Visionen, Ziele und Projekte
Fahrradfreundliche Region Ruhrgebiet
Fahrradtourismus im Ruhrgebiet
Der Trend zum Fahrradurlaub ist ungebrochen und hat sich als
Freizeit-, Tourismus- und Wirtschaftsfaktor deutschland- und
europaweit etablieren können. An Flüssen entlang fahren, umgeben von
ursprünglicher Natur und den Blick durch erlebnisreiche Landschaften
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| Der Zollvereinweg in Essen |
streifen lassen ist das Ziel. Gleichzeitig am Wegesrand die eine oder
andere Sehenswürdigkeit besuchen, Schlösser und Herrenhäuser, Burgen
und Klöster, mittelalterliche Städte und ungewöhnliche Museen erkunden
-- so sieht Radwandern in klassischen Radreiseregionen aus.
Das Ruhrgebiet präsentiert sich beim Thema Fahrradtourismus von einer
für viele Radreisende oftmals unbekannten Seite und hebt sich dadurch
stärker von den sogenannten Klassikern ab. Die touristische
Profilierung des Ruhrgebiets durch die "Route der Industriekultur" und
den "Emscher Landschaftspark" hat die Freizeitfunktion der vorhandenen
radtouristischen Routen des Kommunalverbandes Ruhrgebiet (KVR)
erweitert: "Emscher Park Radweg" und "Rundkurs Ruhrgebiet" mit dem
integrierten Ruhrtalradweg werden zunehmend von Radreisenden
frequentiert, um die typische industrielle Kulturlandschaft des
Ruhrgebiets in all ihren Facetten zu entdecken.
Während das Fahrrad in den 20er und 30er Jahren noch das
Alltagsverkehrsmittel im Ruhrgebiet war, verlor es in der "autoge
rechten Stadt" mehr und mehr an Bedeutung. Noch heute kann man die
Folgen dieser Entwicklung überall "erfahren" und sehen -- die Zahl der
Radler und Radlerinnen, die ihr Fahrrad täglich einsetzen, ist immer
noch sehr gering.
Erst Mitte der 90er Jahre deutete sich vor allem im Freizeitsektor ein
neuer Fahrradboom an. Mit neuen Fahrradtypen und Zubehör wurde das
Fahrradfahren "attraktiv" gemacht und wiederentdeckt. Und auch in
vielen Städten gelang ein Umdenken. Mit dem Landesprogramm "Fahr
radfreundliche Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen" setzte
auch die Landesregierung NRW neue Akzente.
Der KVR -- Dienstleister für die Fahrradregion Ruhrgebiet
Das Thema Radverkehr ist ein traditionelles Aufgabenfeld des
Kommunalverbandes Ruhrgebiet (KVR). Das Angebot an fahrradbezogenen
Dienstleistungen für das Ruhrgebiet ist in den letzten Jahren
kontinuierlich gestiegen. Dazu gehören die Herstellung und Herausgebe
von Radwanderkarten, Entwicklung von Radverkehrskonzepten und die
Planung und Realisierung von lokalen und regionalen Radwanderstrecken.
Die ersten Radwanderkarten wurden 1983 für die Kreise Wesel, Unna und
Recklinghausen entwikkelt. Mitte der 80er Jahre entstand dann der
"Rundkurs Ruhrgebiet". Dieser 350 Kilometer lange Rundkurs hat der
Freizeitsektor Fahrradfahren im Ruhrgebiet bereits deutlich
attraktiver gemacht.
Mit der Planung und Realisierung des "Emscher Park Radweges" setzte
der KVR Mitte der 90er Jahre neue Qualitätsmaßstäbe im Radwegebau im
Ruhrgebiet und selbst darüber hinaus. Ehemalige Eisenbahntrassen
wurden zu komfortablen 3,50 m breiten Radwegen ausgebaut und
miteinander vernetzt. Viele Radwege-Highlights, wie zum Beispiel die
"Erzbahntrasse" von der Bochumer Jahrhunderthalle bis zum
Rhein-Herne-Kanal, die "Gruga-Bahn" von der Ruhr in Rellinghausen bis
nach Mülheim oder die "HOAG-Bahn" stehen noch vor der Fertigstellung.
