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RAD im Pott Winter 2003 Duisburg

Routen abseits der Hauptstraßen:

Einbahnstraßen in Duisburg

Sie planen eine vergnügliche Radtour? Zunächst wollen Sie raus aus diesem Moloch namens Stadt. Natürlich wollen Sie nicht die Hauptstraßen nutzen, über ruhige Nebenstraßen soll der Weg Sie ins Grüne führen. Gut so. Ihr erster Betrag zur Steigerung der Verkehrssicherheit. Die ruhigen Anlieger- und Erschließungsstraßen weisen eine deutlich geringe Unfalldichte auf. Also, fahren Sie mit dem Finger die empfohlenen Strecken auf dem ADFC-Fahrradstadtplan nach. Was sagen mir denn die vielen blauen Pfeile, die mir da entgegenkommen? Einbahnstraßen! Wäre ja auch zu schön gewesen.

Das muss nicht sein: Einbahnstraßen wurden für den Autoverkehr eingerichtet. Der Begegnungsverkehr war in einigen schmalen Straßen dem Kfz- Aufkommen nicht gewachsen. Bei der Regelung der Einbahnstraßen wurde, wie leider viel zu häufig, nicht an den Radfahrer gedacht. Es käme wohl niemand auf die Idee, dem Fußgänger die Laufrichtung auf einer Straße vorzuschreiben. Da der Radverkehr
Karikatur eines radfahrenden Geistes, der gegen die Einbahnstraße unterwegs ist und einen Autofahrer erschreckt.
Zeitungskarikatur (Quelle unbekannt)
ähnlich empfindlich auf Umwege reagiert, sollten die Einbahnstraßen auch für den Radfahrer in beide Richtungen passierbar sein. Dies ermöglicht eine Wegeplanung durch unsere Stadt, die sich an den ruhigen und damit sichern Nebenstraßen orientiert. Dem Anlieger erspart es Umwege, oder das lästige Schieben des Rades.

Die meisten Einbahnstraßen in Duisburg erfüllen die Kriterien der "neuen" StVO.

Seit 1997 kann die Stadt Duisburg Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung freigeben. Laut städtischer Liste sind bis heute 22 Einbahnstraßen in Duisburg geöffnet worden; einige schon weit vor 1997. Auch damals gab es Möglichkeiten dies zu tun, wenn auch nur sehr aufwändig und teuer. 150 Einbahnstraßen gibt es nach Schätzungen. Durch die Änderung der Straßenverkehrsordnung gibt es die Möglichkeit, lediglich durch eine Beschilderung gegengerichteten Radverkehr zu­ zulassen.

Viele Städte haben dies getan. Und sie haben sehr gute Erfahrungen damit. In der Stadt Mülheim werden diese Einbahnstraßen bewusst eingesetzt, um Alternativen zu den unfallträchtigen Hauptverkehrsstraßen anzubieten. Oberhausen hat innerhalb kurzer Zeit 70 von rund 140 Einbahnstraßen für den gegengerichteten Radverkehr freigegeben. Und es sollen noch mehr werden. In anderen Städten wie z.b. Brühl oder Aachen wurden flächendeckend (fast) alle Einbahnstraßen für den Radverkehr geöffnet. Warum ist man in Duisburg wieder so zurückhaltend?

Die Entwicklung bei der Verkehrsführung des Radverkehrs ist weitergegangen und Duisburg scheint den anschluss verpasst zu haben. Die Stadt ist immer noch stolz auf ihre "vielen" Kilometer Radwege. Wege, bei denen die Stadt mit dem Unterhalt nicht nachkommt; Radwege mit ungesichertem Ende; Radwege, die mit Blick auf die Qualität und Führung bestenfalls ein "Ausreichend" verdient haben; Radwege, die sich an den Hauptverkehrsstraßen orientieren, dort, wo sich die meisten Unfälle ereignen. Radwege die, die geforderten Mindestanförderungen häufig nicht erreichen, und trotzdem als benutzungspflichtig gekennzeichnet werden. In anderen Städten wird die Fahrradförderung ganzheitlich gesehen. Da gehört die Imagewerbung für das Fahrrad genauso dazu, wie auch eine direkte Erreichbarkeit des jeweiligen Zieles.

