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RAD im Pott Winter 2003 Im Pott

Neue Broschüre zum Thema Fahrradabstellanlagen

Und wo steht Ihr Fahrrad ?

Die verkehrspolitische Neuerung der rot-grünen Landesregierung kam unauffällig verpackt im Absatz II des § 51 der Landesbauordnung daher. Hinsichtlich der Anlage von Fahrradabstellplätzen besagt dabei Satz 1, dass bei der Einrichtung von Gebäuden jeglicher Art Stellplätze oder Garagen erstellt werden müssen. § 51 der Landesbauordnung löste übrigens die aus den 30er Jahren stammende Reichsgaragenordnung ab, deren einziges Ziel es war, die Autoindustrie zu fördern.

Noch bis Juli 2000 ermächtigte die Landesbauordnung Städte und Kreise, eigene Satzungen zur Regelung der Fahrrad-Stellplatzfrage zu erlassen. Doch nur die drei Städte Münster, Marl und Troisdorf erließen Fahrrad-Stellplatzsatzungen. Die übrigen Städte blieben allesamt untätig.

Nun folgte Nordrhein-Westfalen dem Vorbild anderer Länder und setzte in der Bauordnung die Gleichberechtigung von Fahrrad und Auto allgemeingültig durch. Auch wurde die Stellplatzforderung an dem "zu erwartenden Bedarf" gekoppelt. Damit können nun Bauordnungsämter anhand des lokalen Modal-Split -- das ist der Anteil der einzelnen Verkehrsträger am Verkehrsgeschehen -- zugrunde legen. Betroffen von der neuen Regelung sind grundsätzlich alle Neubauten sowie grundlegende Renovierungen von Altbauten. Das gilt für Mehrfamilienhäuser wie für Gewerbebetriebe. Schließlich müssen auch Sparkassen, Schwimmbäder, Einkaufszentren und Gaststätten mit Kunden rechnen, die mit dem Fahrrad kommen. Hier könnte auch so manche Gemeinde Geld sparen, da nun die jeweiligen Bauträger selbst für die Aufstellung von Fahrradabstellanlagen sorgen müssen.

Im § 49 der Landesbauordnung findet sich zur Ausführung der Fahrradabstellanlagen die Aussage, dass Abstellräume für Kinderwagen und Fahrräder entweder im Erdgeschoss oder in einem mittels Aufzug zugänglichen Keller liegen müssen. Das bedeutet, dass das Tragen eines Fahrrads über die Kellertreppe nicht hingenommen werden muss. Akzeptabel wären allenfalls Rampen, die auch für Rollstuhlfahrer überwindbar sind. Doch Vorsicht -- abschließbare Abstellräume können allenfalls nur für Bewohner oder Beschäftigte in Frage kommen. Kunden und Besucher benötigen öffentlich zugängliche Stellplätze, am besten in der Nähe des Eingangs.

Leider gibt es in der Landesbauordnung keine Vorgaben an die Qualität der jeweiligen Abstellanlage. Hier sind Architekt und Bauherr gefordert. Kurzfristige Entscheidungen zugunsten minderwertiger Abstellanlagen aufgrund des Preises sollten gar nicht erst in Betracht gezogen werden. Derartige Radständer -- in Radlerkreisen Felgenkiller genannt -- werden, wie im Alltag häufig zu beobachten ist, nicht angenommen. Sichere Anlehnbügel, die auch einem vollbepackten Rad noch sicheren Halt bieten und zudem noch ein diebstahlsicheres Anschließen von Rahmen und Laufrad ermöglichen, werden dagegen von Radlern bevorzugt genutzt.

Zahnloser Tiger?

Doch was so trocken und unhandlich in einem Gesetz daherkommt, findet in der Praxis bei Architekten und der Bauaufsicht leider noch zu wenig Beachtung. So wird die Frage nach Fahrradabstellanlagen in den meisten Bauanträgen mit dem Eintrag "Handelsübliches" erledigt. Hier greift die neue Broschüre der "Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundliche Städte und Gemeinden" (AGFS) ein. Sie vermittelt Vorgaben und zeigt, wie Ab­ stellanlagen richtig gestaltet werden. Anschaulich und reich bebildert stellt sie das nötige Fachwissen dar. Es wird auf die unterschiedli­ chen Nutzungsarten und Einsatzzwecke hingewiesen. Der optimale "Fahrradkeller" wird genauso vorgestellt wie die sichere Außenanlage für kurz parkende Radler. Auch werden sinnvolle Tipps verraten. So gehört beispielsweise in einen Fahrradkeller eine (Stand-) Luftpumpe, auch sollte Platz zum Trocknen der Regenkleidung mit berücksichtigt werden. Für Stadtplaner gibt es ein Extrablatt, das bei der Berechnung der benötigten Abstellplätze am jeweiligen Ort behilflich ist.

