Das Ruhrtal wird in den nächsten Jahren zum Hindernisparcours
Baustellen auf Radwegen und kein Ende
Das Thema Baustellen scheint für Essens Radler zum Dauerthema zu
werden. Zwar ist bei der bislang umfangreichsten Radwegesperrung
endlich ein Ende absehbar -- der Radweg entlang der Wuppertaler Straße
im Ruhrtal war bei Redaktionsschluss Mitte November zu zwei Dritteln
wieder befahrbar. Und auch das letzte Drittel soll bis zum Jahresende
fertiggestellt sein -- mit einer dreivierteljährigen Verspätung!
Aber gerade im Ruhrtal stehen in den kommenden Jahren noch wesentlich
einschneidendere Radwegesperrungen ins Haus. Hintergrund ist die
vollständige Erneuerung des Abwassersystems des Ruhrverbandes, im Zuge
derer im gesamten Ruhrtal neue große Abwasserrohre verlegt werden. Die
Baumaßnahme entlang der Wuppertaler Straße war nur ein Vorgeschmack
auf das, was da noch kommt. Die (bislang bekannten) Maßnahmen im
einzelnen:
- Noch bis vor wenigen Wochen war der Ruhrradwanderweg in Kettwig
östlich der Eisenbahnbrücke bis zum Ruderclub gesperrt. Hier gab
es immerhin eine adäquat ausgeschilderte Umleitung für Radler und
Fußgänger. Konkret aktiv ist der Ruhrverband derzeit in dem
Abschnitt südlich und nördlich der Kettwiger Ruhrbrücke, und zwar
zwischen der Kettwiger
Kläranlage und der Eisenbahnbrücke. Zunächst waren hier keine
Umleitungsschilder zu finden. Das soll sich ändern, so die Zusage des
Ruhrverbandes bei einem Gespräch Mitte Oktober. In der Tat hat man
sowohl am Anfang und Ende der Baustelle Schilder aufgestellt, die eine
Umfahrung durch die Kettwiger Altstadt aufzeigen. Hier findet man
ebenfalls Umleitungsschilder, bezeichnenderweise zum Teil durch eine
Einbahnstraße.
- 2004 wird dann der Abschnitt in Richtung Werden östlich von
Kettwig bis zum Kattenturm gesperrt. Hier soll ein provisorisch
asphaltierter Weg entlang der S-Bahn, der Kleingarten- sowie der
Tennisanlage als Umleitung eingerichtet werden. Kurvenradien usw.
sollen radfahrgerecht ausgegestaltet werden.
- 2004 wird es auch entlang des auf der Südseite des Baldeneysees
gelegenen Hardenbergufers Rohrverlegungsarbeiten geben. Da es sich
jedoch um wesentlich kleiner dimensionierte Rohre als in Kettwig
handelt, soll der Weg während der Bauphase nur in seiner Breite
eingeschränkt, ansonsten aber durchgängig passierbar bleiben.
- 2005 soll dann der Ruhrradwanderweg zwischen der Kläranlage in
Steele und der Zornigen Ameise in Rellinghausen vollständig
gesperrt werden. Geplant ist hier eine Umleitung über die West
falenstraße, deren uralter Radweg nach Ansicht von ADFC und EFI
zum einen vorher vollständig saniert, zum anderen während der
Umleitungsphase konsequent von parkenden Autos freigehalten werden
muss.
Wann die übrigen Radwanderwege entlang der Ruhr für die
Rohrverlegungen gesperrt werden, konnte der Ruhrverband bei dem
Gespräch noch nicht sagen. EFI und ADFC haben jedenfalls zugesagt, in
der RAD im Pott die jeweiligen Maßnahmen bekanntzugeben.
Fahrverbot für Radfahrer auf der Wittenbergstraße
Ein besonderen Fauxpas haben sich die Stadt Essen sowie die Baufirma
Epping am nördlichen Ende der Wittenbergstraße in Rüttenscheid
erlaubt. So sind hier seit Oktober nicht nur die Radfahrstreifen auf
beiden Seiten gesperrt, sondern man hat mit Verbotsschildern das
Radfahren auf der Wittenbergstraße in diesem Abschnitt gleich ganz
verboten. Grund sind Bauarbeiten auf dem Mittelstreifen, welche auf
die Fahrbahnflächen hinausragen. Damit der (Auto-) Verkehr hier auch
weiterhin fließen kann, wurden die Radfahrer kurzerhand ausgesperrt.
Mit dieser Maßnahme hat die Fahrradunfreundlichkeit in dieser Stadt
eine neue Dimension erreicht. Bislang wurden die Radler "lediglich"
mit dem bei Baufirmen beliebten und sich in den letzten Jahren
inflationär vermehrenden Schild "Radfahrer absteigen" konfrontiert.
Jetzt aber sperrt man gleich eine ganze Hauptradroute -- und das ohne
Umleitung! Dass es sich hierbei auch noch um einen Schulweg handelt,
macht die Angelegenheit nur noch pikanter.
Absicht oder Gedankenlosigkeit? Diese Frage stellt sich auch wenige
hundert Meter weiter westlich auf der Rüttenscheider Straße. Da wurde
wegen des Abrisses eines Hauses gleich der ganze Geh- und Radweg
gesperrt. Während die Fußgänger immerhin per Ampel auf die gegen
überliegende Straßenseite geleitet werden, bleiben die Radfahrer sich
selbst überlassen.
Im weiteren Verlauf der Rüttenscheider Straße wird derzeit ein neues
Gebäude errichtet. Hier ist "nur" der stark frequentierte Gehweg
gesperrt, so dass jetzt eine große Zahl von Fußgängern den ohnehin
bereits sehr schmalen Radweg bevölkert. Irgendwelche Absicherungen
sucht man hier vergeblich. Aber es passt in das Bild, welches die
Stadt Essen bezüglich ihres Umgangs mit den nichtmotorisierten Ver
kehrsteilnehmern abgibt.
J.B.
Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2003.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de