Es gibt preiswerte Möglichkeiten den Radverkehr zu fördern.

Die Führung des Radverkehrs auf den Nebenstraßen, die Ausschilderung der Alternativrouten, Fahrbahnmarkierung, Einrichtung von Fahrradstraßen, die Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung. Dies sind Beispiele für eine erfolgreiche und preiswerte Förderung des Radverkehrs, nur leider kaum in Duisburg. Das viel zitierte Veloroutenkonzept bleibt in der Schublade. Schon bei der Beschlusslage der "Pilotrouten" hat der ADFC eingewandt, dass es sich hier nur um die Verschleppung des Themas handelt.

Einen neuen Anlauf hat nun die Arbeitsgruppe Verkehr im ADFC gemacht. Als ersten Schritt sollen die Einbahnstraßen im Stadtgebiet flächendeckend für den Radverkehr in Gegenrichtung freigegeben werden. Insbesondere bei der Diskussion mit Autofahren kommt sofort der Ein­ wand: "Das ist doch viel zu gefährlich!" Aber kaum eine Regeländerung in der Straßenverkehrsordnung ist so intensiv untersucht worden. In der Erprobungsfase (1997-2000) mussten der Bundesanstalt für Straßenwesen alle Unfälle gemeldet werden. Diese wurden analysiert und vertiefende Untersuchungen durchgeführt. Das Urteil der Bundesanstalt: "Eine Öffnung der Einbahnstraßen nach den Bestimmungen der StVO lässt weder in bezug auf die Zahl der Unfälle noch die Unfallschwere negative Auswirkungen erkennen. Tendenziell lassen die Ergebnisse unter Heranziehung anderer Untersuchungen sogar einen Sicherheitsgewinn erwarten".

Der zu erwartende Sicherheitsgewinn ergibt sich aus mehreren Faktoren. Einmal reduziert sich die Geschwindigkeit in den betroffenen Straßen. Rund 7 km/h sink die Geschwindigkeit des Kfz-Verkehrs. Autofahrer und entgegenkommende Radfahrer haben stets besseren Sichtkontakt Die Möglichkeit einer Kollision wird besser eingeschätzt als beim Überholen. Auch die Fußgänger können aufatmen. Die Radfahrer, die bisher die Einbahnstraße über den Bürgersteig befahren und dort die Anwohner gefährden, werden weniger. Und natürlich ist eine Anliegerstraße ungefährlicher als eine Hauptverkehrsstraße zu befahren.

Auf Einladung der Arbeitsgruppe Verkehr des ADFC Duisburg waren die Bezirksvertreter aus Rheinhausen, Homberg, Ruhrort und Baerl zu einer ersten Informationsveranstaltung gekommen. Das vorgestellte Thema fand bei den anwesenden Bezirksvertretern große Zustimmung. Angesichts des
Foto einer für Radfahrer freigegebenen Einbahnstraße
hohen Radverkehrsanteil in den o.g. Bezirken, ist der Wille etwas für den Fahrradfahrer und die Verkehrssicherheit zu tun, sehr hoch. Das bei einer solchen Maßnahme kaum Kosten anfallen, beruhigt auch den sparsamsten Politiker. Rund 50 Einbahnstraßen sind es, die die Aktiven der Arbeitgruppe auf ihre Tauglichkeit kontrolliert haben. Wenn es gut läuft haben die Radfahrer in Rheinhasen, Homberg und, Ruhrort bald 50 Hindernisse weniger. Zur Zeit befinden sich die Fraktionen in der Diskussion. Wohlwollen und klare Zustimmung wurde während der Veranstaltung deutlich. Wir rechnen daher mit einer baldigen Umsetzung. Damit bei der nächsten Tourenplanung keine Einbahnstraße mehr unnötog stört. Die Fortsetzung für den Norden und Mitte/Süd wird folgen.

HH


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2003.
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