Vor dem Hintergrund fehlender kommunaler Mittel für Pflege und
Unterhaltung vieler Radwege übernimmt der KVR auch hier zukünftig mehr
regionale Verantwortung. Mit der Übernahme der Trägerschaft für den
"Emscher Park Radweg" sind erste Zeichen gesetzt worden. Der
Kommunalverband Ruhrgebiet wird die fahrradtouristische Infrastruktur im
Ruhrgebiet und speziell die des Radtouristischen Netzes in den
kommenden Jahren kontinuierlich ausbauen.
2010 -- Ziele und Projekte
Route der Industriekultur per Rad
Das ca. 700 km lange Radtouristische Netz der "Route der
Industriekultur per Rad" verbindet die beiden vorhandenen radtouris
tischen Routen des Ruhrgebiets, den "Emscher Park Radweg" und den
"Rundkurs Ruhrgebiet" -- ergänzt um einige ausgewählte R-Wege -- zu
einem regionalen Wegesystem, das die wichtigsten industriellen
Standorte des größten Ballungsraums Europas verbindet. Highlights der
Industriekultur wie beispielsweise das Weltkulturerbe Zollverein in
Essen, der ungewöhnlichste Aussichtspunkt der Region, der Tetraeder in
Bottrop oder der Landschaftspark Duisburg-Nord sind nur einige
Attraktionen, welche direkt am Weg liegen.
Im Rahmen der landesweiten Radwegebeschilderung (Radverkehrsnetz NRW)
wird der KVR das komplette Radtouristische Netz teilweise neu
definieren und bis Ende 2005 mit neuen Logos ausschildern.
Emscher Park Radweg
Die Wegeinfrastruktur des "Emscher Park Radweges" (EPR) wird durch
"KVR Ruhr Grün" weiter ausgebaut. Der EPR ist die Haupterschließung
des Radtouristischen Netzes "Route der Industriekultur per Rad". Mit
der Übernahme der Trägerschaft für den EPR durch "KVR Ruhr Grün" wird
ein wichtiger Baustein zur Pflege der Infrastruktur des "Emscher
Landschaftsparks" umgesetzt. Die Trägerschaft umfasst neben der Pflege
und Unterhaltung bestimmter Wegeabschnitte auch das zentrale Routen-
und Qualitätsmanagement für den ganzen EPR mit regelmäßigen
Streckenkontrollen. Hierzu hat "KVR Ruhr Grün" ein Patenschaftskonzept
entwickelt, dass eine regelmäßige Befahrung des EPR durch Radwegepaten
vorsieht.
In einer lokal und regional angelegten Presseaktion wurden im Februar
2003 Interessierte aufgerufen, sich um solche Patenschaften zu
bewerben. Die Resonanz in der Öffentlichkeit war überwältigend. Mehr
als 250 Bürgerinnen und Bürger sind dem Aufruf gefolgt und haben sich
beworben. Aus der Vielzahl der Bewerbungen wurden die zukünftigen Rad
wegepatenschaften per Losvefahren ermittelt. Zwei Schulen, die sich
durch aktive Fahrrad-Arbeitsgemeinschaften auszeichnen, wurden außer
Konkurrenz einbezogen.
Die eingeführte Wegekontrolle über die Radwegepaten hat sich bewährt,
erste positive Auswirkungen sind bereits festzustellen. Sie haben ca.
1800 km auf dem EPR zurückgelegt und sehr gewissenhaft Mängel und
Unstimmigkeiten notiert. Die Behebung der Mängel erfolgte je nach
Zuständigkeit noch durch die Kommunen oder durch "KVR Ruhr Grün".