In Neubaugebieten darf somit auf Besserung gehofft werden. Aber was machen die Radler im "real existierenden" Wohnungsbestand?

Das Hamburger Modell

Ein interessantes Modell für die Bewohner bestehender Mehrfamilienhäuser oder Altbauwohnungen mit ihren meist sehr steilen Kellertreppen ist das "Hamburger Fahrradhäuschen".

Dieses bietet Platz z.B. für bis zu zwölf Fahrräder, die mit einer komfortablen Hebemechanik in ihre vertikalen Position gebracht werden. Reicht der Platz auf dem Baugrundstück nicht aus, was in innerstädtischen Bereichen häufig der Fall sein dürfte, sollte versucht werden, von der Kommune die Erlaubnis zur Nutzung einer geeigneten Fläche im öffentlichen Straßenraum zu bekommen -- eine Sondernutzungsgenehmigung. Derartig im öffentlichen Raum platzierte Fahrradhäuschen können auch gut von Bewohnern mehrerer Häuser genutzt werden.

Radverkehrsförderung fängt vor der Haustür an

Das Auto vor der Haustüre gilt als selbstverständlich. Das zwölf Fahrräder auf dem Stellplatz eines einzigen Autos sicher untergebracht werden können erscheint dagegen ungewohnt. Mehr noch -- diese Art der Stadtmöblierung wird sogar als störend empfunden. Anfragen des ADFC Duisburg an die zuständigen Ämter förderten entsprechende Reaktionen zutage.

In Hamburg waren es dagegen die Bezirke mit ihrem besonders hoch verdichteten
Foto eines kleinen Fahrradparkhauses in der Straße
Wer gerne ein Fahrradparkhaus vor der Türe haben möchte, melde sich beim ADFC Duisburg ( Tel. und Anschrift s. S. 46).
Altbaubestand, in welchem sich diese Idee durchgesetzt hat. Das größte Hindernis für die Fahrradnutzung waren hier fehlende Keller, zu steile Treppen, und dies zumeist in Kombination mit einer hohen Diebstahlrate. In Dortmund initiierte der VCD zusammen mit einer Nutzergemeinschaft die Aufstellung eines Fahrradparkhauses. Wohnungsverwaltungen und Baugesellschaften griffen die Idee auf. Sie wollten das Problem der im Hausflur abgestellten Fahrräder beseitigen. Schließlich verbieten die feuerpolizeilichen Bestimmungen das Zustellen der Fluchtwege. Auch senkten sich die Renovierungskosten, nachdem die Fahrräder nicht mehr durch enge Flure usw. bugsiert werden mussten. Im studentischen Umfeld gelten ebenerdige Fahrradab­ stellplätze als Steigerung des Wohnkomforts, entsprechende Wohnungen lassen sich leichter vermieten.

Nutzergruppen bilden

Eine zentrale Frage ist der Nachweis des Bedarfs. So wird in Dortmund kein Häuschen beantragt, für das nicht zwölf Nutzer nachgewiesen sind. Denn nichts gefährdet die Idee mehr als leere und verwahrloste Exemplare. Erforderlich ist daher auch ein Verantwortlicher, der die Schlüssel verwaltet und nach dem Rechten sieht. Jeder Nutzer kauft sich in "sein" Fahrradparkhaus ein. Bei einem Wohnungswechsel wird der Stellplatz nach Möglichkeit an den neuen Mieter der Wohnung verkauft. Häufig gibt es aber bereits eine lange Warteliste in der Nach­ barschaft. Durch die zwölf Nutzer, die zumeist in der unmittelbaren Nähe des Häuschens wohnen, ist auch ein hohes Maß an Sozialkontrolle gewährleistet. Diebstahl, Vandalismus und selbst Graffiti sind an den Außenwänden eher selten.

Der ADFC in Duisburg möchte die Idee des Dortmunder VCD aufgreifen und sucht erste Interessenten für derartige Parkhäuser. Zunächst sollten erste Gespräche mit Nachbarn erfolgen, die ebenfalls einen Fahrradab­ stellplatz suchen. Privatgrundstücke sollten hierbei Vorrang haben, denn nur in absoluten Ausnahmefällen hat in der hiesigen Region eine Sondernutzungserlaubnis eine Chance. Erste Anfragen beim Vermieter oder der Wohnungsverwaltung kann deren Interesse wecken. Bei der Koordinierung und bei weiteren Fragen hilft der ADFC Duisburg ( href=http://www.adfc-nrw.de/duisburg Adresse siehe Seite 46).

H.H.


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Dieser Artikel erschien in der RAD im Pott Winter 2003.
Für Nachfragen, Kommentare: RadImPott@freenet.de