfolgte Auflösung der Bezirks­ verbände zum man schließlich zum Anlass, den ADFC in Essen nun endlich als offiziell eingetragenen Verband zu konstituieren. Am 6. November 1992 wurde der ADFC-Kreisverband Essen e.V. gegründet.

Die enge Zusammenarbeit mit der EFI blieb bis heute von alledem unberührt. Es gibt kaum Aktivitäten, die nicht gemeinsam durchgeführt werden. Allerdings hat sich die Gewichtung zwischen ADFC und EFI in den letzten Jahren gewandelt. Der heutige Aktivenkreis besteht im wesentlichen nur noch aus ADFC-Mitgiedern. In der Öffentlichkeit da­ gegen ist die Wahrnehmung bemerkenswerterweise immer noch eine andere. Möchte beispielsweise die Presse eine Stellungnahme zum Radverkehr in Essen bekommen, wird zuerst immer noch die EFI gefragt. Das spricht für deren jahrelange Präsens und den Bekanntheitsgrad, denn immerhin besteht die EFI seit 28 Jahren!

Nun hat aber auch der lange Zeit im Schatten der EFI stehende ADFC in Essen 20 Jahre auf dem Buckel. Inzwischen gibt es in Essen etwa 530 Mitglieder -- bundesweit sind es über 100.000. Auch in Zukunft wird die verkehrspolitische Arbeit ein wesentlicher Schwerpunkt des ADFC in Essen sein. Wie notwendig dies immer noch ist, zeigen die Probleme bei der Umsetzung des Hauptroutennetzes, der Wegweisung und dem aus all diesen Gründen drohenden Rauswurf der Stadt aus der Arbeitsge­ meinschaft "Fahrradfreundliche Städte und Gemeinden" (dazu an anderer Stelle mehr). Ob und in welcher Form es auch zukünftig noch an­ derweitige Aktivitäten geben wird, beispielsweise mehr Aktionen oder mehr Radtouren, hängt zum einen von der (nach wie vor steigerungs­ bedürftigen!) Zahl der Aktiven ab, zum anderen aber auch von der Bereitschaft, sich diesbezüglich einzubringen.

Ein wesentlicher Faktor beim Essener ADFC ist übrigens auch die Geschäftsstelle in der Maxstraße. Das "Verkehrs- und Umweltzentrum" (VUZ) ist Informationsstelle für alle am Fahrrad und Radverkehr Interessierten und dient gleichzeitig als Treffpunkt für die an jedem 1. und 3. Freitag im Monat stattfindenden Aktiventreffen. Und -- welch ein Zufall -- auch das VUZ feiert in diesem Jahr ein Jubiläum.

Über die Jubliläen des Verkehrs- und Umweltzentrums und des Arbeitskreises Radverkehr berichtet die RAD im Pott in den beiden nächsten Ausgaben.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Frühjahr 2004.
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