Die Präsens der Radwegepaten hat auf alle Beteiligten des EPR einen
gewissen "positiven" Druck ausgelöst und den EPR wieder ein wenig mehr
in den Blickwinkel gerückt. Aufgrund der positiven Erfahrungen mit den
Radwegepaten werden sie ihre Tätigkeit im April 2004 wieder aufnehmen.
Es ist geplant, das Patenschaftskonzept auf das ganze radtouristische
Konzept auszuweiten.
"revier rad"
"revier rad" ist ein Projekt des KVR und der Paritätischen Initiative
für Arbeit e.V. (PIA) in Mülheim zur service-orientierten
Radvermietung. Als Infrastruktur für den "Emscher Landschaftspark" und
für die "Route der Industriekultur per Rad" hat sie sich zu einem
Markenzeichen der Region entwickelt. Über 6000 Vermietungsvorgänge im
Jahr 2003 zeigen deutlich, dass für ein hochwertiges Mietradsystem ein
Markt vorhanden ist. "revier rad" startet mit 240 Rädern und einer
weiteren neuen Station (Maritim Hotel in Gelsenkirchen) in die
Radsaison 2004. Mittlerweile kann das leuchtend-orange Mietrad an 12
Stationen ausgeliehen werden. Das "revier rad"-Angebot umfasst Ser
viceleistungen rund um das Fahrradfahren sowie Fahrradverleih von der
Information bis zur Buchung, vom Gepäcktransport bis zur Pannenhilfe.
Im Verleih sind neben City- und Trekkingrädern auch Kinderräder sowie
Trailerbikes, fünf Tandems und drei Liegeräder.
Das "revier rad" soll als Markenzeichen der Fahrradregion Ruhrgebiet
weiterentwickelt werden -- "revier rad" als die zentrale
Informationsstelle für den Radtourismus im Ruhrgebiet. Ein Ausbau bis
zum kompletten Tourenservice (Tourenangebote, Übernachtung, Gepäck
transport, Pannenservice für Radler) ist in Arbeit. Erste positive
Auswirkungen sind bereits erkennbar.
Aktuelle Radwegeprojekte
Die Erzbahntrasse
Im April 2003 wird der südliche Teilabschnitt der Erzbahntrasse von
der Bochumer Jahrhunderthalle bis zum Kabeisemannsweg offiziell
eröffnet werden. Der ca. 2,5 km lange Abschnitt umfasst zwei
Neubaubrücken sowie die Sanierung von zwei weiteren Brückenbauwerken.
Eine Brücke wird noch saniert, steht aber für die Radwegebenutzung
bereits zur Verfügung. Insbesondere die Brücke über die Gahlensche
Straße, die vom Architekturbüro Prof. Schaich aus Stuttgart geplant
wurde, findet große Zustimmung in der Bevölkerung und auch Beachtung
in Fachkreisen. Bis Ende 2004 wird der Übergang von der Erzbahntrasse
auf die Kray-Wanner-Bahn realisiert und damit eine kreuzungsfreie
Fahrt von der Jahrhunderthalle bis zum Weltkulturerbe Zollverein
ermöglicht! Bis Ende 2006 ist die Fertigstellung der Erzbahntrasse bis
zur Wilhelmstraße in Gelsenkirchen geplant -- der Grimberghafen bzw.
der Rhein-Herne-Kanal werden frühestens 2008 erreichbar sein.
Die Grugabahn
Von Essen-Rüttenscheid bis nach Mülheim-Heißen zieht sich das Band der
ehemaligen Bahntrasse über mehr als 4 Kilometer. Es handelt sich um
die Verlängerung der 1998 von der Stadt Essen fertiggestellten
Radroute vom Ruhrtal bis zur Grugahalle. Im Jahr 2003 wurde nach
Abschluss der Planungsphase mit dem Freischnitt der Trasse und dem
vorbereitenden Wegebau begonnen. Der Abschluss der ersten
Brückensanierungsarbeiten steht unmittelbar bevor. Für das Jahr 2004
ist die Fertigstellung der Gesamtmaßnahme geplant.
Die HOAG-Bahn
Die HOAG-Bahn verläuft über fast 10 Kilometer von Oberhausen-Sterkrade
bis nach Duisburg-Fahrn und wird langfristig eine Verbindung zwischen
dem Grünen
Pfad und dem Rundkurs Ruhrgebiet herstellen. Die Planungsphase wurde
im wesentlichen im Jahr 2003 abgeschlossen. Mit der Fertigstellung der
Radtrasse ist voraussichtlich Ende 2005 zu rechnen.
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| Die HOAG-Bahn zwischen Oberhausen und Duisburg |
Der Ruhrtalweg
Der Ruhrtal-Radweg "Quelle-Mündung" ist ein Gemeinschaftsprojekt der
Ruhr-Tourismus GmbH (RTG), des Hochsauerlandkreises und des KVR. Ziel
ist die Vermarktung ab 2005 als überregionale radtouristische Route
und die entsprechende Verbesserung der Infrastruktur.
Eine vom KVR erstellte Machbarkeitsstudie hat ergeben, dass die
Wegeinfrastruktur in hoher Qualität weitgehend vorhanden ist und die
touristischen Potentiale sehr gut sind. Allerdings müssen an
bestimmten Teilabschnitten und Problempunkten in den kommenden Jahren
infrastrukturelle Verbesserungen umgesetzt werden, um eine
durchgängige und qualitätsvolle Befahrung für ein breites
Zielgruppenspektrum zu ermöglichen. Da der Ruhrtalweg weitgehend
identisch mit weiten Teilen des "Rundkurses Ruhrgebiet"
verläuft, sind hier zusätzliche Impulse für das Radtouristische Netz
möglich. Zugleich wird das Ruhrgebiet mit der Tourismusregion
Hochsauerland vernetzt.
Radverkehrsnetz NRW
Mit dem "Radverkehrsnetz NRW" realisiert das Land Nordrhein-Westfalen
erstmalig ein landesweites und flächendeckendes Radverkehrsnetz für
den Alltags- und Freizeitverkehr verbunden mit einem einheitlichen
Wegweisungssystem. Die Umsetzung der landesweiten Ausschilderung im
Ruhrgebiet erfolgt schrittweise seit 2002. Einige Städte und Gemeinden
in der Region verfügen bereits über die zukunftsweisende Radwegebe
schilderung.
Das radtouristische Netz "Route der Industriekultur per Rad" wird vom
Kommunalverband Ruhrgebiet in den nächsten zwei Jahren mit neuen
Wegweisern und Logos komplett neu beschildert. Zur Zeit wird das
Beschilderungskonzept ausgearbeitet und mit den kommunalen Konzepten
abgestimmt. In der Übergangszeit kann es durchaus dazu kommen, dass
bisherige Schilderpfosten und Wegweiser im Radtouristischen Netz durch
die Neuausschilderung vorübergehend ersatzlos entfernt werden. Der KVR
wird versuchen, diese Übergangsprobleme so gering wie möglich zu
halten. Es wird empfohlen, verstärkt auf die Linienführungen in den
Radwegekarten und nicht nur auf die Ausschilderung vor Ort zu achten.
Durch die Neuausschilderung wird eine einheitliche und leicht
verständliche Wegweisung für die radtouristischen Ziele der "Routen
Industriekultur" und "Industrienatur" im Radtouristischen Netz
geschaffen, die dazu beiträgt, den bisherigen Schilderwald zu lichten
und den Radtourismus im Ruhrgebiet zu stärken.
Harald Spiering
Die Redaktion bedankt sich ganz herzlich bei dem Autor Harald Spiering
für diesen Artikel. Spiering ist Stadtplaner beim Kommunalverband
Ruhrgebiet/Ruhr Grün.
Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Frühjahr 2004.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de